{"id":37410,"date":"2017-04-05T09:44:49","date_gmt":"2017-04-05T07:44:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=37410"},"modified":"2017-04-05T13:46:47","modified_gmt":"2017-04-05T11:46:47","slug":"damoklesschwert-automobilindustrie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2017\/04\/damoklesschwert-automobilindustrie.htm","title":{"rendered":"Damoklesschwert Automobilindustrie"},"content":{"rendered":"<p><i>Zeit online<\/i> ver\u00f6ffentlicht einen Gastbeitrag<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/mobilitaet\/2017-03\/verkehrspolitik-auto-stadt-carsharing-oeffentlicher-nahverkehr\/komplettansicht\" target=\"_blank\">&#8220;Verkehrspolitik:<br \/>\nAutos in den St\u00e4dten sind so was von gestern&#8221;<\/a><\/p>\n<p>Und ich ertappe mich mal wieder beim fuchtelnden Ganzk\u00f6rperlesen vor lauter Zustimmung.<\/p>\n<p>Wie fast alle (und in den vergangenen Monaten immer h\u00e4ufigere) Artikel dieser Art unterschl\u00e4gt auch dieser einen zentralen Aspekt: D\u00e4nemark, das mit Kopenhagen immer als Vorbild f\u00fcr Fahrradst\u00e4dte angef\u00fchrt wird, h\u00e4lt die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger mit astronomischer Besteuerung aktiv vom Autokauf ab (<a href=\"http:\/\/www.tyskret.com\/index.php?id=17&#038;tx_ttnews%5Btt_news%5D=24&#038;tx_ttnews%5BsViewPointer%5D=2&#038;cHash=9f559957659aa15b75b74e62ccacceee\" target=\"_blank\">180 % des Kaufpreises<\/a>, ein Pkw wird in D\u00e4nemark als Luxusgut eingestuft &#8211; das entspricht meiner Sicht). Auch wenn ich keine Volkswirtschaftlerin bin, sehe ich einen engen Zusammenhang mit dem Umstand, dass D\u00e4nemark nicht von der Automobilindustrie lebt. In Deutschland ist beides umgekehrt: Deutschland lebt so sehr von der Automobilindustrie, dass es sogar ein Regierungsprogramm mit massiver finanzieller F\u00f6rderung gab, nicht mehr neue Autos zu Schrott zu erkl\u00e4ren und frische zu kaufen (wieso scheint sich niemand mehr an <a href=\"http:\/\/www.wiwo.de\/unternehmen\/abwrackpraemie-erschreckende-bilanz-der-autoverschrottung\/5707118.html\" target=\"_blank\">die Abwrackpr\u00e4mie von 2009<\/a> zu erinnern?). Darin liegt das ganze Verh\u00e4ngnis.<\/p>\n<p>Nur kurz und zur Sicherheit: Ich sehe sehr wohl ein, dass es Menschen gibt, f\u00fcr die ein eigenes Auto die vern\u00fcnftigste Art der Mobilit\u00e4t ist, zum Beispiel, weil sie abgelegen wohnen &#8211; und die Jahrzehnte-lange Konzentration auf die Automobilindustrie hat dazu gef\u00fchrt, dass man heutzutage schon sehr schnell abgelegen wohnt. Allerdings bek\u00e4me ich gerne mal ausgerechnet, wie gro\u00df ihr Anteil an Autobesitzern ist.<\/p>\n<p>Die zentrale Rolle von Individualverkehr auf der Basis von Autos f\u00fcr die Mobilit\u00e4t wurde in Deutschland nicht hinterfragt (und wenn: &#8220;Aber die Arbeitspl\u00e4tze!&#8221; w\u00fcrgte jede Diskussion ab). So entwickelten sich Zirkelmechanismen:<br \/>\n&#8211; Jeder will ein schickes Auto, wie es die Werbung anpreist. Damit ist das Einkaufen in zentralen Riesenm\u00e4rkten viel praktischer als in kleinen L\u00e4den. Also sterben die kleinen, nahen L\u00e4den, zum Einkaufen <i>braucht<\/i> man ein Auto, denn in vielen Gegenden gibt es nur noch Gro\u00dfsuperm\u00e4rkte weit au\u00dferhalb.<br \/>\n&#8211; Jeder will im eigenen schicken Auto, mindestens so schick wie das vom Nachbarn, aus der Vorstadt \/ vom Dorf in die Stadt. Der \u00d6ffentliche Nahverkehr wird nicht mehr genutzt und mangels Rentabilit\u00e4t eingestellt. Also <i>braucht<\/i> man ein Auto, um aus der Vorstadt \/ aus dem Dorf rauszukommen.<br \/>\nDer Siegeszug des Pkw in Deutschland ist der gr\u00f6\u00dfte Marketingerfolg der Geschichte (\u00fcbertroffen h\u00f6chstens von dem des Christentums), die Liebe zum Auto ist Stoff f\u00fcr unz\u00e4hlige Deutschen-Karrikaturen. Ich diagnostiziere da durchaus eine Form der Gehirnw\u00e4sche, Symptom: Die Entgeisterung, mit der die Medien auf den VW-Abgasskandal reagierten. &#8220;Wie? Automobilhersteller k\u00f6nnten die B\u00f6sen sein?!&#8221;<\/p>\n<p>Oh ja, das sind schon lange die B\u00f6sen. Schaun wir uns doch die jetzt gesetzlich erzwungene Zukunft Elektromobilit\u00e4t an (ich empfehle den ausf\u00fchrlichen Artikel &#8220;Die Autowende&#8221; aus dem <i>stern<\/i> vom 30.3.2017, den ich leider nicht online finde):<br \/>\nSo ein Elektroantrieb ist bocksimpel, den k\u00f6nnte sogar ich nachbauen (fast). Das bedeutet unter anderem: Der Gro\u00dfteil der Herstellungsschritte eines Autos mit Verbrennungsmotor inklusive Zulieferindustrie verschwindet ersatzlos, zudem werden fast alle Autowerkst\u00e4tten \u00fcberfl\u00fcssig.<\/p>\n<p>Die Automobilindustrie weist seit 20 Jahren achselzuckend darauf, dass Elektroautos doch eh niemand will und sorgt selbst daf\u00fcr, dass das so bleibt: Indem sie keine Fahrzeuge plus Infrastruktur anbietet, die jemand wollen k\u00f6nnte. Statt dessen macht sie weltweit Reibach mit immer gr\u00f6\u00dferen und komplexeren Automodellen, die auf Verbrennungsmotoren setzen.<\/p>\n<p>Mir ist schon klar, dass die Hauptaufgabe von Automobilkonzernen ist, ihren Anteilseignern Gewinne zu verschaffen. Dass sie zwar Nachhaltigkeitsberichte und -programme (ja, in genau dieser Reihenfolge) auflegen m\u00fcssen, weil sie dazu gesetzlich und f\u00fcrs Image gezwungen sind, tats\u00e4chlich ihnen Gesellschaft und die langfristige Zukunft der Menschheit egal sind. Obwohl es eigentlich im eigenen Interesse gewesen w\u00e4re, fr\u00fchzeitig entschieden in Alternativen zur Mobilit\u00e4t per Verbrennungsmotor zu investieren.<br \/>\nDie Taktik war offensichtlich:<br \/>\n&#8211; Wir verkaufen den Leuten so lange es geht immer gr\u00f6\u00dfere, teurere Benziner und Diesel und investieren massiv in entsprechendes Marketing.<br \/>\n&#8211; Wir stecken an Gewinnen ein, was nur irgendwie geht (und freuen uns \u00fcber die Chancen auf den M\u00e4rkten in Asien, auch wenn die vor lauter Luftverschmutzung nicht mehr die Hand vor Augen sehen).<br \/>\n&#8211; Wir sorgen in Br\u00fcssel und Berlin daf\u00fcr, dass uns die Gesetzgebung das so lange wie m\u00f6glich erm\u00f6glicht, unter anderem dass sie nicht unangenehm an Abgas- und Verbrauchsgrenzwerten dreht.<br \/>\n&#8211; Wenn das nicht mehr geht, weil die Gesetzgebung uns einen Riegel vorschiebt und wir umstrukturieren m\u00fcssen inklusive Entlassungen (damit wir weiterhin Gewinn machen siehe oben Hauptaufgabe) &#8211; ja dann sollen doch auch bitte die b\u00f6sen Gesetzgeber daf\u00fcr aufkommen, also der Staat also wir alle.<br \/>\nDas halte ich f\u00fcr unanst\u00e4ndig und sch\u00e4dlich.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ssl-vg03.met.vgwort.de\/na\/3ab750b5d9a3433288d3163702a506ef\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zeit online ver\u00f6ffentlicht einen Gastbeitrag &#8220;Verkehrspolitik: Autos in den St\u00e4dten sind so was von gestern&#8221; Und ich ertappe mich mal wieder beim fuchtelnden Ganzk\u00f6rperlesen vor lauter Zustimmung. 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