{"id":36,"date":"2003-10-07T17:17:54","date_gmt":"2003-10-07T15:17:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2003\/10\/kim.htm"},"modified":"-0001-11-30T00:00:00","modified_gmt":"-0001-11-29T22:00:00","slug":"kim","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2003\/10\/kim.htm","title":{"rendered":"Kim"},"content":{"rendered":"<p>Erst ist mir <a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/archives_rezepte\/00000010.htm\">das Rezept<\/a> eingefallen, dann sie selbst: Kim, die unglaublichste aller Engl\u00e4nderinnen.<\/p>\n<p>Anfang der 90er begann ich ein <a href=\"http:\/\/www2.swan.ac.uk\/\" target=_new>Studienjahr in Swansea, Wales<\/a>. Ich war mit dem Zug aus S\u00fcddeutschland angereist, schwer bepackt mit Gep\u00e4ck f\u00fcr ein Jahr. Den Taxifahrer am Bahnhof verstand ich nicht, obwohl mir klar war, dass er nicht etwa Walisisch sprach, sondern lediglich einen starken Akzent hatte. Bis ich im n\u00e4chtlichen Student Village das Haus gefunden hatte, in dem ich untergebracht sein sollte, war ich v\u00f6llig aufgel\u00f6st und am Ende.<\/p>\n<p>Zwei von den drei Studentinnen, mit denen ich die Wohnung teilen sollte, waren bereits eingetroffen: Nadine, frisch zur\u00fcck von einem Jahr als Lehrerin im subarktischen Kanada, \u00f6ffnete mir dir T\u00fcr. An sie muss ich immer denken, wenn ich das englische (!) Wort &#8220;petite&#8221; h\u00f6re. Nadine zeigte mir mein Zimmer, ich entlud mich meines Gep\u00e4cks, lie\u00df mich in die K\u00fcche f\u00fchren.<br \/>\nDort sa\u00df eine junge Frau mit langem honigblonden Schnittlauch-Haar, die endlosen Beine in Strumphosen unter sich auf dem Sitz verknotet. Sommersprossen, riesige blaue Augen, in den langen Fingern eine Zigarette. Und sie sprach gerade Russisch mit dem jungen Mann ihr gegen\u00fcber, lachte dazwischen herzhaft und heiser.<br \/>\nIch beschloss umgehend, dass sie ein ekliger Mensch sein musste: So sch\u00f6n und auch noch nett &#8211; nee, ging nicht.<\/p>\n<p>Kim war gerade von einem Jahr im pr\u00e4-perestroika russischen Hinterland zur\u00fcckgekommen und hatte ihren russischen Lover zu Besuch. Eigentlich war sie aber mit Marcus zusammen, einem Meeresgeologe aus Guernsey. (Sah aus, wie ich sp\u00e4ter feststellen durfte, wie eine Mischung aus dem jungen Jack Nicholson und Sex&#038;theCity&#8217;s Mr. Big.) Nur war Marcus halt viel auf See.<\/p>\n<p>Und schon in dieser ersten Nacht musste ich feststellen, dass Kim auch noch sympathisch war. Das war mir bereits klar, bevor sie mir Wodkatrinken auf russische Art beibrachte. Bevor sie mich nach meinem \u00fcberraschenden Wodka-Flash aus dem Bad schleifte und ins Bett brachte.<\/p>\n<p>Kim wurde zu einem Highlight meines Studienjahres im h\u00e4sslichen Swansea.<\/p>\n<p>Kim &#8211; wie sie in dicken Socken und Leggins an den d\u00fcnnen Beinen zu James Brown \u00fcber den billigen Linoleum-Boden groovt.<\/p>\n<p>Kim &#8211; wie sie sich f\u00fcr den Club-Abend stylt, &#8220;let&#8217;s go sharking!&#8221; ruft, die Musik von <i>Der wei\u00dfe Hai<\/i> singt (&#8220;dundundundundun&#8221;) und mit der Hand auf dem Kopf eine Haifischflosse mimt.<\/p>\n<p>Kim &#8211; die auch von den leckersten Gerichten nur zwei Gabeln a\u00df, bevor sie sich eine Zigarette anz\u00fcndete und sich f\u00fcr satt erkl\u00e4rte. Um eine halbe Stunde sp\u00e4ter zu murmeln &#8220;I fancy something &#8211; nice&#8221;, zum K\u00fcchenschrank zu gehen und sich an den Frosties g\u00fctlich zu tun.<\/p>\n<p>Erst vor kurzem habe ich sie nach l\u00e4ngerer Kontaktlosigkeit wieder aufgesp\u00fcrt, in Moskau. Mit Umzugspl\u00e4nen ins t\u00fcrkische Izmir.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erst ist mir das Rezept eingefallen, dann sie selbst: Kim, die unglaublichste aller Engl\u00e4nderinnen. Anfang der 90er begann ich ein Studienjahr in Swansea, Wales. Ich war mit dem Zug aus S\u00fcddeutschland angereist, schwer bepackt mit Gep\u00e4ck f\u00fcr ein Jahr. 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