{"id":34520,"date":"2016-10-20T06:59:14","date_gmt":"2016-10-20T04:59:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=34520"},"modified":"2016-10-20T06:59:14","modified_gmt":"2016-10-20T04:59:14","slug":"journal-mittwoch-19-oktober-2016-beifang-aus-dem-internetz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2016\/10\/journal-mittwoch-19-oktober-2016-beifang-aus-dem-internetz.htm","title":{"rendered":"Journal Mittwoch, 19. Oktober 2016 &#8211; Beifang aus dem Internetz"},"content":{"rendered":"<p>Gemischtes Wetter, trockener Fu\u00dfweg am Morgen, hin und wieder Regen, trockener Fu\u00dfweg nach Hause.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Kluger Aufsatz von Philipp Sarasin \u00fcber<br \/>\n<a href=\"http:\/\/geschichtedergegenwart.ch\/fakten-was-wir-in-der-postmoderne-ueber-sie-wissen-koennen\/\" target=\"_blank\">&#8220;#Fakten. Was wir in der Postmoderne \u00fcber sie wissen k\u00f6nnen.&#8221;<\/a><\/p>\n<p>Denn es ist wohl tats\u00e4chlich eine neue Erscheinung, dass individuelle Emotionen mit Fakten gleichgestellt werden, ungeachtet der Folgen. Hier ein paar Ausschnitte des Aufsatzes, ich empfehle ihn aber gesamt.<\/p>\n<blockquote><p>Was ist nur passiert? Kann man im Ernst der amtlichen Statistik widersprechen, weil man etwas Anderes \u201ef\u00fchlt\u201c? Sind wissenschaftliche Erkenntnisse blosse Ansichtssache? Kann man gar \u201eehrlich l\u00fcgen\u201c\u2026? Man reibt sich die Augen: Wie ist es m\u00f6glich geworden, so zu denken? Viele kritische, zu Recht besorgte Beobachter behaupten, dies sei das Resultat der Postmoderne (<em>cum<\/em> Google), d.h. die Folge eines angeblich verbreiteten <em>anything goes<\/em>, dem zynischen Spiel mit blossen Worten, der frivolen Behauptung, \u201aalles\u2018 sei nur eine beliebige \u201eKonstruktion\u201c und \u00fcberhaupt Wissen von Glauben nicht zu unterscheiden\u2026 Das w\u00e4re zweifellos verwirrend. Sind Fakten tats\u00e4chlich nicht mehr, was sie einmal waren? Sind Fakten nun Tatsachen oder Konstruktionen, gar blosse Erfindungen?<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Untersuchung beginnt bei Kant und f\u00fchrt \u00fcber Nietzsche und Wittgenstein zur Postmoderne:<\/p>\n<blockquote><p>Tatsachen bzw. Fakten gelten in der heute dominanten Wissenschaftstheorie \u2013 und zwar in den Natur- ebenso wie in den Sozial- und Geisteswissenschaften \u2013 aus den angef\u00fchrten Gr\u00fcnden als \u201eKonstruktionen\u201c, das heisst als <i>gemacht<\/i> und von den Bedingungen ihrer Herstellung als wissenschaftliche Tatsachen gepr\u00e4gt. Das heisst, im Umkehrschluss, allerdings nicht, sie seien deshalb beliebig, blosse Erfindungen, Meinungen oder gar von L\u00fcgen nicht zu unterscheiden. Kein Postmoderner hat das je behauptet. Die Absicherung f\u00fcr die \u2013 immer nur relative \u2013 Verl\u00e4sslichkeit wissenschaftlicher Erkenntnis liegt heute aber nicht mehr, wie bei Kant, in der Vernunft, sondern in einem durch gegenseitige Kontrolle, \u00dcberpr\u00fcfung und Kritik strukturierten Forschungsprozess der <i>scientific community<\/i>. Argumente und Behauptungen \u00fcber die Wirklichkeit m\u00fcssen nachvollziehbar und \u00fcberpr\u00fcfbar sein, sie m\u00fcssen andere Diskussionsteilnehmer_innen \u00fcberzeugen, und sie m\u00fcssen an bisherige Diskussionen und Erkl\u00e4rungsmodelle anschliessen k\u00f6nnen.<\/p><\/blockquote>\n<p>(&#8230;)<\/p>\n<blockquote><p>Trotz der (nicht erst) postmodernen Absage an eine als absolut verstandene \u201aObjektivit\u00e4t\u2018 sind Fakten nach wie vor \u201arobust\u2018: Sie sind durch viele Evidenzen best\u00e4tigt und erscheinen als die beste Auskunft, die wir gegenw\u00e4rtig zu geben im Stande sind. Sich in \u201anicht-absoluter\u2018, eben kontingenter Weise auf Fakten zu beziehen und um diese Kontingenz zu wissen, hat daher eine <i>ethische Dimension<\/i>: Es ist eine Frage der Redlichkeit, unseren Bezug auf Fakten immer mit einer Fussnote zu versehen, um offenzulegen, dank welcher Annahmen, Quellen und Modelle ein bestimmtes Faktum \u201am\u00f6glich\u2018, ja \u201awahr\u2018 ist. Mit bestem Wissen und Gewissen, gleichsam.<\/p>\n<p>Diese Redlichkeit ist ein doppelter Schutz. Sie sch\u00fctzt uns <em>einerseits<\/em> davor, \u201ePositivist\u201c zu sein, das heisst glauben zu machen, Fakten seien \u2013 ganz unabh\u00e4ngig von unserer Erkenntnist\u00e4tigkeit \u2013 \u201aan sich\u2018 da und wahr und m\u00fcssten bloss \u201aans Licht\u2018 gebracht werden. Wer eine solche Vorstellung von \u201aFakten\u2018 behauptet, tut m\u00e4chtiger, als er menschenm\u00f6glich sein kann: ein Dogmatiker, ein Ideologe in Gestalt eines \u201aRealisten\u2018. Gegen solche Versuchungen hat die postmoderne Philosophie nicht nur immer wieder die Konstruiertheit, sondern auch die damit immer m\u00f6gliche Vielfalt von Aussagen \u00fcber die Wirklichkeit angemahnt. Sie bedeutet aber, wie gesagt, nicht, dass man <em>n\u2019importe quoi<\/em> sagen, dass man Beliebiges \u00fcber die Wirklichkeit behaupten kann. Aussagen \u00fcber die Welt m\u00fcssen begr\u00fcndbar und f\u00fcr Andere nachvollziehbar sein, sonst sind es Glaubenss\u00e4tze \u2013 oder L\u00fcgen. Im Garten steht kein rosaroter Elefant, auch wenn ich ihn \u201ef\u00fchlen\u201c sollte.<\/p>\n<p>Diese Redlichkeit sch\u00fctzt daher <em>andrerseits<\/em> auch gegen den Zynismus, der gegenw\u00e4rtig am (breiten) rechten Rand des politischen Spektrums zu beobachten ist: Weil Wissenschaft, Experten und tendenziell komplizierte Erkl\u00e4rungen der Welt in weiten Teilen der politischen \u00d6ffentlichkeit merkw\u00fcrdigerweise als \u201elinks\u201c oder \u201eelit\u00e4r\u201c gelten, wird in ziemlich dreister Weise die postmoderne Epistemologie dazu missbraucht, die Unterscheidung zwischen L\u00fcge und Wahrheit einzuebnen. Das hat mit der Postmoderne nichts zu tun, sondern enth\u00fcllt nur, wie wenig diese Leute von Wissenschaft, Argumentation, \u00dcberpr\u00fcfbarkeit und Rationalit\u00e4t halten. Das ist an sich nichts Neues. Aber es scheint heute keine Geheimdienste mehr zu brauchen, um mit komplizierten Operationen der schwarzen Propaganda L\u00fcgen den Anschein der Wahrheit zu geben. Die Neue Rechte lacht einfach \u00fcber jene, die an so etwas wie die Wahrheit noch glauben.<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Auch diesmal ist es das kleine Detail, das den gro\u00dfen Wahnsinn viel besser verdeutlicht als die gro\u00dfen Zusammenh\u00e4nge:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.telegraph.co.uk\/news\/2016\/10\/18\/british-tea-jam-and-biscuits-will-be-at-the-heart-of-britains-br\/\" target=\"_blank\">&#8220;British tea, jam and biscuits will be at the heart of Britain&#8217;s Brexit trade plans&#8221;.<\/a><\/p>\n<blockquote><p>British jam, tea and biscuits will be at the heart of Britain&#8217;s Brexit trade negotiations, the Government has said, as it unveiled plans to sell food to other countries to boost the economy.<\/p>\n<p>In a speech at a trade fair in Paris last night, Environment Minister Andrea Leadsom outlined key Brexit preparation plans which she claimed would deliver a \u00a32.9bn boost to the UK over five years.<\/p><\/blockquote>\n<p>(&#8230;)<\/p>\n<blockquote><p>It has identified nine markets across 18 countries with the best potential for specific products for selling British produce.<\/p>\n<p>These include Japan, which apparently has a growing hunger for classic British items like afternoon tea items and beef.<\/p>\n<p>Officials also believe Mexico is thirsty for whisky and gin with beer and cider demand increasing in Australia and New Zealand. The project aims to &#8220;raise the ambitions&#8221; of small British producers to help them sell their produce to different corners of the globe.<\/p>\n<p>By doing this it is hoped that Britain&#8217;s reputation as a global producer of food and drinks will be elevated.<\/p><\/blockquote>\n<p>(&#8230;)<\/p>\n<blockquote><p>The decision was the UK&#8217;s first major foreign trade deal to be reached since the vote to leave the EU, and is set to boost the economy by \u00a335 million a year, estimates show. Andrea Leadsom, the Environment Secretary said: \u201c(&#8230;) Our food and drink is renowned for having the very best standards of animal welfare, quality and safety and I want even more of the world to enjoy what we have to offer.<\/p>\n<p>\u201cScottish salmon, Welsh beef, Northern Irish whiskey and English cheese are already well-known globally and I want us to build on this success by helping even more companies send their top quality food and drink abroad.\u201d<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Hier aber noch etwas zu den gro\u00dfen Zusammenh\u00e4ngen von Simon Head in <i>The New York Review of Books<\/i>:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.nybooks.com\/daily\/2016\/10\/18\/brexit-death-of-british-business\/\" target=\"_blank\">&#8220;The Death of British Business&#8221;.<\/a><\/p>\n<p>In UK geh\u00f6ren ja nicht mal die gro\u00dfen Banken der City den Briten, ganz zu schweigen von den Resten der Industrie.<\/p>\n<blockquote><p>The steady erosion of British corporate enterprises was partially offset by an increased flow of overseas investment to Britain, which had become a low-cost and low-wage producer in comparison with its nearest continental European neighbors. Also attractive to foreign investors was the efficiency, transparency, and\u2014for American investors\u2014familiarity of the British legal system, especially when set alongside those of its counterparts in continental Europe. But none of this was enough to raise deprived regions of the country to the level of even moderately prosperous local economies in Germany, France, the Netherlands, and the south of England.<\/p>\n<p>I had first-hand experience of this while researching my book The New Ruthless Economy: Work and Power in the Digital Age (2005). I visited Japanese-, American-, and German-owned plants all over Britain, including Toyota, Honda, and Nissan\u2019s assembly plants in the northeast of England; the plant managers showing me around would invariably explain that they were supplying the whole European market. Of course, these sales opportunities had opened up thanks to Britain\u2019s membership of the EU and the free access to the European single market it guaranteed. This was also the chief rationale for locating the plants in the UK in the first place. With the completion of Brexit, this rationale will disappear.<\/p><\/blockquote>\n<p>via <a href=\"https:\/\/twitter.com\/ankegroener\" target=\"_blank\">@ankegroener<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gemischtes Wetter, trockener Fu\u00dfweg am Morgen, hin und wieder Regen, trockener Fu\u00dfweg nach Hause. \u00a7 Kluger Aufsatz von Philipp Sarasin \u00fcber &#8220;#Fakten. Was wir in der Postmoderne \u00fcber sie wissen k\u00f6nnen.&#8221; Denn es ist wohl tats\u00e4chlich eine neue Erscheinung, dass individuelle Emotionen mit Fakten gleichgestellt werden, ungeachtet der Folgen. 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