{"id":34978,"date":"2016-11-20T08:27:04","date_gmt":"2016-11-20T07:27:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=34978"},"modified":"2016-11-20T08:27:04","modified_gmt":"2016-11-20T07:27:04","slug":"journal-samstag-19-november-2016-fernsehueberraschung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2016\/11\/journal-samstag-19-november-2016-fernsehueberraschung.htm","title":{"rendered":"Journal Samstag, 19. November 2016 &#8211; Fernseh\u00fcberraschung"},"content":{"rendered":"<p>In der Nacht hatte mich die Migr\u00e4ne geholt, niedergerungen von einer Dosis Triptan. Nach dem Ausschlafen sa\u00dfen ihre Nachwehen im Hirn und zermatschten es.<\/p>\n<p>Meine Schwimmpl\u00e4ne f\u00fcr den Samstag hatte ich bereits am Freitag begraben, als fast eine Woche zu fr\u00fch die Regelblutung einsetzte. Schon meine Mutter musste an den ersten Menstruationstagen beim winterlichen Familienschwimmen am Sonntagvormittag passen, nostalgisiere ich das also zum Familienerbe. (Ich schreibe diese Frauendinge \u00fcbrigens nicht aus \u00fcbergro\u00dfem Mitteilungsbed\u00fcrfnis auf, sondern um ein wenig transparent zu machen, welche Einschr\u00e4nkungen die Menstruation so mit sich bringen kann. Von wegen: &#8220;Aber daf\u00fcr m\u00fcssen M\u00e4nner sich rasieren.&#8221;)<\/p>\n<p>Gleichzeitig war das Wetter so ausnehmend greislich (dunkel, windig, durchgehender Regen), dass ich das Haus nicht zum Laufen verlassen wollte. Ich machte also den ganzen Tag keinen einzigen Schritt vor die T\u00fcr &#8211; f\u00fcr mich eine ausgesprochen seltene Ausnahme. Meinen Bewegungsdrang lebte ich auf dem Crosstrainer und mit einem halben St\u00fcndchen <a href=\"https:\/\/www.fitnessblender.com\/\" target=\"_blank\">Krafttraining vor dem Fernseher<\/a> aus. Machte beides Spa\u00df.<\/p>\n<p>Nach dem sp\u00e4ten Fr\u00fchst\u00fcck legte ich mich zur Siesta wieder hin und schlief fast zwei Stunden tief.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/lifeandstyle\/wordofmouth\/2014\/may\/08\/how-to-make-perfect-malt-loaf-recipe\" target=\"_blank\"><i>Perfect malt loaf<\/i><\/a> gebacken, der laut Rezept erst mal drei Tage durchziehen soll. Beim Backen daran gedacht, wie ich w\u00e4hrend meines Auslandsjahrs in Wales meine englischen Freundinnen beim Kuchenbacken gefragt hatte, wie denn &#8220;Teig&#8221; auf Englisch hei\u00dfe. Und erst nach langem Hin und her lernte: Kommt drauf an. Hefeteig ist <i>dough<\/i>, sonstiger Knetteig <i>pastry<\/i>, R\u00fchrteig <i>cake mixture<\/i> (s\u00fc\u00df) oder <i>batter<\/i> (kann s\u00fc\u00df und salzig sein). Allerdings gelten nur <i>pastry<\/i> und <i>batter<\/i> auch nach dem Backen noch. Hihi.<\/p>\n<p>Zum Abendessen bereitete ich Scheiterhaufen aus Ernteanteil\u00e4pfeln und servierte mit Vanilleso\u00dfe. War gut, aber das Apfelaroma lie\u00df mich bei jedem Bissen <i>apple crumble<\/i> erwarten &#8211; den ich dann doch lieber mag.<\/p>\n<p>Nach der Tagesschau stie\u00df ich im Fernsehen auf 3sat auf einen aktuellen \u00f6sterreichischen Fernsehfilm und blieb h\u00e4ngen:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.3sat.de\/page\/?source=\/ard\/zuschauerpreis\/189145\/index.html\" target=\"_blank\"><i>Wenn Du w\u00fcsstest, wie sch\u00f6n es hier ist<\/i><\/a>.<\/p>\n<p>Da schau her, ein Fernsehfilm, der mir das Vertrauen in deutschsprachige Fernsehfilme zur\u00fcckgibt. Das Drehbuch von Stefan Hafner und Thomas Weingartner ist gro\u00dfartig, <a href=\"http:\/\/conactor.at\/portfolio-item\/gerhard-liebmann\/\" target=\"_blank\">Gerhard Liebmann<\/a> in der Hauptrolle herzerrei\u00dfend gut. Er spielt den Polizisten und Postenkommandanten Hannes Muck im \u00f6sterreichischen H\u00fcttenberg: &#8220;Leichen kennt er bisher nur aus dem Fernsehen und seiner Zeit als junger Verkehrspolizist&#8221; hei\u00dft es in der offiziellen Inhaltsangabe, und genau deshalb wollte ich den Film sehen. Das klang n\u00e4mlich schon mal ganz anders als die herk\u00f6mmlichen Krimibeschreibungen, die im deutschsprachigen Fernsehen immer auf Serien angelegt scheinen. In diesem H\u00fcttenberg wird ein junges M\u00e4dchen aus der Gemeinde tot aufgefunden, und Muck ist v\u00f6llig ersch\u00fcttert und \u00fcberfordert. Zun\u00e4chst versucht er die Ermittlungen seinem Bild der Heimatgemeinde anzupassen, doch bald hindert ihn ein externer Chefinspektor daran.<\/p>\n<p>Herr Kaltmamsell war sehr an <i>Twin Peaks<\/i> erinnert (habe ich bis heute nicht gesehen, fiel in meine Fernseher-lose Zeit), und das Drehbuch schafft es selbst vor diesem seltsamen Bergarbeiter-, Wald- und Heimathintergrund Klamauk zu vermeiden &#8211; obwohl r\u00fccksichtslos und realistisch Dialekt gesprochen wird, selbst f\u00fcr mich S\u00fcddeutsche bis knapp an die Unverst\u00e4ndlichkeit. Die Handlung bleibt fast durchgehend bei Muck, und wir sehen dabei zu, wie sein Bild der Dorfgemeinschaft, das ihm Halt gegeben hat, St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck br\u00f6ckelt. Dabei ist diese Handlung nicht mal originell, sondern enth\u00e4lt oft verwendete Versatzst\u00fccke: Dorfpolizist wird vom Kollegen aus der Stadt herumgescheucht, Dorfgemeinschaft mauert, unerwartete Liebesaff\u00e4ren, Polizist wird vom Dienst suspendiert und ermittelt auf eigene Faust weiter. Doch es kommt halt immer darauf an, wie sie erz\u00e4hlt werden. Selbst Details, die ich zun\u00e4chst ein wenig angestrengt fand (Vater des Polizisten ist Kampfbuddhist, Polizist h\u00f6rt im Auto immer Heimatchormusik), stellen sich als funktional heraus.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/arm-und-reich\/niedriglohn-ein-tag-mit-tuerstehern-und-detektiven-14522086.html\" target=\"_blank\">&#8220;Harte Arbeit, wenig Geld<br \/>\n&#8216;Meine Mitarbeiter, meine Vollidioten'&#8221;<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Murat Can ist der Boss von achtzig Sicherheitsleuten und T\u00fcrstehern. Fr\u00fcher war er selbst einer. Heute verleiht er die M\u00e4nner. Die Kunst aber ist, sie zum Arbeiten zu bringen \u2013 irgendwie. Ein Tag im tiefsten Niedriglohnsektor.<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.washingtonpost.com\/posteverything\/wp\/2016\/11\/18\/george-takei-they-interned-my-family-dont-let-them-do-it-to-muslims\/?utm_term=.96fb1c9733ff\" target=\"_blank\">&#8220;George Takei: They interned my family. Don\u2019t let them do it to Muslims&#8221;.<\/a><\/p>\n<blockquote><p>There is dangerous talk these days by those who have the ear of some at the highest levels of government. Earlier this week, Carl Higbie, an outspoken Trump surrogate and co-chair of Great America PAC, gave an interview with Megyn Kelly of Fox News. They were discussing the notion of a national Muslim registry, a controversial part of the Trump administration\u2019s national security plans, when Higbie dropped a bombshell: \u201cWe did it during World War II with Japanese, which, you know, call it what you will,\u201d he said. Was he really citing the Japanese American internment, Kelly wanted to know, as grounds for treating Muslims the same way today? Higbie responded that he wasn\u2019t saying we should return to putting people in camps. But then he added, \u201cThere is precedent for it.\u201d<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.economist.com\/blogs\/bagehot\/2016\/11\/divided-common-union?fsrc=scn\/tw_ec\/anglo_german_relations_are_defined_by_mutual_incomprehension\" target=\"_blank\">&#8220;Anglo-German relations are defined by mutual incomprehension&#8221;.<\/a><\/p>\n<blockquote><p>The German establishment simply does not understand Britain\u2019s island mentality, and the complex, post-imperial blend of arrogance and insecurity that defines its stance towards the outside world (which I discuss in my latest column, on the transatlantic relationship). Britons, meanwhile, struggle with Germany\u2019s equally distinctive sense of belonging and duty as the linchpin of the European order. The gap is even borne out in the architectures of the two polities. Westminster is a festival of Victoriana, a neo-Gothic reminder of Britain\u2019s past hegemony and Blitz-era defiance. Berlin\u2019s government quarter around the Reichstag has mostly risen in the past twenty years; all buildings rebuilt from, or built on, the ruins of extremism. Its very streets are studded with <i>Stolpersteine<\/i>, or brass cobblestones marking the victims of Nazism at the addresses where they once lived.<\/p><\/blockquote>\n<p> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ssl-vg03.met.vgwort.de\/na\/c4a9c7d5ec2b445281189aa1d6e24906\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Nacht hatte mich die Migr\u00e4ne geholt, niedergerungen von einer Dosis Triptan. 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