{"id":17223,"date":"2013-07-17T10:12:15","date_gmt":"2013-07-17T08:12:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=17223"},"modified":"2023-07-31T16:17:28","modified_gmt":"2023-07-31T14:17:28","slug":"wie-es-mit-dem-arbeitsamt-war","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2013\/07\/wie-es-mit-dem-arbeitsamt-war.htm","title":{"rendered":"Wie es mit dem Arbeitsamt war"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/Arbeitsamt1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/Arbeitsamt1.jpg\" alt=\"Arbeitsamt\" width=\"240\" height=\"320\" class=\"alignnone size-full wp-image-17359\" \/><\/a><\/p>\n<p>Seit 2004 (wow, so lange ist das schon her) hei\u00dft das Arbeitsamt &#8220;Bundesagentur f\u00fcr Arbeit&#8221;, aber lassen Sie mich ganz neutral festhalten: Nein, das ist keine Agentur. Ich habe in Agenturen gearbeitet, und nichts an diesem Amt hat mit Grundhaltung, Atmosph\u00e4re und Abl\u00e4ufen in Agenturen zu tun. Muss es ja auch nicht, meinetwegen darf durchaus ein Amt f\u00fcr Arbeitssuchende und Arbeitslose zust\u00e4ndig sein. So schl\u00e4gt mein PR-Bullshit-Sensor jedes mal st\u00f6rend Alarm, wenn dort allen Ernstes und erstaunlich konsequent von den Betroffenen als &#8220;Kunden&#8221; gesprochen wird.<\/p>\n<p>Im Mai hatte ich mich online arbeitssuchend gemeldet. Arbeitslos wollte ich mich auch melden, das muss man pers\u00f6nlich machen. Die Anweisungen dazu auf der Website missverstand ich: Ich nahm an, beim angek\u00fcndigten Terminvereinbarungsanruf des Amtes w\u00fcrde ich f\u00fcr die Meldung einen Termin ausmachen. Zumindest kl\u00e4rte der freundliche Anruf das: Nein, der Anruf zielt nur auf ein Gespr\u00e4ch \u00fcber die Arbeitssuche, zur Arbeitslosenmeldung musste ich einfach zu B\u00fcrozeiten ins Arbeitsamt gehen und mich anstellen.<\/p>\n<p>An einem fr\u00fchen Morgen Ende Mai ging ich also ins M\u00fcnchner Arbeitsamt, das derzeit dicht von Baustellen umzingelt ist; ich wohne sehr g\u00fcnstig und bin in zehn Minuten zu Fu\u00df dort. Nach kurzer Anstehzeit (doch am sp\u00e4teren Morgen und am Vormittag sind die Warteschlangen erschreckend lang) stellte eine weitere freundliche Angestellte fest, dass ich im Computersystem bereits angelegt war und benachrichtigte eine Kollegin. Zu deren B\u00fcro schickte sie mich mit Vordruck, nach wieder nicht langer Wartezeit leitete diese Angestellte im Gro\u00dfraumb\u00fcro meine Arbeitslosenmeldung ein, versorgte mich mit Formularen und k\u00fcndigte die Einladung zu einem Vermittlungsgespr\u00e4ch an.<\/p>\n<p>Zehn Tage gab mir das Anweisungsblatt f\u00fcrs Herbeischaffen aller Unterlagen f\u00fcr den Antrag auf Arbeitslosengeld. Dann sollte ich eine Servicenummer anrufen und einen Termin f\u00fcr die Besprechung meines Antrags auf Arbeitslosengeld vereinbaren. Entsprechend panisch war ich, als ich am Stichtag keineswegs alle Bescheinigungen beisammen hatte, obwohl ich alles am Tag des Erhalts abgeschickt hatte: Die Arbeitsbescheinigung des Arbeitgebers brauchte 13 Tage, beim Ausf\u00fcllen des Antrags hatte ich herausgefunden, dass ich zus\u00e4tzliche Formulare ben\u00f6tigte. Die ich erst beim Arbeitsamt holen musste (es steht erstaunlich wenig online zur Verf\u00fcgung), dann per Post weiterschicken, zu deren Bearbeitung ich die Empf\u00e4ngerstelle erst durch Hinterhertelefonieren brachte.<br \/>\nMit viel schlechtem Gewissen rief ich am Tag der Deadline die Servicenummer an &#8211; und geriet an eine Bandansage, dass diese Nummer nicht mehr gelte. Unter der neuen Nummer wurde ich beruhigt: Der n\u00e4chste freie Termin zum Durchsprechen meines Antrags war ohnehin noch drei Wochen entfernt, f\u00fcnf Wochen nach meiner Arbeitslos-Meldung.<\/p>\n<p>Zum Gl\u00fcck hatte ich Geld f\u00fcr etwa zwei Monate Lebensunterhalt auf meinem Konto zur\u00fcckbehalten (ich bin ohnehin ganz erstaunt, wie weit ich die Kosten meines Lebensunterhalts in dem Jahr Auszeit heruntergefahren habe &#8211; nun ja, das recht hohe Ausgangsniveau machte das einfacher). Denn ohne Durchsprache beim Arbeitsamt keine Genehmigung des Arbeitslosengelds, ohne Genehmigung keine \u00dcberweisung.<\/p>\n<p>Die Einladung zum Vermittlungsgespr\u00e4ch lag zwei Wochen nach Ersttermin im Briefkasten, der Termin daf\u00fcr lag sechs Wochen nach meiner Meldung als Arbeitssuchende.<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>Meinen Antrag auf Arbeitslosengeld besprach ich mit einer jungen Frau in ihrem Einzelb\u00fcro. Hinter ihr hing an einer Pinnwand ein Holzt\u00e4felchen, in das lustig eingebrannt war: &#8220;Arbeit macht das Leben s\u00fc\u00df. Ich mag aber keinen Zucker.&#8221; Selbst abgenudelter B\u00fcrohumor bekommt in dieser Umgebung eine ganz eigene Note.<\/p>\n<p>Wieder stellte sich ein Missverst\u00e4ndnis durch ungenaue Formulierung heraus. Das Antragsformular fragt, ob man bei einer Krankenkenkasse pflichtversichert war. Das war ich nicht (sondern freiwillig versichert in einer gesetzlichen Krankenkasse), also kreuzte ich &#8220;nein&#8221; an und k\u00fcmmerte mich um die entsprechenden Zusatzformulare und Bescheinigungen. Doch es stellte sich heraus, dass die Frage korrekt lauten m\u00fcsste: &#8220;Waren Sie in einer gesetzlichen Krankenkasse versichert?&#8221; Nur privat Versicherte m\u00fcssen die Zusatzformulare ausf\u00fcllen. Was auch die Dame vom Arbeitsamt nicht gewusst hatte, die mir die Zusatzformulare gab.<\/p>\n<p>Ich lernte weiterhin: Man muss sich sp\u00e4testens drei Tage nach Ende des unbefristeten Arbeitsverh\u00e4ltnisses arbeitssuchend melden, auch wenn man keine Arbeit sucht. Sonst werden sp\u00e4tere Anspr\u00fcche auf Arbeitslosengeld gemindert. Auf meinen Einwand, dass ich dann doch gelogen h\u00e4tte, wurde mir beschieden, ich h\u00e4tte mich ja wenige Tage sp\u00e4ter von der Arbeitssuche abmelden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Bei befristeten Arbeitsverh\u00e4ltnissen, so erfuhr ich weiterhin, muss man sich aus denselben Gr\u00fcnden drei Monate vor Ablauf des Vertrags arbeitssuchend melden &#8211; wieder unabh\u00e4ngig davon, ob das zutrifft.<\/p>\n<p>Die Arbeitsamtmitarbeiterin nannte mir sogar den ganz konkreten Gesetzesparagraphen samt Absatz, der das vorschreibt.<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>Obwohl ich mittlerweile eine Arbeitsstelle gefunden hatte, sogar \u00fcber die Online-Stellenanzeigen des Arbeitsamts selbst, nahm ich die Drohungen auf der Einladung zum Vermittlungsgespr\u00e4ch ernst und ging hin. Ich traf auch hier auf einen sehr freundlichen Menschen, der sich \u00fcber meinen Wiedereinstieg ins Erwerbsleben freute. Ich erz\u00e4hlte von meinem Hintergrund, er sprach von seinen Erfahrungen mit \u00e4hnlichen Arbeitssuchenden, also mit ausgestiegenen Managern und Managerinnen. Es waren sehr interessante, weil unauff\u00e4llige Geschichten: Wenn traditionelle Medien \u00fcber Karriereabbrecherinnen berichten, l\u00e4uft das immer auf erfolgreiche Gesch\u00e4ftsmodelle in Selbstst\u00e4ndigkeit heraus, auf die Konzentration auf sensationelle Hobbys oder auf die Verwirklichung lange gehegter Tr\u00e4ume. Nach nichts davon habe ich im vergangenen Jahr W\u00fcnsche und Sehnsucht entwickelt. Ich suchte nach einem Job, idealerweise in anregender Umgebung, der mir die Miete und sonstigen Lebensunterhalt zahlt.<\/p>\n<p>Und nun arbeite ich seit Montag in einer kleinen (echten) Agentur als Sekret\u00e4rin. Heute mache ich mich ans Aufr\u00e4umen des Agenturkellers. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ssl-vg03.met.vgwort.de\/na\/fdef8fdfaf2f40bab2390c5bdd5847a1\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit 2004 (wow, so lange ist das schon her) hei\u00dft das Arbeitsamt &#8220;Bundesagentur f\u00fcr Arbeit&#8221;, aber lassen Sie mich ganz neutral festhalten: Nein, das ist keine Agentur. Ich habe in Agenturen gearbeitet, und nichts an diesem Amt hat mit Grundhaltung, Atmosph\u00e4re und Abl\u00e4ufen in Agenturen zu tun. 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