{"id":22532,"date":"2015-06-11T06:55:10","date_gmt":"2015-06-11T04:55:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=22532"},"modified":"2015-06-11T09:48:59","modified_gmt":"2015-06-11T07:48:59","slug":"mit-ende-40-einen-neuen-job-suchen-grosse-brocken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2015\/06\/mit-ende-40-einen-neuen-job-suchen-grosse-brocken.htm","title":{"rendered":"Mit Ende 40 einen neuen Job suchen &#8211;<br>gro\u00dfe Brocken"},"content":{"rendered":"<p>Nach 18 Monaten, 65 Bewerbungen und 8 Vorstellungsgespr\u00e4chen habe ich also eine neue Stelle. Jetzt traue ich mich, von meinen Erfahrungen in dieser Zeit zu berichten.<\/p>\n<p>Um eines gleich mal klar zu stellen: Ja, das habe ich mir selber eingebrockt (mit einer K\u00fcndigung aus einem sicheren Job, der mir Anerkennung und gutes Gehalt bot, aus reinem GEHT NICHT MEHR). Aber ich wurde davon \u00fcberrascht, wie gro\u00df die Brocken waren.<\/p>\n<p>Diese Zeit hat mich in vielerlei Hinsicht ver\u00e4ndert. Eine Folge des langen vergeblichen Bewerbens: \u00dcber die Monate sah ich meine Selbstsicht best\u00e4tigt. Ich bin tats\u00e4chlich so unf\u00e4hig, wie ich das immer gesehen habe. Das war gar kein <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Impostor_syndrome\" target=\"_blank\"><i>impostor syndrom<\/i><\/a>, sondern schlicht Realismus.<br \/>\nNa gut, formulieren wir es neutraler: Ich habe ein wenig Demut gelernt.<\/p>\n<p>Die Ausgangsbasis: Was alles an meinem bisherigen Berufsleben nicht mehr ging, war mir klar und benannt. Doch wie ich mir die Alternative w\u00fcnschte, fand ich deutlich m\u00fchsamer heraus.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p><strong>Hoffnungsfroher Anfang und langsamer\u00a0Absturz<\/strong><\/p>\n<p>Systematisch auf der Suche war ich ab Dezember 2013, in erster Linie \u00fcber StepStone. Erst sp\u00e4ter abonnierte ich auch die Stellennewsletter von Arbeitgebern, die ich mir w\u00fcnschte, und Indeed.<br \/>\nAnfangs suchte ich in der Jobrichtung Kommunikation, Schwerpunkte PR, Corporate Publishing, Online-Medien (Social Media geh\u00f6rt f\u00fcr mich per Definition dazu), als Arbeitsorte stellte ich M\u00fcnchen und Umgebung ein (also S-Bahn-Gebiet), zudem Berlin.<\/p>\n<p>Und das lie\u00df sich gut an: Eine Agentur f\u00fcr Change Management suchte jemanden, der Social Media in interne Kommunikation integriert. Ich wurde gleich zum Bewerbungsgespr\u00e4ch eingeladen, und auch das verlief eigentlich sehr erfreulich. &#8220;Eigentlich&#8221; deshalb, weil der konkrete Einsatz zu 90 Prozent allein beim Kunden vor Ort stattfinden sollte und weil sich bei der konkreten Branche, dem konkreten Kunden und dem konkreten Einsatzort alles in mir sperrte: Um auf diese Weise, zu diesem Thema, bei denen und dort zu arbeiten, h\u00e4tte ich pers\u00f6nlichkeitsver\u00e4ndernde Medikamente gebraucht. Ich sagte noch vor der n\u00e4chsten Gespr\u00e4chsrunde ab.<\/p>\n<p>Doch dann kam mehrere Monate lang: nichts. Ich bewarb mich im Schnitt alle zwei Wochen, ausschlie\u00dflich auf Stellen, die ich wirklich haben wollte. F\u00fcr alle war ich geeignet, bei allen betonte ich durch Angabe meiner Gehaltsvorstellungen, dass ich nicht so teuer war, wie mein Lebenslauf aussah. Drei dieser Ausschreibungen passten so genau auf mein Profil (Kenntnisse, Erfahrungen, Branche), dass eigentlich nur noch meine Name als Anforderung fehlte. Auf die erste bewarb ich mich tats\u00e4chlich noch mit der Haltung: &#8220;Na, dann tun wir denen halt den Gefallen einer Bewerbung.&#8221; Doch diesen drei und allen anderen Bewerbungen war gemein, dass man mich nicht mal kennenlernen wollte. Ich flog bereits durch den ersten Anblick meiner Unterlagen raus.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p><strong>Reality Check<\/strong><\/p>\n<p>Als auch beim dritten 150-prozentigen Job eine kurz angebundene Absage kam, war ich best\u00fcrzt: Offensichtlich verkannte ich die Situation; vielleicht war ich schlicht wirklich unbrauchbar.<\/p>\n<p>Doch zum einen \u00fcberlegte ich, dass das im Grunde das erste Mal in meinem Leben war, dass ich mich ganz regul\u00e4r bewarb. Von allen Stellen davor hatte ich \u00fcber pers\u00f6nliche Tipps erfahren, f\u00fcr alle Stellen davor war ich ein pers\u00f6nlicher Tipp gewesen. Ich begann, bei Bekannten herumzufragen, lie\u00df mir Tipps geben, schrieb Headhuntereien an, die auf meine Branche spezialisiert sind.<\/p>\n<p>Sogar an meinen fr\u00fcheren Chef wandte ich mich. Der Gute war weiterhin zugewandt und hilfsbereit, obwohl ich ihm die Jobt\u00fcre ins Gesicht geworfen hatte. Er schilderte mir die Situation aus seiner Warte des Einstellers. Man mache halt, so erkl\u00e4rte er, aus den eingehenden Bewerbungen drei Stapel:<br \/>\n1 &#8211; Passt sehr gut zum Jobprofil.<br \/>\n2 &#8211; Passt sehr gut bis \u00fcberhaupt zum Jobprofil &#8211; die sehen wir uns an, wenn in Stapel 1 niemand geklappt hat.<br \/>\n3 &#8211; Wie um Himmels Willen kommen die auf die Idee sich zu bewerben?!<br \/>\nAufgrund meines Alters und meiner \u00dcberqualifikation landete ich seiner Einsch\u00e4tzung nach immer auf Stapel 2 &#8211; nur dass bei der Art Job, auf die ich mich bewarb, wahrscheinlich bereits eine passende Kandidatin in Stapel 1 war.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p><strong>Was nicht mehr geht<\/strong><\/p>\n<p>Einmal wurde ich selbst angeschrieben: von einem Headhunter, f\u00fcr eine F\u00fchrungsposition in einem Gro\u00dfunternehmen, die sehr gut auf mein Profil passte. Ich lie\u00df mich darauf ein, da ich mich nicht schon wieder anstellen wollte, es kam bis zum gro\u00dfen Vorstellungstermin: Ein Desaster.<\/p>\n<p>Mir war anschlie\u00dfend bis ins Mark peinlich, dass ich nicht hatte glauben wollen, wie sehr\u00a0manche Gro\u00dfunternehmen all die b\u00f6sen Dinge sehenden Auges tun, ohne den leisesten Anspruch, damit auch auf eine gesellschaftliche Verbesserung einzuzahlen. Schaun Sie: W\u00e4re ich in solch einem Unternehmen eine kleine Mitarbeiterin am IT-Helpdesk, k\u00f6nnte ich mir vielleicht noch einreden, dass das nichts mit mir zu tun hat. Das kann ich aber auf keinen Fall, wenn ich f\u00fcr das Unternehmen sprechen soll.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p><strong>Das bizarrste Erlebnis<\/strong><\/p>\n<p>Das bizarrste Erlebnis hatte ich mit einer gro\u00dfen, internationalen Agentur mit Hauptsitz in Paris. Sie hatte eine Stelle &#8220;Content Manager&#8221; ausgeschrieben, laut Stellenbeschreibung ging es um das Redigieren von Inhalten f\u00fcr und das Bef\u00fcllen einer Website (dass &#8220;Content Management&#8221; heutzutage alles von Chefredaktion bis Copy\/Paste hei\u00dfen kann, lernte ich ebenfalls in diesen 18 Monaten). Ich wurde Anfang August 2014 zum Vorstellungsgespr\u00e4ch eingeladen und bekam dort einen 40-min\u00fctigen Vortrag \u00fcbers Unternehmen. Dann wurde mir kurz die Stelle geschildert. Sie interessierte mich, auch wenn die Branche des betreffenden Kunden \u00fcberhaupt nicht das Meine war.<\/p>\n<p>Es folgte wenige Tage sp\u00e4ter ein zweites Gespr\u00e4ch mit zwei anderen Menschen: Jetzt wurde mir ein anderer Job in dieser Agentur angeboten. Dieser klang rundum spannend, hochtechnische Themen, interessanter Kunde aus interessanter Branche, Umstrukturierungsprojekt, Online-Kommunikation, international, Projektleitung nach wenigen Monaten. Ich war begeistert. Die Schwierigkeit lag in meiner K\u00fcndigungsfrist, ich h\u00e4tte innerhalb weniger Tage einen Vertrag gebraucht, um die sechs Wochen zum n\u00e4chsten Quartalsende noch zu schaffen und zum 1. Oktober zu wechseln. Die direkt Beteiligten riefen mich regelm\u00e4\u00dfig an und hielten mich auf neuestem Stand, doch das klappte dann knapp nicht.<\/p>\n<p>Es meldete sich wieder ein Mensch aus dem ersten Gespr\u00e4ch: Eigentlich sehe man bei mir ohnehin noch viel weiter reichende Einsatzm\u00f6glichkeiten, ich solle mich am besten mal mit der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung unterhalten.<\/p>\n<p>Dieses Gespr\u00e4ch mit der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung Ende September (es war dann doch ich, die dem Termin hinterherjagen musste) verlief angenehm und konstruktiv, mir wurde eine konkrete Stelle angeboten, wir waren uns einig. Man bedauerte lediglich, dass ich erst zum 1. Januar w\u00fcrde antreten k\u00f6nnen, eigentlich w\u00fcrde ich fr\u00fcher gebraucht. Die Personalabteilung schickte mir einen Personalbogen, ich schickte ihn ausgef\u00fcllt und mit weiteren erbetenen Unterlagen zur\u00fcck und wartete auf den Arbeitsvertrag. Und wartete. Und wartete. Als sich der Termin n\u00e4herte, zu dem ich f\u00fcr einen Wechsel zum 1. Januar k\u00fcndigen musste (Mitte November), rief ich mich per E-Mail an die Personalabteilung in Erinnerung. Diese beschied mir, das sei alles kompliziert, man verhandle zu meiner Stelle noch mit der Zentrale. Wenige Tage vor meiner K\u00fcndigungsfrist hakte ich nochmal nach: Ich bat um Auskunft zum Stand der Dinge, auch dann, wenn inzwischen eine Entscheidung gegen meine Einstellung gefallen sei. Es folgte: mehrt\u00e4giges Schweigen. Ich schluckte Stolz und Trotz hinunter und versuchte den Kontakt hartn\u00e4ckig telefonisch: Vergeblich, laut Telefonzentrale war die Personalabteilung durchgehend in Besprechungen. Endlich bekam ich Antwort per E-Mail: Das sei weiterhin alles sehr kompliziert, und es mache ja auch nichts, wenn ich erst zum 1. April anfinge.<\/p>\n<p>Mittlerweile sah ich ein, dass ich von dieser Agentur nie wieder etwas h\u00f6ren w\u00fcrde &#8211; und dass ich in einem Unternehmen, das bereits vor Einstellung so mit Menschen umgeht, sehr wahrscheinlich nicht arbeiten mochte.<\/p>\n<p>Zu meiner gro\u00dfen \u00dcberraschung meldete sich einige Monate sp\u00e4ter noch mal der Herr aus dem ersten Gespr\u00e4ch, v\u00f6llig unbefangen, ob wir uns nochmal treffen k\u00f6nnten, er h\u00e4tte da was f\u00fcr mich. Ah. Nee.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p><strong>Methode Schrotgewehr<\/strong><\/p>\n<p>Nun war das aber das Licht am Horizont des Jahres 2014 gewesen, ich musste wieder von Vorne anfangen. Nach dem Scheitern von gezielten Bewerbungen auf Stellen, die ich wirklich wollte und zu denen ich wirklich passte, \u00e4nderte ich meine Taktik: Ich bewarb mich auf alles in den Bereichen Assistenz, Sekretariat und Kommunikation, was mich betreffen k\u00f6nnte. Ziel: Mindestens zwei Bewerbungen pro Woche. Ich lie\u00df meine Abos auf Jobportalen weiterlaufen, stellte aber auch mein Profil bei Jobportalen M\u00fcnchner Gro\u00dfunternehmen und bei Personaldienstleistern ein. Ob ich den Job wirklich wollte, konnte ich mir immer noch \u00fcberlegen, wenn ich zum Gespr\u00e4ch eingeladen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Da ich mir auf keinen Fall mangelnden Einsatz nachsagen lassen wollte, h\u00e4ngte ich mich in alle Bewerbungen richtig rein: Recherche \u00fcber die Firma, Abgleich meiner Eigenpr\u00e4sentation im Anschreiben und im Lebenslauf mit den Anforderungen aus der Stellenanzeige, hie und da, wenn es passte, kleine Kreativit\u00e4ten (zum Beispiel zus\u00e4tzliches Foto in dem Look, in dem sich Mitarbeiterinnen auf der Firmenwebsite pr\u00e4sentierten). Ein paar Monate lang war ich also an sportfreien Morgen und am Wochenende gut besch\u00e4ftigt. Am schnellsten gingen noch Bewerbungen an Zeitarbeitsfirmen, weil die ja den konkreten Einsatzarbeitgeber nicht nennen und ich nicht allzu konkret werden konnte.<\/p>\n<p>Das Ergebnis waren f\u00fcnf weitere Vorstellungsgespr\u00e4che in sechs Monaten.<\/p>\n<p>Allerdings wurde mir durch die intensive Besch\u00e4ftigung mit einer Vielzahl von Unternehmen und Stellen tats\u00e4chlich immer klarer, was ich mir eigentlich w\u00fcnschte: Einen Posten, in dem ich wirklich hilfreich sein kann, aber in unterst\u00fctzender Funktion, ohne zentrale Verantwortung, in einem anst\u00e4ndigen Unternehmen. Vor allem aber in einer thematisch wirklich spannenden Umgebung. Dazu ein Gehalt, das mir wieder ein wenig Zur\u00fccklegen erlaubte.<br \/>\nDas Feuer, das mich so lange und bis vor wenigen Jahren st\u00e4ndig auf immer neue gro\u00dfe Projekte anspringen lie\u00df und das eher im Nebeneffekt zu einer Karriere gef\u00fchrt hatte, ist einfach weg. Inzwischen glaube ich nicht, dass es zur\u00fcck kommt. Ich bin immer noch im Prozess zu verarbeiten, dass das ok sein kann.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p><strong>Das Sonderthema Jobportale<\/strong><\/p>\n<p>Eine der Expertisen, die ich mir in diesen 18 Monaten erworben habe: Umgang mit Jobportalen von Unternehmen und Arbeitsvermittlern. Mittlerweile wei\u00df ich, dass nicht ein einziges davon die Bewerberin im Blick hat, sondern alle ihre eigenen Personal- und Bewerbungsprozesse sowie ihre eigene Unternehmensstruktur.<br \/>\nIch habe also eine ganze Liste von Passw\u00f6rtern f\u00fcr Jobportale und kenne verschiedenste automatisierte Bewerbungsprozesse. Manche davon sind derart komplex, dass deren \u00dcberwindung offensichtlich bereits die erste Qualifikation darstellt.<\/p>\n<p>Dabei erlebte ich unter anderem:<\/p>\n<ul>\n<li>Seite gar nicht erreichbar<\/li>\n<li>Unsichtbare Pflichtfelder<\/li>\n<li>Anleitungen, die ich vorher brav durchlas (ja, ich bin das), die aber nicht dem tats\u00e4chlichen Prozess entsprachen. Zum Beispiel Anleitungen, die mich hie\u00dfen, alle meine Unterlagen zu einem PDF mit h\u00f6chstens so vielen MB zusammenzufassen. Gefolgt von einem tats\u00e4chlichen Prozess, bei dem ich jede einzelne Unterlage Schritt f\u00fcr Schritt hochladen musste.<\/li>\n<li>Pflichteingabe des Lebenslaufs, dabei jede einzelne Station mit eigenen Fenstern f\u00fcr:\n<ul>\n<li>Zeitraum<\/li>\n<li>Arbeitgeber<\/li>\n<li>Stelle<\/li>\n<li>T\u00e4tigkeit<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wenn man mehr als 20 Jahre emsige Berufst\u00e4tigkeit auf dem Buckel hat, oft mehrere Jobs gleichzeitig, sitzt man daran bei 12 Stationen schon ein gutes St\u00fcndchen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Es war offensichtlich: An meiner Stelle des Arbeitslebens geh\u00f6rt man nicht mehr zur Zielgruppe solcher Portale. Bei Leuten wie mir wird davon ausgegangen, dass sie bleiern auf ihren Arbeitsstellen sitzen oder h\u00f6chstens noch \u00fcber Headhunter wechseln.<\/p>\n<p>Das merkte ich allein schon an den drop-down Auswahlangeboten dieser Portale: Mein Studienabschluss Magister war dort meist gar nicht mehr verzeichnet.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p><strong>Demut und Dankbarkeit<\/strong><\/p>\n<p>Weitere Folge: \u00dcber die Monate vergeblichen Bewerbens wurde ich dankbar f\u00fcr meinen Job. Dass ich <i>\u00fcberhaupt<\/i> einen hatte. Da mag die &#8220;Beruf und Karriere&#8221;-Seite der\u00a0<i>S\u00fcddeutschen<\/i> sich noch so sehr darauf konzentrieren, wie sehr sich Unternehmen heute anstrengen m\u00fcssen, gute Leute zu bekommen: Mittlerweile hege ich den begr\u00fcndeten Verdacht, dass diese unternehmensseitigen Anstrengungen notwendig sind, weil alle dieselben 0,5 % haben wollen, die nicht nur in puncto Fertigkeiten und Branchenhintergrund zu 99,5 % aufs Profil passen, sondern auch jung genug sind, nicht fortpflanzungsgef\u00e4hrdet, im richtigen Gewichtsbereich, 100 % k\u00f6rpert\u00fcchtig.<\/p>\n<p>Dass die deutsche Wirtschaft ein <em>Diversity<\/em>-Problem hat, liest man nicht erst seit gestern. Wie sehr dazu auch fehlende <em>Diversity<\/em> in der Altersstruktur geh\u00f6rt, wurde mir erst jetzt bewusst. Inklusive der damit einher gehenden Sterotypen: In einem der Vorstellungsgespr\u00e4che lie\u00df ich meine Internetbewohnerschaft fallen und sah an den entgeisterten Mienen der Gespr\u00e4chspartnerinnen, dass sie in Verbindung mit meinem grauen Haarschopf bereits von mittelgutem Umgang mit der Serienbrieffunktion von Word beeindruckt gewesen w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Da behaupten\u00a0die Unternehmen nach\u00a0<em>Diversity<\/em>\u00a0zu streben und merken nicht, dass sie mit Anforderungen wie &#8220;Muss aber in unsere Unternehmenskultur passen&#8221;, &#8220;Muss sich ins Team einf\u00fcgen&#8221; doch immer nur mehr vom selben in die Firma holen.<\/p>\n<p>Ja, die Arbeitswelt hat sich ganz sch\u00f6n ver\u00e4ndert in den vergangenen 30 Jahren. Das schlie\u00dfe ich vor allem aus den Bewerbungsgeschichten von sauber qualifizierten Hochschulabg\u00e4ngerinnen. Ausprobieren, ein Einlassen auf Pers\u00f6nlichkeiten, denen man das Jobspezifische dann schon noch beibringt &#8211; das scheint so gut wie verschwunden zu sein. M\u00f6glicherweise ist die Vielfalt in Unternehmen dadurch in den vergangenen Jahrzehnten in vieler Hinsicht sogar geringer geworden.<\/p>\n<p>Dass jemand in meinem Alter Sehnsucht nach Neuem hat, auf einer neuen Stelle noch ganz viel\u00a0lernen m\u00f6chte, ist trotz allem Gekr\u00e4he \u00fcber &#8220;Lebenslanges Lernen&#8221; eher nicht vorgesehen.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p><strong>Ende gut<\/strong><\/p>\n<p>Doch nun weist sehr viel darauf hin, dass meine W\u00fcnsche zu gro\u00dfen St\u00fccken erf\u00fcllt werden. Der Job und der Arbeitgeber passen wie eigens f\u00fcr meine Suche erfunden. Zudem freut es mich, dass ich wider einige Unkenrufe durch eine regul\u00e4re Bewerbung auf eine regul\u00e4re Stellenanzeige rangekommen bin.<\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich behalte ich weiterhin einen Schluck Zweckpessimismus &#8211; aber warum sollte es denn bitte NICHT gut gehen? <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ssl-vg03.met.vgwort.de\/na\/0d0761b579e04e05a14c7aae5ce9bc6d\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach 18 Monaten, 65 Bewerbungen und 8 Vorstellungsgespr\u00e4chen habe ich also eine neue Stelle. Jetzt traue ich mich, von meinen Erfahrungen in dieser Zeit zu berichten. 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