{"id":1835,"date":"2007-02-23T09:21:04","date_gmt":"2007-02-23T08:21:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2007\/02\/primo-pepe.htm"},"modified":"2011-08-28T21:08:17","modified_gmt":"2011-08-28T19:08:17","slug":"primo-pepe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2007\/02\/primo-pepe.htm","title":{"rendered":"<i>Primo Pepe<\/i>"},"content":{"rendered":"<p>\u201eEine tantenarme Welt\u201c nennt Axel Hacke in seiner heutigen <i>SZ-Magazin<\/i>-Kolumne die unsere. Und Recht hat er: Es hat sich systematisch ausgetantet.<\/p>\n<p>Gleich nachdem Neffe 1 zur Welt kam, fragten mich seine Eltern, ob der Bub mich dereinst mit \u201eKaltmamsell\u201c oder \u201eTante Kaltmamsell\u201c ansprechen solle. Einfache Entscheidung, selbstverst\u00e4ndlich \u201eTante Kaltmamsell\u201c \u2013 wer sonst bitte sollte mein Tantentum sonst kommunizieren? Au\u00dferdem sah ich den Titel als beruhigenden Abstandhalter.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter erst wurde mir klar, dass die Frage der Eltern als Spa\u00df gemeint war; sie waren davon ausgegangen, dass niemand auf der Welt mit \u201eTante\u201c adressiert werden will und brachten das ihren mittlerweile beiden S\u00f6hnen und einer Tochter entsprechend nicht bei. Alle drei reden mich also mit Vornamen an und sind der Chance beraubt, eine Tante zu haben.<\/p>\n<p>Allerdings kenne ich das alle Frauen umfassende Tantentum, wie es Herr Hacke beschreibt, selbst nicht. Die Erkl\u00e4rung einer Freundin meiner Mutter, sie sei die \u201eTante Marianne\u201c soll ich als Dreij\u00e4hrige mit einem humorlosen \u201eaber du bist doch gar nicht meine Tante\u201c kommentiert haben. Und in einer Zeit, als in meinen Breiten Kinderg\u00e4rtnerinnen noch durch die Bank mit \u201eTante\u201c tituliert wurden (das war sogar die inoffizielle Berufsbezeichnung: \u201eKindergartentante\u201c), ging ich auf einen f\u00fcr bayrische Verh\u00e4ltnisse liberalen Kindergarten, in dem die Damen \u201eFr\u00e4ulein\u201c genannt wurden.<\/p>\n<p>Die allumfassende Verwandtschaftsbeziehung, mit der hingegen ich bis heute fertig werden muss, ist die Vetternschaft (siehe <i>Asterix bei den Olympischen Spielen<\/i>). Wenn wir die weitl\u00e4ufige Familie meines Vaters in Spanien besuchten, gab es Oma, Tante (Gro\u00dftanten eingeschlossen), Onkel (inklusive Gro\u00dfonkel) \u2013 der gesamte Rest war Kusin (<i>primo<\/i>) oder Kusine (<i>prima<\/i>). Der Erstkontakt mit selbigen war immer feucht, denn er verlief gew\u00f6hnlich so: Meine Eltern, mein Bruder und ich betraten ein Haus \/ spazierten ein nordkastilisches G\u00e4sschen entlang \/ standen im Tante(!)-Emma-Laden des Dorfes, und scheinbar aus dem Nichts fiel mir ein Mensch im Alter zwischen 18 und 58 um den Hals, gab enthusiastische Laute von sich und knutschte mein Gesicht ab. Unterhalb dieser Altersgrenze waren die Menschen meist zu cool, dar\u00fcber nicht mehr so enthusiastisch. Wenn ich bei der n\u00e4chsten Gelegenheit meinen Vater fragte, wer das bitte war, setzte er zwar hin und wieder an, die genaue Verwandtschaftsbeziehung zu erkl\u00e4ren, doch entweder ich h\u00f6rte ihm ab der dritten Ecke nicht mehr zu oder er wusste ab der vierten Ecke nicht mehr weiter \u2013 es endete sowieso immer in <i>tu primo<\/i> oder <i>tu prima<\/i>. Am individuellsten ist mir noch <i>primo<\/i> Pepe in Erinnerung, ein Sohn eines Onkels m\u00fctterlicherseits meines Vaters, mit dem mein Vater in seiner Jugend wohl reichlich Schabernack getrieben hat: Nicht nur besuchten wir <i>primo<\/i> Pepe eigentlich bei jedem Spanienaufenthalt auf seinem riesigen, modernen Bauernhof, brachten Geschenke mit, wurden \u00fcber Stunden mit allerlei landwirtschaftlichen Produkten verk\u00f6stigt (wenn Sie mal in der Gegend sind, unbedingt <i>morcilla<\/i> probieren) \u2013 er und mein Vater warfen sich auch st\u00e4ndig kryptische Halbs\u00e4tze zu und lachten dann ungeheuer dreckig.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eEine tantenarme Welt\u201c nennt Axel Hacke in seiner heutigen SZ-Magazin-Kolumne die unsere. Und Recht hat er: Es hat sich systematisch ausgetantet. 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