{"id":19568,"date":"2014-01-11T21:59:51","date_gmt":"2014-01-11T20:59:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=19568"},"modified":"2014-01-12T08:57:41","modified_gmt":"2014-01-12T07:57:41","slug":"beifang-aus-dem-internet-14","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2014\/01\/beifang-aus-dem-internet-14.htm","title":{"rendered":"Beifang aus dem Internet"},"content":{"rendered":"<p>Letzthin fiel mir wieder dieser Gaststudent aus England ein, den ich in meinem vierten Semester in Augsburg kennenlernte. Der bei einem Besuch in meiner Wohnung dar\u00fcber dozierte, dass das Klassensystem in seiner Heimat l\u00e4ngst ein Ding der Vergangenheit sei &#8211; w\u00e4hrend er im Kaschmirpullover auf meinem Sofa lag, die rahmengen\u00e4hten Schuhe ohne R\u00fccksicht auf Verschmutzung auf der Sofalehne abgest\u00fctzt. Auch davor und danach h\u00f6rte ich diese Behauptung (Klassensystem in England? Gibt&#8217;s nicht mehr) ausschlie\u00dflich von Menschen, die davon profitierten.<\/p>\n<p>Dieser Gaststudent fiel mir n\u00e4mlich als ein Beispiel f\u00fcr den Umstand ein: Wer in einer Gesellschaft schon immer zu den Privilegierten geh\u00f6rt, merkt das oft nicht. Und tendiert deshalb dazu, diese Privilegien zu bestreiten. Zum Beispiel, wenn er oder sie zur hellh\u00e4utigen, westlichen Mehrheit geh\u00f6rt. Noah Sow beschreibt das ausf\u00fchrlicher in ihrem <a href=\"http:\/\/www.deutschland-schwarzweiss.de\/nachhilfe_im_weisssein.html\" target=\"_blank\"><i>Nachhilfe im Wei\u00dfsein<\/i><\/a>.<\/p>\n<blockquote><p>Als wei\u00dfe Deutsche haben Sie derzeit unter anderem von Geburt an die folgenden Privilegien:<br \/>\n&#8211; als Individuum betrachtet zu werden.<br \/>\n&#8211; als vollwertiges Mitglied der Bev\u00f6lkerung betrachtet zu werden.<br \/>\n&#8211; nicht automatisch als \u201afremd\u2019 betrachtet zu werden.<br \/>\n&#8211; nicht rechtfertigen zu m\u00fcssen, weshalb Sie in Ihrem eigenen Land leben oder weshalb Sie \u00fcberhaupt in Ihrer Form und Farbe existieren.<br \/>\n&#8211; sich und Ihre Gruppe selbst benennen zu d\u00fcrfen.<br \/>\n&#8211; alle Menschen, die nicht wei\u00df sind, benennen, einteilen und kategorisieren zu d\u00fcrfen.<br \/>\n&#8211; dass Ihre Anwesenheit als normal und selbstverst\u00e4ndlich betrachtet wird.<br \/>\n&#8211; sich benehmen zu k\u00f6nnen, als spiele Ihre eigene ethnische Zugeh\u00f6rigkeit keine Rolle.<br \/>\n&#8211; jede andere Kultur nach\u00e4ffen oder sich in Teilen aneignen zu k\u00f6nnen, ohne daf\u00fcr von der Mehrheitskultur ausgegrenzt zu werden (ausgelacht vielleicht \u2026 ausgegrenzt aber nicht).<br \/>\n&#8211; bestimmen zu d\u00fcrfen, inwiefern die Errungenschaften und Meinungen aller Menschen, die nicht wei\u00df sind, relevant sind, selbst wenn diese Menschen viel gebildeter sind als Sie.<br \/>\n&#8211; ohne die M\u00f6glichkeit aufzuwachsen, dass Sie rassistisch beleidigt werden k\u00f6nnen.<br \/>\n&#8211; in der Gesellschaft, in der Sie sich bewegen, \u00f6ffentlich anonym bleiben zu k\u00f6nnen, wenn Sie wollen.<br \/>\n&#8211; nie dar\u00fcber nachdenken zu m\u00fcssen, ob Verd\u00e4chtigungen oder Kontrollen vielleicht aufgrund Ihres vermeintlich anderen Aussehens erfolgen.<br \/>\n&#8211; Fremden Ihre Herkunft nicht erkl\u00e4ren zu m\u00fcssen.<br \/>\n&#8211; grunds\u00e4tzlich ungehindert und unkontrolliert in die ganze Welt reisen zu k\u00f6nnen.<br \/>\n&#8211; auf Rassismus nicht reagieren zu m\u00fcssen.<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Gef\u00fchlte Jahre hat Michael Kr\u00fcger als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Verlags Hanser Abschied genommen. Seit 1. Januar nun ist sein Nachfolger Jo Lendle wirklich, wirklich im Amt. Im Interview mit der <i>FAZ<\/i> erscheint er als genau der Realist mit Leidenschaft, der Verlagen eine echte Zukunft erm\u00f6glicht: &#8220;<a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/buecher\/themen\/hanser-verleger-jo-lendle-im-gespraech-mehr-frauen-weniger-krimis-junge-stimmen-12742921.html\" target=\"_blank\">Mehr Frauen, weniger Krimis, junge Stimmen<\/a>&#8221; (doofe \u00dcberschrift, darum geht&#8217;s in dem Interview am wenigsten).<\/p>\n<blockquote><p>Verlage sollten sich nicht zu fein sein, Bloggern Rezensionsexemplare zu schicken. Das sind meinungsstarke und bisweilen durchaus wirkungsvolle Spielformen der Literaturvermittlung. Durch das E-Book denken wir anders \u00fcber B\u00fccher nach. Das sind nicht mehr einfach nur l\u00e4ngere Texte, um die ich zwei Deckel schlage, sondern variable Gebilde betreffs Formaten, Aggregatzust\u00e4nden, Erz\u00e4hlstrukturen. Ich kann \u00fcber Abonnements nachdenken und Geschichten weitererz\u00e4hlen, Warum nicht dem ollen Fortsetzungsroman einen neuen Auftritt geben? Heute findet das lose im Netz statt, aber daraus k\u00f6nnen Werke entstehen.<\/p><\/blockquote>\n<p>(Und falls sie fragen, wo die &#8220;Auf einer Seite lesen&#8221;-Funktion geblieben ist: Daran wird nach dem Relaunch von faz.net noch gefrickelt, Redaktion bittet um Geduld.)<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<blockquote><p>Reden wir \u00fcber zwei Worte: abstrakt und diffus.<\/p>\n<p>Das ist das vorherrschende Grundgef\u00fchl, wenn ich mich so umh\u00f6re und mir Artikel reinziehe, in denen es auch nur ansatzweise um \u00dcberwachung und NSA geht. Eine diffuse Angst, hei\u00dft es, und ein Thema, das abstrakt bleibt, weil es nicht greifbar sei. Die Menschen nehmen das zur Kenntnis \u2013 (angeblich) achselzuckend.<\/p>\n<p>Reden wir also \u00fcber meinen Besuch in der Moschee und dar\u00fcber, dass ich mich nicht getraut habe, zu unterschreiben.<\/p><\/blockquote>\n<p>Hakan schreibt auf kleinerdrei \u00fcber die Auswirkung der NSA-\u00dcberwachung f\u00fcr ihn selbst: <a href=\"http:\/\/kleinerdrei.org\/2014\/01\/alles-sehr-real\/\" target=\"_blank\">&#8220;Alles sehr real&#8221;<\/a>. Vielleicht sollte ich k\u00fcnftig mein Smartphone daheim lassen, wenn ich in dieser Gegend Einkaufen gehe (keine 500 Meter von meiner Wohnung) &#8211; die gesammelten Ortungsdaten k\u00f6nnten mich sonst verd\u00e4chtig machen.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Sehr lange, sehr lesenswerte Geschichte (mit gro\u00dfartigen Fotos):<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.buzzfeed.com\/drewphilp\/why-i-bought-a-house-in-detroit-for-500\" target=\"_blank\">&#8220;Why I Bought A House In Detroit For $500&#8221;<\/a>.<\/p>\n<p>Drew Philp beschreibt darin das Detroit der vergangenen Jahre (inklusive R\u00fcckblicke in die Stadtgeschichte) aus der Sicht von jemandem, der fest an die Zukunft der Stadt glaubt und aktiv daran mitarbeitet &#8211; und der dabei mit vielen Menschen zu tun hat, die genauso wenig aufgeben. Die Kraft, die hinter diesem fast schon st\u00f6rrischen Gestaltungswillen steckt, beeindruckt mich tief.<\/p>\n<p>via <a href=\"https:\/\/twitter.com\/spreeblick\" target=\"_blank\">@spreeblick<\/a><\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Laura Himmelreich war mit ihrem Br\u00fcderle-Portrait f\u00fcr den <i>Stern<\/i> vor einem Jahr einer der wichtigen Ausl\u00f6ser der Sexismus-Debatte. In der Meta-Diskussion tauchte sie kaum auf, \u00e4u\u00dferte sich auch nicht Talk-Shows (ihr sehr gutes Recht).<\/p>\n<p>Jetzt fasst sie dieses Jahr zusammen: <a href=\"http:\/\/www.stern.de\/politik\/deutschland\/bruederle-und-die-sexismus-debatte-wie-die-stern-autorin-den-aufschrei-erlebte-2081721.html\" target=\"_blank\">&#8220;Wie die stern-Autorin den #aufschrei erlebte&#8221;<\/a> &#8211; angenehm unaufgeregt und n\u00fcchtern, dennoch sehr pers\u00f6nlich.<\/p>\n<p>Ihr Fazit:<\/p>\n<blockquote><p>Es bleibt das Wort &#8220;sexistisch&#8221;, das Staub angesetzt hatte und nun wieder einen Platz in unserer Alltagssprache besitzt. Und vielleicht bei der ein oder anderen Frau das Gef\u00fchl, mit ihren Erlebnissen nicht allein zu sein.<br \/>\n&#8230;<br \/>\nIch habe meinen Text nicht aufgrund einer feministischen Agenda geschrieben. Aber die Reaktionen auf den Text haben mich zu einer \u00fcberzeugteren Feministin gemacht.<\/p><\/blockquote>\n<p>Auch ich traue inzwischen meinem Eindruck, dass diese Diskussion wirklich etwas bewirkt hat. Sexistische Bemerkungen m\u00f6chten (noch?) nicht deutlich abgenommen haben, doch mir f\u00e4llt auf, wie h\u00e4ufig sie inzwischen von Disclaimern begleitet werden: &#8220;Das mag jetzt sexistisch klingen&#8221;, &#8220;Das ist nicht sexistisch gemeint, aber&#8221;, &#8220;auch wenn man heute mit sowas den Vorwurf des Sexismus riskiert&#8221;. Der Sprecher \/ die Autorin hat also zumindest das Problem erkannt. Ein erster Schritt, sehr gut, jetzt bitte den n\u00e4chsten gehen.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Was die St\u00fcrme in England so angerichtet haben, wurde mir erst durch die Fotos des Brightoner Instagramers lomokev klar:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/instagram.com\/p\/i3MJ3ignvJ\/\" target=\"_blank\">In Hove ist der Kiesstrand nun ein paar Meter landeinw\u00e4rts.<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/instagram.com\/p\/i55NgCAniC\/\" target=\"_blank\">Hier f\u00fchrten vor dem Sturm Stufen nach unten.<\/a><\/p>\n<p>Die Website der BBC hat <a href=\"http:\/\/www.bbc.co.uk\/news\/uk-25639777\" target=\"_blank\">einige sehr bedr\u00fcckende Vorher\/Nachher-Fotos.<\/a><\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Und dann noch was f\u00fcrs Cherz:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.slate.com\/blogs\/lexicon_valley\/2014\/01\/03\/sign_language_young_girl_recites_twas_the_night_before_christmas_in_asl.html\" target=\"_blank\">&#8220;Why This Young Girl Is a Masterful Storyteller in Sign Language&#8221;<\/a>.<\/p>\n<p>Ein s\u00fc\u00dfes kleines M\u00e4dchen geb\u00e4rdet &#8220;&#8216;Twas the Night Before Christmas&#8221;, der zugeh\u00f6rige Artikel schl\u00fcsselt in Standbildern die Geb\u00e4rdensprachenelemente auf, die das M\u00e4dchen verwendet.<\/p>\n<p>via Mitbewohners Hinweis<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letzthin fiel mir wieder dieser Gaststudent aus England ein, den ich in meinem vierten Semester in Augsburg kennenlernte. 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