{"id":3001,"date":"2008-09-15T09:17:19","date_gmt":"2008-09-15T07:17:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=3001"},"modified":"2008-09-15T11:06:55","modified_gmt":"2008-09-15T09:06:55","slug":"gedankenstrom-beim-laufen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2008\/09\/gedankenstrom-beim-laufen.htm","title":{"rendered":"Gedankenstrom beim Laufen"},"content":{"rendered":"<p>Ah, wei\u00dfe Kniestr\u00fcmpfe zu kurzen Laufhosen scheinen die Massen erreicht zu haben. Vielleicht eine M\u00f6glichkeit, meine b\u00f6sen Waden (zwei Orthop\u00e4dinnen und ein Physiotherapeut haben sie bereits als zu hart und wohl von Haus aus verk\u00fcrzt beschimpft) warm zu halten? Es m\u00fcsste mir lediglich komplett egal sein, wie bescheuert ich aussehe.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Nachdem mittlerweile selbst Studenten zum Unterrichten in bayerische Gymnasien geschoben werden, wundert mich nicht mehr, dass Lehrer als Leute gelten, die in ihrem Fachgebiet halt nirgendwo anders einen Job bekommen haben. Und dann denke ich an die Gymnasiallehrer und -lehrerinnen, die zwischen 1980 und 2000 eine Planstelle bekommen haben, als die Standardfrage an Lehramtsstudenten noch war: \u201eStudierst du noch, oder bist du schon arbeitslos?\u201c Als nur die allerbesten eines Jahrgangs in den Schuldienst \u00fcbernommen wurden, die Leute mit Spitzennoten. Die sich den Arsch aufgerissen hatten, um Lehrer werden zu d\u00fcrfen. Und die jetzt nat\u00fcrlich, rubbeldiekatz, in denselben Sack gesteckt werden wie Spanischmagister, die sich zu einem Jahr Unterrichten am Gymnasium herablassen (individuelles F\u00f6rdern von Sch\u00fclern? daf\u00fcr werden sie doch nicht bezahlt), weil sie dann wenigstens nicht arbeitslos sind. Die Lehrer, die ich kenne, zeigen dazu erstaunlichen Gleichmut &#8211; sind ja Kummer gew\u00f6hnt.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>F\u00fcr einen ziemlich kalten, nassgrauen Sonntag sind erstaunlich viele L\u00e4ufer unterwegs.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Die beiden Dokumentarfilme Samstagabend im Bayerischen Fernsehen: <a href=\"http:\/\/www.br-online.de\/bayerisches-fernsehen\/unter-unserem-himmel\/die-sennerin-baeuerin-matti-bauer-ID1215769037758.xml\" target=_new><i>Die Sennerin <\/i><\/a> und die Fortsetzung <a href=\"http:\/\/www.br-online.de\/bayerisches-fernsehen\/unter-unserem-himmel\/die-hoferbin-baeuerin-matti-bauer-ID1215769477690.xml\" target=_new><i>Die Hoferbin<\/i><\/a>. Wie beispielhaft <a href=\"http:\/\/www.br-online.de\/bayerisches-fernsehen\/unter-unserem-himmel\/unter-unserem-himmel-matti-bauer-autor-ID1202472713239.xml\" target=_new>Autor Matti Bauer<\/a> die junge Frau vom Tegernsee eingefangen hat, wie behutsam und voll Respekt. Der \u201eAlmerin\u201c Zeit zum Erz\u00e4hlen gelassen hat, es ihr \u00fcberlassen hat, Priorit\u00e4ten zu setzen, sich vor der Kamera zu entfalten, \u00fcber Monate hinweg. Eine beeindruckende Frau, diese Uschi. Bauerntochter, weit gereist, eigensinnig, belesen, reflektiert, kurz vor dem Landwirtschaftsmeister. Wie sie beweist, dass man auch mit tiefstem Dialekt nicht dumm wirken muss. Das Leuchten ihres dicken, rotblonden Zopfes in der Bergsonne des Sommers 2003. Dass das Ergebnis den tiefen Respekt vor dem Thema des Filmes zeigt, beweist die Fortsetzung: W\u00e4ren Uschi und ihre Eltern mit <i>Die Sennerin <\/i> nicht einverstanden gewesen, h\u00e4tten sie sich sicher nicht zu einer Fortsetzung bereit erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p><i>Die Hoferbin<\/i> steigt wieder ein, als Uschi drei Jahre sp\u00e4ter an der Entscheidung arbeitet, ob sie den Hof der Eltern \u00fcbernimmt. Mittlerweile hat sie nicht nur den Landwirtschaftsmeisterbrief, sondern auch einen Sohn. Noch deutlicher als im Film davor l\u00e4sst Matti Bauer viel weg (er ist gelernter V\u00f6lkerkundler, das mag seinen Stil erkl\u00e4ren): Die Geschwister Uschis tauchen nur als Erw\u00e4hnung auf, der Vater des Babys gar nicht. Ich bin sicher, das war mit den Beteiligten so vereinbart, und es ist v\u00f6llig in Ordnung. Als Haupthindernis f\u00fcr eine Hof\u00fcbernahme &#8211; meine G\u00fcte, ich Naivling h\u00e4tte nicht gedacht, dass dahinter ein solcher Berg B\u00fcrokratie und Vertragswerk steckt &#8211; stellt sich implizit die B\u00e4uerin heraus, die Mutter Uschis. Im ersten Film hatte sie zwar mehrfach betont, sie wolle den Hof abgeben, damit sie endlich machen k\u00f6nne, was sie selbst will, und nicht immer, was gemacht werden muss. Doch scheint sie nicht damit fertig zu werden, dass ihre Tochter sich von Zw\u00e4ngen befreit und auch als B\u00e4uerin unbeirrt das tut, was sie selbst will und wie sie es f\u00fcr richtig h\u00e4lt. Dadurch verstr\u00f6mt die Mutter eine eigenartige, ungl\u00fcckliche Missgunst.<\/p>\n<p>Das Ganze entwickelt die Spannung eines Spielberg-Filmes: Wie wird sich Uschi entscheiden? K\u00f6nnen die Konflikte \u00fcberwunden werden, zumindest auf einer pragmatischen Ebene?<br \/>\nUschi hat keine Illusionen zur Landwirtschaft &#8211; wie sollte sie, sie ist schlie\u00dflich auf dem Hof aufgewachsen. Ihre letztendliche Entscheidung, den Betrieb weiter zu bewirtschaften, ist dennoch rein idealistisch: Dass es H\u00f6fe wie den ihren gibt, ist f\u00fcr sie einfach Kulturgut, das es zu erhalten gilt.<\/p>\n<p>Und dazu das sch\u00f6ne Oberbayrisch: Wie lange hatte ich schon nicht mehr &#8220;Schandarm&#8221; f\u00fcr einen Polizisten geh\u00f6rt, das Uschis Vater verwendete. Auf der Alm schrieb Uschi ihr Almbuch sogar auf Bayrisch: &#8220;Koiwe&#8221; (K\u00e4lber), &#8220;Kas&#8221; etc.<\/p>\n<p>Wissen Sie: Wenn Rundfunkgeb\u00fchren allein mit der Begr\u00fcndung erhoben w\u00fcrden, dass sie solche Dokumentationen erm\u00f6glichen, h\u00e4tten sie f\u00fcr mich Berechtigung genug. Dann macht Fernsehen gl\u00fccklich.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Ich f\u00e4nde es nett, wenn das ein Lauf ohne Sturz w\u00fcrde. Die gestrige Wiederholung (wieder Wurzel, wieder \u00fcber die linke Schulter abgerollt) war bereits halb so lustig. Wo es der riesige blaue Fleck auf dem linken Unterarm doch gerade mal in die gr\u00fcne Phase geschafft hat.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Klar: Roher Marmorkuchenteig schmeckt so gut, dass man sich fragt, ob das Backen \u00fcberhaupt sein muss. L\u00f6ffelweise aber w\u00e4re er doch zu \u00fcppig &#8211; die ideale Darreichungsform ist die geleerte R\u00fchrsch\u00fcssel mit lediglich Resten von Teig. Ob man daraus wohl ein originelles Dessert machen k\u00f6nnte? Eine kleine Sch\u00fcssel servieren, die noch Reste von Kuchenteig enth\u00e4lt, dazu die teigumh\u00fcllten R\u00fchrer?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ah, wei\u00dfe Kniestr\u00fcmpfe zu kurzen Laufhosen scheinen die Massen erreicht zu haben. 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