{"id":30344,"date":"2016-01-15T10:05:36","date_gmt":"2016-01-15T09:05:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=30344"},"modified":"2016-01-19T21:28:16","modified_gmt":"2016-01-19T20:28:16","slug":"journal-donnerstag-14-januar-2016-alan-rickman-ist-tot","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2016\/01\/journal-donnerstag-14-januar-2016-alan-rickman-ist-tot.htm","title":{"rendered":"Journal Donnerstag, 14. Januar 2016 &#8211; Alan Rickman ist tot"},"content":{"rendered":"<p>Oh nein, <a href=\"http:\/\/www.theguardian.com\/film\/2016\/jan\/14\/alan-rickman-giant-of-british-film-and-theatre-dies-at-69\" target=\"_blank\">nicht Alan Rickman<\/a>.<\/p>\n<p>Mir will zum Teufel nicht einfallen, wo ich ihn entdeckt habe &#8211; und ich bin mir sicher, dass ich ihn selbst entdeckt habe, bevor er mit <i>Die Hard<\/i> ber\u00fchmt wurde.<\/p>\n<p><i>Truly Madly Deeply<\/i> mag einer seiner ersten Kinofilme gewesen sein, aber ich bilde mir ein, dass ich den sp\u00e4ter als 1990 sah und dass ich Rickman schon vorher in einem Film gesehen hatte.<\/p>\n<p>Vielleicht doch <i>Robin Hood, Prince of Thieves<\/i>? Der besser <i>Sheriff of Nottingham, King of Being Annoyed<\/i> gehei\u00dfen h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Sicher, als Snape war er sehr gut &#8211; aber der Punkt geht eigentlich an J.K. Rowling, die den Charakter so gut geschrieben hat.<\/p>\n<p>In <i>Sense and Sensibility<\/i> stellte ich fest: Rickman konnte ja auch anziehend sein!<\/p>\n<p>Nicht nochmal sehen kann ich <i>An Awfully Big Adventure<\/i>, weil er mir zu nahe ging. Und <i>Gambit<\/i> will ich ganz sicher nicht nochmal sehen; es reicht zu wissen, dass man auch mit einer sensationellen Besetzung einen sensationell schlechten Film machen kann.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Sch\u00f6ner Artikel eines Vogelbeobachters.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/natur\/ornithologie-2016-die-voegel-in-nachbars-garten-14005949.html?printPagedArticle=true#pageIndex_0\" target=\"_blank\">&#8220;Die V\u00f6gel in Nachbars Garten&#8221;.<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Die Vogelbeobachtung ist neben dem Schallplattensammeln eine der sch\u00f6nsten und begl\u00fcckendsten T\u00e4tigkeiten, denen ein Mensch nachgehen kann.<\/p><\/blockquote>\n<p>Allein schon wegen des Zwischentitels &#8220;Nur ein tiefgefrorener Vogel ist ein ruhiger Vogel&#8221; muss man ihn lieben.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Wie sagen wir Berufskommunikatorinnen immer \u00fcber Botschaften: Wenn sie dir selbst schon zum Hals raush\u00e4ngt, kommt sie drau\u00dfen gerade erst an. In diesem Sinne: Teresa Br\u00fcckner fordert zum Kampf gegen Sexismus und sexuelle Gewalt auf.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/der-freitag\/das-geht-ausnahmslos-alle-etwas-an\" target=\"_blank\">&#8220;Das geht #ausnahmslos alle etwas an&#8221;.<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Dass insbesondere m\u00e4nnliche Publizisten die Herkunft der T\u00e4ter betonen, dient aber allzu oft auch der R\u00fcckversicherung, dass mit dem Frauenbild herkunftsdeutscher M\u00e4nner alles zum Besten steht. Doch so ist es nicht. Nicht die Behauptungen von Feministinnen, sondern Studien, die von offiziellen deutschen und europ\u00e4ischen Stellen beauftragt wurden, belegen, dass sexualisierte Gewalt und Bel\u00e4stigung f\u00fcr Frauen zum Alltag geh\u00f6ren. Rund 40 Prozent der Frauen berichteten in der Studie des Bundesfamilienministeriums, mindestens einmal seit dem 16. Lebensjahr sexualisierte Gewalt erfahren zu haben, bei sexueller Bel\u00e4stigung sind es 60 Prozent.<\/p>\n<p>Als Journalistin, die sich schon l\u00e4nger mit Gewalt gegen Frauen besch\u00e4ftigt, kann ich all diese Zahlen im Schlaf aufsagen \u2013 sie \u00e4ndern sich ja kaum. Ich bewundere jede Kollegin, die schon Jahrzehnte dar\u00fcber berichtet, wenn sie sich immer wieder diesem Thema zuwendet. Ich bewundere aber auch jeden, der mit Blick auf diese stabilen Zahlen sagt, mit dem Frauenbild in diesem Land sei alles in Ordnung. Wir alle m\u00fcssen diese Fakten anders interpretieren, denn die Masse der Gewalt l\u00e4sst sich nicht auf individuelle Entgleisungen zur\u00fcckf\u00fchren. Sie belegt ein strukturelles Problem \u2013 auch in aufgekl\u00e4rten europ\u00e4ischen Gesellschaften.\n<\/p><\/blockquote>\n<p>(&#8230;)<\/p>\n<blockquote><p>Ich pers\u00f6nlich bin gegen\u00fcber sexualisierten \u00dcbergriffen abgestumpft. Ich habe aufgeh\u00f6rt, sie zu z\u00e4hlen, weil sie zu oft geschehen. Unabh\u00e4ngig davon, was ich gerade anhabe, ob ich gek\u00e4mmt und geschminkt bin, sogar wenn ich den Kinderwagen schiebe. Mehrere Dutzend M\u00e4nner haben im Laufe der vergangenen Jahre gegen meinen Willen meine Br\u00fcste, meinen Hintern oder mein Haar angefasst. Ich h\u00e4tte jedem davon am liebsten auf die Schuhe gekotzt. Dem Manager auf einer Business-Konferenz, dem Berlin-Touristen, dem Jugendlichen aus Kreuzberg \u2013 so unterschiedlich ihre Herkunft auch war, ihre \u00dcbergriffe haben sich f\u00fcr mich immer gleich schlecht angef\u00fchlt. Die verbalen Bel\u00e4stigungen h\u00f6re ich nur leise durch die Kopfh\u00f6rer, die ich fast immer trage, manchmal habe ich zur\u00fcckgefaucht, geohrfeigt oder mit all meiner Kraft den Angreifer weggesto\u00dfen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Auch Zo\u00eb Beck weist lesenswert darauf hin, dass sexuelle \u00dcbergriffe f\u00fcr sehr viele Frauen Alltag sind. Zum Beispiel f\u00fcr all die Frauen, die vor drei Jahren unter #aufschrei diesen Alltag schilderten.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/zoebeck.wordpress.com\/2016\/01\/14\/das-maerchen-vom-anekdotischen-einzelfall\/\" target=\"_blank\">&#8220;Das M\u00e4rchen vom anekdotischen Einzelfall&#8221;.<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Es gibt keine Entschuldigung f\u00fcr die \u00dcbergriffe in K\u00f6ln und in anderen St\u00e4dten. Aber eben auch keine Entschuldigung f\u00fcr all das, was (in der \u00fcberwiegenden Mehrzahl) Frauen vorher angetan wurde und auch weiterhin angetan werden wird, egal welcher Nationalit\u00e4t oder welchen Glaubens die T\u00e4ter (\u00fcberwiegend M\u00e4nner) waren oder sind. Gewaltopfer zu sein ist furchtbar. Opfer sexualisierter Gewalt zu sein, ist furchtbar. Opfer zu sein ist immer auch dem\u00fctigend. Opfer sexualisierter Gewalt zu sein, tr\u00e4gt noch eine weitere Form der Dem\u00fctigung in sich. (Was nicht qualitativ wertend gemeint ist. Kein Gewaltopfer hat es besser oder schlechter als ein anderes. Darum geht es nicht.)<\/p><\/blockquote>\n<p>Ebenfalls mal wieder und zur Sicherheit: Wenn Sie eine Frau sind, die nicht 90% ihres Verhaltens und Alltags auf m\u00f6gliche m\u00e4nnliche \u00dcbergriffe ausrichten muss, bedeutet das nicht, das mit den Frauen etwas nicht stimmt, die das m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Antje Schrupp macht sich interessante Gedanken zu<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.fischundfleisch.com\/anje-schrupp\/verharmlosen-feministinnen-die-taten-von-koeln-14951\" target=\"_blank\">&#8220;Verharmlosen Feministinnen die Taten von K\u00f6ln?&#8221;<\/a>,<br \/>\ndabei vor allem \u00fcber die Frage, ob es sich vielleicht doch in der Silvesternacht in K\u00f6ln um eine &#8220;neue Qualit\u00e4t&#8221; sexueller Gewalt gehandelt hat.<\/p>\n<blockquote><p>Und tats\u00e4chlich ist in K\u00f6ln eine Form von sexualisierter Gewalt offensichtlich geworden, die uns bisher unbekannt war \u2013 und auf die wir deshalb nicht vorbereitet sind. Dadurch ist ein Gef\u00fchl des Kontrollverlustes entstanden, und Kontrollverlust macht Angst: Viele Menschen haben ja auch Angst vorm Fliegen, aber nicht vorm Autofahren, obwohl Autofahren objektiv gef\u00e4hrlicher ist. Aber im Auto hat man eben selbst die Kontrolle (oder kann sich das einbilden), im Flugzeug nicht.<\/p>\n<p>Das dominierende Gef\u00fchl unter vielen Frauen, mit denen ich seit K\u00f6ln gesprochen habe, war das Ausgeliefert sein, die \u00dcberrumpelung, die Vorstellung einer Bedrohung, mit der man \u2013 oder frau \u2013 bisher nicht gerechnet hatte. Und gegen die es deshalb auch noch keine Strategien gibt.<\/p>\n<p>Was hingegen die \u201enormale\u201c sexualisierte Gewalt in Deutschland betrifft, so haben wir von klein auf gelernt, mit ihr zu leben.<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Oh nein, nicht Alan Rickman. 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