{"id":27226,"date":"2015-06-08T09:59:49","date_gmt":"2015-06-08T07:59:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=27226"},"modified":"2025-06-18T16:13:05","modified_gmt":"2025-06-18T14:13:05","slug":"journal-samstagsonntag-6-7-juni-2015-sommerlicher-reality-check","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2015\/06\/journal-samstagsonntag-6-7-juni-2015-sommerlicher-reality-check.htm","title":{"rendered":"Journal Samstag\/Sonntag, 6.\/7. Juni 2015 &#8211; Sommerlicher Reality Check"},"content":{"rendered":"<p>Am Samstag mit Ohrwurm aufgewacht: <a href=\"https:\/\/youtu.be\/mgHxmAsINDk\" target=\"_blank\">Beethoven 7. Sinfonie, 2. Satz<\/a>, der in meinem Kopf spielte, seit ihn Klassikradio am Sonntag davor in Schwiegervaters Auto sendete. Zur Bek\u00e4mpfung ein paar Mal angeh\u00f6rt (zu nett, wie erst die Triolen, dann Achtel, dann Viertel dem Motiv entgegen gesetzt sind). Der Rest der Sinfonie klingt ja eher wie ein mittelguter Soundtrack f\u00fcr Touristikwerbung.<\/p>\n<p>Morgenkaffee auf dem Balkon.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Wieder zum Schwimmen ins Schyrenbad gefahren, diesmal nicht so gedankenverloren Bahnen gezogen wie am Fronleichnamsdonnerstag, unter anderem weil die H\u00e4lfte der Mitschwimmer und Mitschwimmerinnen mit Hilfsmitteln unterwegs waren.<\/p>\n<p>Trocknen und Musikh\u00f6ren in der Sonne. Am\u00fcsement \u00fcber eine Gruppe junger M\u00e4nner hinter mir, die Bier tranken, lachten, rauchten, fr\u00f6hlich und v\u00f6llig unironisch Stadlandfluss spielten, mit Papier und Kuli.<\/p>\n<p>Wieder festgestellt, welch hervorragender Reality Check f\u00fcr K\u00f6rper ein Freibadbesuch ist; Werberinnen, Marketingmenschen, Frauengazettenredakteure und <br \/>-redakteurinnen sollten regelm\u00e4\u00dfig zu einem Besuch gezwungen werden. Der Stand dieses Jahr: Es gibt immer noch K\u00f6rper ohne sichtbare T\u00e4towierungen, ich bilde mir ein, dass die Vielfalt der angeborenen Hautfarben etwas gr\u00f6\u00dfer wird.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Abends mit Herrn Kaltmamsell zur Feier eines 50. Geburtstags ins F\u00fcrstenfeldbrucker Hinterland, per S-Bahn und wundervoller Fahrradfahrt \u00fcber gr\u00fcne Felder. Das Augustiner vom Fass schmeckte dann fast ein bisschen zu gut.<\/p>\n<p>Das angek\u00fcndigte Gewitter verschob sich zum Gl\u00fcck so weit in die Nacht, dass wir erst zur\u00fcck in M\u00fcnchen f\u00fcr die letzten Meter von S-Bahnhof nach Hause den Regenschutz brauchten.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Am wieder sonnigen Sonntagmorgen mit Kopfweh aufgewacht, das gef\u00e4hrlich nah an Migr\u00e4ne war. Das konnte ich gar nicht brauchen, denn ich wollte zur Generalversammlung des Kartoffelkombinats nach <a href=\"http:\/\/www.franziskuswerk.de\/arbeiten\/werkstatt-wfbm\/dienstleistungen-fuer-unternehmen\/bio-und-naturland-gaertnerei.html\" target=\"_blank\">Sch\u00f6nbrunn<\/a>. Ich versuchte also die Anzeichen zu ignorieren, erst der besorgte Blick von Herrn Kaltmamsell auf mich, als ich nach einem Aspirin sehr j\u00e4mmerlich \u00fcber meinem Morgenkaffe sa\u00df, schickte mich zur\u00fcck ins Bett &#8211; und dass der Herr unsere Anreise nach Sch\u00f6nbrunn genau berechnet hatte, die mir die M\u00f6glichkeit dazu versprach.<br \/>\nSiehe da: 45 Minuten zus\u00e4tzlicher Schlaf vertrieben tats\u00e4chlich Kopfschmerzen und leichte \u00dcbelkeit, ich stand mit einer Munterkeit auf, die man nur Putz- bezeichnen kann.<\/p>\n<p>Apropos Tourismus: In der S-Bahn nach R\u00f6hrmoos erheiterte mich ein Werbeplakat.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/150607_Texterh\u00f6lle.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/150607_Texterh\u00f6lle.jpg\" alt=\"150607_Texterh\u00f6lle\" width=\"343\" height=\"457\" class=\"alignnone size-full wp-image-27233\" \/><\/a><\/p>\n<p>Meine Fantasie spielte mir ausf\u00fchrliche Szenen zwischen Kunden und Agentur zu, die zu diesem Ergebnis gef\u00fchrt haben m\u00f6gen. Hebe mir das als Beleg auf, wie Kommunikation komplett den Anschluss zur Zielgruppe verlieren kann.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Radeln in sch\u00f6nster Sonne vom S-Bahnhof R\u00f6hrmoos nach Sch\u00f6nbrunn. Ich war zum ersten Mal in der G\u00e4rtnerei, die seit Anfang des Jahres Stammhaus unseres Kartoffelkombinats ist und freute mich \u00fcber die F\u00fchrung.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/150607_Schoenbrunn_6.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/150607_Schoenbrunn_6.jpg\" alt=\"150607_Schoenbrunn_6\" width=\"398\" height=\"507\" class=\"alignnone size-full wp-image-27234\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/150607_Schoenbrunn_8.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/150607_Schoenbrunn_8.jpg\" alt=\"150607_Schoenbrunn_8\" width=\"365\" height=\"470\" class=\"alignnone size-full wp-image-27235\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/150607_Schoenbrunn_13.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/150607_Schoenbrunn_13.jpg\" alt=\"150607_Schoenbrunn_13\" width=\"520\" height=\"380\" class=\"alignnone size-full wp-image-27236\" \/><\/a><\/p>\n<p>\u00dcberraschung: Eine Mitgenossenschaftlerin sprach mich an und stellte sich als Leserin meines Blogs heraus &#8211; eine sehr sch\u00f6ne Begegnung.<br \/>\nDie Generalversammlung verlief spannend und harmonisch (<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/photo.php?fbid=847186212041968\" target=\"_blank\">Bild vom Vorstandstisch aus<\/a>). Und da mag ich schon einige Hauptversammlungen gesehen und mitorganisiert haben: Ein stellvertretender Aufsichtsratvorsitzender mit winzigem Baby auf dem Arm war f\u00fcr mich ein erstes Mal.<\/p>\n<p>Erfreuliche Neuigkeit aus der Generalversammlung: Wir werden \u00c4pfel haben! Auf dem letzten Bild oben sieht man, dass dieser alte Gem\u00fcsehof noch mit Obstb\u00e4umen zwischen dem Beeten best\u00fcckt ist. Das sind Apfelb\u00e4ume, die umst\u00e4ndehalber seit vielen Jahren nicht geerntet wurden: Das k\u00f6nnen die Besch\u00e4ftigten der Einrichtung nicht. Aber wir Genossenschaftlerinnen k\u00f6nnen! Ich freue mich schon sehr auf den Ernteeinsatz im Herbst.<\/p>\n<p>Diskutiert wurde unter anderem der Wunsch nach mehr Mitbestimmung bei der Auswahl der angebauten Gem\u00fcse. Ich gestehe, dass mein Bild von solch einer Genossenschaft urspr\u00fcnglich genau so etwas enthalten hatte: Wie wir gemeinschaftlich bestimmen, was in welchen Mengen angebaut wird. Doch ich bekam schon bald mit, dass dieser Aspekt, wie so vieles, ausgesprochen komplex ist. Einen tieferen Einblick erhielt ich vor einem halben Jahr, als die G\u00e4rtnerei Sch\u00f6nbrunn vorgestellt wurde und Vorstand Simon das Excel-Sheet mit der Anbauplanung per Beamer vorzeigte. Selbst in dieser nach eigenen Aussagen vereinfachten Form geh\u00f6rten zu den Faktoren:<br \/>\n&#8211; Bodenbeschaffenheit in der eigenen G\u00e4rtnerei und den vier Partnerbetrieben<br \/>\n&#8211; Anbauhistorie der B\u00f6den. Gestern erfuhr ich zum Beispiel, dass in Sch\u00f6nbrunn f\u00fcr uns heuer eine Fl\u00e4che bewirtschaftet wird, die viele Jahre lang brach lag: Der Boden ist dadurch schwer und lehmig, er kann erst mal nur mit &#8220;Pionierpflanzen&#8221; wie K\u00fcrbis bebaut werden.<br \/>\n&#8211; Zusammensetzung des Maschinenparks<br \/>\n&#8211; Mikroklima<br \/>\n&#8211; Wie man die Besch\u00e4ftigten in Sch\u00f6nbrunn einsetzen kann: Die G\u00e4rtnerei ist ja urspr\u00fcnglich und immer noch in erster Linie Arbeitsplatz f\u00fcr geistig Behinderte, die hier zum Teil schon viele Jahr arbeiten &#8211; und deren Arbeitskraft sich halt nicht an Hochleistung und Effizienz ausgerichtet planen l\u00e4sst.<br \/>\n&#8211; Jahreszeit<br \/>\n&#8211; Welche Samen in welcher Qualit\u00e4t wann zur Verf\u00fcgung stehen<br \/>\n&#8211; Sonstige Pl\u00e4ne der Partnerbetriebe, mit denen auf Augenh\u00f6he kooperiert wird.<br \/>\nUnd das verbunden mit dem ehrgeizigen Ziel des Vorstands, so viel Vielfalt wie m\u00f6glich zu bieten.<br \/>\nBei dem allen ist zwar Raum f\u00fcr Experimente, doch unterm Strich muss vor allem die Versorgung der mittlerweile 700 Haushalte des Kartoffelkombinats gesichert sein. Ich sehe ein, dass Mitspracheforderungen von Genossenschaftlerinnen diese ohnehin unglaublich komplexe Planung sprengen.<\/p>\n<p>Es macht mir enorm Spa\u00df, immer mehr Hintergr\u00fcnde des nachhaltigen regionalen Gem\u00fcseanbaus zu erfahren, der solchen Anforderungen gerecht werden muss &#8211; und sich in fast keiner Weise vergleichen l\u00e4sst mit spielerischem Ausprobieren auf ein paar Quadratmetern Gem\u00fcsegarten hinterm Haus.<\/p>\n<p>Auch dies also ein Reality Check.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Auf dem Heinweg warteten wir am S-Bahnhof R\u00f6hrmoos in sengender Hitze eine gute halbe Stunde auf den R\u00fccktransport. Daheim Freude \u00fcber die k\u00fchle Wohnung. Ich b\u00fcgelte mal wieder auf, h\u00f6rte dabei Holgis WRINT, <a href=\"http:\/\/www.wrint.de\/2015\/06\/01\/frau-diener-verreist-nach-marokko\/\" target=\"_blank\">in dem Andrea Diener von ihrer Marokkoreise erz\u00e4hlte<\/a>.<\/p>\n<p>Abends spontan Spargel, den die Nachbarin Herrn Kaltmamsell f\u00fcrs Blumengie\u00dfen geschenkt hatte, danach Erdbeeren mit Sahne, dazu Wiener Tatort.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Von wegen Hintergr\u00fcnde von Bio-Anbau. Haben Sie sich schon mal gewundert, warum es so wenige Erdbeerfelder zum Selberpfl\u00fccken in Bio gibt? Das Hofgut Letten erkl\u00e4rt:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.hofgut-letten.de\/erdbeeren.html\" target=\"_blank\">&#8220;Was ist beim Anbau von Bio-Erdbeeren anders?&#8221;<\/a><\/p>\n<p>via Kartoffeldruck des <a href=\"https:\/\/twitter.com\/kartoffelkombi\" target=\"_blank\">@kartoffelkombi<\/a><\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Am Samstag ist Pierre Brice gestorben, meine Twitter-Timeline war voller Winnetou-Erinnerungen.<\/p>\n<blockquote class=\"twitter-tweet\" lang=\"en\">\n<p lang=\"sv\" dir=\"ltr\">Klipp. Klapp. Klipp. Klapp. <a href=\"http:\/\/t.co\/MuKTPQHvUw\">pic.twitter.com\/MuKTPQHvUw<\/a><\/p>\n<p>&mdash; Hermes Trismegistos (@hermes3s) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/hermes3s\/status\/607138418502574081\">June 6, 2015<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><script async src=\"\/\/platform.twitter.com\/widgets.js\" charset=\"utf-8\"><\/script><\/p>\n<p>Selbst sah ich die Winnetoufilme als Kind nicht im Fernsehen: Sie wurden nach der Tagesschau gesendet, da lag ich schon im Bett. Und Sendungen nach der Tagesschau durfte ich bis ins Teenageralter eh nicht sehen. So bekam ich sie aus zweiter Hand mit: Die Nachbarskinder mit weniger restriktiven Eltern waren schwer beeindruckt von den Filmen und wollten Szenen daraus nachspielen. Das bedeutet allerdings keine schl\u00fcssige Nacherz\u00e4hlung, sondern immer die Information, die man f\u00fcrs Nachspielen der vorgeschlagenen Szene brauchte. Das war aufregend und gro\u00dfartig, ich konnte die Faszination sehr gut nachvollziehen.<br \/>\nAls ich dann viel sp\u00e4ter die Winnetoufilme sah, war ich tats\u00e4chlich eher entt\u00e4uscht und erst durch Bully Herbigs <i>Schuh des Manitu<\/i> mit dem Stoff vers\u00f6hnt.<\/p>\n<p>Noch viel sp\u00e4ter hatte ich eine wunderbare Arbeitskollegin, die sich aus vertrauter Runde gerne mal mit dem Winnetou-Apachen-Gru\u00df verabschiedete (zwei Finger w\u00fcrdevoll von der Schulter nach vorne). In meinem Kopf setzte immer augenblicklich die Filmmeldodie ein. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ssl-vg03.met.vgwort.de\/na\/2a176a47d27d48378bc2c09958df8f60\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Samstag mit Ohrwurm aufgewacht: Beethoven 7. Sinfonie, 2. Satz, der in meinem Kopf spielte, seit ihn Klassikradio am Sonntag davor in Schwiegervaters Auto sendete. Zur Bek\u00e4mpfung ein paar Mal angeh\u00f6rt (zu nett, wie erst die Triolen, dann Achtel, dann Viertel dem Motiv entgegen gesetzt sind). 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