{"id":35711,"date":"2016-12-31T18:33:30","date_gmt":"2016-12-31T17:33:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=35711"},"modified":"2017-01-11T11:34:07","modified_gmt":"2017-01-11T10:34:07","slug":"buecher-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2016\/12\/buecher-2016.htm","title":{"rendered":"B\u00fccher 2016"},"content":{"rendered":"<p>* markiert meine Empfehlungen<br \/>\n() In Klammern gesetzt habe ich aktives Abraten; ganz gelesen habe ich diese B\u00fccher meist nur, weil ich sie in meinem kleinen Lesekreis besprechen wollte.<br \/>\nUnmarkiert sind B\u00fccher, die mir genug zum freiwilligen Auslesen gefielen.<\/p>\n<p>1 \u2013 Mary Beard, <i>SPQR. A History of Ancient Rome<\/i>*<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2016\/01\/mary-beard-spqr-a-history-of-ancient-rome.htm\" target=\"_blank\">Habe ich hier beschw\u00e4rmt.<\/a><\/p>\n<p>2 \u2013 Joscha Sauer, <i>Nichtweihnachten 2.0<\/i><\/p>\n<p>3 \u2013 Richard Yates, <i>Cold Spring Habor<\/i><br \/>\nFamilienleben auf Long Island in den 1940ern &#8211; erinnerte mich in bester Weise an Jane Austen: Charakterisierung durch innere Monologe, eine alberne Mutter, die nichts kapiert, die Unausweichlichkeit von Ehe und Fortpflanzung, das Suchen nach dem Platz in der Gesellschaft, die nur winzigen Entscheidungsfreiheiten, der formalisierte gesellschaftliche Umgang, der schlimme Probleme unter den Teppich kehrt, Selbstbetrug als Lebenserhaltungsma\u00dfnahme. Ich mochte die scheinbar n\u00fcchterne Sprache, mit der Yates den Figuren Raum zur Entfaltung gibt, die fast tragische Unausweichlichkeit der zwischenmenschlichen Mechanismen in den fr\u00fchen 40ern an der amerikanischen Ostk\u00fcste.<\/p>\n<p>4 \u2013 Jenny Lawson, <i>Furiously Happy<\/i><\/p>\n<p>5 \u2013 Jane Gardam, <i>The Man in the Wooden Hat<\/i>*<br \/>\nWieder ganz wundervoll. Der Nachfolgeband von <i>Old Filth<\/i> erz\u00e4hlt die Geschichte seiner Frau Betty, wieder in Skizzen von sachlich bis poetisch, die sich zu einem Ganzen verbinden. Diesmal erfahren wir mehr \u00fcber die Kronkolonie Hongkong, au\u00dferdem spielen Freundschaften und Loyalit\u00e4t eine gro\u00dfe Rolle.<\/p>\n<p>6 &#8211;  Patricia Highsmith, <i>The Price of Salt<\/i>*<br \/>\nDie Liebesgeschichte zweier sehr ungleicher Frauen in den sp\u00e4ten 1940ern in New York. Die Perspektive ist die der sehr jungen Therese, einer kleinen Kaufhausangestellten mit dem Traum, B\u00fchnenbildnerin zu werden. Sie verliebt sich in eine deutlich \u00e4ltere, elegante Kundin des Kaufhauses. Es entwickelt sich eine Beziehung, die nicht nur wegen der gesellschaftlichen Umst\u00e4nde, in der es diese Art von Liebe nicht gibt, ziemlich kompliziert ist. Neben der Schilderung der menschlichen Seite gefiel mir der Zeithintergrund, den ich durch die Geschichte kennenlernte.<\/p>\n<p>7 \u2013 John Williams, <i>Stoner<\/i>*<br \/>\nEine amerikanische <i>university novel<\/i> von 1965, die mir in Blogkommentaren empfohlen worden war \u2013 zu Recht. Die Hauptfigur, der Literaturwissenschaftler William Stoner, wird ganz am Anfang mit einem kurzen Abriss seiner akademischen Karriere eingef\u00fchrt: Studienbeginn an der Universit\u00e4t von Missouri, Promotion, als Dozent nie Karriere gemacht, kaum Spuren bei den Studierenden hinterlassen. Die ausf\u00fchrliche Version erz\u00e4hlt dann von einem doch recht besonderen Menschen aus sehr einfachen Verh\u00e4ltnissen, der sein Leben nie richtig in die Hand genommen hat, nur in der Forschung und in einer Freundschaft ganz aufging. Formal unauff\u00e4llig schildert der Roman Stoners Wahl einer Partnerin, die ihm bald mit vielen Mitteln das Leben zur H\u00f6lle macht, die ruhige, tiefe Liebe zu seiner Tochter, die Lebensfeindschaft mit dem Leiter des Lehrstuhls, an dem er arbeitet \u2013 alles vor dem zeithistorischen Hintergrund zweier Weltkriege. Sehr schnell schafft die Geschichte eine Identifikation mit dieser einsamen Figur, vor allem wenn man Stoners Loyalit\u00e4t und die Anziehungskraft einer akademischen Umgebung nachvollziehen kann. Und wie Stoner frage ich mich seit der Lekt\u00fcre, wie sein Leben verlaufen w\u00e4re, h\u00e4tte er energisch Anspr\u00fcche erhoben \u2013 oder auch nur f\u00fcr seine Tochter gek\u00e4mpft.<\/p>\n<p>8 \u2013 Granta 134, <i>No Man&#8217;s Land<\/i><\/p>\n<p>9 \u2013 Isabel Bogdan, <i>Der Pfau<\/i><\/p>\n<p>10 \u2013 Rachel Roddy, <i>Five Quarters<\/i>*<br \/>\nIch hatte sie sehr gerne gelesen, die Geschichte der nicht mehr richtig jungen Britin, die \u2013 eigentlich auf dem Weg nach Sizilien \u2013 in Rom h\u00e4ngen bleibt. Dort isst und kocht. Das Buch kommt als Kochbuch daher, besteht zeittypisch aber haupts\u00e4chlich aus sehr pers\u00f6nlichen Geschichten \u00fcbers Essen und Kochen \u2013 wie <a href=\"https:\/\/racheleats.wordpress.com\/\" target=\"_blank\">Rachels Blog<\/a> ja auch. Gro\u00dfe Rollen spielen darin das Stadtviertel Testaccio, in dem Rachel wohnt, ihr Partner Vincenzo und der dreij\u00e4hrige Sohn, der f\u00fcr die Niedlichkeit im Gesamtbild zust\u00e4ndig ist, allerdings auch als Referenz f\u00fcr die Qualit\u00e4t von Gerichten und Caf\u00e9s herangezogen wird. Die Rezepte gefielen mir, alle zeichnen sich durch eine geringe Anzahl von Zutaten und (scheinbar?) simple Zubereitung aus. Die Verbindung von italienischer und englischer Kochtradition kommt meinen pers\u00f6nlichen Vorlieben ohnehin entgegen. Ich mochte auch Rachels Beschreibung, wie sie gewohnte einfache Handgriffe in der K\u00fcche neu lernte. Das alles allerdings in einer Umgebung, die viele Klischeevorstellungen von italienischer Alltagsk\u00fcche erf\u00fcllt (die Nachbarinnen, aus deren K\u00fcchen es ab 11 Uhr nach Sofritto duftet), aber ohne auch nur eine Andeutung, dass diese allt\u00e4glich Koch- und Esskultur in Rom (und ganz Italien) seit vielen Jahren verschwindet.<\/p>\n<p>(11 \u2013 Tim O&#8217;Brien, <i>July, July<\/i>)<br \/>\nIch mochte das Buch nicht, die Figuren und Lebensgeschichten kamen mir vor wie stereotype Versatzst\u00fccke aus Hollywoodfilmen, nicht wie echte Menschen. Das wurde nicht dadurch gerettet, dass sich 1969 und 2000 kapitelweise abwechseln und zum Schluss nochmal ganz gro\u00dfe nicht-realistische Erz\u00e4hlgesch\u00fctze aufgefahren werden. Das letzte Drittel hatte ich eher \u00fcberbl\u00e4tternd gelesen.<\/p>\n<p>12 &#8211; Helen Macdonald, <i>H is for Hawk<\/i>*<br \/>\nEin wirklich besonderes Buch: Helen Macdonald schreibt ihre pers\u00f6nliche Geschichte mit der Falknerei auf. Anlass ist der Tod ihres Vaters, doch in sehr pers\u00f6nlicher, gleichzeitig n\u00fcchterner Weise erz\u00e4hlt sie ihre lebenslange Verbindung mit dieser alten Kunst. Es taucht das kleine M\u00e4dchen auf, das sich in B\u00fccher \u00fcber Falknerei vergr\u00e4bt, die Jugendliche, die unter professioneller Aufsicht die ersten Falken trainiert, der Kauf und das Z\u00e4hmen eines Habichts nach dem Tod des Vaters. Doch der r\u00f6teste Faden ist das Buch The Goshawk von T.H. White: Helen hat es als Achtj\u00e4hrige entdeckt und war beim ersten Lesen emp\u00f6rt \u2013 T.H. White macht alles falsch im Umgang mit seinem Habicht. Jetzt, als Erwachsene, vollzieht sie die Handlung des Buches vor dem Hintergrund von Whites Biografie nach, sieht sie in mancher Hinsicht als Parallele zu ihrem eigenen Umgang mit ihrem Habicht Mabel.<br \/>\nIch habe eine Menge \u00fcber die Falknerei gelernt, ohne dass im Buch jemals doziert w\u00fcrde. Ich habe eine sperrige Pers\u00f6nlichkeit kennengelernt und mich an den ungew\u00f6hnlichen Anblick eines Habichts in ihrer Wohnzimmerecke gew\u00f6hnt, an den noch ungew\u00f6hnlicheren Anblick der jungen Frau, die in Cambridge mit ihrem Habicht auf dem Falknerhandschuh spazieren geht. Auch das Buch ist sperrig: Die Sprache dient sich nicht an, der Verlauf der Erz\u00e4hlung entzieht sich jeder Gef\u00e4lligkeit \u2013 ist aber gleichzeitig dicht gewoben und struktuiert.<\/p>\n<p>(13 \u2013 Lydie Salvayre, Hanna van Laak (\u00dcbers.), <i>Weine nicht<\/i>)<br \/>\nDer Spanischer B\u00fcrgerkrieg als Hintergrund hatte mich zum Kauf gebracht, doch zu meiner Entt\u00e4uschung wird genau dieses Thema belehrend in Zwischenabs\u00e4tzen explizit erkl\u00e4rt. Wie diese Zeit spanische Frauenbiografien beeinflusste, habe ich schon in erheblich h\u00f6herer literarischer Qualit\u00e4t gelesen. Ich empfehle statt dessen <i>Ana No<\/i> von Agust\u00edn G\u00f3mez Arcos oder <a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2014\/05\/almudena-grandes-roberto-de-hollanda-uebers-das-gefrorene-herz.htm\" target=\"_blank\"><i>Das gefrorene Herz<\/i> von Almudena Grandes<\/a>.<\/p>\n<p>14 &#8211; Granta 135, <i>New Irish Writing<\/i>*<\/p>\n<p>15 \u2013 Jane Gardam, <i>Last Friends<\/i>*<br \/>\nAuch den dritten Teil der Trilogie las ich gerne, in dem ich \u00dcberraschendes \u00fcber den lebenslangen Widersacher von Old Filth erfuhr, \u00fcber Terry Veneering.<\/p>\n<p>(16 \u2013 Heinrich Steinfest, <i>Der Allesforscher<\/i>)<br \/>\nSo ein Schmarrn. Nach gutem Anfang verfranst sich der Roman in einer Beliebigkeit der Handlung, die sich explizit \u00fcber Vorbilder wie John Irving definiert (tr\u00e4um weiter, Herr Steinfest), der Erz\u00e4hler nervt mit seinem belehrenden Tonfall, die Szenarien und Figuren sind statt interessant einfach nur Versatzst\u00fccke aus Klischees. Es fehlt an schlichter Handwerkskunst: Zum Beispiel ist das personale Auden-Kapitel im selben Duktus und Tonfall erz\u00e4hlt wie der Rest des Buchs aus Ich-Perspektive \u2013 ich habe den Verdacht, dass der Autor nur einen kann.<\/p>\n<p>17 \u2013 Craig Taylor, <i>Return to Akenfield<\/i>*<br \/>\nEs ist h\u00f6chst aufschlussreich, was Taylor 40 Jahre nach der Ver\u00f6ffentlichung von <a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2014\/06\/ronald-blythe-akenfield.htm\" target=\"_blank\">Ronald Blythes <i>Akenfield<\/i><\/a> in derselben Gegend herausfindet.<\/p>\n<p>18 \u2013 Vladimir Nabokov, <i>Nabokov&#8217;s Dozen<\/i><\/p>\n<p>19 \u2013 Terry Pratchett, <i>The fifth elephant<\/i>*<br \/>\nMit seinen Romanen \u00fcber die Nightwatch hat mich Pratchett endlich doch erwischt. Immer wieder musste ich laut auflachen, weil er sprachlich oder durch Wendungen in der Handlung meine Leseerwartungen konterkarierte.<\/p>\n<p>20 \u2013 Kurt Busiek&#8217;s <i>Astro City<\/i>*<br \/>\nHatte mir der Superheldencomicexperte herausgelegt, mit dem ich zusammenlebe \u2013 und es gefiel mir sehr gut. Es wird ein eigenes Superheldenuniversum erfunden, das sich an die bekannten Superheldenuniversen anlehnt, doch die einzelnen Geschichten konzentrieren sich auf die menschliche Seite einzelner Figuren \u2013 der Helden und Heldinnen oder von Geretteten. <\/p>\n<p>21 \u2013 Donna Tartt, <i>The Secret History<\/i>*<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2016\/07\/journal-sonntag-3-juli-2016-donna-tartt-the-secret-history.htm\" target=\"_blank\">Habe ich hier ausf\u00fchrlich gesprochen.<\/a><\/p>\n<p>22 \u2013 Henry James, <i>What Maisie knew<\/i><\/p>\n<p>23 \u2013 Bov Bjerg, <i>Die Modernisierung meiner Mutter<\/i>*<br \/>\nDie Geschichten gefielen mir sehr; da sie f\u00fcr Leseb\u00fchnenauftritte geschrieben waren, hatte ich Launigkeit bef\u00fcrchtet. Doch obwohl die Geschichten oft lustig sind, fehlt ihnen jede Launigkeit: Komisch sind die beschriebenen Inhalte, die Bov beobachtet. Fast alle Geschichten leben von der D\u00f6rflichkeit und Provinziali\u00e4t, in der sie spielen \u2013 m\u00f6glicherweise ist aber gerade diese nur aus der Warte der Gro\u00dfstadt erkennbar. Blick und Menschlichkeit erinnerten mich mehrfach an Hanns Dieter H\u00fcsch, dazu kommt aber bei Bov die Reflexion dieses Blicks; ich f\u00fcrchte, wir k\u00f6nnen nicht anders, wir bestehen aus purer Befangenheit.<br \/>\nMeine Lieblingsgeschichte ist \u201eIm Kreisel\u201c. Zum einen als Metapher f\u00fcr genau diese Befangenheit, zum anderen als beste Schilderung gesellschaftlicher Mechaniken anhand eben dieser Kreisverkehre, wie sie in den vergangenen 20 (30?) Jahren vor D\u00f6rfern und Kleinst\u00e4dten aufkamen.<\/p>\n<p>24 \u2013 Wilkie Collins, <i>The Moonstone<\/i><\/p>\n<p>25 &#8211; Bachtyar Ali, <i>Der letzte Granatapfel<\/i>*<br \/>\nIn dem Roman erz\u00e4hlt Muzafari Subhdam, ein einst hochrangiger Peschmerga, nach 21 Jahren Einzelhaft in der W\u00fcste befreit, seine Geschichte &#8211; und die der Suche nach seinem Sohn. Auf der Suche erz\u00e4hlen ihm wiederum Menschen St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck, was in den 21 Jahren seiner Abwesenheit geschehen ist. Durch diese Episoden entfaltet sich die ganze menschliche und politische Auswegslosigkeit der Lage im kurdischen Irak &#8211; wenn nicht sogar im gesamten Nahen Osten.<br \/>\nDas manchmal formelhaften Erz\u00e4hlens enth\u00e4lt oft Redundanzen, die <i>toxic masculinity<\/i> der Handlung kann absto\u00dfen, die sowohl den Hintergrund des kriegerischen Gemetzels in den kurdischen Gebieten Iraks durchtr\u00e4nkt als auch den ausschlie\u00dflich m\u00e4nnlich gepr\u00e4gten Vordergrund, in dem es nur Freund oder Feind gibt, Schwarz oder Wei\u00df, und in dem die M\u00e4nner einander bei der nichtigsten Gereiztheit grausame Tode an den Hals w\u00fcnschen. Frauen tauchen nur als mystische Gestalt oder Kindsaustr\u00e4gerin auf.<br \/>\nDennoch war ich fasziniert von der ganz ungewohnten Erz\u00e4hlweise, in der die Figuren nicht psychologisch motiviert sind, sondern durch mythische Topoi &#8211; die dann in formelhaft variierten Naturbildern geschildert werden. Und ich sah in den drei Saryasi drei Seiten der kriegerischen Auseinandersetzung, mit dem ersten Saryasi, dem &#8220;Marschall&#8221; als einzige politisch vern\u00fcnftige Gestalt. Vielschichtig ist der Roman auf jeden Fall.<\/p>\n<p>26 \u2013 Han Kang, Deborah Smith (\u00dcbers.), <i>The Vegetarian<\/i>*<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2016\/10\/journal-dienstag-11-oktober-2016-the-vegetarian.htm\" target=\"_blank\">Hier ausf\u00fchrlich gesprochen.<\/a><\/p>\n<p>27 \u2013 Granta 136, <i>Legacies of love<\/i><\/p>\n<p>28 \u2013 Stevan Paul, <i>Der gro\u00dfe Glander<\/i><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2016\/09\/journal-mittwoch-21-september-2016-bayerisches-nationalmuseum-der-grosse-glander.htm\" target=\"_blank\">Habe ich hier vorgestellt.<\/a><\/p>\n<p>29 \u2013 Fred Vargas, Tobias Scheffel (\u00dcbers.), <i>Fliehe weit und schnell<\/i>*<br \/>\nDieser Krimi um Ger\u00fcchte \u00fcber eine m\u00f6gliche R\u00fcckkehr der Pest nach Paris vers\u00f6hnte mich wieder mit Fred Vargas.<\/p>\n<p>30 \u2013 Terry Pratchett, <i>Night Watch<\/i>*<\/p>\n<p>31 \u2013 Kazuo Ishiguro, <i>The buried giant<\/i>*<br \/>\nEiner der besseren Ishiguros (von denen davor war ich entt\u00e4uscht gewesen). Vage in der Zeit nach Artus angesiedelt begleiten wir ein altes Ehepaar (\u201eBritons\u201c) auf ihrem Weg von ihrer d\u00f6rflichen Siedlung zu&#8230; nun, sie haben beschlossen zu ihrem Sohn, der irgendwo anders ist. Doch sie wollen auch herausfinden, wie es kommt, dass sie und mehr noch ihre Umwelt vergangene Geschehnisse zu vergessen scheinen, selbst wenn es sich um das zeitweilige Verschwinden eines kleinen M\u00e4dchens vor wenigen Wochen handelt. Als wenn sich ein Dunst (\u201emist\u201c) auf ihre Erinnerungen gelegt h\u00e4tte. Es entspinnt sich eine Geschichte um <i>Saxons<\/i>, Artus&#8217; Erbe, Oger und andere Monster, Drachen, Aberglauben, Krieger. Der alte Mann hat m\u00f6glicherweise ein bedeutenderes Vorleben, als er es erinnert, und die Drachin eine Funktion f\u00fcr den br\u00fcchigen Frieden im Land, die man nicht vermutet h\u00e4tte.<br \/>\nDie Geschichte gefiel mir gut und \u00fcberraschte mich immer wieder, auch wenn sie L\u00e4ngen hatte. Ein wenig entt\u00e4uscht war ich von viel Informationsvermittlung durch <i>telling<\/i> statt durch Handlung \u2013 gerade wo Ishiguro in <i>An artist of the floating world<\/i> und <i>Remains of the day<\/i> bewiesen hat, wie meisterlich er <i>showing<\/i> sogar als Gegenteil des im <i>telling<\/i> Behaupteten kann.<\/p>\n<p>32 \u2013 Shirley Jackson, <i>The Lottery<\/i><\/p>\n<p>33 \u2013 Otfried Preu\u00dfler, <i>Krabat<\/i>*<br \/>\nDer Roman gefiel mir wieder ausgesprochen gut, auch aus der analytischeren Erwachsenensicht. Preu\u00dfler vermischt archaische Sagenelemente (Teufel, Seele verkaufen, Hexer, nur eine einzige weibliche Figur) mit historischen Legenden (Nordischer Krieg) und legt dar\u00fcber eine moderne Figurenpsychologie. Ich erinnerte mich gut, wie gefesselt ich als Teenager \u2013 ich muss bei der Erstlekt\u00fcre 14 gewesen sein \u2013 von der D\u00fcsternis der Geschichte war, von den Naturbeschreibungen, der Plackerei in der M\u00fchle, von der Grausamkeit des M\u00fcllers. Und von der detailreichen Beschreibung der Mahlzeiten. Die M\u00e4rchenhaftigkeit wurde in meiner Wahrnehmung unterstrichen von den vielen seltsamen, unbekannten W\u00f6rtern; einige aus der M\u00fcllerei sind mir bis heute fremd. Die reine M\u00e4nnerwelt hat mich damals sicher angezogen: Es geht um k\u00f6rperliche und geistige Kraft, um handwerkliche Fertigkeiten, Freundschaften bis \u00fcber den Tod hinaus \u2013 das alles sch\u00e4tzte ich schon als junges M\u00e4dchen. Dagegen ist die Liebesgeschichte blass und rein funktional, M\u00e4dchen haben keine eigenen Ziele, sind halt f\u00fcr die Liebe und f\u00fcrs Erl\u00f6sen der M\u00e4nner da \u2013 langweilig.<br \/>\nBei der heutigen Lekt\u00fcre fiel mir in der Geschichte das Gegen\u00fcberstellen von irdischer Anstrengung und dem Preis der Abk\u00fcrzung durch Hokuspokus auf. Die M\u00fcllerburschen lernen ja wirklich ihr Handwerk, der Austausch eines M\u00fchlrads wird ein ganzes Kapitel lang beschrieben. Die Metaphysik der schwarzen Kunst, die in dieser speziellen M\u00fchle dazu kommt, dient in erster Linie dazu, Macht zu bekommen, sich \u00fcber andere Menschen zu erheben.<\/p>\n<p>34 &#8211; Christopher Robinson and Gavin Kovite, <i>War of the Encyclopaedists<\/i>*<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2016\/11\/journal-dienstagmittwoch-15-16-november-2016-war-of-the-encyclopaedists.htm\" target=\"_blank\">Hier ausf\u00fchrlich besprochen.<\/a><\/p>\n<p>35 \u2013 Margarete Stokowski, <i>Untenrum frei<\/i><\/p>\n<p>(36 \u2013 Ben Lerner, <i>Leaving the Atocha station<\/i>)<br \/>\nNur ausgelesen, weil es so d\u00fcnn ist, sonst h\u00e4tte ich nach sp\u00e4testens 100 Seiten aufgeh\u00f6rt. Der Ich-Erz\u00e4hler interessierte mich massiv gar nicht. Dass er ein Depp sein soll, ist schnell klar, doch er ist halt eine Sorte Depp, die mich langweilt. Kindisch, narzistisch, ohne interessante Beobachtungen und Reflexionen, nicht mal den Ort Madrid genoss ich (wie kann man dem Retiro so wenig Atmosph\u00e4re abgewinnen?).<br \/>\nAu\u00dferdem habe ich nach <i>July, July<\/i>, <i>The Secret History<\/i>, <i>War of the Encyclopaedists<\/i> und diesem Buch erst mal f\u00fcr lange Zeit genug von Drogengeschichten. Sie dominieren in <i>Leaving the Atocha station<\/i> die Handlung v\u00f6llig (Kauf, bei wem anders abgreifen, Konsum, Bewusstlosigkeit, Upper, Downer, Analyse der Qualit\u00e4t, Kotzen, Panik weil daheim vergessen, \u00fcberrascht feststellen, dass es heute auch ohne geht, n\u00e4chster Konsum etc. at inf.), ohne irgendetwas dazu beizutragen.<\/p>\n<p>37 \u2013 Granta 137, <i>Autumn 2016<\/i><\/p>\n<p>38 \u2013 Margaret Atwood, <i>The edible woman<\/i>*<\/p>\n<p>39 \u2013 J.L. Carr, <i>A month in the country<\/i>*<br \/>\n<i>Nachtrag 11.1.2017:<\/i> Der d\u00fcnne Roman von 1980 erz\u00e4hlt mit der Stimme der Hauptfigur Tom Birkin von einem Restaurator, der kurz nach dem 1. Weltkrieg in der Kirche des englischen Dorfs Oxgodby ein Jahrhunderte altes Wandgem\u00e4lde freilegen soll. Tom ist von schrecklichen Kriegserlebnissen traumatisiert, au\u00dferdem hat ihn gerade (mal wieder) seine Frau sitzen gelassen. Vor der Kirche sucht ein Arch\u00e4ologe f\u00fcr die selbe Auftraggeberin nach einem Grab, auch er ist frisch aus dem Milit\u00e4rdienst entlassen. Mit wenigen Informationen er\u00f6ffnet Carr immer wieder Welten, einen Sommer lang lernen wir die Leute im Dorf kennen, die Landschaft, die Kirchengemeinde und sehr indirekt auch den Hintergrund der Protagonisten. Den Spannungsbogen der Geschichte spannt die Freilegung des Wandgem\u00e4ldes: Die Erz\u00e4hlerstimme l\u00e4sst uns teilhaben an Toms Analysen von Farben und Werkstoffen und an den Schl\u00fcssen, die er anhand der Ergebnisse \u00fcber die Entstehung des Gem\u00e4ldes zieht. Mir gefiel der Roman sehr gut \u2013 und ich war erstaunt, wie viel in gerade mal 130 Seiten passt.<\/p>\n<p>40 \u2013 Evan S. Connell, <i>Mrs Bridge<\/i>*<br \/>\nScheinbar harmlose Vignetten aus dem US-amerikanischen Suburbia der 50er, ausgesprochen trostlos. Die titelgebende Mrs Bridge ist v\u00f6llig verloren in ihrem Wohlstand, ohne eigenes Leben, ohne eigene Fertigkeiten. Das Schlussbild des letzten Kapitels wird mich noch verfolgen.<\/p>\n<p>41 \u2013 Zadie Smith, <i>Swing Time<\/i>*<br \/>\nDie Erz\u00e4hlerin und ihre Freundin Tracy wachsen in Londoner Wohnbl\u00f6cken auf, sie lernen einander als Kinder beim Tanzunterricht kennen. Die Freundschaft dieser beiden M\u00e4dchen, dann Frauen, zieht sich als roter Faden durch die vielschichtige Geschichte des Romans. Smith erz\u00e4hlt auch in diesem Roman ein sehr buntes Leben, allerdings ein wenig geradliniger und weniger anstrengend dicht als <i>NW<\/i>. Wieder sehen wir die Welt aus der Perspektive von Menschen, die durch ihre Herkunft aus Migrantenfamilien und ihre Hautfarbe mit deutlich weniger Selbstverst\u00e4ndlichkeiten leben als wei\u00dfe, schon immer vor Ort verwurzelte. Die Geschichte nimmt uns zudem in den Senegal und in die feinen Mechanismen des dortigen Alltags inklusive den Auswirkungen westlicher Wohlt\u00e4tigkeit. Eine weitere, f\u00fcr mich v\u00f6llige fremde Welt: Das Berufsleben in der Entourage von Superstars. Sch\u00f6n und organisch eingewoben ist das Thema Tanz: Die Erz\u00e4hlerin, deren Namen wir nie erfahren, interessiert sich von klein auf f\u00fcr die Hollywood-Musicals der 30er bis 50er-Jahre (der Titel des Buchs bedient sich beim Titel eines Musicals mit Fred Astaire und Ginger Rogers), und so erfahren wir Einiges \u00fcber die Herkunft und die Entwicklung dieses Tanzstils. Dazu kommen Smiths sprachliche Meisterschaft und ihr Humor (ein Kebapladen, in dem die Erz\u00e4hlerin arbeitet, guckt multinational ein Wimbledon-Match, und ich hatte Tr\u00e4nen in den Augen vor Lachen) \u2013 gro\u00dfe Empfehlung.<\/p>\n<div class=\"video-wrapped\" style=\"width: 500px; height: 375px; background-image: url('https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-content\/plugins\/video-embed-privacy\/preview\/mxPgplMujzQ.jpg')\" data-embed-frame=\"&lt;iframe title=&quot;Swing Time - Rogers and Astaire&quot; width=&quot;500&quot; height=&quot;375&quot; src=&quot;https:\/\/www.youtube.com\/embed\/mxPgplMujzQ?feature=oembed&quot; frameborder=&quot;0&quot; allow=&quot;accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share&quot; referrerpolicy=&quot;strict-origin-when-cross-origin&quot; allowfullscreen&gt;&lt;\/iframe&gt;\" data-embed-play=\"Abspielen&lt;div class=&quot;small&quot;&gt;Das Video wird von Youtube eingebettet abespielt. Es gilt die &lt;a href=&quot;https:\/\/www.google.com\/intl\/de\/policies\/privacy\/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Datenschutzerkl\u00e4rung von Google&lt;\/a&gt;&lt;\/div&gt;\">\n<div class=\"video-wrapped-nojs\">Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.<br \/><a href=\"https:\/\/youtu.be\/mxPgplMujzQ\">https:\/\/youtu.be\/mxPgplMujzQ<\/a><\/div>\n<\/div>\n<p>(Ein einziger verdammter Schnitt.) <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ssl-vg03.met.vgwort.de\/na\/74226d4b75c44f78b9eb3dc66a7bf816\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>* markiert meine Empfehlungen () In Klammern gesetzt habe ich aktives Abraten; ganz gelesen habe ich diese B\u00fccher meist nur, weil ich sie in meinem kleinen Lesekreis besprechen wollte. Unmarkiert sind B\u00fccher, die mir genug zum freiwilligen Auslesen gefielen. 1 \u2013 Mary Beard, SPQR. A History of Ancient Rome* Habe ich hier beschw\u00e4rmt. 2 \u2013 [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,1],"tags":[],"class_list":["post-35711","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bucher","category-general"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35711","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=35711"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35711\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":35896,"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/35711\/revisions\/35896"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=35711"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=35711"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=35711"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}