{"id":2212,"date":"2007-11-30T09:57:14","date_gmt":"2007-11-30T08:57:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2007\/11\/frausein-ist-schlecht-fur-gehalt-und-karriere.htm"},"modified":"2008-01-02T09:27:05","modified_gmt":"2008-01-02T08:27:05","slug":"frausein-ist-schlecht-fur-gehalt-und-karriere","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2007\/11\/frausein-ist-schlecht-fur-gehalt-und-karriere.htm","title":{"rendered":"Frausein ist schlecht f\u00fcr Gehalt und Karriere"},"content":{"rendered":"<p>So so: \u201eDie Differenz zwischen Frauen- und M\u00e4nnergeh\u00e4ltern ist in Deutschland gr\u00f6\u00dfer als in fast allen anderen Industriestaaten.\u201c Das hat laut <i>S\u00fcddeutscher Zeitung<\/i> eine Studie der OECD herausgefunden und nennt als eine Ursache die typischerweise lange Babypause deutscher M\u00fctter. So weit, so wenig \u00fcberraschend.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich \u00fcberraschend hingegen finde ich ein Detail eines Essays in der <i>Harvard Business Review<\/i>, September 2007 (<a href=\"http:\/\/tinyurl.com\/2ouc2f\" target=_new>\u201eWomen and the Labyrinth of Leadership\u201c von Alice H. Eagly und Linda L. Carli<\/a>): Eine Studie des U.S. Government Accountability Office untersuchte die Entwicklung der Geh\u00e4lter zwischen 1983 und 2000. Ber\u00fccksichtigt wurden Vollzeit- sowie Teilzeitkr\u00e4fte, zudem eine ganze Reihe von Faktoren, die sich auf das Gehalt auswirken k\u00f6nnen, darunter Ausbildung, Arbeitszeiten und Berufserfahrung. So konnte man festhalten, dass M\u00e4nner pro Jahr mehr bezahlte Arbeitsstunden leisteten und im gleichen Alter mehr Berufserfahrung hatten. <\/p>\n<blockquote><p>Although most variables affected the wages of men and women similarly, there were exceptions. Marriage and parenthood, for instance, were associated with higher wages for men but not for women. In contrast, other characteristics, especially years of education, had a more positive effect on women\u2019s wages than on men\u2019s.<\/p><\/blockquote>\n<p>Aber, und jetzt kommt\u2019s: Selbst wenn man alle Faktoren rausrechnete, die M\u00e4nner und Frauen unterscheiden, ergaben sich niedrigere Geh\u00e4lter bei Frauen als bei M\u00e4nnern. Das war mir neu.<\/p>\n<p>Eagly und Carli untersuchen also in ihrem Essay, ob denn die oft genutzte Metapher vom <i>glass ceiling<\/i>, an die Frauen auf ihrem Karriereweg nach oben angeblich irgendwann dotzen, \u00fcberhaupt stimmt. Ihr Ergebnis: Nein, die Hindernisse f\u00fcr einen Aufstieg sind vom ersten Arbeitstag an da, und sie bestehen aus Stereotypen und Geschlechterklischees (<i>gender bias<\/i>). <\/p>\n<blockquote><p>Study after study has affirmed that people associate women and men with different traits and link men with more of the traits that connote leadership. Kim Campbell, who briefly served as the prime minister of Canada in 1993, described the tension that results: \u201cI don\u2019t have a traditionally female way of speaking \u2026 I\u2019m quite assertive. If I didn\u2019t speak the way I do, I wouldn\u2019t have been seen as a leader. But my way of speaking may have grated on people who were not used to hearing it from a woman. It was the right way for a leader to speak, but it wasn\u2019t the right way for a woman to speak. It goes against type.<\/p><\/blockquote>\n<p>Hier haben wir den typischen <i>double bind<\/i>, in den Frauen im Berufsleben geraten. Frauen werden mit Empathie und gemeinschaftsorientiertem Verhalten (von Psychologen <i>communal<\/i> genannt) assoziiert, M\u00e4nner mit Initiative und Kontrolle (<i>agentic<\/i> Verhalten). Letzteres bedeutet agressives, ehrgeiziges, dominantes Verhalten, selbstbewusst und gerne auch eigenn\u00fctzig \u2013 genau die Eigenschaften, die man von F\u00fchrungskr\u00e4ften erwartet. Verhalten sich Frauen also sehr <i>communal<\/i>, werden sie kritisiert, nicht <i>agentic<\/i> genug zu sein. Doch sind sie sehr <i>agentic<\/i>, werden sie f\u00fcr ihren Mangel an Gemeinschaftssinn kritisiert. So oder so: kein Chefmaterial.<\/p>\n<blockquote><p>Studies have gauged reactions to men and women engaging in various types of dominant behaviour. The findings are consistent. Nonverbal dominance, such as staring at others while speaking to them or pointing at people, is a more damaging behaviour for women than for men. Verbally intimidating others can undermine a women\u2019s influence, and assertive behaviour can reduce her chances of getting a job or advancing in her career. Simply disagreeing can sometimes get women into trouble. Men who disagree or otherwise act dominant get away with it more often than women do. (\u2026) Perhaps this is why respondents in one study characterized the group \u201csuccessful female managers\u201d as more deceitful, pushy, selfish, and abrasive than \u201csuccessful male managers\u201d.<\/p><\/blockquote>\n<p>Dabei werde Frauen laut diesen Untersuchungen nicht mal f\u00fcr stereotyp weibliches Verhalten gelobt \u2013 weil es bei ihnen als selbstverst\u00e4ndlich angenommen wird. Verh\u00e4lt sich aber ein m\u00e4nnlicher Chef <i>communal<\/i>, wird das ganz besonders honoriert.<\/p>\n<p>Eagly und Carli belegen zudem (es ist ein langes Essay), dass sich die Geschlechter-Stereotypisierung bereits weit vor einer m\u00f6glichen Chef-Position zum Schaden von Frauen auswirkt: Geht es um Familiengr\u00fcndung, sind es nicht nur auch heute weit h\u00e4ufiger die Frauen, die daf\u00fcr berufliche Abstriche machen \u2013 dies wird bei der Verteilung von Posten sogar automatisch angenommen.<\/p>\n<blockquote><p>Even women who have found a way to relieve pressures from the home front by sharing child care with husbands, other familiy members, or paid workers may not enjoy the full workplace benefit of having done so. Decision makers often assume that mothers have domestic responsibilities that make it inappropriate to promote them to demanding positions.<\/p><\/blockquote>\n<p>Von V\u00e4tern wird das nicht angenommen.<\/p>\n<p>(Nur zur Sicherheit: Fallbeispiele aus dem eigenen Gesichtfeld entkr\u00e4ften wissenschaftlich gesicherte Daten keineswegs. Weder die eine Kollegin, die trotz weiblichem Charme und Esprit in die Hauptabteilungsleitung geklettert ist und von allen Seiten respektiert wird. Noch: \u201eMeine Frau verdient aber mehr als ich.\u201c Es handelt sich um Ausnahmen.)<\/p>\n<p>Mittlerweile gibt es Eaglys und Carlis Ausf\u00fchrungen auch als Buch:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Through-Labyrinth-Become-Leaders-Leadership\/dp\/1422116913\/ref=sr_1_1?ie=UTF8&#038;s=books-intl-de&#038;qid=1196411844&#038;sr=1-1\"><i>Through the Labyrinth. The Truth about How Women Become Leaders.<\/i><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So so: \u201eDie Differenz zwischen Frauen- und M\u00e4nnergeh\u00e4ltern ist in Deutschland gr\u00f6\u00dfer als in fast allen anderen Industriestaaten.\u201c Das hat laut S\u00fcddeutscher Zeitung eine Studie der OECD herausgefunden und nennt als eine Ursache die typischerweise lange Babypause deutscher M\u00fctter. So weit, so wenig \u00fcberraschend. 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