{"id":2698,"date":"2008-07-19T17:17:08","date_gmt":"2008-07-19T15:17:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=2698"},"modified":"2018-11-05T15:28:07","modified_gmt":"2018-11-05T14:28:07","slug":"mamma-mia","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2008\/07\/mamma-mia.htm","title":{"rendered":"<i>Mamma Mia!<\/i>"},"content":{"rendered":"<p>Jeder und jede hat seine und ihre pers\u00f6nliche Abba-Vergangenheit; hier die meine.<br \/>\nAls sie noch live im Gesch\u00e4ft waren, fand ich Abba doof. Zum einen war ich in der Fr\u00fchpubert\u00e4t ein Schn\u00f6sel, der lieber Beethoven h\u00f6rte (und die Hitparade auf Bayern 3 am Freitag um 18 Uhr). Zum anderen war diese Kirmesmusik, als die ich sie damals empfand, f\u00fcr mich untrennbar mit Pferdem\u00e4dchen verbunden, also mit den Altersgenossinnen, die Pferdeposter an der Wand hatten, Pferdem\u00e4dchen-Schneiderb\u00fccher und Bravo lasen (nein, geritten ist fast keine von diesen Arbeiterkindern &#8211; Ausnahmen waren die echten Aficionadas, die sich mit t\u00e4glichem Stallausmisten und Pferdestriegeln die eine oder andere Reitstunde erarbeiteten), ihre langen Haare mit Glitzerspangerln schm\u00fcckten und die \u201ebeste Freundinnen\u201c hatten, mit denen sie sich tuschelnd und kichern unterhielten. Pferdem\u00e4dchen fand ich sehr doof.<\/p>\n<p>Anfang der 90er verbrachte ich ein Studienjahr in Wales. Und damit mitten in der Abba-Revival-Welle. F\u00fcr Popmusik interessierte ich mich auch damals nicht, war aber in den Jahren davor oft vom Independent-L\u00e4rm meiner musikbegeisterten Freunde umgeben gewesen. Schlagartig genoss ich es, dass Abba-Musik Melodien und mitsingbare Refrains enthielt. Allein schon meine Hitparaden-Vergangenheit bef\u00e4higte mich zum Mitsingen. Das ganze kulminierte im Summer Ball der Swansea University, auf der die australische Abba-Coverband <i>Bj\u00f6rn Again<\/i> auftrat &#8211; stundenlanger Spa\u00df. Zu den Abschiedsgeschenken meiner englischen Freundinnen (darunter Eva mit schwedischem Migrationshintergrund) geh\u00f6rte dann auch eine Kassette mit Abba-Liedern.<\/p>\n<p><i>Muriels\u2018s Wedding<\/i> geh\u00f6rt zu meinen Lieblingsfilmen, die Tagline \u201eShe\u2018s not just getting married, she\u2018s getting even.\u201c ist meine liebste \u00fcberhaupt. Ein weiterer Schritt Richtung Vers\u00f6hnung mit Abba.<\/p>\n<p>Die Verfilmung des Musicals <a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/title\/tt0795421\/\" target=_new><i>Mamma Mia!<\/i><\/a> ist ein Heidenspa\u00df. Dass Frau Streep richtig echt ehrlich singen kann, wusste ich seit ihrem \u201eAmazing Grace\u201c am Schluss von <i>Silkwood<\/i>. Doch anscheinend hatte ich mir ein wenig Busby Berkeley oder zumindest WDR-Fernsehballett erwartet, denn ich war v\u00f6llig \u00fcberrascht von der herzerfrischende Frechheit des Films. Statt Badender Venus gab es Taucherflossen-Ballett  auf dem Bootssteg, statt Gardebeinen auf Showtreppe tanzten griechische Hausfrauen in schwarzen Schlappen. Und: Es gibt au\u00dfer mir weitere Menschen, die Frauen mit Werkzeugg\u00fcrteln, Bohrmaschinen und Fugenspritzen interessant finden? Keiner der Stars musste starig aussehen, keiner der Herren Pierce Brosnan, Colin Firth und Stellan Skarsg\u00e5rd musste f\u00fcr den Film Muskeln z\u00fcchten oder auch nur den Bauch einziehen (und es gibt nicht nur eine Gelegenheit, das zu \u00fcberpr\u00fcfen). Keine der Damens wurde mit Weichzeichner verj\u00fcngt oder musste sich anmutig bewegen. Jaja, junge Leute kamen auch im Film vor. Irgendwelche.<\/p>\n<p>Wie es sich f\u00fcr einen Musikfilm geh\u00f6rt, wurde viel gesungen, bei jeder Gelegenheit und von allen. Auch von denen, die nicht singen konnten. Mein tiefster Respekt geht an den deutlich h\u00f6rbaren Nichts\u00e4nger Pierce Brosnan, der sich beherzt durch mindestens drei Lieder schmetterte &#8211; nicht sch\u00f6n, aber auch nicht falsch. W\u00e4hrend die hinrei\u00dfenden Sidekicks Julie Walters und Christine Baranski durchaus mal voll daneben langten &#8211; ist aber auch nicht einfach, die ersten Takte von \u201eChiquitita\u201c allein und a capella zu singen (vor einer Klot\u00fcr, hinter der sich die Hauptfigur Donna verschanzt hat).<\/p>\n<p>Von Realismus nat\u00fcrlich keine Spur, wozu auch. Die gemalten Hintergr\u00fcnde und die Studiobeleuchtung sprangen mir nicht nur einmal ins Gesicht. Die einheimischen Griechen als griechischer Chor funktionierten auf vielen Ebenen. Nichts wird richtig ernst genommen &#8211; au\u00dfer Gef\u00fchlen. Und selbst die kriegen ein Augenzwinkern.<\/p>\n<p>Ach, wenn Sie keine ausgesprochene Allergie gegen Abba-Musik haben, schauen Sie sich den Film an. Und wenn es nur wegen Meryl Streeps epochaler Interpretation von \u201eThe Winner Takes it all\u201c ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jeder und jede hat seine und ihre pers\u00f6nliche Abba-Vergangenheit; hier die meine. Als sie noch live im Gesch\u00e4ft waren, fand ich Abba doof. Zum einen war ich in der Fr\u00fchpubert\u00e4t ein Schn\u00f6sel, der lieber Beethoven h\u00f6rte (und die Hitparade auf Bayern 3 am Freitag um 18 Uhr). 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