{"id":171,"date":"2003-12-18T09:30:19","date_gmt":"2003-12-18T08:30:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2003\/12\/ehrlich-waehrt-am-laengsten.htm"},"modified":"2008-02-18T06:33:55","modified_gmt":"2008-02-18T05:33:55","slug":"ehrlich-waehrt-am-laengsten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2003\/12\/ehrlich-waehrt-am-laengsten.htm","title":{"rendered":"Ehrlich w\u00e4hrt am l\u00e4ngsten?"},"content":{"rendered":"<p>Mag schon sein &#8211; wenn man endlich bei \u201eehrlich\u201c angekommen ist. Doch das ist nicht so einfach.<\/p>\n<p>Sucht man nach Tipps, den Staat &#8211; also die gesamte Bev\u00f6lkerung &#8211; \u00fcbers Ohr zu hauen, bekommt man Hilfe von allen Seiten. \u201eSteuern sparen\u201c &#8211; also so geschickt l\u00fcgen, dass man alle Beg\u00fcnstigungen mitnimmt &#8211; daf\u00fcr gibt es sogar Software. Dass das ab einer bestimmten Gr\u00f6\u00dfenordnung \u201eSteueroptimierung\u201c hei\u00dft, habe ich erst k\u00fcrzlich gelernt. Genaue Kenntnisse von Abgabepflichten und den zugeh\u00f6rigen Gesetzen haben ganz offensichtlich nur die, die sie umgehen wollen. Und zumindest einen Kontakt zu einem Schwarzarbeiter hat nun auch wirklich jeder. \u201eKavaliersdelikt\u201c ist selbst bereits ein Euphemismus, n\u00e4mlich f\u00fcr Kleinkriminalit\u00e4t.<\/p>\n<p>Jetzt habe ich da aber eine Freundin, die verzweifelt versucht, gestohlenes Geld nachzuzahlen &#8211; allerdings ohne andere mit hineinzuziehen. Sie hat Geld geerbt, f\u00fcr meinen kleinstb\u00fcrgerlichen Horizont sogar ziemlich viel Geld. Nun kommt dieses Geld aber aus einem Ausland, in dem die Erbschaftssteuer niedriger ist als in Deutschland. Nach dem offiziellen Transfer ins Inland wird demnach die Differenz zum deutschen Erbschaftssteuersatz nachgezahlt. H\u00f6rt sich eigentlich einfach an.<br \/>\nDas fanden allerdings nicht die direkten Erben, Verwandte der Freundin. Die schaffen das ererbte Geld seit einigen Monaten schrittweise in bar aus besagtem Ausland heraus und zahlen nicht nach. Als Bargeld haben sie einen beachtlichen Teil des Erbes an meine Freundin weitergegeben. (Ob das dann wieder so was wie \u201eSchenkung\u201c ist und noch mal Steuern kostet, wei\u00df ich nicht.) <\/p>\n<p>Diese Freundin freut sich \u00fcber das Geld, hei\u00dft das Procedere aber nicht gut. Sie m\u00f6chte bittesch\u00f6n die gesetzlichen Steuern zahlen. Nicht so einfach, denn sie m\u00f6chte die anderen direkten und indirekten Erben nicht denunzieren. So begann sie sich also in ihrem Bekanntenkreis zu erkundigen, bei Leuten, die sich immer als interessiert und kundig in Gelddingen gezeigt hatten. Die konnten ihr zwar Tipps geben, auf welchen Umwegen sie das bare Schwarzgeld waschen kann (sehr nett, wie das reflexartig immer als Erstes aus den Befragten rausbricht, in vielen Facetten). Doch als sie insistierte, sie wolle es gesetzeskonform legalisieren, verstummten sie alle. Komplette Ratlosigkeit. Der einzige brauchbare Vorschlag: Vielleicht mal unter falschem Namen beim Finanzamt anrufen und nachfragen, wie tief die Beamten bei einer offiziellen Anmeldung des Geldes nach der Quelle forschen? Doch genau genommen ist das ja schon wieder gelogen.<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<br \/>\nUnterm Strich f\u00e4llt mir auf, dass ich auf der Vorspeisenplatte eigentlich nie meine Stimmung beischreibe. Mit einer vorsichtigen Ausnahme, weil ich sehr gereizt war. Ort f\u00fcr Stimmungs\u00e4u\u00dferungen ist mein Tagebuch, das ist seit dem 9. Lebensjahr f\u00fchre und nach fast zwei Jahren Pause vor kurzem reaktiviert habe. Wenn ich hier mit Stimmungs\u00e4u\u00dferungen anfinge, zum Beispiel schriebe, dass ich gerade in dem f\u00fcr Depressive typischen Morgentief sitze &#8211; w\u00e4re mir das zu intim?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mag schon sein &#8211; wenn man endlich bei \u201eehrlich\u201c angekommen ist. Doch das ist nicht so einfach. 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