{"id":2910,"date":"2008-08-23T08:29:02","date_gmt":"2008-08-23T06:29:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=2910"},"modified":"2015-01-17T07:18:57","modified_gmt":"2015-01-17T06:18:57","slug":"ausziehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2008\/08\/ausziehen.htm","title":{"rendered":"Ausziehen"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/modell.jpg\" alt=\"\" title=\"modell\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2911\" \/><\/p>\n<p>Mein Nacktmodeln hatte selbstverst\u00e4ndlich nichts Anz\u00fcgliches &#8211; man kann sich auch ganz spie\u00dfig ausziehen. Ich war 20, absolvierte ein Volontariat bei der \u00f6rtlichen Zeitung und erfuhr von einer ehemaligen Mitsch\u00fclerin, dass sie und ein paar andere lokale Malerinnen, Bildhauer, sonstige K\u00fcnstler einmal im Monat Geld zusammenlegten, um daf\u00fcr ein Aktmodell zu zahlen. Ob ich den nicht auch mal Modell stehen wolle? Ich hielt mich damals f\u00fcr enorm dick (Konfektionsgr\u00f6\u00dfe 42) und scherzte, dass sie dann zumindest etwas Formatf\u00fcllendes bek\u00e4men. Und ich wertsch\u00e4tzte meinen K\u00f6rper so wenig, dass ich mich unbefangen ausziehen konnte. Also stellte ich ihn ein paar Mal diesen Damen und Herren zur Verf\u00fcgung. Da wir von der Zeitung alles auf Verwertbarkeit f\u00fcrs Blatt abklopfen, kam einmal eine Lokalredakteurin mit, die eine Geschichte \u00fcber diese \u00f6rtliche Aktmalerei schrieb. Inklusive Fotograf, der das Bild f\u00fcr den Artikel schoss (hoffentlich in Ordnung, dass ich es hier einstelle, Horst, oder?).<\/p>\n<p>Die K\u00fcnstler trafen sich in der Werkstatt eines alten H\u00e4uschens am Stadtrand, den ein Bollerofen auf angenehme Nackt-Temperaturen brachte. Man hatte mir mehrere Decken auf dem Estrich ausgebreitet, um es mir weich zu machen.  Und so bat man man mich zun\u00e4chst darum, mich m\u00f6glichst verdreht  zu setzen oder stellen, jeweils nur f\u00fcr zwei, drei Minuten. Ein Favorit war die Pose \u201esandalenl\u00f6sende Nike\u201c (hey, mein Griechisch-Abitur war keine zwei Jahre her). Abschlie\u00dfend sollte ich eine Position finden, die ich m\u00f6glichst lange halten konnte.<\/p>\n<p>Ich f\u00fchlte mich wohl unter diesen Blicken, die sachlich und interessiert waren, deren Feuer und Leidenschaft nichts von mir forderten, sondern eine Verarbeitung dessen waren, was sie aufnahmen.<\/p>\n<p>Die Damen und Herren arbeiteten auf den verschiedensten Materialien und mit den unterschiedlichsten Werkzeugen. Im Ged\u00e4chtnis geblieben ist mir der junge Mann, der einen knittrigen Stapel Paketpapier mit Buntstiften bearbeitete, und der mich in lauter Kreisen und Ringeln abbildete: \u201eBei dir komme ich immer ins Schwurbeln.\u201c Die <a href=\"http:\/\/www.artnet.de\/artist\/424527119\/birgit-jung-schmitt.html\" target=_new>ehemalige Mitsch\u00fclerin<\/a> wurde mit einem der Bilder von mir an der M\u00fcnchner Kunstakademie aufgenommen. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ssl-vg03.met.vgwort.de\/na\/81bc78ada24d4537a8c4ca5a64ab050d\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mein Nacktmodeln hatte selbstverst\u00e4ndlich nichts Anz\u00fcgliches &#8211; man kann sich auch ganz spie\u00dfig ausziehen. 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