{"id":2009,"date":"2007-05-29T21:15:33","date_gmt":"2007-05-29T19:15:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2007\/05\/madrid-am-montag.htm"},"modified":"2012-05-23T14:38:00","modified_gmt":"2012-05-23T12:38:00","slug":"madrid-am-montag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2007\/05\/madrid-am-montag.htm","title":{"rendered":"Madrid am Montag"},"content":{"rendered":"<p><img src='https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/madrid_churreria.jpg' alt='madrid_churreria.jpg' \/><\/p>\n<p>Fr\u00fchst\u00fcck beim <i>Maestro Churrero<\/i> am Platz Jacinto Benavente. Habe bei der Auswahl des Lokals bemerkt, dass mir Resopaltische, Metallrohrst\u00fchle und Neonlicht immer noch mehr Authentizit\u00e4t zu versprechen scheinen als eine gem\u00fctliche und liebevoll ausgesuchte Inneneinrichtung \u2013 was sehr viel \u00fcber mein inneres Spanien- und Madridbild verr\u00e4t. Au\u00dferdem gibt es in dieser Churrer\u00eda nur bis 11 Uhr das namengebende Fettgeb\u00e4ck, was auf Frische schlie\u00dfen l\u00e4sst. F\u00fcr mich bitte <i>porras<\/i>, die dicken Stangen \u2013 auch diese irgendwie authentischer als die salonf\u00e4higen Churros. Dabei bestehen sie aus demselben Teig: Wasser und Mehl, sonst nichts au\u00dfer einem Hauch Salz. Aber Porras werden in einer riesigen Schnecke ins hei\u00dfe Fett gespritzt, erst gar in St\u00fccke geschnitten. Die Churros sind die anmutigen Schlaufen auf dem Bild und werden bereits in ihrer Servierform frittiert. Au\u00dferdem bitte <i>caf\u00e9 con leche<\/i>. Der Begleiter nahm dazu die klassische hei\u00dfe Schokolade \u2013 deren Verdickungsst\u00e4rke mir zu sehr herausschmeckt, bei jeder spanischen <i>chocolate en taza<\/i>.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df nicht, wann das aufh\u00f6rte, dass ich spanische Spezialit\u00e4ten einfach deswegen wundervoll finden konnte, weil sie spanisch waren. Dass mir aufging, wie arm und lieblos die (zentral-)spanische K\u00fcche im europ\u00e4ischen Vergleich ist. Ich suche noch nach einem Hinweis, dass sie sich in den vergangenen zehn, 15 Jahren sp\u00fcrbar weiterentwickelt h\u00e4tte. Jam\u00f3n, Chorizo und manch andere traditionelle Wurst, au\u00dferdem die doch eher \u00fcbersichtlichen K\u00e4sesorten \u2013 gut. Aber mir fehlten bislang Sorgfalt und Liebe in der Auswahl der Grundstoffe und im Umgang damit. Selbst die beste spanische Privatk\u00f6chin, die ich kannte, achtete beim Einkaufen in erster Linie auf Preis und dann auf Frische, hatte aber kein Interesse daran, die Bohnen, die Artischocken, das Lammfleisch vielleicht aus anderer Herkunft besser zu bekommen. Jedes einheimische Gericht wurde unter den Spaniern, die ich kenne, \u00fcber den Schellenk\u00f6nig ger\u00fchmt, vor allem wenn es vom Dorf kam \u2013 aus einer seltsamen Art blindem kulinarischen Nationalstolz. Haben Sie vielleicht den letztj\u00e4hrigen Almod\u00f3var-Film <i>Volv\u00e9r<\/i> gesehen? Ich kam im Kino aus dem Schmunzeln schier nicht mehr heraus, so sehr sah ich das Spanien, wie ich es kenne, potraitiert. Zum Beispiel gibt es da eine Szene, in der die Nachbarin von einem Wochenende auf dem Land zur\u00fcck kommt und <i>Roscas<\/i> mitbringt. Hach, da schw\u00e4rmen die anderen Frauen, wundervoll, k\u00f6stlich, darf ich welche haben. Dabei sind <i>Roscas<\/i> vom Dorf ungew\u00fcrzte M\u00fcrbteigkringel, die im Fett herausgebacken werden und ganz frisch noch ganz nett sein moegen, aber schon nach 12 Stunden vor lauter Trockenheit Schluckauf bereiten. Sowas findet der Spanier zum Fingerabschlecken.<\/p>\n<p>Ein wenig hoffnungsbereitendes Indiz fand ich im Supermarkt des <i>Corte Ingl\u00e9s<\/i>, in dem wir trotz der \u00dcbersichtlichkeit des Ladens die eine oder andere Stunde verbrachten: Bezeichnenderweise nahm das Angebt an Spargelkonserven mehrere Regalmeter ein, fast so viel wie Brot: Dosenspargel ist dem Spanier ganz offensichtlich weiterhin eine sehr erstrebenswerte K\u00f6stlichkeit. Allerdings fielen mir zahlreiche asiatische Nahrungsmittel auf; die chinesischen Einwanderer scheinen sich bereits auf die Kueche auszuwirken.<\/p>\n<p>Immer noch sehr angenehm empfinde ich aber weiterhin die vielen kleinen Kneipen \u00fcberall (hei\u00dfen zwar meist \u201eBar\u201c, doch da das Wort im Deutschen eine deutlich andere Art von Lokalit\u00e4t bezeichnet, scheue ich es), in denen man beim M\u00e4andern durch die Stadt eine Kleinigkeit trinken und essen kann. Ich erinnere mich, wie sehr mich in Griechenland das Fehlen einer solchen Kneipenkultur irritierte. Dort ein kleines Glas k\u00fchles Bier, hier ein <i>Tinto de verano<\/i> (Rotwein mit Limo und Eisw\u00fcrfeln), ein paar Oliven dazu, und dann vielleicht doch noch ein Caf\u00e9.<\/p>\n<p>Gegen Abend bekam der Reisebegleiter in der <i>Taberna los 4 Robles<\/i> (danke, liebe <a href=\"http:\/\/hande.wordpress.com\/\" target=_new>Food Vagabond<\/a>, ein ausgezeichneter Tipp, allein schon wegen des sch\u00f6nen Lokals) auch die Mahlzeit, die ihm vom letzten Spanienaufenthalt am nachhaltigsten in Erinnerung geblieben war: <i>Fritura variada<\/i>, ein gro\u00dfer Teller voll in Mehl gewendetem und frittiertem Kleinzeug aus dem Meer, darunter Sardellen, Calamaresringe, Gambas, Fischst\u00fcckchen \u2013 mit Ausnahme der Garnelenschalen im Ganzen zu essen. Dort erstmals gesehen: roter Wermuth vom Fass, also aus dem Zapfhahn.<\/p>\n<p>Danach weiteres abendliches, schlie\u00dflich n\u00e4chtliches Spazieren durch Stra\u00dfen und Gassen. Per Zufall stie\u00dfen wir auf die Kneipe <i>Viva Madrid<\/i>, deren gekachelte Front als Foto jeden Madrid-F\u00fchrer komplettiert. Sehr nett dort, da wir noch vor Mitternacht eintrafen auch ruhig.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fr\u00fchst\u00fcck beim Maestro Churrero am Platz Jacinto Benavente. Habe bei der Auswahl des Lokals bemerkt, dass mir Resopaltische, Metallrohrst\u00fchle und Neonlicht immer noch mehr Authentizit\u00e4t zu versprechen scheinen als eine gem\u00fctliche und liebevoll ausgesuchte Inneneinrichtung \u2013 was sehr viel \u00fcber mein inneres Spanien- und Madridbild verr\u00e4t. 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