{"id":17551,"date":"2013-08-01T13:28:53","date_gmt":"2013-08-01T11:28:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=17551"},"modified":"2013-08-04T18:15:40","modified_gmt":"2013-08-04T16:15:40","slug":"als-pferdemadchen-gescheitert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2013\/08\/als-pferdemadchen-gescheitert.htm","title":{"rendered":"Als Pferdem\u00e4dchen gescheitert"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/1977_Reitkurs.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/1977_Reitkurs.jpg\" alt=\"1977_Reitkurs\" width=\"560\" height=\"385\" class=\"alignnone size-full wp-image-17552\" \/><\/a><\/p>\n<p>Das bin ich 1977 mit neun Jahren auf einem Pferd, genauer: auf Pummel, dem bravsten und langsamsten Ponny des Reitkurses. Und ich wei\u00df nicht, ob Sie es erkennen k\u00f6nnen: Ich bin starr vor Angst. Auch am letzten Tag noch, an dem die Gruppe das Erlernte den Eltern vorf\u00fchrte. Das war alles derart von \u00fcberhaupt nicht so gelaufen, wie ich es mir vorgestellt hatte. Vor allem ich war derart \u00fcberhaupt nicht, wie ich es mir vorgestellt hatte.<\/p>\n<p>Zwar habe ich keinerlei Erinnerung daran, aber ich muss meine Eltern um diesen Reitkurs gebeten haben. Ausbildung und Bildung war den beiden sehr wichtig, und dazu geh\u00f6rte neben Trimmen auf schulische Leistungen auf jeden Fall Instrumentalunterricht (Blockfl\u00f6te, Querfl\u00f6te), aber auch Sport (auf meinen Wunsch ein Jahr Turnverein, sogar zu einem einw\u00f6chigen Skikurs hatte ich im Winter davor fahren d\u00fcrfen). Auf Reiten allerdings waren sie garantiert nicht selbst gekommen, das war ganz weit weg von ihrer Lebenswirklichkeit. Doch ich bekam meinen Reitkurs, halt dann den billigsten, der sich finden lie\u00df: <a href=\"http:\/\/www.rv-oberhaunstadt.de\/\" target=\"_blank\">in Oberhaunstadt<\/a> (Vorort von Ingolstadt). Ebensowenig erinnere ich mich, wodurch dieser Wunsch entstanden war; eher unwahrscheinlicherweise hatte er etwas mit Pferdem\u00e4dchen und den dazugeh\u00f6rigen Romanen zu tun (in Echt kannte ich kein einziges reitendes M\u00e4dchen): Zu dieser Zeit trug ich das Haar unbedingt kurz und war heimlich stolz darauf, immer wieder f\u00fcr einen Buben gehalten zu werden.<\/p>\n<p>Nur wenige Bilder kann ich hervorkramen. Zum Beispiel von den Mittagessen in einer nahegelegenen Wirtschaft, und dass es dort mal Leberk\u00e4s mit sehr saurem Kartoffelsalat gab. Zun\u00e4chst, das wei\u00df ich noch, wurden wir Kursteilnehmerinnen nacheinander auf Pferde an der Longe gesetzt. Das war ein bisschen wie Reiten auf den Volksfestponys. M\u00f6glicherweise hatte ich mir Reiten so \u00e4hnlich wie Fahrradfahren vorgestellt, mit In-die-Kurve-legen. Doch so viel lernte ich schnell: Nein. Es hatte nichts damit zu tun.<\/p>\n<p>Danach wurden mehr Pferde in die Halle gef\u00fchrt, auf denen wir nun ohne Leine reiten sollten. Man half mir auf eines der Pferde, ein braunes Warmblut. Doch in dem Moment, in dem ich im Sattel war, ging das Tier durch. Eine panische Unendlichkeit lang raste es durch die Halle, um mich k\u00fcmmerte es sich dabei ganz offensichtlich nicht. Warf ich mich nach vorne und hielt mich irgendwie am Sattel fest?  Schrie ich? Wenn ja: Was? Ich wei\u00df es nicht. Au\u00dfer an die Angst, weil ich pl\u00f6tzlich einem riesigen Tier au\u00dfer menschlicher Kontrolle ausgeliefert war, erinnere ich mich an nichts.<\/p>\n<p>Eigentlich wollte ich nie wieder auch nur in die N\u00e4he eines Pferdes kommen. Doch es schien mir keine Option, nicht mehr hinzugehen &#8211; wo ich mir den Kurs doch selbst gew\u00fcnscht hatte und meine Eltern ihn bereits bezahlt hatten. (Genauso wenig kam ich ja sp\u00e4ter bei allem Widerwillen auf die Idee kam, um ein Ende des Querfl\u00f6tenunterrichts zu bitten &#8211; wo doch das Instrument eigens angeschafft worden war und so viel gekostet hatte). Also lie\u00df ich mich auch an den folgenden Ferientagen morgens zum Stall fahren und \u00fcberstand den Kurs irgendwie, eben auf dem langsam dahinzockelnden Pummel. In Panik.<\/p>\n<p>Danach wollte ich nie wieder etwas mit Pferden zu tun haben. Au\u00dfer in Form von Rossw\u00fcrsten auf dem Ingolst\u00e4dter Christkindlmarkt.<\/p>\n<p>Und <a href=\"http:\/\/anneschuessler.com\/2013\/07\/31\/wie-ich-zweimal-versuchte-ein-pferdemadchen-zu-werden-und-zweimal-scheiterte\/\" target=\"_blank\">wie Anne ist es mir seither ein R\u00e4tsel<\/a>, was so entt\u00e4uschend daran sein soll, dass das Leben kein Ponyhof ist.<br \/>\n(Bei ellebil k\u00f6nnen Sie nachlesen, <a href=\"http:\/\/ellebil.wordpress.com\/2013\/07\/31\/sattel-fest-den-fus-im-bugel\/\" target=\"_blank\">wie man es zum Pferdem\u00e4dchen schafft<\/a>.) <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ssl-vg03.met.vgwort.de\/na\/9bca60045a7c4e4daa7a16cca67e601e\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das bin ich 1977 mit neun Jahren auf einem Pferd, genauer: auf Pummel, dem bravsten und langsamsten Ponny des Reitkurses. Und ich wei\u00df nicht, ob Sie es erkennen k\u00f6nnen: Ich bin starr vor Angst. 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