{"id":34640,"date":"2016-10-31T08:18:46","date_gmt":"2016-10-31T07:18:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=34640"},"modified":"2016-10-31T08:18:46","modified_gmt":"2016-10-31T07:18:46","slug":"journal-sonntag-30-oktober-2016-krabat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2016\/10\/journal-sonntag-30-oktober-2016-krabat.htm","title":{"rendered":"Journal Sonntag, 30. Oktober 2016 &#8211; <i>Krabat<\/i>"},"content":{"rendered":"<p>Plan f\u00fcr Tag 2 meiner Allerheiligenferien war: Sport im Sportstudio mit Spazieren hin und zur\u00fcck, Lesen, Ofengem\u00fcse.<\/p>\n<p>Herrlichst ausgeschlafen. Der Weg zum Ostbahnhof war noch neblig.<\/p>\n<p>Im Sportstudio kam ich gerade noch p\u00fcnktlich zu einer halben Stunde Krafttraining in Kleingruppe, die ich in den vergangenen Wochen immer wieder beobachtet hatte, w\u00e4hrend ich mich daneben warmruderte. Nur dass ich gestern die einzige Teilnehmerin war. Ich lernte von der Trainerin den Umgang mit der Faszienrolle: Kam sofort auf meine Einkaufliste. Dann lie\u00df sie mich interessante \u00dcbungen mit verschiedenen Kettle Bells machen, Liegest\u00fctzen und abschlie\u00dfend <a href=\"https:\/\/blog.fitnessfirst.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/unterarmstuetz-400x300.jpg\" target=\"_blank\">Bankst\u00fctz<\/a>. Ziel des Letzteren war &#8220;solange es geht&#8221;, doch nach anderthalb Minuten war ich immer noch nicht ersch\u00f6pft und die Trainerin musste zum n\u00e4chsten Termin (ich bilde mir ein, sie war beeindruckt).<\/p>\n<p>Sollte mir recht sein, denn ich tobte mich anschlie\u00dfend bei Stepaerobic aus. Allerdings mit traurigem Ende: Auch dieser gesch\u00e4tzte Vorturner h\u00f6rt auf und gibt die Stunde ab.<\/p>\n<p>Mittlerweile war der Nebel verschwunden, ich genoss einen sonnigen R\u00fcckweg \u00fcber die dicht bev\u00f6lkerten Isarauen (mit einem Haufen Pok\u00e9mon).<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/161030_02_WeissenburgerPlatz.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-34644\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/161030_02_WeissenburgerPlatz.jpg\" alt=\"161030_02_weissenburgerplatz\" width=\"447\" height=\"470\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/161030_04_Isarauen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-34645\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/161030_04_Isarauen.jpg\" alt=\"161030_04_isarauen\" width=\"595\" height=\"436\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/161030_08_Isarauen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-34646\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/161030_08_Isarauen.jpg\" alt=\"161030_08_isarauen\" width=\"545\" height=\"376\" \/><\/a><\/p>\n<p>Wochenend-<i>SZ<\/i> gelesen, die beigelegten Magazine der vergangenen Woche, das Stapelchen Zeitungszeugs, dass sich angesammelt hatte.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Im sonnenbeschienenen Wohnzimmersessel <i>Krabat<\/i> ausgelesen. Ich war sehr gespannt auf das Leseerlebnis gewesen: Als Herr Kaltmamsell das Buch k\u00fcrzlich mit einer Schulklasse gelesen hatte und davon erz\u00e4hlte, bemerkte ich, dass ich es seit meiner Jugend nicht nochmal gelesen hatte. Denn er erw\u00e4hnte als Ort Hoyerswerda, der mir heute als realer Ort ein Begriff ist &#8211; den ich aber bei meiner letzten Lekt\u00fcre ganz sicher als einen erfundenen M\u00e4rchenort aufgefasst hatte.<\/p>\n<p>Der Roman gefiel mir wieder ausgesprochen gut, auch aus der analytischeren Erwachsenensicht. Preu\u00dfler vermischt archaische Sagenelemente (Teufel, Seele verkaufen, Hexer, nur eine einzige weibliche Figur) mit historischen Legenden (Nordischer Krieg) und legt dar\u00fcber eine moderne Figurenpsychologie. Ich erinnerte mich gut, wie gefesselt ich als Teenager &#8211; ich muss bei der Erstlekt\u00fcre 14 gewesen sein &#8211; von der D\u00fcsternis der Geschichte war, von den Naturbeschreibungen, der Plackerei in der M\u00fchle, von der Grausamkeit des M\u00fcllers. Und von der detailreichen Beschreibung der Mahlzeiten. Die M\u00e4rchenhaftigkeit wurde in meiner Wahrnehmung unterstrichen von den vielen seltsamen, unbekannten W\u00f6rtern; einige aus der M\u00fcllerei sind mir bis heute fremd. Die reine M\u00e4nnerwelt hat mich damals sicher angezogen: Es geht um k\u00f6rperliche und geistige Kraft, um handwerkliche Fertigkeiten, Freundschaften bis \u00fcber den Tod hinaus &#8211; das alles sch\u00e4tzte ich schon als junges M\u00e4dchen. Dagegen ist die Liebesgeschichte blass und rein funktional, M\u00e4dchen haben keine\u00a0eigenen Ziele, sind halt f\u00fcr die Liebe und f\u00fcrs Erl\u00f6sen der M\u00e4nner da &#8211; langweilig.<\/p>\n<p>Bei der heutigen Lekt\u00fcre fiel mir in der Geschichte das Gegen\u00fcberstellen von\u00a0irdischer Anstrengung und dem Preis der Abk\u00fcrzung durch Hokuspokus auf. Die M\u00fcllerburschen lernen ja wirklich ihr Handwerk, der Austausch eines M\u00fchlrads wird ein ganzes Kapitel lang beschrieben. Die Metaphysik der schwarzen Kunst, die in dieser speziellen M\u00fchle dazu kommt, dient in erster Linie dazu, Macht zu bekommen, sich \u00fcber andere Menschen zu erheben.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>F\u00fcrs Abendessen hatte ich am Freitag Sommergem\u00fcse eingekauft, das ich jetzt klein schnitt und im Ofen garte. Ich hatte gro\u00dfe Lust auf ein Glas Rotwein, und ich wusste auch welchen (jung, spanisch, rot). Doch als ich den ersten Schluck nahm, schmeckte er mir \u00fcberhaupt nicht. Ich verschloss die Flasche wieder und lie\u00df das mit dem Wein bleiben.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Michael Seemann hat sich Gedanken dar\u00fcber gemacht, warum sich zwischen den sogenannten besorgten B\u00fcrgern und der Restgesellschaft ein Abgrund zu \u00f6ffnen scheint. Wie definieren Menschen wie AfD-Anh\u00e4nger und -Anh\u00e4ngerinnen eigentlich ihren Gegner?<br \/>\n<a href=\"http:\/\/mspr0.de\/?p=4696\" target=\"_blank\">&#8220;Die Globale Klasse \u2013 Eine andere Welt ist m\u00f6glich. Aber als Drohung.&#8221;<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Da ist zun\u00e4chst die Erz\u00e4hlung einer Verschw\u00f6rung, \u00fcber alle Parteigrenzen hinweg. Es g\u00e4be gar keine echte Demokratie mehr, sondern nur noch die Einheits-Blockpartei CDUSPDFDPGR\u00dcNELINKE. Auch die Medien (\u201cL\u00fcgenpresse\u201d) steckten mit unter der Decke. Gut wird empfunden, dass die endlich Gegenwind bek\u00e4men (Trump, Le Pen, AfD, FP\u00d6, Brexit) und sich eine \u201eechte Alternative\u201c (Alternative f\u00fcr Deutschland, Alt-Right-Movement) bildete.<\/p>\n<p>Es ist leicht, diese Vorstellungen als Spinnerei abzutun, aber wenn man sich die drei wesentlichen Eckpfeiler der neurechten Programmatik besieht \u2013 Migration, Globalisierung und Political Correctness \u2013 dann ist nicht zu leugnen, dass es in diesen Bereichen tats\u00e4chlich einen gewissen Grundkonsens in den Medien und Parteien (die CSU mal ausgeschlossen) gibt. Ein Konsens, von dem allerdings gerne angenommen wird, dass es ein gesamtgesellschaftlicher Konsens ist. Weil es vern\u00fcnftig ist. Weil es menschlich ist. Weil es das einzig richtige ist. Da m\u00fcssten doch alle daf\u00fcr sein. Nicht?<\/p><\/blockquote>\n<p>(&#8230;)<\/p>\n<blockquote><p>Es gibt heute eine globalisierte Klasse der Informationsarbeiter, der die meisten von uns angeh\u00f6ren und die viel homogener und m\u00e4chtiger ist, als sie denkt. Es sind gut gebildete, tendenziell eher junge Menschen, die sich kulturell zunehmend global orientieren, die die New York Times lesen statt die Tagesschau zu sehen, die viele ausl\u00e4ndische Freunde und viele Freunde im Ausland haben, die viel reisen, aber nicht unbedingt, um in den Urlaub zu fahren. Es ist eine Klasse, die fast ausschlie\u00dflich in Gro\u00dfst\u00e4dten lebt, die so fl\u00fcssig Englisch spricht, wie ihre Muttersprache, f\u00fcr die Europa kein abstraktes Etwas ist, sondern eine gelebte Realit\u00e4t, wenn sie zum Jobwechsel von Madrid nach Stockholm zieht. Europa und Nordamerika m\u00f6gen Schwerpunkte sein , doch die Klasse ist tats\u00e4chlich global. Eine wachsende Gruppe global orientierter Menschen gibt es in jedem Land dieser Erde und sie ist gut vernetzt. Diese neue globalisierte Klasse sitzt in den Medien, in den StartUps und NGOs, in den Parteien und weil sie die Informationen kontrolliert (liberal Media, L\u00fcgenspresse), gibt sie \u00fcberall kulturell und politisch den Takt vor. Das hei\u00dft nicht, dass sie politisch homogen im eigentlichen Sinne ist \u2013 zumindest empfindet sie sich nicht so \u2013 sie ist zum Beispiel in Deutschland fast im gesamten Parteienspektrum zu finden, in der CDU, SPD, LINKE, GR\u00dcNE, FDP. Diese Klasse entspringt dem B\u00fcrgertum, aber hat sich von ihm emanzipiert.<\/p><\/blockquote>\n<p>L\u00f6sungskonsequenzen aus den zugespitzten Beobachtungen von mspro fallen mir auch nicht ein, aber ich finde sie wichtig. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ssl-vg03.met.vgwort.de\/na\/de9df7a8fef142928ee840f51f57768b\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Plan f\u00fcr Tag 2 meiner Allerheiligenferien war: Sport im Sportstudio mit Spazieren hin und zur\u00fcck, Lesen, Ofengem\u00fcse. Herrlichst ausgeschlafen. Der Weg zum Ostbahnhof war noch neblig. Im Sportstudio kam ich gerade noch p\u00fcnktlich zu einer halben Stunde Krafttraining in Kleingruppe, die ich in den vergangenen Wochen immer wieder beobachtet hatte, w\u00e4hrend ich mich daneben warmruderte. 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