{"id":33384,"date":"2016-08-15T10:03:16","date_gmt":"2016-08-15T08:03:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=33384"},"modified":"2016-08-15T10:03:16","modified_gmt":"2016-08-15T08:03:16","slug":"journal-sonntag-14-august-2016-sommertag-im-chiemgau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2016\/08\/journal-sonntag-14-august-2016-sommertag-im-chiemgau.htm","title":{"rendered":"Journal Sonntag, 14. August 2016 &#8211; Sommertag im Chiemgau"},"content":{"rendered":"<p>Ein weiterer Sommertag; da der Spa\u00df ja jeden Tag vorbei sein kann, steckte ich wieder Programm f\u00fcr zwei rein.<\/p>\n<p>Zweites Mal sehr gut geschlafen in Folge &#8211; das ist wirklich sch\u00f6n. Nach Kaffee und Bloggen auf dem Balkon (Eichh\u00f6rnchen!) spazierte ich zeitig zum Schyrenbad, wieder \u00fcber den wundervollen S\u00fcdfriedhof.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/160814_01_Suedfriedhof.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/160814_01_Suedfriedhof.jpg\" alt=\"160814_01_Suedfriedhof\" width=\"435\" height=\"564\" class=\"alignnone size-full wp-image-33386\" \/><\/a><\/p>\n<p>Der neue Schwimmbikini bestand seinen ersten Einsatz, die Hose sitzt sogar besser als das alte Modell. W\u00e4hrend ich meine Bahnen zog, dachte ich unter anderem nach \u00fcber die Merkw\u00fcrdigkeit vorgeschriebener Schwimmstile bei offiziellen Wettk\u00e4mpfen. Beim schnellen Rennen ist das Ziel ja einfach, eine bestimmte Distanz in m\u00f6glichst kurzer Zeit zur\u00fcckzulegen. Aber beim Schwimmen gilt das nicht, die Form der Bewegung wird vorgeschrieben: Es hei\u00dft nicht einfach &#8220;200 Meter Schwimmen&#8221;, das w\u00e4re am ehesten Freistil. Sondern die 200 Meter m\u00fcssen Kraul, Brust, Schmetterling, R\u00fccken geschwommen werden. (Na gut, ich habe gerade gesehen, dass Gehen immer noch olympisch ist.)<\/p>\n<p>Ich duschte und wusch mich gleich gr\u00fcndlich im Freibad, da ich nachmittags einen zweiten Sommertag vorhatte, legte mich dann noch ein halbes St\u00fcndchen in die Sonne.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Zweites Sommertagsprogramm am Nachmittag: Meine Leserunde traf sich diesmal in der Sommerfrische, n\u00e4mlich im Ferienhaus einer Mitlesenden am Chiemsee. Wir fuhren zusammen mit dem Bayernticket im gut besetzten Zug nach Salzburg.<\/p>\n<p>Geredet wurde nebst Kaffee und Kuchen \u00fcber Bachtyar Ali, <i>Der letzte Granatapfel<\/i>. In dem Roman erz\u00e4hlt Muzafari Subhdam, einst ein hochrangiger Peschmerga, nach 21 Jahren Einzelhaft in der W\u00fcste befreit, seine Geschichte &#8211; und die der Suche nach seinem Sohn. Auf der Suche erz\u00e4hlen ihm wiederum Menschen St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck, was in den 21 Jahren seiner Abwesenheit geschehen ist. Durch diese Erkl\u00e4rungen entfaltet sich die ganze menschliche und politische Auswegslosigkeit der Lage im kurdischen Irak &#8211; wenn nicht sogar im gesamten Nahen Osten.<\/p>\n<p>Ich war die einzige, der der Roman gefallen hatte; die anderen waren durch die Redundanz des manchmal formelhaften Erz\u00e4hlens gelangweilt oder abgesto\u00dfen von der <i>toxic masculinity<\/i>, die sowohl den Hintergrund des kriegerischen Gemetzels in den kurdischen Gebieten Iraks durchtr\u00e4nkt als auch den ausschlie\u00dflich m\u00e4nnlich gepr\u00e4gten Vordergrund, in dem es nur Freund oder Feind gibt, Schwarz oder Wei\u00df, und in dem die M\u00e4nner einander bei der nichtigsten Gereiztheit grausame Tode an den Hals w\u00fcnschen. Frauen tauchen nur als mystische Gestalt, Sexspielzeug oder Kindsaustr\u00e4gerin auf.<\/p>\n<p>Dennoch war ich fasziniert gewesen von der ganz ungewohnten Erz\u00e4hlweise, in der die Figuren nicht psychologisch motiviert sind, sondern durch mythische Topoi &#8211; die dann in formelhaft variierten Naturbildern geschildert werden. Und ich sah in den drei Saryasi drei Seiten der kriegerischen Auseinandersetzung, mit dem ersten Saryasi, dem &#8220;Marschall&#8221;, als einzige politisch vern\u00fcnftige Gestalt.<\/p>\n<p>Wir unterhielten uns recht lange dar\u00fcber, ob die Erz\u00e4hlerstimme die Geschehnisse und die Kultur dahinter kommentierend berichtet oder lediglich konstatiert. Ich pl\u00e4diere f\u00fcr eine Schilderung, die eine Einordnung dem Lesenden \u00fcberl\u00e4sst (was er und sie ja ohnehin tun). Als Europ\u00e4er und Europ\u00e4erinnen sind wir abgesto\u00dfen von einer Denkweise, die uns mittelalterlich erscheint; ob das kolonial bevormundend ist, will ich nicht beurteilen.<\/p>\n<p>Vielschichtig ist der Roman auf jeden Fall. Ich empfehle ihn, weise aber auf die abweisenden Reaktionen meiner Mitleserinnen und Mitleser hin. Hier <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/literatur-wie-konnte-ein-solcher-autor-so-lange-unentdeckt-bleiben-1.3023600\" target=\"_blank\">die Rezension von Stefan Weidner in der <i>Sueddeutschen<\/i><\/a>, die mich auf das Buch aufmerksam machte.<\/p>\n<p>Wenn wir schon im Chiemgau und am See waren, wollte die eine H\u00e4lfte der Leserunde Baden gehen. Mir war nicht nach einer zweiten Wasserrunde, ich fuhr nur zum Gucken mit an den Langenb\u00fcrgener See.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/160814_14_LangenbuergenerSee.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/160814_14_LangenbuergenerSee.jpg\" alt=\"160814_14_LangenbuergenerSee\" width=\"392\" height=\"522\" class=\"alignnone size-full wp-image-33390\" \/><\/a><\/p>\n<p>Weiteres Programm: Gestern fand in Prien das j\u00e4hrliche Marktfest statt &#8211; das wollten wir sehen. Und zu sehen war einiges, die Stra\u00dfen und Pl\u00e4tze um den Marktplatz standen voller Bierb\u00e4nken, B\u00fchnen, St\u00e4nden mit Speisen und Getr\u00e4nken. Das Ganze war angenehm schlicht und unkommerziell, hier feierten die Einheimischen und lie\u00dfen es sich gut gehen, schnickschnackfrei. Zu essen gab es Bratw\u00fcrste, Schweinsbraten, Leberk\u00e4s, Hendl (traditionell schlechte Aussichten f\u00fcr Vegetarierinnen), zu trinken Bier und Wein (plus Wirtshauscocktails an einer Bar), auf den drei B\u00fchnen spielten eine volkst\u00fcmliche Band, ein 30-k\u00f6pfiges Blasorchester, eine Partyband. Die \u00f6rtlichen Trachtenvereine zogen reihum und boten dar.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/160814_19_Prien.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/160814_19_Prien.jpg\" alt=\"160814_19_Prien\" width=\"441\" height=\"507\" class=\"alignnone size-full wp-image-33392\" \/><\/a><\/p>\n<p>Zum Beispiel die Goa\u00dflschnoiza. <\/p>\n<p>R\u00fcckfahrt nach M\u00fcnchen im \u00fcberf\u00fcllten Meridian, Zugerprobte (ich) fanden Bodenpl\u00e4tze.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<blockquote><p>Da ich schon berufsbedingt ein gro\u00dfer Fan von Serienbriefen bin<\/p><\/blockquote>\n<p>Wortschnittchen erz\u00e4hlt, wie sie den Nachlass ihres Manns bearbeitet und gibt Tipps.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.wortschnittchen.de\/2016\/08\/nachlasssachen\/\" target=\"_blank\">&#8220;Nachlasssachen.&#8221;<\/a> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ssl-vg03.met.vgwort.de\/na\/53b5711490164f008194ea96c8c97df2\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein weiterer Sommertag; da der Spa\u00df ja jeden Tag vorbei sein kann, steckte ich wieder Programm f\u00fcr zwei rein. 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