{"id":22009,"date":"2014-08-24T11:10:13","date_gmt":"2014-08-24T09:10:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=22009"},"modified":"2014-08-25T07:18:47","modified_gmt":"2014-08-25T05:18:47","slug":"beifang-aus-dem-internet-34","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2014\/08\/beifang-aus-dem-internet-34.htm","title":{"rendered":"Beifang aus dem Internet  &#8211; 34"},"content":{"rendered":"<p>Vor f\u00fcnf Jahren erfreute mich Kathrin Passigs Artikel &#8220;Standardsituationen der Technologiekritik&#8221;, auf der darauffolgenden re:publica ihr Vortrag zum Gegenst\u00fcck des Technologieoptimismus&#8217;. Jetzt hat sie eine Aktualisierung ver\u00f6ffentlicht:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/funkkorrespondenz.kim-info.de\/artikel.php?pos=Thema%20MEDIENEVOLUTION&#038;nr=11326\" target=\"_blank\">&#8220;Neue Technologien, alte Reflexe&#8221;<\/a>.<\/p>\n<blockquote><p>2009 habe ich einen Artikel \u00fcber falsche Vorhersagen geschrieben. Er hei\u00dft wie das Buch, in dem er Anfang 2013 abgedruckt wurde: \u201eStandardsituationen der Technologiekritik\u201c. Es war ein leidlich lustiger Text, der bis heute oft zitiert wird. Leider ist er ganz falsch. Das ist noch ein bisschen ung\u00fcnstiger, weil das Buch gerade erst erschienen ist. Es ist eine Essaysammlung, und jetzt gehen die Leute davon aus, dass der Text meine aktuelle Meinung wiedergibt, was nicht stimmt. Technikoptimisten m\u00f6gen den Text, weil er Skeptiker bl\u00f6d aussehen l\u00e4sst. Es ist immer sch\u00f6n, wenn irgendwas andere Leute bl\u00f6d aussehen l\u00e4sst. Man kann sich ganz leicht \u00fcber Vorhersagen im Allgemeinen lustig machen und in diese Falle bin ich hineingetappt. Man findet jede Menge falscher Vorhersagen und durch das Internet ist es noch leichter geworden. Aber dass es diese ganzen falschen Vorhersagen gibt, beweist an sich noch \u00fcberhaupt nichts.<\/p><\/blockquote>\n<p>Hilfreich sind vor allem die Folgerungen, die Kathrin Passig aus ihren Irrt\u00fcmern zieht.<br \/>\nBei mir war die lehrreiche Erfahrung \u00fcbrigens die v\u00f6llige Fehleinsch\u00e4tzung von SMS: Hallo? Schreiben auf dem Telefon? Wo doch immer weniger Leute \u00fcberhaupt schreiben! Und dann auch noch derart unanatomisch mit dem Daumen? Dieses SMS-Zeugs wird verschwinden, bevor auch nur mehr als die expertigsten Experten davon geh\u00f6rt haben.<br \/>\nSeither, so bilde ich mir zumindest ein, bin ich vorsichtig mit wegwerfenden Prognosen \u00fcber neue Erscheinungen.<br \/>\nDas ist genau der Punkt, der mich an manchem daf\u00fcr bezahlten Publizisten verzweifeln l\u00e4sst: Jeder irrt sich mal kolossal. Doch selbst nach belegbaren Fehleinsch\u00e4tzungen von der Zuverl\u00e4ssigkeit der eigenen Einsch\u00e4tzungsreflexe auszugehen, kann ich nur als Dummheit ansehen.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Andrea Diener war in Brighton &#8211; hach! Und sie hat dort fotografiert und dar\u00fcber geschrieben &#8211; HACH!<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/reise\/unter-briten-in-brighton-pretty-eccentric-13106636.html?printPagedArticle=true#pageIndex_0\" target=\"_blank\">&#8220;Unter Briten in Brighton. Pretty eccentric!&#8221;<\/a><\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Nach zehn Jahren Schweigen schreibt sie nun selbst, wie es ist, Monica Lewinsky zu sein &#8211; vor allem ganz offensichtlich eine bemerkenswert kluge Frau, die den Schandm\u00e4ulern in vielerlei Hinsicht \u00fcberlegen ist:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.vanityfair.com\/society\/2014\/06\/monica-lewinsky-humiliation-culture\" target=\"_blank\">&#8220;Shame and Survival&#8221;.<\/a><\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Ein DAX-Personalvorstand analysiert, warum in den vergangenen Jahren so viele von den wenigen Frauen gescheitert sind, die in echte Machtpositionen bei Gro\u00dfunternehmen kamen:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/debatte-um-die-quote-wenn-frauen-scheitern-ist-das-ein-privatproblem-1.2091905\" target=\"_blank\">&#8220;Wenn Frauen scheitern, ist das ein Privatproblem&#8221;.<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Jeder Statistiker wei\u00df, dass systemisch irgendetwas schiefl\u00e4uft, wenn acht von insgesamt 17 weiblichen Vorst\u00e4nden nach nicht mal der H\u00e4lfte ihrer Vorstandsperiode ausscheiden. Neueste Studien zeigen, dass weibliche Vorst\u00e4nde durchschnittlich nach etwa drei Jahren aus ihrem Amt scheiden, w\u00e4hrend M\u00e4nner acht Jahre verweilen &#8211; und damit fast drei Mal so lang. Ein mit Einzelf\u00e4llen nicht erkl\u00e4rbares Muster.<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Nein, daran werde ich mich nie gew\u00f6hnen, dagegen werde ich nie abstumpfen:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/wissen\/brutale-drohungen-im-internet-hetze-gegen-genderforscherinnen\/10318416.html\" target=\"_blank\">&#8220;Brutale Drohungen im Internet. Hetze gegen Genderforscherinnen&#8221;.<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Die jetzige Vorsitzende der FG Gender, die Arbeitssoziologin Susanne V\u00f6lker von der Universit\u00e4t K\u00f6ln, h\u00e4lt die Aggression f\u00fcr einen Ausdruck sozialer Verunsicherung. \u201eArbeit wird prek\u00e4rer, die eigene Position fraglich\u201c, sagt V\u00f6lker. \u201eDa fragen sich einige: Kann ich noch Familienern\u00e4hrer sein? Was bin ich sonst? Wissen wir noch, was M\u00e4nner und Frauen zu tun haben?\u201c V\u00f6lker sieht keine \u201eMassenstimmung\u201c gegen die Gender Studies. Doch einzelne \u2013 \u201e\u00fcberwiegend M\u00e4nner\u201c \u2013 tr\u00fcgen ihre Unsicherheit \u00fcber die Geschlechterfrage aus. V\u00f6lker spricht, in Anlehnung an den G\u00f6ttinger Soziologen Berthold Vogel, von der \u201enerv\u00f6sen Mitte\u201c.<\/p>\n<p>Diese Verunsicherung ist auch innerhalb der Wissenschaft sp\u00fcrbar. M\u00e4nnliche Kollegen h\u00e4tten das Gef\u00fchl, keine Stellen mehr zu bekommen, weil \u00fcberall Gender-Studies-Lehrst\u00fchle eingerichtet w\u00fcrden, sagt Hark. In der Statistik spiegelt sich das nicht wider: Harks Stelle ist die einzige in Deutschland mit der ausschlie\u00dflichen Denomination Gender Studies. 160 weitere Professuren haben einen Genderschwerpunkt innerhalb ihrer Disziplin, doch das sind nur 0,4 Prozent aller Professuren. \u201eDass die Gender Studies etwas erreicht haben, wird schon als Angriff gewertet\u201c, sagt Susanne V\u00f6lker.<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Sch\u00f6n, wenn eine Analyse der Zeitungszukunft aus einer Printredaktion kommt und trotzdem nicht die \u00fcblichen Reflexe wiederholt:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/unternehmen\/zeitungen-in-der-krise-medienwandel-und-internet-13089556.html?printPagedArticle=true#pageIndex_0\" target=\"_blank\">&#8220;Zeitungskrise. In eigener Sache&#8221;.<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Zeitungen waren schnell, billig und ein Massenmedium. Ihren gr\u00f6\u00dften Triumph (was nicht mit der gr\u00f6\u00dften Auflage identisch ist) erlebten sie an der Schwelle vom 19. zum 20. Jahrhundert. \u201eDamals waren Zeitungen einfach cool\u201c, sagt der Bamberger Kommunikationswissenschaftler Rudolf St\u00f6ber.<\/p>\n<p>Weil damals endlich fast alle Menschen in Deutschland lesen und schreiben konnten, wurden Zeitungen zum billigen Kommunikationsmittel f\u00fcr jedermann (man bekam sie f\u00fcr ein paar wenige Pfennige); sie enthielten zudem das Versprechen des sozialen Aufstiegs. Wer sich ein Zeitungsabonnement leisten konnte, der hatte es geschafft und konnte sich sehen lassen. Man muss sich das so vorstellen wie heute das iPhone und iPad (oder vor ein paar Jahren den Blackberry), Statussymbole, mit denen man Coolness und Zugeh\u00f6rigkeit zu den angesagten Kreisen signalisiert.<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Falls Ihnen aufgefallen ist, wie viel h\u00e4ufiger ich <i>FAZ-Artikel<\/i> verlinke als die der <i>S\u00fcddeutschen Zeitung<\/i>, obwohl ich doch Print-Abonnentin der <i>S\u00fcddeutschen<\/i> bin: Die <i>SZ<\/i> stellt deutlich weniger frei verf\u00fcgbar online, erm\u00f6glicht es immer noch nicht mal, f\u00fcr einzelne Artikel zu bezahlen, besteht weiter auf dem atavistischen Abomodell auch online. Der Preis daf\u00fcr: Erheblich weniger Teil der Debatte zu sein.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Eine Journalistin recherchiert die Kosten f\u00fcr Hygieneprodukte f\u00fcr Frauen und postet dazu eine Frage bei Twitter. Wieder muss sie die Reaktionen einfach nur zitieren, um geradezu hysterischen Sexismus zu dokumentieren:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/storify.com\/JessicaValenti\/what-happens-when-a-woman-writer-asks-a-question-o\" target=\"_blank\">&#8220;What happens when a female writer asks a question on Twitter about women&#8217;s health&#8221;.<\/a><\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Ich gestehe: Die Probleme in Ferguson habe ich lediglich aus dem Augenwinkeln verfolgt &#8211; das war mir in all dem Krieg, Mord und Totschlag, die derzeit die Nachrichten dominieren, eine Krise zu viel.<\/p>\n<p>M\u00f6glicherweise reicht es ja auch, die Zusammenfassung von John Oliver zu sehen, um das Thema zu erfassen.<\/p>\n<div class=\"video-wrapped\" style=\"width: 500px; height: 281px; background-image: url('https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-content\/plugins\/video-embed-privacy\/preview\/KUdHIatS36A.jpg')\" data-embed-frame=\"&lt;iframe title=&quot;Ferguson, MO and Police Militarization: Last Week Tonight with John Oliver (HBO)&quot; width=&quot;500&quot; height=&quot;281&quot; src=&quot;https:\/\/www.youtube.com\/embed\/KUdHIatS36A?feature=oembed&quot; frameborder=&quot;0&quot; allow=&quot;accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share&quot; referrerpolicy=&quot;strict-origin-when-cross-origin&quot; allowfullscreen&gt;&lt;\/iframe&gt;\" data-embed-play=\"Abspielen&lt;div class=&quot;small&quot;&gt;Das Video wird von Youtube eingebettet abespielt. Es gilt die &lt;a href=&quot;https:\/\/www.google.com\/intl\/de\/policies\/privacy\/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Datenschutzerkl\u00e4rung von Google&lt;\/a&gt;&lt;\/div&gt;\">\n<div class=\"video-wrapped-nojs\">Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.<br \/><a href=\"http:\/\/youtu.be\/KUdHIatS36A\">http:\/\/youtu.be\/KUdHIatS36A<\/a><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor f\u00fcnf Jahren erfreute mich Kathrin Passigs Artikel &#8220;Standardsituationen der Technologiekritik&#8221;, auf der darauffolgenden re:publica ihr Vortrag zum Gegenst\u00fcck des Technologieoptimismus&#8217;. Jetzt hat sie eine Aktualisierung ver\u00f6ffentlicht: &#8220;Neue Technologien, alte Reflexe&#8221;. 2009 habe ich einen Artikel \u00fcber falsche Vorhersagen geschrieben. Er hei\u00dft wie das Buch, in dem er Anfang 2013 abgedruckt wurde: \u201eStandardsituationen der Technologiekritik\u201c. [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-22009","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-general"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22009","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=22009"}],"version-history":[{"count":18,"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22009\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":22213,"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22009\/revisions\/22213"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=22009"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=22009"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=22009"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}