{"id":267,"date":"2004-02-26T14:33:01","date_gmt":"2004-02-26T12:33:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2004\/02\/august.htm"},"modified":"2018-11-04T21:19:22","modified_gmt":"2018-11-04T20:19:22","slug":"august","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2004\/02\/august.htm","title":{"rendered":"August"},"content":{"rendered":"<p><b>Nachtrag vom 11. Juni 2011: Bitte beachten Sie, dass dieser Artikel vom Februar 2004 stammt. Das Restaurant hat sich seither stark ver\u00e4ndert, es wurde unter anderem mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnet. Weder Speisen noch Ambiente sind heute mit meinem damaligen Erlebnis zu vergleichen.<\/b><\/p>\n<p>Das gr\u00f6\u00dfte R\u00e4tsel an diesem Restaurant ist, dass es \u00fcberlebt. Das hochklassige <i>August<\/i> in Augsburg existiert bereits mehr als elf Jahre. Doch als Geheimtipp ist es weiterhin so geheim, dass ich die etwa zw\u00f6lf Tische noch nie ausgebucht gesehen habe. Zudem bin ich hier nie Gesch\u00e4ftsessern begegnet. Dazu kommen eine ausgefeilte K\u00fcche, Zutaten alle aus einheimischem \u00f6kologischen Anbau und lediglich angemessene Preise &#8211; der Laden m\u00fcsste schon l\u00e4ngst pleite sein. Einziges Promotion-Material sind die Visitenkarten (nein, keine Website). Irgendwann habe ich beschlossen, dass die Besitzer (anscheinend der Koch und die Oberkellnerin) verm\u00f6gend sind und das Restaurant zum Spa\u00df betreiben.<\/p>\n<p>Hingabe und Freude an der Sache stecken in jedem Detail. Das Lokal liegt im Augsburger Domviertel an der schmalen aber viel befahrenen Frauentorstra\u00dfe. Die gl\u00e4serne Front, das eingeschossige Geb\u00e4ude und die Schlichtheit des Raumes schauen ganz danach aus, als sei das mal ein kleiner Supermarkt gewesen. An den hohen W\u00e4nden h\u00e4ngt Gro\u00dfformatiges in \u00d6l, immer mal wieder etwas Anderes. In der Mitte des Raumes steht ein riesiger Holztisch, auf dem die Bedienungen das selbst gebackene Brot schneiden und am sp\u00e4teren Abend den K\u00e4se auslegen. Letztes Jahr war das Restaurant einige Wochen geschlossen, ein Schild k\u00fcndigte an \u201eDer August steigt aufs Dach!\u201c. So wird seit vergangenem Juli bei sch\u00f6nem Wetter auf der neuen Dachterrasse serviert.<\/p>\n<p>In zwei vergangenen Jahren gab es sommers die Aktion \u201eEssen im Gew\u00e4chshaus\u201c: F\u00fcr ein paar Wochen zog das <i>August<\/i> in ein Gew\u00e4chshaus des befreundeten Biog\u00e4rtners um, gelegen in einem Augsburger Vorort. Der G\u00e4rtner empfing die G\u00e4ste des Abends (mit Anmeldung und verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig festem Beginn) und f\u00fchrte sie erst mal ein bisschen durchs Gel\u00e4nde: durch uralte Gew\u00e4chsh\u00e4user, in denen wir K\u00fcrbisbl\u00fcten und Babygurken naschen durften, B\u00e4chlein entlang zu den Versuchsfeldern, auf denen alte Gem\u00fcsesorten nachgez\u00fcchtet werden.<br \/>\nGedeckt war damals &#8211; wie der Titel der Veranstaltung ja angek\u00fcndigt hatte &#8211; in einem der Gew\u00e4chsh\u00e4user: Zwischen rankenden Gurken- und Tomatenpflanzen waren Holzbretter gelegt, darauf standen die etwa zehn Tische mit St\u00fchlen. Das feste Men\u00fc bestand haupts\u00e4chlich aus vielen Gem\u00fcseg\u00e4ngen, dazu wurden immer wieder Rosmarin- und Basilikumkrapfen serviert. Sehr lebhaft im Ged\u00e4chtnis sind mir zwei Gerichte geblieben: Ein gegrillter Gem\u00fcsespie\u00df auf einem Rosmarin-Zweig und ein Kuchen mit zwanzig Kr\u00e4utern, die wir tats\u00e4chlich fast alle identifizieren konnten.<br \/>\nSo ein Gew\u00e4chshaus hat keine k\u00fcnstliche Beleuchtung, also z\u00fcndeten die Kellnerinnen bei Einbruch der Dunkelheit zahllose Teelichter an, die von der Decke hingen und auf den Tischen standen. Gleichzeitig bot das Glasdach einen umwerfenden Blick auf den Himmel.<\/p>\n<p>Gestern hatte die Karte zum Aschermittwoch das Motto \u201eErde und Himmel\u201c. Meist gibt es im <i>August<\/i> ohnehin nur feste Men\u00fcs, zwei zur Auswahl und mit vier bis sechs G\u00e4ngen, deren Preis zwischen 45 und 70 Euro liegt.<\/p>\n<p>Gestern sah das so aus:<\/p>\n<p>Als \u201eGru\u00df aus der K\u00fcche\u201c gab es erst mal:<br \/>\n1. ein Stapelchen: Keks, K\u00fcrbisscheibe, Kressecreme, Algengelee mit Zitronengras aromatisiert (lustig zu kauen, wenig Geschmack)<br \/>\n2. ein Kartoffelw\u00fcrfel mit Kuhle, darin Stockfischsuppe, mit Parmesankeks (lecker).<\/p>\n<p>Dann ging das eigentliche Men\u00fc los:<br \/>\n1. Zart ger\u00e4ucherte Taubenbrust mit Petersilienwurzelp\u00fcree und Bordeaux-So\u00dfe (superklasse)<br \/>\n2. Topinambour-Tarte mit jungem Spinat und Pastinaken (darauf hatte ich mich besonders gefreut &#8211;  ich habe gerade eine Topinambour-Phase: sehr lecker)<br \/>\n3. Jakobsmuscheln mit \u00d6l von schwarzen Oliven und Schwarzwurzel (gut!)<br \/>\n4. Lotte mit Pudding vom Senfkohl und Himbeerjus (sch\u00f6ne Kombination)<br \/>\n5. Geschmortes Ochsenbackerl und gebratener Lendenw\u00fcrfel (dunkles Fleisch und dann auch noch geschmort &#8211; sehr gut!)<br \/>\n5.a) Als Zwischenzwischengang eine Runde lustigen K\u00e4se<br \/>\n6. Oliven\u00f6lbiskuit mit Schokoladen-Schwarze-Olivenp\u00fcree, Mangoscheiben und Mandarinen-Sellerie-Lik\u00f6r (kam mit der Anweisung des Kochs, die Mango mit dem schwarzen P\u00fcree zu kombinieren, den Biskuit mit dem im Gl\u00e4schen servierten Lik\u00f6r &#8211; die Kombination schwarze Oliven und Schokolade war genial!)<\/p>\n<p>Dazu erst mal als Aperitif ein Glas Cremant, der eine sch\u00f6ne Sherry-Note hatte, dann eine Flasche wei\u00dfen Bordeaux. Beim Wein verlasse ich mich am liebsten auf die Empfehlung der Oberkellnerin: Die zierliche und eher sch\u00fcchterne Frau sorgt zusammen mit einer wechselnden weiteren Kellnerin an ihrer Seite f\u00fcr Service, wie ich ihn am liebsten habe: sehr aufmerksam und kompetent, aber fast unsichtbar.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachtrag vom 11. Juni 2011: Bitte beachten Sie, dass dieser Artikel vom Februar 2004 stammt. Das Restaurant hat sich seither stark ver\u00e4ndert, es wurde unter anderem mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnet. Weder Speisen noch Ambiente sind heute mit meinem damaligen Erlebnis zu vergleichen. Das gr\u00f6\u00dfte R\u00e4tsel an diesem Restaurant ist, dass es \u00fcberlebt. 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