{"id":263,"date":"2004-02-22T08:46:37","date_gmt":"2004-02-22T07:46:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2004\/02\/sweet-home-chicago.htm"},"modified":"-0001-11-30T00:00:00","modified_gmt":"-0001-11-29T22:00:00","slug":"sweet-home-chicago","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2004\/02\/sweet-home-chicago.htm","title":{"rendered":"Sweet home, Chicago"},"content":{"rendered":"<p>Es ist durchaus m\u00f6glich, dass ich <i>Blues Brothers<\/i> seit dem ersten Mal damals im Kino erst einmal wiedergesehen habe. Zumindest bekam ich gestern beim Fernsehen den Verdacht (John Candy hatte ich zum Beispiel v\u00f6llig vergessen). Macht nichts: Ich konnte den Text trotzdem zur H\u00e4lfte mitsprechen \u2013 deutsch und englisch.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr hat haupts\u00e4chlich Frank gesorgt. Zwar gab es in meiner Jugend eigentlich keine Party, auf der nicht der Soundtrack gespielt wurde (neben dem Soundtrack der <i>Rocky Horror Picture Show<\/i> &#8211; ich erw\u00e4hnte, dass ich praktisch uncool GEBOREN wurde?). Doch Frank war der Spezialist f\u00fcr Spezialkassetten: f\u00fcr jedes Thema und jede Gelegenheit, mit Musik \u2013 \u00fcberwiegend aus Filmen \u2013 und Dialogschnipseln. Dazu geh\u00f6rte mindestens eine Kassette mit zahlreichen <i>Blues Brothers<\/i>-Ausschnitten, die er mir mal aufgenommen hatte.<\/p>\n<p>Frank fuhr zu unseren gemeinsamen Studienzeiten einen roten Citro\u00ebn 2CV, und aus der darin mit Klebeband befestigten Stereoanlage gab es f\u00fcr jede Strecke und Situation die passende Musik. Er schaffte es sogar, die Titelmusik von <i>Back to the Future<\/i> beim Autofahren so zu timen, dass die Hauptfanfare genau in dem Moment wieder einsetzte, in der die Ampel auf Gr\u00fcn schaltete. Bei einem gemeinsamen Urlaub in Spanien stellten wir fest, dass James-Bond-Soundtracks zu wirklich jeder Situation und zu jeder Landschaft passen.<\/p>\n<p>Frank verbrachte ein Studienjahr in den USA. \u00dcber Weihnachten und Neujahr besuchte ich ihn, und wir machten uns mit seinem Mitbewohner im Auto von Ohio auf nach Chicago. F\u00fcr die letzten 90 Minuten der Fahrt hatte Frank nat\u00fcrlich die passende Musik zusammengestellt: Grundger\u00fcst war der <i>Blues Brothers<\/i>-Soundtrack. Chicago ist mir in sehr guten Erinnerung geblieben: \u00dcber Franks amerikanische Freundin lernte ich eine Kunsthistorikerin kennen, die mir Architektur-F\u00fchrungen gab und mir eine Digest-Besichtigung aus allen Museen verschaffte.<\/p>\n<p>Frank wiederum sorgte daf\u00fcr, dass wir eine Vorf\u00fchrung im <a href=\"http:\/\/www.secondcity.com\/\" target=_new><i>Second City<\/i><\/a> sahen. Wie der Zufall es wollte, war dieser Abend f\u00fcr ein scheidendes Ensemble-Mitglied die Abschiedsvorstellung, es war ein wenig Party angek\u00fcndigt. Und so schlurfte nach dem eigentlichen Programm ein Herr im Anzug auf die B\u00fchne, r\u00fcckw\u00e4rts und den Boden kehrend. Ein Ensemlemitglied sprach ihn an, der Herr drehte sich um: James Belushi gab sich die Ehre.<\/p>\n<p>Ich habe mir sagen lassen, dass es noch heute kein Kost\u00fcmfest unter jungen Leuten gibt, auf dem nicht mindest einmal zwei Gestalten auftauchen, die schwarze Anz\u00fcge mit wei\u00dfem Hemd und schwarzer Krawatte tragen, Ray-Ban-Sonnenbrillen und kleine schwarze H\u00fcte. Das gibt mir Hoffnung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist durchaus m\u00f6glich, dass ich Blues Brothers seit dem ersten Mal damals im Kino erst einmal wiedergesehen habe. Zumindest bekam ich gestern beim Fernsehen den Verdacht (John Candy hatte ich zum Beispiel v\u00f6llig vergessen). 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