{"id":1666,"date":"2006-11-15T14:11:16","date_gmt":"2006-11-15T13:11:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2006\/11\/bobs-hintergrunde.htm"},"modified":"2008-11-10T10:47:09","modified_gmt":"2008-11-10T09:47:09","slug":"bobs-hintergrunde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2006\/11\/bobs-hintergrunde.htm","title":{"rendered":"BoBs &#8211; Hintergr\u00fcnde"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" id=\"image1668\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/jury_meeting.jpg\" alt=\"jury_meeting.jpg\" \/><\/p>\n<p>Der gr\u00f6\u00dfte Gewinn, den ich aus den BoBs-Awards der Deutschen Welle gezogen habe, war der Einblick ins Weltbloggertum. Damit wir alle bei der Auszeichnung nationaler Weblogs mitreden konnten, mussten die Jurymitglieder nat\u00fcrlich recht ausf\u00fchrlich erkl\u00e4ren und pr\u00e4sentieren. Und schon da war es ein Fest, die verschiedenen Blogkulturen der Sprachen kennen zu lernen.<\/p>\n<p>In blogaktiveren L\u00e4ndern als Deutschland haben sich zum Beispiel offensichtlich viel mehr Genres etabliert. Wenn <a href=\"http:\/\/anti.blog-city.com\/\" target=_new>Michael<\/a> \u00fcber die sp\u00e4tere <a href=\"http:\/\/blog.sina.com.cn\/m\/shuweicao\" target=_new>chinesische Award-Gewinnerin<\/a> sagt: \u201eFirst I though it was just another hospital blog\u201c, wird klar, dass Bloggen aus dem Krankenhaus, das bloggende Verarbeiten schwerer Krankheiten, bereits ein Blog-Genre geworden ist.<\/p>\n<p>In Spanien wiederum ist das Bloggen stark journalistisch und akademisch gepr\u00e4gt; wundert mich nicht, auch hinter der zeitgen\u00f6ssischen spanischen Literatur stehen auffallend viele Journalisten \/ Dozenten \/ Ex-Journalisten.<\/p>\n<p>Von Anfang an wurde in den Diskussionen der Jury klar, dass es bei den BoBs in erster Linie um den Inhalt der Blogs gehen w\u00fcrde \u2013 inklusive Gesamtidee \u2013, um die Einzigartigkeit (ist das eine <i>unique voice<\/i>?) und um die Qualit\u00e4t der sprachlichen und fachlichen Pr\u00e4sentation. Wir waren uns einig, dass darin die Errungenschaft des Internet-Publizierens besteht: Jeder hat eine Stimme.<\/p>\n<p>Sehr ermutigend fand ich die Reaktion der anderen Jurymitglieder auf meine Pr\u00e4sentation der deutschen Nominierungen: Sie waren sichtlich beeindruckt, je tiefer ich ihnen die Inhalte und das Profil der Kandidaten erkl\u00e4rte. Auch in der deutschen Bloggerei gibt es Qualit\u00e4t, die sich auf internationalem Parkett sehen lassen kann. (Und ich plaudere sicher keine Interna aus, wenn ich verrate, wie sehr die Jury \u00fcber Lisa Neuns Zeichnungen lachte \u2013 <a href=\"http:\/\/www.lisaneun.com\/l9log\/2006_11_05.html#001091\" target=_new>das hier war ein echter Renner<\/a> \u2013 und dass sie immer noch mehr sehen wollte. Die holl\u00e4ndische Kollegin Marie-Jos\u00e9 hat eine gleich <a href=\"http:\/\/weblogs.nrc.nl\/weblog\/klaver\/2006\/11\/10\/best-of-blogs-in-berlijn-2\/\" target=_new>in ihrem Blog zitiert<\/a>.)<\/p>\n<p>Der franz\u00f6sische Blogaward ging an einen au\u00dfergew\u00f6hnlichen \u00d6ko-Aktivisten, n\u00e4mlich an ein Blog, <a href=\"http:\/\/www.loup-ours-berger.org\/\" target=_new>das die Auswilderung von B\u00e4ren und W\u00f6lfen in den Pyrenn\u00e4en behandelt<\/a>. Anscheinend kloppen sich Bef\u00fcrworter und Gegner dieser Aktion in Frankreich aufs F\u00fcrchterlichste und sammeln sich hier online. Lustig an der Pr\u00e4sentation durch <a href=\"http:\/\/gklein.blog.lemonde.fr\/\" target=_new>Gilles <\/a>war, dass er das Englische <i>bear<\/i> hartn\u00e4ckig wie <i>beer<\/i> aussprach und wir zun\u00e4chst von einem Partyblog ausgingen.<\/p>\n<p>Nebendiskussion immer wieder: Wie sehr sollte ins Gewicht fallen, ob ein Blogger f\u00fcrs Bloggen bezahlt wird oder nicht. Da dieses Thema wohl bereits in den vergangenen beiden Jahren zu Problemen gef\u00fchrt hatte, wollte die Deutsche Welle diesmal mit einer eigenen Kategorie \u201eCorporate Blog\u201c die bezahlten Blogger einsammeln. Doch zum einen wurde das beim Nominieren nicht so verstanden, zum anderen tauchten Berufsblogger trotzdem in den anderen Kategorien auf. Knackpunkt der Diskussion: Ist die Unabh\u00e4gigkeit der gesuchten <i>unique voice<\/i> gew\u00e4hrleistet, wenn jemand f\u00fcrs Bloggen bezahlt wird (weil das zum Beispiel Teil ihres Redakteursjobs bei einem Printmedium oder beim Fernsehen ist)? Wir sind zu keiner endg\u00fcltigen Antwort gekommen, die Organisatoren von der Deutschen Welle haben sich aber als Hausaufgaben mitgenommen, dies in der n\u00e4chsten Wettbewerbsrunde zu thematisieren.<\/p>\n<p>Eine wundervolle Entdeckung war f\u00fcr mich <a href=\"http:\/\/apocalipsemotorizado.blogspot.com\/\" target=_new>der Gewinner aus Brasilien<\/a>: Ein Radler, der in Wort und Bild gegen die Dominanz der Autos in brasilianischen Gro\u00dfst\u00e4dten anschreibt, einfach herrlich.<\/p>\n<p>Die Vorstellung der Nominierungen f\u00fcr den Blogwurst Award verlief erwartungsgem\u00e4\u00df heiter: So kam Michael beim Vor\u00fcbersetzen der Fotostories von \u201e<a href=\"http:\/\/blog.sina.com.cn\/m\/fczr\" target=_new>Unusual Real Man<\/a>\u201c aus dem Kichern gar nicht mehr heraus.<br \/>\nOder das \u201e<a href=\"http:\/\/manifestometro.blogspot.com\/\" target=_new>Manifest\u00f3metro<\/a>\u201c, das die Spanier vorschlugen: Drei Journalisten haben eine verl\u00e4ssliche Methode entwickelt, die tats\u00e4chliche Beteiligung an Demonstrationen herauszufinden, und zwar mit Hilfe von Google Earth und Fotos der Veranstaltung. <a href=\"http:\/\/www.ecuaderno.com\/\" target=_new>Jos\u00e9 Luis<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.escolar.net\/\" target=_new>Ignacio<\/a> versicherten, dass inzwischen praktisch alle Medien auf die Daten des Manifest\u00f3metro zur\u00fcckgreifen.<\/p>\n<p>An der Runde zum Best Corporate Blog blieb mir sehr die Aktion \u201e<a href=\"http:\/\/www.npr.org\/templates\/story\/story.php?storyId=4516989\" target=_new>Story Corps<\/a>\u201c des amerikanischen National Public Radio NPR h\u00e4ngen: Ein Aufnahmestudio f\u00e4hrt durchs Land und l\u00e4sst die Leute ihre Geschichte erz\u00e4hlen. Das Ergebnis kann man sich \u00fcber die Website anh\u00f6ren (b\u00f6te sich doch eigentlich auch f\u00fcr den Bayerischen Rundfunk an, nein?). Da schaue \/ h\u00f6re ich sicher k\u00fcnftig \u00f6fter rein. Das Blog dazu ist allerdings nichts Herausragendes.<\/p>\n<p>Unter den deutschen Blogs, die ich erst durch die Vorschl\u00e4ge kennen gelernt habe, sind ein paar sofort auf meiner Leseliste gelandet, unter anderem das <a href=\"http:\/\/psychologieblog.de\/\" target=_new>Psychologieblog<\/a>: Sachkundige und gut aufbereitete H\u00e4ppchen zu allen m\u00f6glichen Psychologie-Themen mit Links zum Weiterlesen. Zum Beispiel eine <a href=\"http:\/\/psychologieblog.de\/2006-11-13\/teufel-und-engel\/\" target=_new>Systematik innerer Konflikte<\/a> und worin sie eigentlich bestehen (gef\u00e4llt mir besonders, weil es mir Munition gegen die meiner Meinung nach nicht existente Unterscheidung Kopf- \/ Bauchentscheidung liefert. Was die Leute daf\u00fcr halten, sind einfach nur verschiedene Reflexionsgrade innerer Konflikte.)<\/p>\n<p>Insgesamt, und um die Relationen zu bewahren:<br \/>\n\u201eDie Mehrheit der Internet-User nimmt am Blog-Leben ohnehin nicht teil\u201c, schrieb Gero von Radow <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2006\/11\/C-Blogs?page=all\" target=_new>im M\u00e4rz dieses Jahres<\/a>, und in Deutschland hat sich das seither ganz sicher nicht ge\u00e4ndert. Nicht sicher bin ich mir allerdings, ob das so schlimm ist. Was ist gegen eine deutsche Blogwelt einzuwenden, die vom subjektiven <i>story telling<\/i> als vielschichtiger Wissensvermittlung gepr\u00e4gt ist? \u00dcber die menschliche und emotionale Schiene fahren wir dem gegenseitigen Verst\u00e4ndnis und damit dem Weltfrieden leichter entgegen als mit reinem Faktensammeln \u00fcbereinander.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der gr\u00f6\u00dfte Gewinn, den ich aus den BoBs-Awards der Deutschen Welle gezogen habe, war der Einblick ins Weltbloggertum. Damit wir alle bei der Auszeichnung nationaler Weblogs mitreden konnten, mussten die Jurymitglieder nat\u00fcrlich recht ausf\u00fchrlich erkl\u00e4ren und pr\u00e4sentieren. Und schon da war es ein Fest, die verschiedenen Blogkulturen der Sprachen kennen zu lernen. 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