{"id":345,"date":"2004-04-11T09:18:20","date_gmt":"2004-04-11T07:18:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2004\/04\/manhattan-april-2003.htm"},"modified":"2012-06-15T10:52:22","modified_gmt":"2012-06-15T08:52:22","slug":"manhattan-april-2003","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2004\/04\/manhattan-april-2003.htm","title":{"rendered":"Manhattan, April 2003"},"content":{"rendered":"<p><img BORDER=0 SRC=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/archives_speisen\/NY_1_DeckHellsKitchen.jpg\" ALT=\" Deck HellsKitchen\" HEIGHT=428 WIDTH=571\/><\/p>\n<p>Die <i>Queen<\/i> legte am Hudson River auf der H\u00f6he Hell\u2019s Kitchen an (jetzt Clinton). Mit den anderen Reisenden, die ebenfalls den New-York-Aufenthalt gebucht hatten, wurden wir von einem Bus abgeholt, gleich mal zum Sightseeing. Unsere New-York-Reisef\u00fchrerin war eine alte Dame deutsch-ungarischer Abstammung. Sie erz\u00e4hlte uns die historischen Hintergr\u00fcnde der wichtigsten Sehensw\u00fcrdigkeiten, berichtete aber auch von aktuellen stadtpolitischen Ereignissen (vor einem Jahr waren das vor allem Finanzprobleme) und gab uns Tipps f\u00fcr das \u00dcberleben in New York als Tourist (z.B. immer ein wenig Kleingeld lose in der Tasche haben f\u00fcr Bus, U-Bahn und Bettler).<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>Untergebracht waren wir im <a href=\"http:\/\/www.helmsleyhotels.com\/hotel\/313000001.asp\" target=_new><i>The New York Helmsley<\/i><\/a>, mitten in Manhattan (212 East 42nd Street), also zwischen Grand Central Station und United Nations. Sehr sch\u00f6n f\u00fcr ein Ketten-Hotel, allerdings unglaublich wackelig. Vor allem wenn ich aus dem Aufzug kam oder beim Aufstehen von St\u00fchlen, Betten und Toiletten bewegte sich das Hotel. Jaja, es war nat\u00fcrlich nicht das Hotel, sondern mein Gleichgewichtssinn, der immer noch auf \u201eSeegang\u201c gestellt war. Zun\u00e4chst am\u00fcsierte ich mich k\u00f6stlich, dieses Ph\u00e4nomen hatte man uns ja angek\u00fcndigt. Doch es h\u00f6rte einfach nicht mehr auf, ging bis zu Schwindel mit leichter \u00dcbelkeit (Landkrankheit?) und wurde ziemlich nervig. Erst am vierten und damit letzten Tag in New York waren auch meine Sinne an Land gegangen.<\/p>\n<p><img BORDER=0 SRC=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/archives_speisen\/NY_2_CentralPark.jpg\" ALT=\"Man beachte den Mantel\" HEIGHT=490 WIDTH=367\/><\/p>\n<p>Womit mich das Hotel beeindruckte: Jeden Morgen lag die <i>New York Times<\/i> vor der T\u00fcr des sehr ger\u00e4umigen Zimmers (mit Telefon im Bad!). Auch mein Begleiter war schon in New York gewesen und hatte die wichtigsten Sehensw\u00fcrdigkeiten bereits gesehen. So konnten wir drei Tage lang einfach unseren Launen folgen. Diese f\u00fchrten uns zu Fu\u00df kreuz und quer durch Manhattan. Das Wetter war k\u00fchl aber sonnig, so verbrachten wir viel Zeit im bl\u00fchenden Central Park. Dort fielen mir sofort die Vogelger\u00e4usche auf. Ich \u00fcberpr\u00fcfte den ersten Eindruck \u2013 richtig: Im Central Park gibt es keine Amseln. Daf\u00fcr sah ich viele Stare. Eichh\u00f6rnchen beobachten, in der Sonne sitzen, beim Baseball-\u00dcben zuschauen.<\/p>\n<p>Einen Abend verbrachten wir im Theater: <a href=\"http:\/\/www.theplaywhatiwrote.com\/\" target=_new><i>The play what I wrote<\/i><\/a> von Sean Foley, Hamish McColl und Eddie Braben, Regie Kenneth Branagh, im Lyceum Theatre. Es geht um die britische Comedy-Legende Morecambe and Wise und das St\u00fcck \u201cA Tight Squeeze for the Scarlet Pimple\u201d &#8211; britischer Slapstick auf einfachstem Niveau. Muss man m\u00f6gen. Das Besondere: Das St\u00fcck enthielt eine Rolle f\u00fcr einen \u00dcberraschungsgast, die immer wieder mit einem anderen Star besetzt wurde. Bei uns war das Alan Alder, der zur Musik \u201eSuicide is painless\u201c auftrat. Die Rolle war unerwartet gro\u00df, Alder spielte hinrei\u00dfend, und ich freute mich allein schon dar\u00fcber, dass es dem alten Herrn ganz offensichtlich gut ging.<\/p>\n<p><img BORDER=0 SRC=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/archives_speisen\/NY_Cremaster.jpg\" ALT=\"Barney_Cremaster\" HEIGHT=297 WIDTH=356\/><\/p>\n<p>Bei meinem ersten Besuch in New York hatte ich mir das Metropolitan Museum of Art einen Tag lang angesehen, diesmal wollte ich ins Guggenheim. Letzten April wurde das gesamte Museum f\u00fcr eine einzige Ausstellung genutzt: <a href=\"http:\/\/www.guggenheim.org\/barney\/\" target=_new>Matthew Barney \u201cThe Cremaster Cycle\u201d<\/a>. Dieser Herr Barney hatte jahrelang auf dieses Gesamtkunstwerk hin gearbeitet, das das Guggenheim als Location einschloss. Die riesige Installation enthielt unter anderem Fotos, Skulpturen aus Vaseline, Plastik und Metall, au\u00dferdem f\u00fcnf abendf\u00fcllende Spielfilme. Ich konnte ohnehin nur Bruchteile davon aufnehmen, verabschiedete mich also von dem Plan strukturiert vorzugehen und lie\u00df mich einfach in die Ausstellung fallen. Auch versuchte ich den Automatismus abzustellen, meine Eindr\u00fccke innerlich umgehend in Worte zu fassen. Ich wandelte durch Installationen, sah mir hier einen Film an, verfolgte dort eine Skulptur durchs ganze Haus. Mir wurde einmal mehr schmerzlich bewusst, wie sehr ich die F\u00e4higkeit vermisse, in dieser nonverbalen Art des k\u00fcnstlerischen Ausdrucks zu kommunizieren.<\/p>\n<p>Einkaufen ging ich schon auch. Durch Amazon sind zwar die Zeiten vorbei, in denen ich im englischsprachigen Ausland an keinem Buchladen vorbeigehen konnte. Doch Antiquariate haben f\u00fcr mich immer noch einen unwiderstehlichen Sog. Der gef\u00e4hrlichste Strudel in Manhattan ist <a href=\"http:\/\/www.strandbooks.com\/home\/\" target=_new><i>The Strand<\/i> (8 miles of books)<\/a>. Da dieser Laden f\u00fcr einen Second Hand Bookstore ausgesprochen \u00fcbersichtlich ist, konnte ich zielstrebig nach einigen literatur-, geschichts- und filmwissenschaftlichen B\u00fcchern suchen, ohne mich festzuw\u00fchlen und festzuschm\u00f6kern. Aber auch diesmal standen nach nicht einmal einer Stunde mein ebenso b\u00fcchern\u00e4rrischer Begleiter und ich uns hyperventilierend gegen\u00fcber: \u201eBring mich hier raus!\u201c<\/p>\n<p>Weil jeder verdammte New-York-Reisef\u00fchrer uns dorthin schickte, gingen wir auch ins Bekleidungs-Kaufhaus <a href=\"http:\/\/www.c21stores.com\/nyc.html\" target=_new><i>Century 21<\/i><\/a>. Dort, so hie\u00df es all\u00fcberall, gebe es Designer-Schn\u00e4ppchen ohne Ende. Nun ist es ohnehin ein Vorteil meines \u00dcbergewichts, dass ich nie in Versuchung komme, viel Geld f\u00fcr gro\u00dfe Designer-Namen auszugeben \u2013 die Herrschaften schneidern nicht in Elefantengr\u00f6\u00dfen. Aber, so dachte ich, vielleicht Schuhe? Ich fand den Laden schrecklich: un\u00fcbersichtlich, \u00fcberf\u00fcllt, billig.<br \/>\nDennoch hatte ich hier mein erhebendstes Mode-Erlebnis. Auf einer Rolltreppe sprach mich eine sehr elegante, sehr d\u00fcnne Frau Mitte 40 (also vermutlich in Wirklichkeit Mitte 50) auf meinen gelben Mantel an (Foto oben): Wo ich den denn gekauft h\u00e4tte? In Deutschland, musste ich sie entt\u00e4uschen, au\u00dferdem w\u00fcsste ich immer noch keine Bezeichnung f\u00fcr diese seltsame Farbe. Sie zog eine Augenbraue hoch: \u201eChartreuse, of course\u201c, und rauschte ab. Jetzt bilde ich mir nat\u00fcrlich fest ein, dass das eine Manhattaner Moderedakteurin war. Die MEINEN Mantel interessant fand.<\/p>\n<p><img BORDER=0 SRC=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/archives_speisen\/NY_3_HotelView.jpg\" ALT=\"The Clouds are taking over.\" HEIGHT=490 WIDTH=653\/><\/p>\n<p>F\u00fcr die Futter-Expeditionen, die ich sonst so gerne im Ausland mache, fehlte mir durch das viele Essen auf der <i>Queen<\/i> ein bisschen die Energie. Doch Hamburger in einem ordentlichen Diner, authentisches Chinesisches in China Town unter Neonlicht auf Resopaltisch, hier ein Brownie, dort ein Bagel waren schon drin.<\/p>\n<p>Am Tag unserer Abreise schlug das Wetter um und wir sahen aus unserem Hotelfenster wolkenverhangene Hochh\u00e4user. Weil er gleich um die Ecke war, verbrachten wir die Zeit bis zum Flughafen-Transfer noch mal im Grand Central Station \u2013 atemberaubend sch\u00f6n renoviert.<\/p>\n<p><img BORDER=0 SRC=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/archives_speisen\/NY_4_CentralStation.jpg\" ALT=\"GrandCentralStation\" HEIGHT=490 WIDTH=367\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Queen legte am Hudson River auf der H\u00f6he Hell\u2019s Kitchen an (jetzt Clinton). Mit den anderen Reisenden, die ebenfalls den New-York-Aufenthalt gebucht hatten, wurden wir von einem Bus abgeholt, gleich mal zum Sightseeing. Unsere New-York-Reisef\u00fchrerin war eine alte Dame deutsch-ungarischer Abstammung. 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