{"id":34220,"date":"2016-10-02T09:18:27","date_gmt":"2016-10-02T07:18:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=34220"},"modified":"2016-10-02T11:50:04","modified_gmt":"2016-10-02T09:50:04","slug":"journal-freitagsamstag-30-september1-oktober-2016-trier-luxemburg-muenchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2016\/10\/journal-freitagsamstag-30-september1-oktober-2016-trier-luxemburg-muenchen.htm","title":{"rendered":"Journal Freitag\/Samstag, 30. September\/1. Oktober 2016 &#8211; Trier, Luxemburg, M\u00fcnchen"},"content":{"rendered":"<p>Am Freitag wachte ich zu Regenprasseln auf. Zwar hatte ich ohnehin einen Museumsbesuch geplant, doch ein Spaziergang durch Trier h\u00e4tte mich auch gefreut.<\/p>\n<p>Nach einem Fr\u00fchst\u00fcck rollkofferte ich durch den Regen zu dem Innenstadthotel, in dem ich die Nacht auf Samstag verbringen wollte &#8211; das Hotel im Wanderpaket hatte kein Zimmer frei gehabt. Auch dieses zweite Hotel in Trier empfing mich mit Moselfreundlichkeit: &#8220;Sie sind aber sehr fr\u00fch da.&#8221; Bevor ich auch nur eine Chance hatte, lediglich um Unterstellen meines Koffers zu bitten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/160930_03_Trier.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-34232\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/160930_03_Trier.jpg\" alt=\"160930_03_trier\" width=\"636\" height=\"471\" srcset=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/160930_03_Trier.jpg 636w, https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/160930_03_Trier-600x444.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 636px) 100vw, 636px\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/160930_05_Trier.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-34233\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/160930_05_Trier.jpg\" alt=\"160930_05_trier\" width=\"588\" height=\"441\" \/><\/a><\/p>\n<p>Weiter im Regen zum <a href=\"http:\/\/www.nero-ausstellung.de\/ausstellungen\/rheinisches-landesmuseum\/\" target=\"_blank\">Rheinischen Landesmuseum<\/a>: Diesen zentralen Teil der Nero-Ausstellung wollte ich sehr gerne sehen.<\/p>\n<p>Da ich als Jugendliche die BBC-Verfilmung von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ich,_Claudius_%E2%80%93_Kaiser_und_Gott_(Fernsehserie)\" target=\"_blank\"><em>Ich, Claudius\u00a0&#8211;\u00a0Kaiser und Gott<\/em><\/a> gesehen habe, sp\u00e4ter <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/I,_Claudius\" target=\"_blank\">die Romanvorlagen<\/a> gelesen <i>und<\/i> erst k\u00fcrzlich Mary Beards <a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2016\/01\/mary-beard-spqr-a-history-of-ancient-rome.htm\" target=\"_blank\"><i>SPQR<\/i><\/a>, halte ich mich nat\u00fcrlich f\u00fcr eine Expertin der fr\u00fchen r\u00f6mischen Kaiserzeit. Entsprechend kritisch ging ich an die Ausstellung heran. Und war &#8211; \u00fcberw\u00e4ltigt. Es ist sensationell, was hier an Exponaten aus Museen und Sammlungen ganz Europas zusammengetragen wurde. Die Ausstellung dokumentiert mit Inschriften, Statuen, Teilen von Bauwerken, M\u00fcnzen, Zitaten, Faksimiles von ganzen R\u00e4umen unter anderem Neros Kindheit und Jugend, das politische Geschick seiner Mutter Agrippina, das ihn zum Kaiser machte, die Konstruktivit\u00e4t seiner ersten Herrschaftsjahre, den entsetzlichen Brand Roms (mit einer hochinteressanten Computergrafik, die die Ausbreitung des Feuers in diesen acht Tagen nachvollzieht, und mit Originalexponaten aus diesem Feuer und der daraufhin gegr\u00fcndeten Feuerwehr), Neros Kunstinteresse und seine Griechenlandreise, den Bau der <i>villa aurea<\/i> (wieder unterst\u00fctzt mit Simulationen), Neros politischen Fall. Am Ende der Ausstellung wird der Bogen zum Ausstellungsort geschlagen.<\/p>\n<p>Die Ausstellung zieht alle Register heutiger multimedialer M\u00f6glichkeiten; das macht sie nahbar und emotional, droht allerdings an der einen oder anderen Stelle ein wenig in Disneyland zu kippen. Misstrauisch machten mich die vielen bildlichen Darstellungen des beteiligten r\u00f6mischen Personals; aufgestachelt von Mary Beards Forschung h\u00e4tte ich bei vielen B\u00fcsten und Statuen gerne gewusst, was die Quellenbasis f\u00fcr die Zuschreibung zum Beispiel als Agrippina, Octavia, Claudius oder eben Nero war. Am einfachsten ist das nat\u00fcrlich bei bildlicher Darstellung auf M\u00fcnzen: Hier steht der Name dabei. Doch im vorletzten Ausstellungsraum stie\u00df ich auf eine Vitrine mit einem bronzenen Fu\u00dffragment, von dem es hie\u00df, es sei der Rest einer Nerostatue: Echt?<\/p>\n<p>Ich empfehle die Besprechung der Ausstellung auf faz.net von Tilman Spreckelsen, da sie reich bebildert ist und alle relevanten Stationen enth\u00e4lt:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/kunst\/nero-ausstellung-in-trier-langweilig-war-er-nie-14244303.html\" target=\"_blank\">&#8220;Langweilig war er nie&#8221;.<\/a><\/p>\n<p>Die Cambridger Professorin f\u00fcr Altphilologie Mary Beard weist in ihrer Besprechung im <i>TLS<\/i>, <a href=\"http:\/\/www.the-tls.co.uk\/articles\/public\/unholy-roman-emperor\/\" target=\"_blank\">&#8220;Unholy Roman Emperor&#8221;<\/a> auf diese Details hin:<\/p>\n<blockquote><p>&#8230;some very well chosen loans and the imaginative choice of themes beyond straight biography (from financial crises and Nero\u2019s relations with Greece to his role as artist and artistic patron) make this a striking and absorbing show. Sometimes it is a question of simply being able to see the objects far better here than in their home locations. Anyone who wants a chance to get up close to the famous fresco from Pompeii depicting the deadly riot that broke out in the amphitheatre in the middle of Nero\u2019s reign would do better to go to see it in Trier than in the National Museum in Naples. And on display, too, is a nice fragment \u2013 showing one of Nero\u2019s new buildings \u2013 of the vast, detailed plan of the city of Rome that was inscribed on marble in the early third century AD; one of the most intriguing survivals from the ancient world, this is usually locked up in storage, well away from public view.<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Und dann bekam ich doch noch Luxemburg zu sehen. Zu den Bloggern der anderthalbten Stunde (also wie ich) geh\u00f6rt <a href=\"http:\/\/www.joel.lu\/\" target=\"_blank\">der Luxemburger Jo\u00ebl<\/a>, und mit dem war ich in Trier verabredet (wir hatten uns im Mai auf der re:publica endlich mal von Gesicht zu Gesicht kennengelernt). Das Wetter schmuddelte immer noch, Jo\u00ebl meinte auch, in Trier k\u00f6nne er mir gar nicht so viel erkl\u00e4ren, anders als in Luxemburg &#8211; ob wir nicht einfach hinfahren wollten? Das taten wir.<\/p>\n<p>Jo\u00ebl fuhr mich mit seinem schicken Auto an den zentralen Verwaltungsgeb\u00e4uden der Europ\u00e4ischen Union vorbei (Europ\u00e4ischer Gerichtshof!) und zeigte mir dann den trockenen Nachmittag \u00fcber sein Luxemburg, oben und unten. Ich bekam sogar Luxemburgerisch zu h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Zum Kaffeetrinken sa\u00dfen wir am Fl\u00fcsschen <del datetime=\"2016-10-02T09:49:45+00:00\">Petruss<\/del>Alzette in einem irischen Pub, das mit Wimpeln &#8220;Oktoberfest&#8221; geschm\u00fcckt war und dessen Bedienungen \u00fcber ihren Jeans Kniebundhosen aus gr\u00fcnem Samt mit Samthosentr\u00e4gern trugen &#8211; Gratulation, das war die bislang absurdeste Variante des Themas. Ich h\u00f6rte viele Geschichten und viel Geschichte; ich schiebe es auf meine bayerische Herkunft, dass ich bis dahin Luxemburg weder historisch noch aktuell auf dem Schirm hatte und peinlich wenig dar\u00fcber wusste. Unter anderem lernte ich, dass der Gro\u00dfherzogpalast in der Fu\u00dfg\u00e4ngerzone und gegen\u00fcber dem wirklich beeindruckenden Schokoladenladen <a href=\"http:\/\/chocolate-house-bonn.lu\/\" target=\"_blank\">Chocolate House<\/a> leider nicht der Wohnort des Gro\u00dfherzogs ist, sah das ehemalige Gef\u00e4ngnis, bekam umwerfende Madelaines nach Rezept L\u00e9a Linster <a href=\"http:\/\/www.lealinster.lu\/fr\/delicatessen\/boutique\/\" target=\"_blank\">in ihrem kleinen L\u00e4dchen<\/a> zu probieren.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/160930_10_Luxemburg.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-34234\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/160930_10_Luxemburg.jpg\" alt=\"160930_10_luxemburg\" width=\"558\" height=\"437\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/160930_12_Luxemburg.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-34235\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/160930_12_Luxemburg.jpg\" alt=\"160930_12_luxemburg\" width=\"571\" height=\"445\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/160930_16_Luxemburg.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-34236\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/160930_16_Luxemburg.jpg\" alt=\"160930_16_luxemburg\" width=\"441\" height=\"478\" \/><\/a><\/p>\n<p>Ein hervorragendes Nachtmahl gab es im <a href=\"http:\/\/lannexe.lu\/\" target=\"_blank\">Restaurant Annexe<\/a>, bevor Jo\u00ebl mich zur\u00fcck nach Trier fuhr (Superservice, jederzeit wieder!). Was mich bis ins tiefste Herz w\u00e4rmte: Die zugewandte N\u00e4he zu jemandem, den ich ja seit \u00fcber zehn Jahren kenne &#8211; auch wenn wir erst zum zweiten Mal die Atemluft teilten. Doch ich habe mich damit abgefunden, dass das niemandem zu vermitteln ist, der das Internet nur so kennt, wie man es heute antrifft.<\/p>\n<p>Einige Leserinnen hatten mir ja bereits Luxemburg als Entsch\u00e4digung f\u00fcr die Moselmuffeligkeit und die dortige R\u00fcckst\u00e4ndigkeit der Kulinarik empfohlen: Ich freute mich sehr, dass ich dank Jo\u00ebl diese Empfehlung so schnell nachvollziehen konnte (f\u00fcr weitere Bar- und Restaurantempfehlungen m\u00fcssen Sie einfach nur <a href=\"http:\/\/www.joel.lu\/\" target=\"_blank\">durch sein Blog<\/a> scrollen). Da will ich sehr bald wieder hin. Dann aber per Direktflug MUC-LUX, weil siehe unten.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Samstagmorgen sch\u00fcttete es in Trier. Zum Gl\u00fcck hatte ich nur 15 Fu\u00dfminuten zum Bahnhof, jetzt nutzte ich\u00a0meine Wanderregenjacke. Und ich w\u00fcrde den Tag ja ohnehin in Z\u00fcgen verbringen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/161001_03_Mosel.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-34238\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/161001_03_Mosel.jpg\" alt=\"161001_03_mosel\" width=\"392\" height=\"411\" \/><\/a><\/p>\n<p>Dass daraus der ganze Tag wurde, war allerdings nicht vorgesehen: Aus den ohnehin planm\u00e4\u00dfigen sechs Stunden Bahnfahrt nach M\u00fcnchen wurden durch verpasste Anschlussz\u00fcge acht. Gleich die erste Regionalverbindung kam fast eine halbe Stunde zu sp\u00e4t nach Saarbr\u00fccken (technische Probleme, Zug\u00fcberholung). Ich hatte jetzt genug Zeit, am Fahrkartenschalter die Zugbindung meines Tickets aufheben zu lassen und die Platzreservierung des \u00fcbern\u00e4chsten Zuges umzubuchen. Den ich in Mannheim allerdings auch nicht erwischte, weil die Regionalbahn dorthin mit 45 Minuten Versp\u00e4tung ankam (Fu\u00dfballfans hatten die Komplettreinigung eines Zugteils n\u00f6tig gemacht). Aber der ICE nach M\u00fcnchen war dann p\u00fcnktlich. Diesmal st\u00fcrze ich mich ins Abenteuer Fahrgastrechtformular.<\/p>\n<p>M\u00fcnchen empfing mich mit vollem Oktoberfestwahnsinn (Hindernisrollkoffern nach Hause) und \u00fcberraschender W\u00e4rme. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ssl-vg03.met.vgwort.de\/na\/0c49bea4e0f74b4b9475ba5010328658\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Freitag wachte ich zu Regenprasseln auf. Zwar hatte ich ohnehin einen Museumsbesuch geplant, doch ein Spaziergang durch Trier h\u00e4tte mich auch gefreut. 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