{"id":1737,"date":"2006-12-23T10:02:22","date_gmt":"2006-12-23T09:02:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2006\/12\/wie-die-zeit-vergeht-ich-weiss-es-nichtam-ehesten-wie-brei.htm"},"modified":"2006-12-27T08:31:37","modified_gmt":"2006-12-27T07:31:37","slug":"wie-die-zeit-vergeht-ich-weiss-es-nichtam-ehesten-wie-brei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2006\/12\/wie-die-zeit-vergeht-ich-weiss-es-nichtam-ehesten-wie-brei.htm","title":{"rendered":"\u201eWie die Zeit vergeht? Ich wei\u00df es nicht.<br>Am ehesten wie Brei.\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Die Textchefin des <i>SZ-Magazins<\/i> schreibt <a href=\"http:\/\/sz-magazin.sueddeutsche.de\/?RDCT=4e715aaee8430285a4bf\" target=_new>\u00fcber ihre sieben Monate als Patientin auf der Intensivstation<\/a>. Als erstes bin ich gestern da\u00fcber erschrocken, dass Susanne Schneider so krank war \u2013 da ich das <i>SZ-Magazin<\/i> seit der ersten Ausgabe gelesen habe, geh\u00f6rt die Redaktion ein bisschen zu meinem Haushalt.<\/p>\n<blockquote><p>Ich hatte ein Schwannom, einen Tumor des Nervensystems. Normalerweise besteht die Aufgabe der sogenannten Schwann-Zellen darin, die Nerven zu umh\u00fcllen. Aber manchmal machen sie sich selbstst\u00e4ndig und finden sich zu einem Klumpen zusammen. Am Tag, als ich ins Krankenhaus kam, war der Tumor gro\u00df wie ein Handball und dr\u00fcckte meinen linken Lungenfl\u00fcgel zusammen und mein Herz nach rechts.\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Und dann habe ich sehr bewegt ihre Geschichte gelesen. Habe Antworten auf Fragen bekommen, die ich mir schon lange gestellt habe, zum Beispiel: Ist es langweilig, wenn man monatelang im Krankenhaus liegen muss? Die Antworten sind nicht \u00fcberraschend, aber sehr interessant.<\/p>\n<blockquote><p>Als ich etwa am 20. M\u00e4rz aus dem Koma zur\u00fcck war, lebte ich die ersten Wochen zwischen Tag und Traum, das lag an den vielen Medikamenten. Ich w\u00e4hnte mich in New York, und was nicht in diese Vorstellung passte, wurde passend gemacht: Das Personal sprach Deutsch? Ist eben eine Dependance von Gro\u00dfhadern in Manhattan.\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Frau Schneider schreibt unpretenti\u00f6s in Kapiteln, die Chronologie und Themenbl\u00f6cke vermischen, und beim Lesen ein bisschen von der verwischten und gleichzeitigen luziden Wahrnehmung erzeugen, die sie in all den Monaten gehabt haben muss. \u00dcber das, was sie \u00fcber ihre Zimmernachbarn mitbekommen hat, was diese vermutlich \u00fcber sie mitbekommen haben. Wie sie eine Sprechform entwickelte, mit der sie sich trotz Loch im Hals halbwegs verst\u00e4ndlich machen konnte. \u00dcber den unglaublichen Einsatz des Pflegepersonals. Und in einem langen Absatz, was sie alles gelernt hat \u00fcber das Funktionieren einer Intensivstation.<\/p>\n<blockquote><p>Heute verstehe ich nahezu komplett Intensivstationsdeutsch. \u00bbTobi hat heute Hintergrund\u00ab bedeutet, au\u00dfer dem Stationsarzt ist f\u00fcr kritische Fragen auch noch ein Oberarzt erreichbar, abends und am Wochenende per Handy. Und weil sich alle duzen, hei\u00dft der Arzt eben Tobi. F\u00fcr den Patienten ist das weniger geschickt, er kann ja schlecht \u00bbDoktor Tobi\u00ab sagen.\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich bin froh, dass Susanne Schneider so viel Raum im Magazin bekam, diesen Bericht zu ver\u00f6ffentlichen (<a href=\"http:\/\/sz-magazin.sueddeutsche.de\/?RDCT=4e715aaee8430285a4bf\" target=_new>innige Lesempfehlung<\/a>). Und w\u00fcnsche ihr unbekannterweise alles, alles Gute.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Textchefin des SZ-Magazins schreibt \u00fcber ihre sieben Monate als Patientin auf der Intensivstation. 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