{"id":1816,"date":"2007-02-12T08:31:47","date_gmt":"2007-02-12T07:31:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2007\/02\/stranger-than-fiction.htm"},"modified":"2009-07-29T21:36:33","modified_gmt":"2009-07-29T19:36:33","slug":"stranger-than-fiction","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2007\/02\/stranger-than-fiction.htm","title":{"rendered":"<i>Stranger than Fiction<\/i>"},"content":{"rendered":"<p><b>(Spoilerfrei, versprochen.)<\/b><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" id=\"image1817\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/stf.jpg\" alt=\"stf.jpg\" \/><\/p>\n<p>Erst mal: Ich <i>liebe<\/i> Emma Thompson. Der erste Film, in dem ich sie gesehen habe, war <i>Henry V.<\/i>, die epochemachende Shakespeare-Verfilmung ihres Cambridge-Kommilitonen und sp\u00e4teren vor\u00fcbergehenden Ehemanns Kenneth Branagh. Dort spielte sie herzerweichend komisch, s\u00fc\u00df schelmisch (und, wie ich sp\u00e4ter verdutzt feststellte, mit Per\u00fccke) die franz\u00f6sische Prinzessin Katherine. Ihren davor ver\u00f6ffentlichten Film <i>The Tall Guy<\/i> mit Jeff Goldblum sah ich erst sp\u00e4ter, ich glaube sogar nach <i>Dead Again<\/i>, der trotz vieler Schw\u00e4chen zu meinen Lieblingsfilmen z\u00e4hlt. Am liebsten aber mochte ich sie in <i>Peter\u2019s Friends<\/i>, in dem sie im Kreis ihrer Real-Life-Kumpel eine schrullige Verlagsangestellte mit Hippietendenzen spielte.<\/p>\n<p>Diese Schrulligkeit, wenn auch trauriger, kommt in der Rolle der Kay Eiffel wieder zutage, die Emma Thompson in dem wundervollen, schr\u00e4gen Film <a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/title\/tt0420223\/\" target=_new><i>Stranger than Fiction<\/i><\/a> spielt: Eine erfolgreiche, aber von <i>writer\u2019s block<\/i> geplagte Romanautorin, die zu ihrer Best\u00fcrzung feststellt, dass es den Helden ihres entstehenden Buches wirklich gibt.<br \/>\nIhre Best\u00fcrzung wird nur \u00fcbertroffen von der eben dieser Romanfigur: Harold Crick, ein Steuerbeamter, der von einem Augenblick auf den n\u00e4chsten sein Leben nicht nur von einer weiblichen, allwissenden Erz\u00e4hlerstimme begleitet h\u00f6rt, sondern von dieser Stimme auch erfahren muss, dass er in absehbarer Zeit stirbt. (Warum mir der Darsteller, Will Ferrell, so vertraut war, entr\u00e4tselte mein Kinobegleiter: Er spielt den altfaschistischen, durchgeknallten Drehbuchschreiber im Mel-Brooks-Filmmusical <a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2006\/03\/the-producers.htm\"><i>The Producers<\/i><\/a>.)<\/p>\n<p>Im Nachhinein habe ich mich gefragt, ob der Film jemandem \u00fcberhaupt gro\u00dfen Spa\u00df machen kann, der sich noch nie f\u00fcr Literartur oder Erz\u00e4hltechniken interessiert hat. Die Antwort: sehr wohl. Denn wenn Harold mit Hilfe eines Literaturprofessors versucht herauszufinden, ob die Geschichte, in der er da offensichtlich steckt, eine Kom<del datetime=\"2007-02-12T13:26:36+00:00\">m<\/del>\u00f6die oder eine Trag\u00f6die ist, braucht man die Kriterien daf\u00fcr nicht im Detail zu kennen, um die Tragweite der Unterscheidung f\u00fcr Harold zu erfassen. In der Rolle des \u00fcberraschend realistisch gezeichneten Professors: Dustin Hoffman, nicht nur gro\u00dfartig und ungewohnt <i>underplayed<\/i>, sondern endlich mal so kleingewachsen gezeigt, wie er halt ist.<\/p>\n<p>Der Film wiederum ist eindeutig eine Kom<del datetime=\"2007-02-12T13:26:36+00:00\">m<\/del>\u00f6die, mit tiefem Griff in die Verfremdungskiste produziert: Mit \u00fcbers Bild gelegten Computergrafiken, futuristischen B\u00fcro-Sets und der Sprachmuster sezierenden Off-Sprache wirkte vor allem der Anfang wie ein Werk von Douglas Adams. Das Drehbuch ruht sich eben nicht auf der Grundidee \u201eMann entdeckt, dass er Figur in einem Roman ist\u201c aus, sondern liefert liebevoll immer wieder an der Idee aufgeh\u00e4ngte oder einfach so unvermutete Details \u2013 mal erz\u00e4hlt, mal gezeigt.<\/p>\n<p>Meine pers\u00f6nliche Schauspielerinnenentdeckung: Maggie Gyllenhaal, die Ana Pascal, Besitzerin einer m\u00e4rchenhaften Patisserie, spielt \u2013 einerseits \u201eniedlich\u201c (so bezeichnete mein Begleiter sie, der auch die junge Meg Ryan sehr attraktiv findet), andererseits klug und aufmerksam. Erst im Abspann erfuhr ich, warum mir der esoterische Personalchef so bekannt vorkam: <a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/name\/nm0001371\/\" target=_new>Tom Hulce<\/a> ist gut gealtert.<\/p>\n<p>Wundervolles Drehbuch, perfekter Erz\u00e4hlrhythmus, leckerste Kekse (bittebitte ver\u00f6ffentlicht als Merchandise ein Backbuch zu diesem Film mit den Rezepten der Kuchen, Keksen, Torten, die man in Anas Caf\u00e9 rumstehen sieht!) \u2013 eine echte Gemme.<\/p>\n<p>(Und wenn mir jemand berichten k\u00f6nnte, wie die deutsche \u00dcbersetzung die \u201eI brought you flours\u201c-Sequenz bew\u00e4ltigt hat, w\u00e4re ich sehr verbunden.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Spoilerfrei, versprochen.) Erst mal: Ich liebe Emma Thompson. Der erste Film, in dem ich sie gesehen habe, war Henry V., die epochemachende Shakespeare-Verfilmung ihres Cambridge-Kommilitonen und sp\u00e4teren vor\u00fcbergehenden Ehemanns Kenneth Branagh. 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