{"id":36631,"date":"2017-02-25T09:26:57","date_gmt":"2017-02-25T08:26:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=36631"},"modified":"2017-02-25T13:25:07","modified_gmt":"2017-02-25T12:25:07","slug":"journal-freitag-24-februar-2017-georgische-kueche-und-blognostalgie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2017\/02\/journal-freitag-24-februar-2017-georgische-kueche-und-blognostalgie.htm","title":{"rendered":"Journal Freitag, 24. Februar 2017 &#8211; Georgische K\u00fcche und Blognostalgie"},"content":{"rendered":"<p>Anstrengender Arbeitstag, mit Kopfweh vor Wut. So verlie\u00df ich meinen Schreibtisch nicht mit dem Enthusiasmus \u00fcber die anstehende Urlaubswoche, den ich sonst kenne.<\/p>\n<p>Ich radelte noch raus ins Lehel, um in der Schokoladengalerie Pralinen zu kaufen &#8211; zum einen \u00fcberhaupt, weil diese die derzeit besten sind, die ich in M\u00fcnchen kenne (die Schlie\u00dfung der Konditorei Rottenh\u00f6fer hat eine immer noch nicht geschlossene L\u00fccke geschlagen), zum anderen als Verpflegung f\u00fcr die Oscarnacht.<\/p>\n<p>Daheim <a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2017\/02\/journal-donnerstag-23-februar-2017-mi-weg.htm#comment-243055\" target=\"_blank\">mit empfohlener Methode<\/a> nach meinem Mi gesucht, doch meine Vermutung best\u00e4tigte sich: Wenn die App keine Daten der Kapsel findet, findet sie auch die Kapsel nicht.<\/p>\n<p>Abends hatte ich einen Tisch in einem georgischen Restaurant reserviert, das ich beim Vorbeiradeln entdeckt hatte: Marani an der Leonrodstra\u00dfe. Unter anderem <a href=\"http:\/\/kscheib.de\/\" target=\"_blank\">bei Katrin Scheib<\/a> hatte ich gelesen, dass die georgische K\u00fcche in Moskau als die beste der ehemaligen Sowjetrepubliken gilt, alle Beispiele davon, die mir bislang begegnet waren, sahen sehr einladend aus.<\/p>\n<p>Wie lie\u00dfen uns aus der kleinen, rein georgischen Weinkarte einen Rotwein empfehlen, Mukuzani aus der Saperavi-Traube: nicht zu schwer, mit Beerent\u00f6nen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/170224_06_Marani.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/170224_06_Marani.jpg\" alt=\"\" width=\"392\" height=\"444\" class=\"alignnone size-full wp-image-36648\" \/><\/a><\/p>\n<p>Gemischte Vorspeisen, von denen mir am besten die scharfen, kr\u00e4utrigen Pilze auf drei Uhr und der Spinatklops schmeckten &#8211; alles andere war aber auch ausgezeichnet. Unbedingt probieren wollten wir Chatschapuri, das typisch georgische K\u00e4sebrot. Man empfahl es uns zu den Vorspeisen, und es war hinrei\u00dfend: <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/170224_07_Marani.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/170224_07_Marani.jpg\" alt=\"\" width=\"367\" height=\"409\" class=\"alignnone size-full wp-image-36649\" \/><\/a><\/p>\n<p>Fluffig-schwerer Hefeteig mit schmelzendem K\u00e4se gef\u00fcllt und mit K\u00e4sekr\u00fcmeln \u00fcberbacken. Will ich definitiv nachbauen.<\/p>\n<p>Zur Rechnung bekamen wir georgischen Tresterschnaps Tschatscha spendiert &#8211; wunderbar weich.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Derzeit bekomme ich wieder verst\u00e4rkt Werbung und PR-Einladungen an die E-Mail-Adresse in meinem Impressum, die den Vermerk tr\u00e4gt: &#8220;Einer kommerziellen Nutzung (unaufgeforderte Werbung etc.) der oben genannten E-Mail-Adresse, die ausschlie\u00dflich f\u00fcr dieses Impressum angelegt wurde, widerspreche ich.&#8221; Ich f\u00fcrchte, dass die Anschrift wieder mal in einer <a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2016\/06\/journal-dienstag-14-juni-2016-beifang-aus-dem-internet.htm\" target=\"_blank\">&#8220;Influencer&#8221;-Datenbank<\/a> gelandet ist, die verkauft wird. Also antworte ich wieder jedesmal mit der Bitte, aus dem Verteiler gestrichen zu werden, jetzt aber erg\u00e4nzt um den Hinweis: &#8220;Sollten Sie die Adresse in einem Paket von einem Dienstleister gekauft haben, k\u00f6nnten Sie dort Rabatz schlagen &#8211; wahrscheinlich sind dann n\u00e4mlich auch andere Adressen nicht belastbar.&#8221;<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Dazu passt dieser sch\u00f6ne, nostalgische Aufsatz \u00fcbers Bloggen im <i>Merkur<\/i> von Ekkehard Kn\u00f6rer, einem der allerersten Blogger deutscher Sprache, aus eben der Generation Ins-Internet-Schreiber, die auch mich zum Bloggen gebracht hat:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/volltext.merkur-zeitschrift.de\/article\/pdf\/58ac63bf546f8830528b457f\/mr_2017_03_0062-0068_0062_01\" target=\"_blank\">&#8220;Feuerzeug, du&#8221;.<\/a><\/p>\n<p>Aus <del datetime=\"2017-02-25T12:23:07+00:00\">seinem Blog<\/del> dem Blog<a href=\"http:\/\/kutter.antville.org\/\" target=\"_blank\"> <i>Der Kutter<\/i><\/a> habe ich die Einsicht, die ich als Zusammenfassung \u00fcber meine Leben stellen k\u00f6nnte:<br \/>\n&#8220;Verdr\u00e4ngung ist, was uns \u00fcber Wasser h\u00e4lt&#8221;.<sup><a href=\"#footnote_1_36631\" id=\"identifier_1_36631\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Aus welchem Grund auch immer hatte ich fest angenommen, dass Herr Kn&ouml;rer hinter dem Kutter stehe &ndash; danke an Anke f&uuml;r die Korrektur.\">1<\/a><\/sup><\/p>\n<blockquote><p>Es gab tiefe Gedanken, heftige Gef\u00fchle, aber vor allem ging es um den Alltag, das Profane, das Banale, einen gesch\u00e4rften Blick auf die wenig aufregende und in manchen Hinsichten kleine und beschr\u00e4nkte Welt, durch die wir, oft prek\u00e4re, irgendwie kulturaffine Mittelschichtexistenzen, uns von Morgen bis Abend, und nachts auch, bewegten. Es war eine kleine Welt, keine Frage, es verband uns ein ziemlich spezifischer Blick, AkademikerInnen, die wir fast ausnahmslos waren, sanft dissident zu Normalit\u00e4ten, m\u00fcde und wach, voller Lust auf das Schreiben und Denken der andern, begeistert f\u00fcr B\u00fccher, Filme, Kultur \u00fcberhaupt, wobei der prek\u00e4re Alltag auch Einblicke in Altenheime und Blumenl\u00e4den erlaubte.<\/p>\n<p>Dieser gesch\u00e4rfte Blick, um den es ging, das waren eben die Blogs, war das Wissen darum, dass man, was man erlebte, im Aufschreiben zu fassen versuchen w\u00fcrde, im Aufschreiben und Hinstellen f\u00fcr die Anderen, die sich und ihre Wirklichkeit wiedererkennen w\u00fcrden, und im besten Fall ging es, so hingestellt, \u00fcber ein Wiedererkennen hinaus: Man sieht das Eigene anders mit den Augen des Anderen. Dieses Wissen war eine Kamera im Kopf, die die Wirklichkeit beim Erleben schon rahmte, scharfstellte, durch Filter jagte: ein Instagram aus Sprache.<\/p><\/blockquote>\n<p>&#8220;Sanft dissident zu Normalit\u00e4ten&#8221;&#8230; Fast weine ich, denn damals dachte ich, ich sei Zeugin eines Anfangs. Und lange wartete ich auf das, wovon es Anfang sein sollte, doch das kam nie.<br \/>\nTats\u00e4chlich war es ein kurzes Jetzt, das nur ohne Vorl\u00e4ufer m\u00f6glich war, und es endete, als es selbst zum Vorl\u00e4ufer wurde.<\/p>\n<p>Ich bin sehr dankbar, dass ich es beobachten durfte. Und habe l\u00e4ngst aufgeh\u00f6rt, es anderen erkl\u00e4ren zu wollen.<\/p>\n<p>So mache ich einfach weiter, tue so, als sei immer noch Jetzt. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ssl-vg03.met.vgwort.de\/na\/6e36e3336c4442fb8a2630090d5e52d1\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n<ol class=\"footnotes\"><li id=\"footnote_1_36631\" class=\"footnote\">Aus welchem Grund auch immer hatte ich fest angenommen, dass Herr Kn\u00f6rer hinter dem Kutter stehe &#8211; danke an Anke f\u00fcr die Korrektur.<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_1_36631\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/span><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anstrengender Arbeitstag, mit Kopfweh vor Wut. So verlie\u00df ich meinen Schreibtisch nicht mit dem Enthusiasmus \u00fcber die anstehende Urlaubswoche, den ich sonst kenne. 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