{"id":36155,"date":"2017-01-28T09:57:33","date_gmt":"2017-01-28T08:57:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=36155"},"modified":"2017-01-28T09:57:33","modified_gmt":"2017-01-28T08:57:33","slug":"journal-freitag-27-januar-2017-emma-und-ich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2017\/01\/journal-freitag-27-januar-2017-emma-und-ich.htm","title":{"rendered":"Journal Freitag, 27. Januar 2017 &#8211; <i>Emma<\/i> und ich"},"content":{"rendered":"<p>Die Theresienwiese trug morgens Pink.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/170127_01_Theresienwiese.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/170127_01_Theresienwiese.jpg\" alt=\"\" width=\"558\" height=\"381\" class=\"alignnone size-full wp-image-36167\" \/><\/a><\/p>\n<p>Auf dem Heimweg Eink\u00e4ufe: Ca. zwei Kilo Billigs\u00fc\u00dfigkeiten vom Aldi, mindestens ebenso viel Obst im S\u00fcpermarket, zwei Artischocken f\u00fcrs Abendbrot (mit selbst gemachter Knoblauchmajo, danach Entrec\u00f4te mit Ofenkartoffeln).<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Die Zeitschrift <i>Emma<\/i> wird 40. Ein Begriff war sie mir von Kindesbeinen an, doch erst mit Anfang 20 las ich ein paar Jahrg\u00e4nge nach: Es gab sie jahresweise f\u00fcr billig bei Zweitausendeins. Durch die Lekt\u00fcre begriff ich den politischen Feminismus und Aktivismus dieser Generation. Doch mir fiel auch auf, wie oft Gegendarstellungen ver\u00f6ffentlicht werden musste: Mir als frisch ausgebildeter Journalistin mit enorm hohem ethischen Anspruch erschien das bedenklich, und es tr\u00fcbte mein Vertrauen in die journalistische Qualit\u00e4t der Berichterstattung. Die harte Schwarz-Wei\u00df-Haltung der ideologischen Einstufung nahm ich als zeitgebunden und zweckm\u00e4\u00dfig hin.<\/p>\n<p>Doch nach meiner <a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2013\/01\/aufschrei-es-geht-nicht-um-mich.htm\" target=\"_blank\">feministischen Wiedererweckung<\/a> war ich unglaublich erleichtert, die inklusive Haltungen des <i>third wave feminism<\/i> zu erleben, den ich zun\u00e4chst aus US-Blogs kennenlernte. Vertraut war mir das Hinterfragen von Geschlechterstereotypen und ihren Konsequenzen, doch der <i>Emma<\/i>-Feminismus hatte immer absolute Handlungsanweisungen daraus gefolgert; wer andere Schl\u00fcsse f\u00fcr sich zog, wurde zur Feindin erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Der neue Feminismus, mit dem ich mich viel mehr identifizierte, war offener, lie\u00df Platz f\u00fcr so viele Lebensentw\u00fcrfe wie m\u00f6glich, k\u00e4mpfte f\u00fcr Entfaltungsfreiheit und Selbstbestimmung. Das passte offensichtlich nicht in die ideologische Einseitigkeit der Alice Schwarzer-Haltung.<\/p>\n<p>Bascha Mika ist eine Feministin der ungef\u00e4hr selben Generation und schildert 40 Jahre <i>Emma<\/i> aus ihrer Sicht:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/medien\/40-jahre--emma--das-system-alice-schwarzer,1473342,35109594.html\" target=\"_blank\">&#8220;Das System Alice Schwarzer&#8221;.<\/a><\/p>\n<blockquote><p>In anderen L\u00e4ndern l\u00e4sst sich beobachten, welche F\u00fclle an feministischen Theorien es \u00fcber die Jahrzehnte gab und wie hilfreich sie f\u00fcr weibliche Selbstbestimmung und gesellschaftliche Gleichberechtigung waren. In den USA zum Beispiel, wo die Bewegung einerseits herrschaftskritischer, gleichzeitig aber immer auch glamour\u00f6ser und positiver war. Nicht umsonst stammt einer der wichtigsten Begriffe auf dem Weg zu weiblicher Eigenst\u00e4ndigkeit aus dem angels\u00e4chsischen Raum: Empowerment.<\/p>\n<p>Wo Feministinnen heute versuchen, mit dem Topos der Intersektionali\u00e4t unterschiedliche Diskriminierungsformen zu ergr\u00fcnden, wo sie sich den Kopf \u00fcber Rassismus, Sexismus und Klassismus zerbrechen, der sich in einer Person \u00fcberschneiden kann, werden in der \u201eEmma\u201c alle Nordafrikaner pauschal als Vergewaltiger bezeichnet.<\/p>\n<p>Wo hierzulande viele und vielf\u00e4ltige offene Debattenbl\u00e4tter gebraucht w\u00fcrden, um den Gleichberechtigungsdiskurs auf Trab zu halten, gibt sich die \u201eEmma\u201c trotz einiger \u00d6ffnungsversuche nach wie vor ideologisch festgezurrt und hartleibig.<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Jochen Wegner hat sich f\u00fcrs <i>Zeit Magazin<\/i> mit William Gibson unterhalten &#8211; der trotz aller Parallelen bestreitet, die Zukunft vorhergesehen zu haben:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/zeit-magazin\/leben\/2017-01\/william-gibson-science-fiction-neuromancer-cyberspace-futurist\" target=\"_blank\">&#8220;&#8216;Ich hoffe, wir sind nicht in negativen Utopien gefangen'&#8221;.<\/a><\/p>\n<blockquote><p>An der echten Zukunft interessiert mich am meisten, was sie dort u\u0308ber uns denken. Die Sicht etwa, die die Menschen des viktorianischen Zeitalters im 19. Jahrhundert auf sich selbst hatten, hat u\u0308berhaupt nichts mit unserem heutigen Blick auf sie zu tun. Die Viktorianer wa\u0308ren daru\u0308ber erschrocken und am Boden zersto\u0308rt. Alles, was wir heute u\u0308ber uns denken, du\u0308rfte in der Zukunft ebenso bizarr erscheinen.<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.juedische-allgemeine.de\/article\/view\/id\/27602\" target=\"_blank\">Kaffeehaus als Menschenrecht<br \/>\nEine Liebeserkl\u00e4rung von Doron Rabinovici an die \u00e4lteste und wichtigste Institution Wiens<\/a><\/p>\n<p>via <a href=\"https:\/\/readonmydear.wordpress.com\/\" target=\"_blank\">ReadonmyDear<\/a><\/p>\n<p>Allerdings widerspreche ich ein weiteres Mal der Behauptung &#8220;Starbucks oder \u00e4hnliche Ketten k\u00f6nnen es nicht ersetzen&#8221;.<br \/>\nDenn:<\/p>\n<blockquote><p>Ins Caf\u00e9 ging, wer anderswo nicht bleiben konnte. Hier wurde gearbeitet, weil die eigene Bleibe unbeheizt war.<\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>Wer zur Jahrhundertwende \u00fcber keinen anderen Ort verf\u00fcgte, durfte einen Tag bei einer Schale Kaffee ausharren.<\/p><\/blockquote>\n<p>Wer sich in den Starbucks und anderen Ketten von Gro\u00dfst\u00e4dten umsieht, findet genau das vor. Gerade auf Reisen, mit Koffer zum Warten auf die Weiterreise verurteilt, kuschle ich mich gerne im Sessel eines zentral gelegenen Kettencaf\u00e9s ein. Keine Bedienung dr\u00e4ngt auf neue Bestellung, ich habe meist interessante Ausblicke, WLAN gibt&#8217;s auch. Rabinovici schreibt ja selbst:<\/p>\n<blockquote><p>Ich bin so mobil wie mein Laptop. Ich schreibe gerne zu Hause, in der Nationalbibliothek oder auch unterwegs im Zug. Ich gehe meiner Arbeit nach \u2013 im buchst\u00e4blichen Sinne der Bedeutung. Mein Fluchtpunkt liegt im Text.<\/p><\/blockquote>\n<p>Sehr schnmunzeln musste ich \u00fcber diese Beobachtung:<\/p>\n<blockquote><p>Was ein wahrer Mensch sein will, braucht zumindest drei Kaffeeh\u00e4user: sein pers\u00f6nliches Lieblingslokal, das er regelm\u00e4\u00dfig frequentiert; ein weiteres Etablissement, in welches er inkognito ausweichen kann; letztlich aber das Wichtigste, ein Caf\u00e9, das er nie und nimmer betreten w\u00fcrde.<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Nur damit niemand vergisst, dass das Brexit-Votum schon seit einiger Zeit massive Konsequenzen f\u00fcr Ausl\u00e4nder in Gro\u00dfbritannien hat:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/blogs.lse.ac.uk\/brexit\/2017\/01\/26\/no-longer-welcome-the-eu-academics-in-britain-told-to-make-arrangements-to-leave\/\" target=\"_blank\">&#8220;No longer welcome: the EU academics in Britain told to \u2018make arrangements to leave\u2019&#8221;.<\/a> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ssl-vg03.met.vgwort.de\/na\/5f16edc5ee9c4ec8b835dd0c34ec5420\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Theresienwiese trug morgens Pink. Auf dem Heimweg Eink\u00e4ufe: Ca. zwei Kilo Billigs\u00fc\u00dfigkeiten vom Aldi, mindestens ebenso viel Obst im S\u00fcpermarket, zwei Artischocken f\u00fcrs Abendbrot (mit selbst gemachter Knoblauchmajo, danach Entrec\u00f4te mit Ofenkartoffeln). \u00a7 Die Zeitschrift Emma wird 40. Ein Begriff war sie mir von Kindesbeinen an, doch erst mit Anfang 20 las ich ein [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,1],"tags":[],"class_list":["post-36155","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-fotos","category-general"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36155","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=36155"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36155\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":36171,"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36155\/revisions\/36171"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=36155"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=36155"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=36155"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}