{"id":335,"date":"2004-04-05T11:00:45","date_gmt":"2004-04-05T09:00:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2004\/04\/bahnsprech.htm"},"modified":"-0001-11-30T00:00:00","modified_gmt":"-0001-11-29T22:00:00","slug":"bahnsprech","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2004\/04\/bahnsprech.htm","title":{"rendered":"Bahnsprech"},"content":{"rendered":"<p>Ich versuch\u2019s mal wieder einen Monat lang mit Pendeln. Zum einen hat der Mitbewohner zwei Wochen Ferien und damit Zeit, mir einen angenehmen Feierabend zu bereiten (Kochen, ins Kino oder Essen gehen, einfach anwesend sein). Zum anderen muss ich ja erst mal den Anlass schaffen, wenn ich herausfinden will, dass es mir doch nichts mehr ausmacht, morgens nach dem Aufstehen ohne Umwege ins Bad zu gehen, mich fertig zu machen und mit dem Zug in die Arbeit zu fahren.<\/p>\n<p>Zugfahren selbst mag ich ja sehr (ja, ich bin das). Vielleicht ist es allerdings am Morgen nicht der beste Zeitvertreib, ein Buch weiterzulesen, das ich am Vorabend bereits vor dem Einschlafen gelesen habe: Noch etwas schlaftrunken fesselt mich die Lekt\u00fcre in der Parallelwelt der Fiktion, und ich tue mich umso schwerer, meine Energie ins Hier und Jetzt des Arbeitsplatzes zu versetzen. Zeitung w\u00e4re die bessere Zuglekt\u00fcre, nur dass die Stadtausgabe der <i>SZ<\/i> in M\u00fcnchen nicht vor 7 Uhr ausgeliefert wird.<\/p>\n<p>Jedes Mal meine Aufmerksamkeit wert: die Zugdurchsagen (im Gegensatz zu Ansagen im Flugzeug, die mein Gehirn immer unverarbeitet durchwinkt). Die Bahn spricht n\u00e4mlich eine Sprache, die sich sehr von der des Alltags unterscheidet. Im j\u00fcngsten <i>SZ-Magazin<\/i> erw\u00e4hnt Axel Hacke: \u201eViele Jahre lang wurden wir mit Durchsagen in den Speisewagen gebeten, die mit der Nachricht endete, dass uns das ICE-Team \u201agerne erwarte\u2019. Da sa\u00df man, hungrig und durstig, und \u00fcberlegte, ob man es dem ICE-Team wirklich antun d\u00fcrfe zu kommen, wenn es doch das Erwarten so liebe.\u201c In meiner Erinnerung war die Durchsage noch abstruser, denn es war ein \u201eMitropa-Team\u201c, das uns \u201egerne erwartete\u201c. Meine Fantasie produzierte wildeste Bilder.<\/p>\n<p>Ich finde ja schon das Wort \u201eZugbegleiter\u201c merkw\u00fcrdig: Sollte das Personal im Zug nicht eher die Passagiere begleiten? Unter einem \u201eZugf\u00fchrer\u201c stelle ich mir an sich den Fahrer in der Lokomotive vor. Doch die Herren und Damen, die sich per Lautsprecher als solche vorgestellt haben, sind st\u00e4ndig im Zug unterwegs und damit sicher (hoffentlich?) nicht der Chauffeur.<br \/>\nOder \u201eTriebwagen\u201c. In Bahnsprech gibt es keine Lokomotiven. Auch keine Waggons &#8211; daf\u00fcr \u201eZugteile\u201c und \u201eWagen\u201c. Woran ich mich bis heute nicht gew\u00f6hnt habe, ist die Ank\u00fcndigung des Zielbahnhofs. In Drehb\u00fcchern oder auch nur wenn Kinder Zug spielen, hei\u00dft das: \u201eEndstation, alles aussteigen.&#8221; Die so genannte Wirklichkeit mutet uns zu: \u201eDer Zug endet hier.\u201c Dass eine Fahrt endet, leuchtet mir ein. Auch ein Gegenstand darf von mir aus enden, n\u00e4mlich wenn man seine Ma\u00dfe angibt. Mein B\u00fcroteppich beginnt an der T\u00fcre und endet am Fenster &#8211; fein. Auch ein Zug hat einen Anfang (Lokomotiv-Schnauze) und ein Ende (Schlusslichter). Doch wie kann er in Hamburg enden?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich versuch\u2019s mal wieder einen Monat lang mit Pendeln. Zum einen hat der Mitbewohner zwei Wochen Ferien und damit Zeit, mir einen angenehmen Feierabend zu bereiten (Kochen, ins Kino oder Essen gehen, einfach anwesend sein). 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