{"id":35922,"date":"2017-01-14T09:52:48","date_gmt":"2017-01-14T08:52:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=35922"},"modified":"2017-01-14T15:11:40","modified_gmt":"2017-01-14T14:11:40","slug":"journal-freitag-13-januar-2017-tod-des-britischen-curry-house-und-wie-gehts-der-deutschen-doenerkultur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2017\/01\/journal-freitag-13-januar-2017-tod-des-britischen-curry-house-und-wie-gehts-der-deutschen-doenerkultur.htm","title":{"rendered":"Journal Freitag, 13. Januar 2017 &#8211; Tod des britischen <i>curry house<\/i> und wie geht&#8217;s der deutschen D\u00f6nerkultur?"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/170113_01_Theresienwiese.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/170113_01_Theresienwiese.jpg\" alt=\"\" width=\"602\" height=\"386\" class=\"alignnone size-full wp-image-35943\" srcset=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/170113_01_Theresienwiese.jpg 602w, https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/170113_01_Theresienwiese-600x385.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 602px) 100vw, 602px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Derzeit wieder gro\u00dfes Was-soll-blo\u00df-aus-mir-werden. Und alles in mir mit Ausweichman\u00f6vern besch\u00e4ftigt, um keine Konsequenzen ziehen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Die Tage werden sp\u00fcrbar l\u00e4nger; selbst beim gestrigen schlechten Wetter war es auf dem Heimweg um f\u00fcnf noch nicht ganz dunkel. Derzeit ist Winter, wie er in unseren Breiten eigentlich normal ist &#8211; in den vergangenen Jahren aber nicht vorkam (was mir ja sehr recht war). Die gro\u00dfen Medien machen aus den Begleiterscheinungen eine solche Sensation, dass man nur mit Sarkasmus reagieren kann.<\/p>\n<blockquote class=\"twitter-tweet\" data-lang=\"en\">\n<p lang=\"de\" dir=\"ltr\">Achtung K\u00f6ln, es schneet! Legt euch einfach flach auf den Boden und wartet auf Hilfe. UND NICHT DIREKT IN DIE AUGEN SCHAUEN!!<\/p>\n<p>&mdash; Christian Drexler (@wortdrexler) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/wortdrexler\/status\/819830571866161153\">January 13, 2017<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><script async src=\"\/\/platform.twitter.com\/widgets.js\" charset=\"utf-8\"><\/script><\/p>\n<p>Zum Nachtmahl kochte ich einen Eintopf aus <a href=\"http:\/\/www.kartoffelkombinat.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Ernteanteil-KW02.jpg\" target=\"_blank\">Ernteanteilteilen dieser Woche<\/a> (Zwiebeln, Rote Bete, Kartoffeln, Lauch) plus Gem\u00fcsebr\u00fche und Ingwer.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/170113_02_Wintereintopf.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/170113_02_Wintereintopf.jpg\" alt=\"\" width=\"367\" height=\"453\" class=\"alignnone size-full wp-image-35944\" \/><\/a><\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Indische Restaurants sind f\u00fcr mich so britisch wie das <i>pub quiz<\/i>. Da ich mein Auslandsjahr im Studium 1991\/1992 in Wales und nicht in England verbrachte, lernte ich sie zwar erst sp\u00e4ter gr\u00fcndlich kennen, doch dass sie Teil der britischen Kultur waren, sah ich \u00fcberall.<br \/>\nDas scheint sich zu \u00e4ndern.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/lifeandstyle\/2017\/jan\/12\/who-killed-the-british-curry-house\" target=\"_blank\">&#8220;Who killed the great British curry house?&#8221;<\/a><\/p>\n<p>Via <a href=\"https:\/\/twitter.com\/konstantinleben\" target=\"_blank\">@konstantinleben<\/a><\/p>\n<p>Dieser sehr ausf\u00fchrliche Artikel (aka <i>Longread<\/i>) von Bee Wilson verdeutlicht mal wieder, wie eng gesellschaftliche Entwicklung und Kulinarik verwoben sind.<\/p>\n<blockquote><p>Though hardly acknowledged by restaurant critics, except for mocking asides about their red flock wallpaper, curry houses were one of the great successes of the postwar restaurant industry in Britain. In her 2005 book Curry: A Biography, the historian Lizzie Collingham argued that the Sylheti curry cooks converted \u201cunadventurous British palates\u201d to a new flavour spectrum. Goodbye, mince and potatoes; hello, chicken bhuna. \u201cMore than any other ethnic food,\u201d Collingham wrote, \u201cthe British have made curry their own.\u201d<\/p><\/blockquote>\n<p>Doch die zweite und dritte Generation ist (wie meist von den eingewanderten Eltern ertr\u00e4umt) gesellschaftlich aufgestiegen und hat einen Berufsweg au\u00dferhalb der Gastronomie gew\u00e4hlt, zudem schneiden versch\u00e4rfte Einwanderungsgesetze den Zufluss neuen Personals ab.<\/p>\n<blockquote><p>Ever since the Conservative-Liberal Coalition assumed power in 2010, with David Cameron elected on an impossible pledge to reduce net migration into Britain to the \u201ctens of thousands\u201d, the Bangladeshi Caterers\u2019 Association (BCA), of which Oli Khan is senior vice-president, has warned of a curry crisis. The BCA says that if nothing is done to support the industry, as many as a third of Britain\u2019s curry houses \u2013 around 4,000 in total \u2013 will close over the next couple of years.<\/p><\/blockquote>\n<p>(&#8230;)<\/p>\n<blockquote><p>For a few decades from the 1970s to the 2000s, the curry house \u2013 like its high street companion, the pub \u2013 looked like a permanent feature of British life; maybe even an emblem of Britishness itself. Yet it is now clear that our passionate relationship with these restaurants was a product of particular circumstances. For the high street curry house to flourish in its classical form, British tastes needed to stay fixed and south Asian cooks needed to be free to work here. Neither of these conditions now holds.<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich lernte aus dem Artikel den Begriff <i>widower curry<\/i> (eine Abk\u00fcrzung der aufw\u00e4ndigen Rezepte f\u00fcr den Fall, dass die ge\u00fcbte K\u00f6chin nicht da ist) und dass man aus dem Namen des indischen Restaurants schlie\u00dfen kann, in welcher Zeit es er\u00f6ffnet wurde. Au\u00dferdem wirft er die Frage auf, was eigentlich &#8220;authentische&#8221; K\u00fcche ist:<\/p>\n<blockquote><p>Does a cuisine belong to the people who eat it or the ones who cook it?<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Briten interessierten sich erst Ende der 70er f\u00fcr die regionalen Unterschiede indischer K\u00fcche und verlangten nun, dass ihre Vorstellung davon in den indischen Restaurants umgesetzt w\u00fcrde &#8211; egal, welche Absichten Wirte, K\u00f6chinnen und K\u00f6che des Lokals eigentlich hatten.<\/p>\n<p>Mir f\u00e4llt bei <i>curry house<\/i> immer Rowan Atkison ein &#8211; dessen klassische Nummer unten ein Beleg f\u00fcr die Verwurzelung in der britischen Kultur ist:<\/p>\n<div class=\"video-wrapped\" style=\"width: 500px; height: 375px; background-image: url('https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-content\/plugins\/video-embed-privacy\/preview\/x4LHLM4WIw0.jpg')\" data-embed-frame=\"&lt;iframe title=&quot;Rowan Atkinson Live - Drunk English in Indian Restaurant&quot; width=&quot;500&quot; height=&quot;375&quot; src=&quot;https:\/\/www.youtube.com\/embed\/x4LHLM4WIw0?feature=oembed&quot; frameborder=&quot;0&quot; allow=&quot;accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share&quot; referrerpolicy=&quot;strict-origin-when-cross-origin&quot; allowfullscreen&gt;&lt;\/iframe&gt;\" data-embed-play=\"Abspielen&lt;div class=&quot;small&quot;&gt;Das Video wird von Youtube eingebettet abespielt. Es gilt die &lt;a href=&quot;https:\/\/www.google.com\/intl\/de\/policies\/privacy\/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Datenschutzerkl\u00e4rung von Google&lt;\/a&gt;&lt;\/div&gt;\">\n<div class=\"video-wrapped-nojs\">Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.<br \/><a href=\"https:\/\/youtu.be\/x4LHLM4WIw0\">https:\/\/youtu.be\/x4LHLM4WIw0<\/a><\/div>\n<\/div>\n<p>(&#8220;Deceptively flat&#8221; ist schon lang Teil unseres Ehejargons.)<\/p>\n<p>Interssanterweise zitiert der Artikel oben aber eine andere Nummer von Rowan Atkinson:<\/p>\n<blockquote><p>an old bit from the early 80s comedy sketch show Not the Nine O\u2019Clock News, in which Rowan Atkinson plays a Tory politician speaking at his party conference: \u201cI like curry, I do [pause]. But now that we\u2019ve got the recipe, is there really any need for them to stay?\u201d<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich w\u00fcnsche mir einen \u00e4hnlichen Artikel \u00fcber die Rolle und Entwicklung der D\u00f6nerbuden in der deutschen Gesellschaft. Sie waren m\u00f6glicherweise das erste Take-away-Essen, das sich in Deutschland wirklich durchsetzte. (In England entstand die Take-away-Kultur im fr\u00fchen 19. Jahrhundert durch die Industrialisierung: Massenzuzug in die St\u00e4dte, Unterk\u00fcnfte ohne K\u00fcchen, die gesamte Familie schuftete in den Fabriken, Mahlzeiten mussten nach Feierabend auf dem Heimweg gekauft werden.)<\/p>\n<p>Ich ahne Verbindungen zur deutschen Wiedervereinigung: Vorher waren sowohl D\u00f6ner als auch das Ausgehen sp\u00e4t nachts mit D\u00f6ner auf dem Heimweg typisch f\u00fcr Berlin; die Wiedervereinigung mit ihrer Reiseerleichterung nach Berlin verbreitete diese Kultur auch im Rest der westlichen Republik.<\/p>\n<p>Gleichzeitig gab es in Westdeutschland t\u00fcrkische Schnellrestaurants (M\u00fcnchner Landwehrstra\u00dfe), die schnelle t\u00fcrkische Hausmannskost mit Hinsetzen anboten, Zielgruppe Einwanderer. Seit einigen Jahren erlebe ich in M\u00fcnchen, wie immer mehr anspruchsvolle D\u00f6nerl\u00e4den mit Hinsetzen er\u00f6ffnen, die neben D\u00f6ner auch das eine oder andere frische Tagesgericht mit t\u00fcrkischen Wurzeln anbieten.<br \/>\nHier sehe ich eine Parallele zum Burger: Auch der war in den 80ern eines der ersten Schnell- oder Mitnehmessen in Deutschland; seit etwa zehn Jahren nun gibt es daf\u00fcr immer mehr Lokale mit Anspruch, deren Burger dezidiert <i>nicht<\/i> zum Mitnehmen gedacht sind.<\/p>\n<p>Mich w\u00fcrde interessieren, wie es um die deutsche D\u00f6nerkultur steht (dass sie deutsch ist, ist nicht-deutschem Besuch schon lange klar &#8211; <a href=\"https:\/\/twitter.com\/Gawhary\/status\/817399505213685760\" target=\"_blank\">in Kairo macht demn\u00e4chst ein &#8220;Best German D\u00f6ner Kebap&#8221;-Laden auf<\/a>): Gibt es Nachwuchs? Sind das neue Einwanderer oder zweite\/dritte Generation? Soweit ich sehen kann, steckt ein ganzer Industriezweig dahinter, der Ausstattung, Brot, D\u00f6nertier liefert: Wie gro\u00df ist er und wie strukturiert? Sind die D\u00f6nerdrehmaschinen aus deutscher Fabrikation?<br \/>\n(Darf man als Abonnentin Artikel bei der <i>S\u00fcddeutschen<\/i> bestellen?)<br \/>\n<i>Nachtrag: Auf Twitter wies mich <a href=\"https:\/\/twitter.com\/ellebil\" target=\"_blank\">@ellebil<\/a> auf ein geschichtswissenschaftliches Werk von 2012 hin: <a href=\"http:\/\/www.hsozkult.de\/publicationreview\/id\/rezbuecher-19787\" target=\"_blank\">Maren M\u00f6hring, <\/a><\/i>Fremdes Essen. Die Geschichte der ausl\u00e4ndischen Gastronomie in der Bundesrepublik Deutschland<i>. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ssl-vg03.met.vgwort.de\/na\/a28f8b8b2e964676a8bdc49396861db3\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/> <\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Derzeit wieder gro\u00dfes Was-soll-blo\u00df-aus-mir-werden. 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