{"id":21554,"date":"2014-07-02T17:03:13","date_gmt":"2014-07-02T15:03:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=21554"},"modified":"2024-07-16T16:38:19","modified_gmt":"2024-07-16T14:38:19","slug":"genossin-kaltmamsell","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2014\/07\/genossin-kaltmamsell.htm","title":{"rendered":"Genossin Kaltmamsell"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/140629_Kartoffelkombinat-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/140629_Kartoffelkombinat-1.jpg\" alt=\"\" width=\"367\" height=\"332\" class=\"size-full wp-image-99676\" \/><\/a><\/p>\n<p>Zum ersten Mal im Leben habe ich als Mitglied an einer Generalversammlung teilgenommen (also nicht als Berichterstatterin oder Organisatorin). Das hat nicht zuf\u00e4llig so lange gedauert: Dazugeh\u00f6ren ist f\u00fcr mich nicht sehr attraktiv, und dass ich mich innerlich generell gegen Mitgliedschaft str\u00e4ube und umgehend Vereinnahmung f\u00fcrchte, mag zu meinen schlechteren Eigenschaften geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Doch seit vergangenem Jahr bin ich Teil der Genossenschaft <a href=\"http:\/\/www.kartoffelkombinat.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kartoffelkombinat<\/a>. Und nun trafen wir uns in einem Gew\u00e4chshaus der G\u00e4rtnerei, aus der wir den gr\u00f6\u00dften Teil unseres Ernteanteils beziehen, zur regul\u00e4ren Generalversammlung \u00fcber das Gesch\u00e4ftsjahr 2013. Ich kam mit S-Bahn und Fahrrad, hatte mir die 20 Minuten Radeln zum Gem\u00fcsehof allerdings deutlich sommeridyllischer vorgestellt als im Dauerregen des vergangenen Sonntags. Zumindest ist jetzt die H\u00fcrde des Erstbesuchs genommen, jetzt m\u00fcsste ich viel einfacher den Hintern hochkriegen zum zweiw\u00f6chentlichen Mitg\u00e4rtnern, auf das ich sehr neugierig bin.<\/p>\n<p>Es ging um Gesch\u00e4ftszahlen (Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung), um Lagebericht und Zukunftspl\u00e4ne &#8211; vieles kannte ich aus meiner Gesch\u00e4ftsberichtsvergangenheit. Aufsichtsratsvorsitzender Horst Bokelmann f\u00fchrte locker und zu 100 Prozent dem Publikum angemessen durch die Versammlung. Er erkl\u00e4rte viel, zum Beispiel die Pflichtschritte dieser Generalversammlung, auch missverst\u00e4ndliche Begriffe wie &#8220;Entlastung&#8221; von Vorstand und Aufsichtsrat. <\/p>\n<p>Sp\u00e4testens seit Lagebericht und Ausblick wei\u00df ich, wie bedacht und sorgf\u00e4ltig die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer und Gr\u00fcnder Simon Scholl und Daniel \u00dcberall dieses Projekt steuern. Au\u00dferdem kenne ich jetzt den Status Quo unserer Genossenschaft.<\/p>\n<p>Noch geh\u00f6rt uns kein Land, sind wir auch nicht selbst P\u00e4chter. Das Kartoffelkombinat arbeitet haupts\u00e4chlich <a href=\"http:\/\/www.kartoffelkombinat.de\/blog\/uber-uns\/die-gartnerei\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">mit einem Gem\u00fcsehof in Eschenried<\/a> zusammen, von dort kommt das meiste unseres Ernteanteils (aber nicht die Kartoffeln, daf\u00fcr eignet sich der Boden nicht). Seit 2014 sind wir der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Solidarische_Landwirtschaft\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">solidarischen Landwirtschaft<\/a> einen Schritt n\u00e4her: Der Anbau des Gem\u00fcsehofs wird von Genossenschaftsgeld vorfinanziert. Auch die Geh\u00e4lter eines Teils des G\u00e4rtnereipersonals werden von uns gezahlt (und ja: auf angemessene H\u00f6he wird geachtet, wir sind ja nicht Marktwirtschaft). Nach und nach werden alle Partnerbetriebe in die Prinzipien der solidarischen Landwirtschaft gebracht.<br \/>\nUnsere Ernteanteile stimmen die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer ab auf Boden, Jahreszeit, Wetter sowie auf die Pl\u00e4ne und Priorit\u00e4ten der Partnerh\u00f6fe. Doch erst wenn wir selbst Vollp\u00e4chter oder Besitzerinnen sind, k\u00f6nnen wir zum Beispiel ganz bestimmen, was genau angebaut wird. Dazu gibt es Verhandlungen, aber kein zeitliches Ziel (gut so, wir sind ja nicht Marktwirtschaft).<br \/>\nAuch dieses Jahr wird es so vern\u00fcnftige Aktionen geben wie das Einkochen von Ernte\u00fcbersch\u00fcssen in Sugo: Statt Fluten an Tomaten und Zucchini auf die Genossinnen aufzuteilen, die sich jede und jeder einzeln in die K\u00fcche stellen und einkochen, wird das zusammen in einer Gro\u00dfk\u00fcche gemacht. Die Gl\u00e4ser mit Sugo waren zwischen dem Lagergem\u00fcse im Winter eine echte Bereicherung, und der Sugo war k\u00f6stlich.<br \/>\nAu\u00dferdem sind Simon und Daniel sehr konkret an einer ganzen Anzahl m\u00f6glicher Kooperationen und Zukunftsprojekten &#8211; alles klang gro\u00dfartig (und nach einem R\u00e4tsel, wie sie das blo\u00df zeitlich schaffen).<\/p>\n<p>Die Genossenschaft ist deutlich schneller gewachsen als bei der Gr\u00fcndung Mitte 2012 erwartet, derzeit sind wir um die 500 Haushalte. Welch ein logistischer Aufwand dahinter steckt, kann ich nur ahnen. Doch immer noch machen Simon und Daniel das Ganze gr\u00fcndlich \u00fcberlegt, nicht nur mit Leidenschaft und Idealismus (au\u00dferdem von einem sehr kompetent wirkenden Aufsichtsrat beraten). F\u00fcr Herbst ist eine neue Testphase f\u00fcr Interessenten geplant. Wer das nicht verpassen m\u00f6chte, abonniert am besten den Feed des <a href=\"http:\/\/www.kartoffelkombinat.de\/blog\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kartoffelkombinatblogs<\/a> oder <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Kartoffelkombinat\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Facebook<\/a>.<\/p>\n<p>\u00dcber die Stunden der Versammlung, durch das Kennenlernen von Vorstand, Aufsichtsrat und Mitgenossinnen sp\u00fcrte ich, wie das eine oder andere Band um mein Herz sprang. Mir wurde klar, welche Verheerungen das Erleben der New Economy und der nachfolgenden Jahre in der gro\u00dfen freien Wirtschaft an meinem Weltbild angerichtet hatten. <a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2008\/01\/das-mit-der-leidenschaft.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Dem Lob der Leidenschaft misstraue ich<\/a>: Einfach nur Leidenschaft f\u00fcr eine Idee oder Sache ist erst mal weder gut noch schlecht, sondern sehr wahrscheinlich pers\u00f6nliche Veranlagung. Die Start-up-Gr\u00fcnder in der New Economy waren zum gr\u00f6\u00dften Teil leidenschaftlich, begeistert, einsatzbereit. Aber ihnen fehlte zum allergr\u00f6\u00dften Teil jegliches Verantwortungsbewusstsein. Und ohne dieses bringt kein leidenschaftlicher Einsatz der Welt die Welt weiter. Auch in Unternehmen habe ich vision\u00e4re, begeisterte und begeisternde Menschen ohne \u00fcbergreifende Werte und verwurzelten Anstand kennengelernt. Und mich immer schneller vor ihnen zur\u00fcckgezogen. Mittlerweile bin ich f\u00fcr die Gedanken sachlicher Langweiler deutlich offener als f\u00fcr Menschen, die auf Begeisterung abzielen.<\/p>\n<p>Die Menschen hinter dem Kartoffelkombinat erlebte ich als sachlich. Ich bin mir bewusst, dass mir das Ziel einer lokalen Versorgungsstruktur deshalb vern\u00fcnftig erscheint, weil ich die Pr\u00e4missen teile. Aber ich glaube ihnen, dass es wirklich darum geht. Ich beginne, eine Art von Vertrauen zu fassen, die ich f\u00fcr dauerhaft kaputt gehalten hatte.<\/p>\n<p><i>Disclaimer: Ich bin keine Expertin in Genossenschaftsrecht noch in solidarischer Landwirtschaft und habe m\u00f6glicherweise das eine oder andere missverstanden. Alle sachlichen Fehler gehen auf meine Kappe, \u00fcber Korrekturen freue ich mich.<\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ssl-vg03.met.vgwort.de\/na\/660a5b60e2af4036ab552b7b871ed81a\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum ersten Mal im Leben habe ich als Mitglied an einer Generalversammlung teilgenommen (also nicht als Berichterstatterin oder Organisatorin). Das hat nicht zuf\u00e4llig so lange gedauert: Dazugeh\u00f6ren ist f\u00fcr mich nicht sehr attraktiv, und dass ich mich innerlich generell gegen Mitgliedschaft str\u00e4ube und umgehend Vereinnahmung f\u00fcrchte, mag zu meinen schlechteren Eigenschaften geh\u00f6ren. 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