{"id":1964,"date":"2007-05-14T11:31:05","date_gmt":"2007-05-14T09:31:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2007\/05\/plumps-klo.htm"},"modified":"2011-05-24T15:53:00","modified_gmt":"2011-05-24T13:53:00","slug":"plumps-klo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2007\/05\/plumps-klo.htm","title":{"rendered":"Plumps, Klo!"},"content":{"rendered":"<p>So gern ich sonst viel trinke \u2013 gestern unterdr\u00fcckte ich den Trinkimpuls mit Macht. Ich verbrachte n\u00e4mlich den Nachmittag an einer St\u00e4tte meiner Kindheit, die ich zwar seit mehr als 20 Jahren nicht mehr besucht hatte, an der mir aber ein Detail besonders lebhaft im Ged\u00e4chtnis hing: das Plumpsklo. Und ich grause mich ganz furchtbar vor Plumpsklos.<\/p>\n<p>Dieses Grausen geh\u00f6rt zu der Seite an mir, die mich eine Woche in einem angenehmen Hotel drei Wochen Rucksackurlaub vorziehen l\u00e4sst, die mich zu einer gefesselten Zuh\u00f6rerin macht, wenn <a href=\"http:\/\/www.lyssas-lounge.de\/peepshow\/archiv\/000084.html\" target=_new>die eine von ihrer Bootstour im Okavango-Delta erz\u00e4hlt<\/a>, die andere von Wanderungen im Himalaya, mich selbst aber energisch jeden Ortswechsel verweigern l\u00e4sst, der mehr als zwei Schritte zur\u00fcck in der zivilisatorischen Entwicklung erfordert. (Letzterer Reisebericht wurde seinerzeit bezeichnenderweise eingeleitet durch die Erkl\u00e4rung: \u201eDas war kurz nach meinen Diplompr\u00fcfungen, und ich hatte genug Geld gespart, um mir entweder endlich eine eigene Waschmaschine zu kaufen oder mit einer Freundin zwei Wochen durch den Himalaya zu wandern. War ja klar, wof\u00fcr ich mich entschied.\u201c \u201eWaschmaschine!\u201c rief ich begeistert. \u201eHimalaya!\u201c rief gleichzeitig die Erz\u00e4hlerin.)<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zum gestrigen Nachmittag. Ich fuhr mit meinen Eltern zum Grillen in \u201eden Garten\u201c. Das ist ein Baugrundst\u00fcck in einem langweiligen Dorf weit vor meiner Geburtsstadt (so langweilig und weit, dass nicht mal die zugewanderten Manager des \u00f6rtlichen Gro\u00dfunternehmens ihre Eigenheime dorthin bauen m\u00f6gen), das Freunde meiner Eltern vor etwa 35 Jahren kauften, um daraus einen Schrebergarten zu machen. Mein Vater half, ein wunderh\u00fcbsches altes Holzh\u00e4uschen aus einer aufgel\u00f6sten Schrebergartensiedlung hierher zu versetzen, und als Gegenleistung durften wir auf einem Teil des Grundst\u00fccks Gem\u00fcse anbauen sowie H\u00e4uschen und Rasen f\u00fcr Aufenthalte nutzen (<a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2007\/05\/familienalbum-23-das-pyknische-kind.htm\"  target=_new>dieses Bild<\/a> wurde \u00fcbrigens in besagtem Garten aufgenommen). Meiner Erinnerung nach fand ich das alles als Kind doof. Ich war schon zu alt, um mich an der Schaukel zu freuen, es waren selten andere Kinder zum Spielen da (daheim vor dem Wohnblock gab es immer genug davon), Lesen w\u00e4re in meinem eigenen Zimmer ebenfalls bequemer gewesen.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem lie\u00df man mich auch hier selten in Ruhe lesen, ich sollte ja bei der Gartenarbeit helfen. P\u00e4dagogisch gezielt wies man uns Kindern (die grundst\u00fccksbesitzenden Freunde hatten drei T\u00f6chter, zwei davon etwa in meinem Alter) jeweils ein kleines Beet zu, in dem wir \u2013 so die begeisterte Mitteilung \u2013 pflanzen durften, was! wir! wollten! Nun, S\u00e4en war ja noch ganz nett (ein paar Radieserln, ein paar Karotten, halt lauter so langweiliges Zeug, fl\u00e4chendeckend Erdbeeren lie\u00df man mich nat\u00fcrlich <i>doch<\/i> nicht anbauen), Unkrautj\u00e4ten fand ich dann schon ausgesprochen unangenehm (ich glaube, ich wurde sogar mir dem t\u00fcckischen Argument gema\u00dfregelt, dass ich damit die Erf\u00fcllung meines Wunsches nach einem Haustier unwahrscheinlich machte), dass ich Gie\u00dfkanne um Gie\u00dfkanne schleppen sollte, wenn vern\u00fcnftige Menschen doch zur Bew\u00e4sserung eigens Gartenschl\u00e4uche erfunden hatten, verschlechterte meine Laune zus\u00e4tzlich. Dann stellte sich der Boden das Gartens auch noch als problematisch heraus, meine Ernte an Radieschen und Karotten musste ich mit W\u00fcrmern teilen. Ich \u00fcberlie\u00df ihnen eigenn\u00fctzig das Feld.<\/p>\n<p>Weitere Erinnerungen: Kartoffelk\u00e4fer sammeln und Kartoffelk\u00e4fereier zerdr\u00fccken (bl\u00e4rch!), Buschbohnen ernten (so viel B\u00fcckerei, ohne dass man gleich von der Ernte naschen k\u00f6nnte!), Stangenbohnen ernten (weniger B\u00fcckerei, aber m\u00fctterliche Schelte, weil ich nicht gewissenhaft genug war und viele Bohnen \u00fcbersah \u2013 ich bitte Sie, gr\u00fcn auf gr\u00fcn), Johannisbeeren ernten (waren mir zu sauer, zudem mochte ich die Kerne nicht). Selbst was mir schmeckte (Erdbeeren, Stachelbeeren), durfte ich nicht einfach naschen, weil das Ganze ja nicht uns, sondern den Freunden meiner Eltern geh\u00f6rte, und ich immer erst mal fragen musste. Diese Konstellation f\u00fchrte auch nach wenigen Jahren zur L\u00f6sung des Arrangements.<\/p>\n<p>Und: das Plumpsklo. Zwar gab es einen Wasseranschluss auf dem Grundst\u00fcck, wenn auch in einer weit von der H\u00fctte entfernten Ecke, aber keinen Abwasseranschluss (noch Strom, aber das st\u00f6rte mich nicht). Als Abort diente also ein im Originalzustand der H\u00fctte angeschlossenes Schei\u00dfh\u00e4usl, unter dem Donnerbalken stand ein ehemaliger Farbeimer. Ich hasste, hasste, hasste es, dieses Klo zu benutzen. Es war dunkel, eng und dumpf in diesem Schei\u00dfh\u00e4usl, die Ecken und Kanten waren mit alten und neuen Spinnweben bespannt, darinnen vermutete ich riesige und aggressive Spinnenmonster, \u00fcberall schien es zu rascheln und zu rumoren, das Sitzbrett war unbequem hoch. H\u00e4tte es in der N\u00e4he des Gartens ein W\u00e4ldchen oder Geb\u00fcsch gegeben, w\u00e4re ich lieber dorthin gegangen, doch die Umgebung bestand aus Stra\u00dfen und flachen Feldern.<\/p>\n<p>An all dieses erinnerte ich mich gestern auf der Fahrt hinaus zum Grillen. Und beschloss, keinen Tropfen zu trinken.<\/p>\n<p>(Hier, f\u00e4llt mir gerade auf, mag die Wurzel meines innigen Gro\u00dfst\u00e4dterinnentums liegen, das mir Eigenheim oder gar Aufs-Land-ziehen noch nie verlockend erscheinen lie\u00df.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So gern ich sonst viel trinke \u2013 gestern unterdr\u00fcckte ich den Trinkimpuls mit Macht. Ich verbrachte n\u00e4mlich den Nachmittag an einer St\u00e4tte meiner Kindheit, die ich zwar seit mehr als 20 Jahren nicht mehr besucht hatte, an der mir aber ein Detail besonders lebhaft im Ged\u00e4chtnis hing: das Plumpsklo. 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