{"id":187,"date":"2004-01-01T13:31:43","date_gmt":"2004-01-01T12:31:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2004\/01\/silvester.htm"},"modified":"-0001-11-30T00:00:00","modified_gmt":"-0001-11-29T22:00:00","slug":"silvester","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2004\/01\/silvester.htm","title":{"rendered":"Silvester"},"content":{"rendered":"<p>Mein Verh\u00e4ltnis zum ausgesprochen willk\u00fcrlichen Jahreswechsel hat sich mit den Jahren entspannt. Lange Zeit n\u00e4mlich hatte Silvester mir das Kraut gr\u00fcndlich ausgesch\u00fcttet, durch ein paar Ereignisse in der pr\u00e4gendsten Jugendphase. Da war das erste Silvester, das ich \u00fcberhaupt auf einer richtigen Party mit Gleichaltrigen feierte. Ich war 15 und zum ersten Mal seit Kindertagen schwer verliebt, seit Monaten schon (davor hatte ich mich im Vorschulalter und in der 1. Klasse jeweils in einen Nachbarsbuben verliebt). Der betreffende Herr war Gast auf der Party \u2013 und knutschte erst mal mit der Gastgeberin rum!<br \/>\nDas Jahr darauf war ich wieder auf einem Fest eingeladen. Ich hatte mich auf Party, Feiern, Glanz und Glitzer eingestellt und war entsprechend aufgebrezelt \u2013 um in einer Reihenhausk\u00fcche auf der Eckbank zu landen, um mich sp\u00e4rliche und nicht besonders interessante Leute, die sich gegenseitig wohlig zugrunzten, wie \u201esch\u00f6n gem\u00fctlich\u201c sie es h\u00e4tten (noch mal zum Nachrechnen: Da waren wir 16!).<\/p>\n<p>An das Jahr danach kann ich mich nicht erinnern, auf jeden Fall war ich zur der \u00dcberzeugung gekommen, dass Silvester nie die in das Ereignis gesetzten Erwartungen erf\u00fcllen kann. Mit 18 war ich zu Silvester wieder mal ungl\u00fccklich verliebt. Da ich zu der Zeit eh grade als Bedienung in einer Kneipe jobbte, meldete ich mich freiwillig zum Silvester-Einsatz. Allerdings war das wohl noch vor der \u00c4ra, in der junge Leute Silvester aush\u00e4usig feierten: Ich stand mit dem Barkeeper ein paar Stunden in der v\u00f6llig leeren Kneipe bis wir beschlossen, aufzugeben und dicht zu machen.<br \/>\nDas Jahr drauf arbeitete ich schon bei der Zeitung und konnte mich in einen weit effizienteren Arbeitseinsatz fl\u00fcchten: die \u00f6rtlichen Silvesterb\u00e4lle abklappern, Fotos auch auf der Stra\u00dfe machen, mit Leuten reden, eine Geschichte dr\u00fcber schreiben.<\/p>\n<p>Danach kamen ein paar Jahre des aktiven Silvester-Ignorierens, bis ich langsam lockerer wurde. Ich lie\u00df mich zumindest zu schlichten Veranstaltungen einladen. Besonders sch\u00f6n habe ich die Silvesternacht in Erinnerung, die ich mit Freunden am Pokertisch verbrachte. Um Mitternacht gingen wir kurz raus und stie\u00dfen auf den Jahrewechsel an, anschlie\u00dfend wurde bis in die Morgenstunden weiter gepokert.<\/p>\n<p>Und gestern? Nachmittags ging ich mit meinem Mitbewohner ins Kino (<i><a href=\"http:\/\/us.imdb.com\/title\/tt0309530\/\" target=_new>Down with Love<\/a><\/i>*), abends war ich mit selbigem Mitbewohner zu einer kleinen Esserei eingeladen. Dort der Lacher des letzen Jahres: Mein Mitbewohner ist <a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/archives_speisen\/00000109.htm\">Lehrer<\/a> an einem \u00f6rtlichen Gymnasium. Und w\u00e4hrend ich mich mit den paar G\u00e4sten bekannt machte, h\u00f6rte ich hinter mir: \u201eOh, hallo Sabine.\u201c \u201e\u00c4h, hallo Herr Gerner.\u201c Mitbewohner war auf eine Ex-Sch\u00fclerin gesto\u00dfen, die die Gastgeberin mit eigener Firma bei einem Praktikum kennen gelernt hatte. Klar, fr\u00fcher oder sp\u00e4ter musste das ja mal passieren, aber gestern bekam ich vor lauter Kichern kaum mehr Luft. Die beiden, Ex-Lehrer und Ex-Sch\u00fclerin, verzogen sich erst mal zum Rauchen auf den Balkon und vereinbarten die Umgangs-Modalit\u00e4ten.<br \/>\nAngenehme Gesellschaft machte den ganzen Abend angenehm. Gegen 3 Uhr machten wir uns zu Fu\u00df auf den Heimweg (auf die U-Bahn h\u00e4tten wir zu lange warten m\u00fcssen, auf ein Taxi bestand kaum Aussicht), quer durch die verschneite M\u00fcnchner Innenstadt. Das allein war schon ein zauberhafter Jahresbeginn, begleitet vom irren Gefl\u00f6te und Gezwitscher der Amseln und Meisen, die das Feuerwerk komplett wuschig gemacht hatte.<\/p>\n<p>*<i><a href=\"http:\/\/us.imdb.com\/title\/tt0309530\/\" target=_new>Down with Love<\/a><\/i>: Ganz hinrei\u00dfend wunderbar! Jeder Schwenk in ein neues Zimmer wieder eine Offenbarung an Design und Anspielungen. Geschichte und Charaktere cheesy bis zum Abwinken. Und die Klamotten! Die Drehbuch-Kapriolen! In USA ist der Film ziemlich gefloppt. Die <a href=\"http:\/\/query.nytimes.com\/gst\/fullpage.html?res=9506E3D6163FF93AA35756C0A9659C8B63\" target=_new>Rezension der <i>New York Times<\/i><\/a> mag auf den Grund hinweisen: komplette Abwesenheit von Satire. Mir hat sie nicht gefehlt, und ich hoffe schwer, dass es den <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/B0000996F6\/qid=1072959993\/sr=2-1\/ref=sr_2_11_1\/028-9403131-1362114\" target=_new>Soundtrack (Marc Shaiman!)<\/a> bald auch in einer preisg\u00fcnstigen hiesigen Version gibt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mein Verh\u00e4ltnis zum ausgesprochen willk\u00fcrlichen Jahreswechsel hat sich mit den Jahren entspannt. Lange Zeit n\u00e4mlich hatte Silvester mir das Kraut gr\u00fcndlich ausgesch\u00fcttet, durch ein paar Ereignisse in der pr\u00e4gendsten Jugendphase. Da war das erste Silvester, das ich \u00fcberhaupt auf einer richtigen Party mit Gleichaltrigen feierte. 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