{"id":26609,"date":"2015-05-02T10:14:34","date_gmt":"2015-05-02T08:14:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=26609"},"modified":"2015-05-02T10:39:03","modified_gmt":"2015-05-02T08:39:03","slug":"berlinjournal-freitag-1-mail-2015-zwangsarbeiterinnen-die-hier-blieben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2015\/05\/berlinjournal-freitag-1-mail-2015-zwangsarbeiterinnen-die-hier-blieben.htm","title":{"rendered":"Berlinjournal Freitag, 1. Mail 2015 &#8211; Zwangsarbeiterinnen, die hier blieben"},"content":{"rendered":"<p>Schaun&#8217;S: Ich kann auch vern\u00fcnftig. Obwohl ich gestern erst nach 12 zum Flughafen aufbrach, lie\u00df ich das mit dem Sport am Vormittag sein. Zugegeben: Das fiel auch wegen des Regenwetters leicht.<br \/>\nStattdessen stellte ich mein re:publica-Programm zusammen (in einer Tabelle in einem Textverarbeitungsdokument &#8211; es k\u00f6nnte sich eine interessierte Programmiererin ewigen Ruhm erwerben, wenn sie eine bequeme M\u00f6glichkeit daf\u00fcr auf die re:publica-Website einbaute), recherchierte relevante Adressen und Verbindungen des \u00f6ffentlichen Nahverkehrs f\u00fcr die ersten Tage, stellte die Lieblingstweets April zusammen, packte meinen Koffer so leicht wie m\u00f6glich (nur ZWEI B\u00fccher f\u00fcr sechs Tage!).<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/150501_MUC_2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/150501_MUC_2.jpg\" alt=\"150501_MUC_2\" width=\"416\" height=\"465\" class=\"alignnone size-full wp-image-26614\" \/><\/a><\/p>\n<p>Rollfeld MUC.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/150501_Berlin_TXL_2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/150501_Berlin_TXL_2.jpg\" alt=\"150501_Berlin_TXL_2\" width=\"393\" height=\"483\" class=\"alignnone size-full wp-image-26615\" \/><\/a><\/p>\n<p>Rollfeld Berlin TXL &#8211; wie bestellt.<\/p>\n<p>Anfahrt in die Unterkunft in Sch\u00f6neberg problemlos. <i>Little did I know<\/i>, dass das noch ganz anders werden w\u00fcrde.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/150501_Winterfeldt10.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/150501_Winterfeldt10.jpg\" alt=\"150501_Winterfeldt10\" width=\"470\" height=\"403\" class=\"alignnone size-full wp-image-26616\" \/><\/a><\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Im Apartment las ich in Ruhe eine Geschichte im aktuellen <i>SZ-Magazin<\/i>, die ich im Bus vom Flughafen angefangen hatte:<br \/>\n&#8220;F\u00fcr immer gefangen<br \/>\nDreizehn Millionen Zwangsarbeiter wurden von den Nazis nach Deutschland verschleppt. Als der Zweite Weltkrieg vor siebzig Jahren zu Ende ging, konnten viele trotzdem nicht nach Hause&#8221;.<br \/>\nBeim ersten Anlauf waren mir nach wenigen Abs\u00e4tzen Tr\u00e4nen \u00fcber die Wangen gelaufen: Meine polnische Gro\u00dfmutter war eine von diese Zwangsarbeiterinnen, die nicht nach Hause konnten. Ich habe vor langer Zeit <a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2004\/04\/dampfnudeln-nach-fremdarbeiterinnen-art.htm\" target=\"_blank\">kurz dar\u00fcber gebloggt<\/a>, hier <a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2006\/01\/familienalbum-14-oma.htm\" target=\"_blank\">einen kurzen Nachruf<\/a>.<\/p>\n<p>Ich erinnerte mich mal wieder daran, dass ich meine Oma an einem Nachmittag vor etwa 20 Jahren auf Kassette interviewt hatte, \u00fcber ihre Jugend, \u00fcber die erste Zeit in Deutschland. Doch ich wei\u00df nicht, wo diese Aufnahme hingeraten ist. Zwei Ansatzpunkte habe ich: Laut Erz\u00e4hlungen meiner Mutter hatte sich eine Ingolst\u00e4dter Lokaljournalistin daf\u00fcr interessiert, au\u00dferdem hatte <a href=\"http:\/\/www4.ingolstadt.de\/zwangsarbeiter\/eroeffnung.html\" target=\"_blank\">das Ingolst\u00e4dter Stadtmuseum f\u00fcr eine Ausstellung \u00fcber Zwangsarbeiter<\/a> die Aufnahme m\u00f6glicherweise bekommen. Die Journalistin schrieb ich noch gestern an, jetzt will ich die Kassetten wirklich wiederhaben, digitalisieren und transkribieren. Allerdings hoffe ich, dass sich eher eine Historikerin des Themas annimmt &#8211; einem Journalisten traue ich einfach zu wenig zu, ergebnisoffen und ohne Sensationslust zu recherchieren.<\/p>\n<p>Warum diese konkrete Zwangsarbeiterin Kazimiera Cukrowski, meine Oma, nach dem Krieg nicht wie ihre Schwester Irena zur\u00fcckkehrte nach S\u00fcdpolen, hat eine eigenartige Mischung von Gr\u00fcnden; die empfundene Schande der zweifachen unehelichen Mutterschaft spielte sicher eine Rolle.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Noch sehr aufgew\u00fchlt setzte ich mich am Nollendorfplatz in die U-Bahn, die mich mit einmal Umsteigen nach Mitte zu meiner Abendverabredung bringen sollte; die Verbindung hatte ich mir \u00fcber die BVG-Website empfehlen lassen. Nur dass die knallvolle U-Bahn am Umsteigeort Kottbusser Tor nicht anhielt, Kreuzberg barst vor Feiervolk und UMZ!UMZ!UMZ!-Musik. Ich ergriff die n\u00e4chste Gelegenheit rauszukommen (G\u00f6rlitzer Bahnhof), suchte vergeblich ein Taxi, gab meiner Verabredung Bescheid, rannte zum Bahnhof Warschauer Stra\u00dfe. Dort empfahl mir dasselbe BVG-System die Tram 10 nach Mitte &#8211; was blieb mir \u00fcbrig, ich musste der Empfehlung ein weiteres Mal vertrauen. Mit mehr als einer halben Stunde Versp\u00e4tung sa\u00df ich dann endlich beim Abendessen. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ssl-vg03.met.vgwort.de\/na\/be4ccc04595d47c1b299d42a92e06606\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schaun&#8217;S: Ich kann auch vern\u00fcnftig. Obwohl ich gestern erst nach 12 zum Flughafen aufbrach, lie\u00df ich das mit dem Sport am Vormittag sein. Zugegeben: Das fiel auch wegen des Regenwetters leicht. 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