{"id":20344,"date":"2014-03-02T08:53:32","date_gmt":"2014-03-02T07:53:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=20344"},"modified":"2014-03-02T09:11:39","modified_gmt":"2014-03-02T08:11:39","slug":"dallas-buyers-club-nichts-ausser-mcconaughey","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2014\/03\/dallas-buyers-club-nichts-ausser-mcconaughey.htm","title":{"rendered":"<i>Dallas Buyers Club<\/i> &#8211; nichts au\u00dfer McConaughey"},"content":{"rendered":"<p>Ich habe den Film gerne angesehen, und Matthew McConaughey (dessen Namen ich immer irgendwo rauskopieren muss) hat mich sehr beeindruckt und sah so ungewohnt aus, dass ich ihn nicht mal wie sonst nicht ausstehen konnte.<\/p>\n<p>Doch je l\u00e4nger ich danach \u00fcber den Film nachdachte, desto mehr \u00e4rgerte ich mich \u00fcber das Drehbuch: Alle Figuren sind cool und l\u00e4ssig, haben einen kessen Spruch auf der Lippe, fast jeder Dialog l\u00e4uft auf eine Pointe hinaus. Keine der Figuren hat eine ernsthafte Charakterzeichnung, die einzige Figur, die sowas wie eine Entwicklung durchmachen darf, ist die Hauptfigur Ron. Und auch da sehen wir keine Entwicklung, sondern nur Zwischenresultate. Niemand denkt \u00fcber irgendwas nach, alle haben sofort L\u00f6sungen parat. Am st\u00e4rksten stie\u00df mir das in der Japan-Sequenz auf, als Ron das Interferon, wegen dem er angereist ist, nicht kaufen darf. Man sagt ihm, das d\u00fcrften nur einheimische \u00c4rzte. Schnitt: Ron sitzt einem japanisch aussehenden Mann gegen\u00fcber, der englisch spricht, wohl ein Arzt ist und das f\u00fcr ihn erledigt. So sehr ich Erz\u00e4hl\u00f6konomie sch\u00e4tze &#8211; hier h\u00e4tte mich dann doch sehr interessiert, wie er an den kam.<\/p>\n<p>Es soll ein Gesellschaftsbild der Anf\u00e4nge von Aids gezeigt werden, doch wir sehen nur an Ron, welche Konsequenz ein Bekanntwerden einer HIV-Infektion hat: Seine Arbeitskollegen und Freund wollen nichts mehr mit ihm zu tun haben (was aber mehr daran liegt, dass sie ihn automatisch f\u00fcr schwul halten), er verliert seine Wohnung, seinen Arbeitsplatz. Von allen anderen Infizierten wird nichts dergleichen erz\u00e4hlt. Ebenfalls ausgespart wird, dass die Aidskranken dieser ersten Generation scharenweise aufs Elendigste starben. Es wird lediglich mehrfach gesagt, dass Todkranke nichts zu verlieren haben und deswegen bereit sind, auch hochriskante Medikation zu versuchen. Rons eigene Homophobie wird vorgef\u00fchrt, doch das zus\u00e4tzliche Leid, das schwule Kranke durch schwulenfeindliche Ausgrenzung erlebten, spielt keine Rolle. Wobei gerade das ein ernsthafte Beachtung des Problems lange verz\u00f6gerte: &#8220;Ach, ist halt diese Schwulenseuche.&#8221; All das kritisiere ich nicht als Realit\u00e4tsferne, sondern als dramaturgischen Mangel.<\/p>\n<p>Dann die stereotype Verschw\u00f6rungsgeschichte von den b\u00f6sen Pharmakonzernen und Wissenschaftlern, die vorgeblich auf \u00fcberpr\u00fcfbaren Prozessen beharren, in Wirklichkeit aber verhindern wollen, dass wirklich wirksame Medikamente verwendet werden. Ist mir einfach einmal zu oft erz\u00e4hlt worden.<\/p>\n<p>Und das alles, um Ron gut aussehen zu lassen, um eine (zugegebenerma\u00dfen spezielle) Heldengeschichte zu schaffen.<\/p>\n<p>Was bleibt: McConaugheys schauspielerische Leistung. Aber die rettet den Gesamtfilm nicht. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ssl-vg03.met.vgwort.de\/na\/99c49d6ff76f4dc597276024c5119694\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe den Film gerne angesehen, und Matthew McConaughey (dessen Namen ich immer irgendwo rauskopieren muss) hat mich sehr beeindruckt und sah so ungewohnt aus, dass ich ihn nicht mal wie sonst nicht ausstehen konnte. 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