{"id":3801,"date":"2009-01-29T10:09:10","date_gmt":"2009-01-29T09:09:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=3801"},"modified":"2013-03-25T19:29:59","modified_gmt":"2013-03-25T18:29:59","slug":"mehr-theater","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2009\/01\/mehr-theater.htm","title":{"rendered":"Mehr Theater"},"content":{"rendered":"<p>Gestern Abend <a href=\"http:\/\/www.muenchner-kammerspiele.de\/stueck.php?ID=769\" target=_new><i>Hiob<\/i> in den Kammerspielen<\/a>, eine weitere Romandramatisierung (Joseph Roth). Es gibt nicht nur keine Theatervorh\u00e4nge mehr, Pausen wurden anscheinend gleich mit abgeschafft. Nicht dass ich je zu den Sektnippern in Foyers geh\u00f6rte \u2013 als Kind und fr\u00fche jugendliche Theatergeherin war Alkohol au\u00dfer Diskussion, meine Mutter reuten zudem die ihrer Meinung nach unversch\u00e4mten Preise; als Studentin hatte ich selbst kein Geld f\u00fcr sowas. Auch meine Blase habe ich, kinoge\u00fcbt, unter Kontrolle. Doch die Enge im Zuschauerraum der Kammerspiele, kombiniert mit der emotionalen Anstrengung und Konzentration, die viele Theaterst\u00fccke fordern, lassen mich ab einer St\u00fcckl\u00e4nge von \u00fcber 80 Minuten wehm\u00fctig die klassische Pause vermissen. (Ich habe in den 80ern mit einem kettenrauchenden Feuilletonchef zusammengearbeitet, der ohne Ausnahme jede pausenlose Inszenierung verriss. Ob die so Verrissenen \u00fcberhaupt ahnten, womit sie sich das eingehandelt hatten?)<\/p>\n<p>Es kostete mich ohnehin sicher eine halbe Stunde, um in diese sperrige Inszenierung einzuschwingen, vor allem in die Darstellungsweise von Andr\u00e9 Jung als Hauptfigur Mendel Singer: Doch sein \u00c4hen, Haspeln, In-sich-hinein-Betonen des Textes erzeugten mit der Zeit einen so intensiven Zugang zu der dargestellten Person, wie man ihn sonst vielleicht zu einem eigenartigen Kollegen hat, mit dem man seit Jahren zusammenarbeitet. Und genau diesen Wahrnehmungsprozess gibt es nur im Theater: Eine Fernseh- oder Filmkamera w\u00fcrde zu viele lenkende Elemente hinzuf\u00fcgen, der Blick aus dem Zuschauerraum auf die B\u00fchne ist einzigartig. Meinen Augen, meiner ganzen Person stehen so viele Ausweich- oder Fokussierungsm\u00f6glichkeiten zur Verf\u00fcgung, die mir der Sog einer Kinoleinwand, eines Fernsehbildschirms verwehrt. Am n\u00e4chsten kommt dieser Wahrnehmung vielleicht das H\u00f6rspiel.<\/p>\n<p>Eine weitere \u00c4u\u00dferlichkeit, die ich aus dem gestrigen Abend heim nahm: Es wird nicht immer mit Mikrophonen gearbeitet. In den vier St\u00fccken, die ich davor gesehen hatte, trugen die Schauspieler hautfarbene Gesichtsmikrophone (gibt es daf\u00fcr einen Fachausdruck?). Das er\u00f6ffnet zwar ganz neue M\u00f6glichkeiten, mit Ton, Musik, Stimme zu arbeiten, befremdete mich aber doch.<\/p>\n<p>Eine Neuerung, die ich wiederum sehr begr\u00fc\u00dfe: Die Kammerspiele stellen <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=aE7sCU_GSPk&#038;eurl=http:\/\/www.muenchner-kammerspiele.de\/stueck.php?ID=769\" target=_new>Trailer zum St\u00fcck auf YouTube<\/a>.<\/p>\n<p>Wenn es eine wirklich unauff\u00e4llige M\u00f6glichkeit g\u00e4be, twitterte ich ja direkt aus dem Theater. Doch ich fand bereits meine Sitznachbarin merkw\u00fcrdig, die das ganze St\u00fcck hindurch Bleistiftnotizen machte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern Abend Hiob in den Kammerspielen, eine weitere Romandramatisierung (Joseph Roth). Es gibt nicht nur keine Theatervorh\u00e4nge mehr, Pausen wurden anscheinend gleich mit abgeschafft. 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