{"id":17248,"date":"2013-06-28T14:46:34","date_gmt":"2013-06-28T12:46:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=17248"},"modified":"2013-06-28T14:50:30","modified_gmt":"2013-06-28T12:50:30","slug":"als-arbeiterkind-an-der-uni","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2013\/06\/als-arbeiterkind-an-der-uni.htm","title":{"rendered":"Als Arbeiterkind an der Uni"},"content":{"rendered":"<p>Der FU Berlin ist es ein Anliegen, dass die Minderheit der Studierenden, die aus Arbeiterfamilien kommt, die gleichen Aufstiegsschancen wie Studierende aus Akademikerfamilien hat. Das begr\u00fc\u00dfe ich. Dummerweise ist ein Ergebnis eine &#8220;<a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/bildung\/fu-berlin-nicht-akademiker-kinder-die-unbekannten-wesen-1.1707041\" target=\"_blank\">didaktische Empfehlung<\/a>&#8220;, die total in die Hose ging (wie wir Arbeiterkinder so sagen). Laut <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/bildung\/fu-berlin-nicht-akademiker-kinder-die-unbekannten-wesen-1.1707041\" target=\"_blank\">SZ-Berichterstattung<\/a><sup><a href=\"#footnote_1_17248\" id=\"identifier_1_17248\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Bitte trotz Unterst&uuml;tzung des Leistungsschutzrechts nicht f&uuml;r Link und Zitat abmahnen!\">1<\/a><\/sup> (das Original ist bereits von der Website der FU verschwunden) hie\u00df es darin:<\/p>\n<blockquote><p>Mangelnde finanzielle oder ideelle Unterst\u00fctzung durch das Elternhaus, Vorbehalte gegen\u00fcber dem beruflichen Nutzen eines Studiums und Schwierigkeiten mit Konkurrenzdruck unter Studentinnen und Studenten k\u00f6nnen das Studium gravierend beeintr\u00e4chtigen.<br \/>\n(&#8230;)<br \/>\nBesser f\u00f6rdern und integrieren k\u00f6nnen Sie diese Studentinnen und Studenten, indem Sie versuchen, Studentinnen und Studenten die Angst vor Redebeitr\u00e4gen zu nehmen, sie zu Diskussionen ermutigen und jeden Redebeitrag &#8211; unabh\u00e4ngig von der Qualit\u00e4t &#8211; wertsch\u00e4tzen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Zudem m\u00f6gen Dozentinnen &#8220;akademische Fach- und Fremdw\u00f6rter unaufgefordert definieren&#8221;.<\/p>\n<p>Auf Telepolis hat bereits Arbeiterkind Dr. Dr. Peter Riedlberger <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/druck\/mb\/artikel\/39\/39400\/1.html\" target=\"_blank\">heftig den Kopf gesch\u00fcttelt<\/a>. Vielleicht w\u00e4re es tats\u00e4chlich eine gute Idee gewesen, sich erst mal mit realen Studierenden aus Arbeiterfamilien zu unterhalten. Im Gegensatz zu Riedelberger sp\u00fcrte ich seinerzeit n\u00e4mlich vor allem am Anfang meiner Studienzeit durchaus einen Unterschied zwischen mir, meinen Freunden und Freundinnen aus Arbeiterfamilien und den Freunden und Freundinnen aus Bildungsfamilien:<br \/>\n&#8211; Ich wusste vor dem Studium nicht, dass es au\u00dfer Vorlesungen in H\u00f6rs\u00e4len auch noch andere Lehrveranstaltungen gibt.<br \/>\n&#8211; Ich wusste vor dem Studium nicht, dass es neben Professoren noch anderes Lehrpersonal gibt. (Studium und Uni kannte ich ja nur aus dem Fernsehen. Entsprechende Szenen spielen dort <i>immer<\/i> in H\u00f6rs\u00e4len und mit Professoren.)<br \/>\n&#8211; Ich wusste nicht, dass man mit exzellenten Noten so bald wie m\u00f6glich Stipendien beantragen sollte.<\/p>\n<p>Aber:<br \/>\n&#8211; Mit Fremdw\u00f6rtern kam ich zurecht, vielen Dank auch (pssst: kleines Latinum, gro\u00dfes Graecum).<br \/>\n&#8211; Als Diskutantin war ich bereits in der Grundschule anerkannt bis gef\u00fcrchtet; das mag ein Grund gewesen sein, warum ich neun Klassen lang zur Klassensprecherin gew\u00e4hlt wurde.<br \/>\n&#8211; Klar war das Geld knapp, wie bei fast allen Kommilitonen und Kommilitoninnen. Wir gingen halt nebenher arbeiten.<br \/>\n&#8211; Wenn jemand Leistungsdruck und hohe Erwartungen kannte, dann ich: Ich hatte all die M\u00f6glichkeiten, die meinen Eltern verwehrt worden waren. DARAUS HATTE ICH JA WOHL GEF\u00c4LLIGST WAS ZU MACHEN! (Das war Innere Stimme.)<\/p>\n<p>Soweit ich mitbekomme, gibt es heute an Unis viele Veranstaltungen, die bereits Gymnasiasten an die Hochschulwelt heranf\u00fchren. Super! (Allerdings m\u00fcssen Gymnasiallehrer ihre Sch\u00fcler dar\u00fcber informieren und bestenfalls selbst hinschleppen.)<\/p>\n<p>Arbeiterkinder f\u00f6rdert man an der Uni, indem man ihre tats\u00e4chlichen Leistungen anerkennt, und zwar nicht &#8220;unabh\u00e4ngig von Qualit\u00e4t&#8221; (!) (!!), sondern unabh\u00e4ngig von pers\u00f6nlichem Auftreten inklusive Dialekt\/Akzent\/Aussehen. Man l\u00e4sst sich ja hoffentlich auch nicht von geschliffenen Manieren, Siegelring, Mama in Staatskanzlei beeinflussen &#8211; ODER? <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ssl-vg03.met.vgwort.de\/na\/1c54aa74d24c4ad3b24063762d9ed6cd\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n<ol class=\"footnotes\"><li id=\"footnote_1_17248\" class=\"footnote\">Bitte trotz Unterst\u00fctzung des Leistungsschutzrechts nicht f\u00fcr Link und Zitat abmahnen!<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_1_17248\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/span><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der FU Berlin ist es ein Anliegen, dass die Minderheit der Studierenden, die aus Arbeiterfamilien kommt, die gleichen Aufstiegsschancen wie Studierende aus Akademikerfamilien hat. Das begr\u00fc\u00dfe ich. 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