{"id":38454,"date":"2017-06-12T06:59:06","date_gmt":"2017-06-12T04:59:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=38454"},"modified":"2017-06-12T06:59:06","modified_gmt":"2017-06-12T04:59:06","slug":"journal-sonntag-11-juni-2017-freibad-und-balkon-elektronikgefummel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2017\/06\/journal-sonntag-11-juni-2017-freibad-und-balkon-elektronikgefummel.htm","title":{"rendered":"Journal Sonntag, 11. Juni 2017 &#8211; Freibad und Balkon, Elektronikgefummel"},"content":{"rendered":"<p>Den gestrigen Sonntag empfand ich als wirklich frei. Als h\u00e4tte ich sonst jeden Tag fremdbestimmtes Programm, was nun wirklich \u00fcberhaupt nicht so ist.<\/p>\n<p>Morgenkaffee auf dem Balkon (wenn auch mit Socken an den F\u00fc\u00dfen, so warm war&#8217;s dann doch nicht), Bettw\u00e4sche gewaschen, zu Fu\u00df in den Hochsommertag und zum Schwimmen ins Schyrenbad.<\/p>\n<p>Das Becken war schon vormittags gut besucht, doch die meisten Schwimmerinnen und Schwimmer machten nur ein paar Bahnen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/170611_10_Bikini.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/170611_10_Bikini.jpg\" alt=\"\" width=\"367\" height=\"490\" class=\"alignnone size-full wp-image-38464\" \/><\/a><\/p>\n<p>Umgezogen und gut sonnengemilcht w\u00e4rmte ich mich in der Sonne mit Musik auf den Ohren auf, Blick auf den unbelebten Teil der Liegewiese. Das sonstige Schyrenbad war knackenvoll, als ich am fr\u00fchen Nachmittag nach Hause aufbrach.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/170611_16_Wittelsbacherbruecke.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/170611_16_Wittelsbacherbruecke.jpg\" alt=\"\" width=\"452\" height=\"588\" class=\"alignnone size-full wp-image-38466\" \/><\/a><\/p>\n<p>Ungef\u00e4hr hier hielt sich der Rest M\u00fcnchens auf.<\/p>\n<p>Auf dem Heimweg k\u00e4mpfte ich mit dem Wackelkontakt meiner iPhone-Kn\u00f6pfe, der \u00fcber die vergangenen Wochen immer schlimmer geworden war und jetzt st\u00e4ndig Apps schloss &#8211; unterwegs zum Beispiel Pok\u00e9nomGo.<\/p>\n<p>Zu Hause bereitete ich das Abendessen vor: <a href=\"http:\/\/www.kuechengoetter.de\/rezepte\/zitronenhuhn-mit-thymian-4366\" target=\"_blank\">Zitronen-Thymian-Huhn<\/a>. Inzwischen habe ich es so oft gemacht, dass ich nicht mehr von der Anweisung \u00fcberrascht werde, es zum Marinieren ein paar Stunden in den K\u00fchlschrank zu stellen.<\/p>\n<p>Unser W\u00e4schetrockner scheint sich nach nicht mal 25 Jahren Nutzung zu verabschieden. Was die Bettw\u00e4schelogistik komplizierte.<\/p>\n<p>Auf dem Balkon Internet und Wochenend-<i>SZ<\/i> gelesen, den V\u00f6geln am Meisenkn\u00f6del zugesehen. Die Buntspechte vertreibe ich inzwischen: Zum einen zerhacken sie innerhalb weniger Stunden den ganzen Kn\u00f6del und lassen den anderen V\u00f6geln nichts, zum anderen sollen sie gef\u00e4lligst Sch\u00e4dlinge aus Baumborken popeln. Die Meisenkinder (Kohl- und Blau-) haben inzwischen gelernt, selbst vom Kn\u00f6del zu fressen, fiepen dabei aber weiterhin ihr durchdringendes F\u00dcTTERE MICH!<\/p>\n<p>H\u00fchnchen in den Ofen geschoben, Fotos und Text f\u00fcr ein Interview fertig gebastelt, um das ich gebeten worden bin.<\/p>\n<p>Beim Einstecken des iPhones zum Laden entdeckte ich, dass auch das Ladekabel einen Wackler hat, es bricht Steckdosen-seitig. Mit viel Gefummel brachte ich es noch einmal zum Vollladen, die Fotos musste ich mir allerdings auf den Rechner schicken, statt sie runterzuladen.<\/p>\n<p>Zum Abendbrot gab es den wunderbaren Film <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Spy_(2015_film)\" target=\"_blank\"><i>Spy<\/i><\/a> auf Deutsch und mit Werbeunterbrechung. Die Synchron\u00fcbersetzungsmannschaft hatte offensichtlich Spa\u00df &#8211; aber die Stimme von Miranda Hart als Nancy h\u00e4tte besser eine Komikerin \u00fcbernommen, im Original stiehlt sie in fast jeder Szene die Schau, \u00fcbersetzt geht sie unter. Ich blieb extra bis zum Schluss des Films auf, weil ich die \u00fcberraschende allerletzte Szene nochmal sehen wollte. Nur um daran erinnert zu werden, dass die in den Abspann eingebaut ist &#8211; und im Fernsehen wird schon seit vielen Jahren der Abspann weggelassen.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Manche Aspekte der Elternschaft finde sogar ich interessant. Zum Beispiel, was Menschen ihren Kindern aktiv beibringen wollen (und was offensichtlich nicht, oder nicht k\u00f6nnen, aber das ist ein ganz anderes Kapitel). So ist Herr Buddenbohm entschlossen, seinen Kindern Einkaufen beizubringen. Das liest sich sehr vern\u00fcnftig, aber unerwartet anstrengend.<sup><a href=\"#footnote_1_38454\" id=\"identifier_1_38454\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Nur als Fu&szlig;note: Selbst wurde ich schon vor der Schulzeit Einkaufen geschickt, zum Beispiel Samstagmorgen zum B&auml;cker zum Semmelnholen oder zur Metzgertheke im benachbarten Supermarkt des Wohnblockviertels, in dem wir wohnten &ndash; eine Metzgerei lag zu weit weg. Die Semmelbestellung konnte ich auswendig, die zu erledigenden Metzgereieink&auml;ufe schrieb meine Mutter auf einen Zettel, den ich &uuml;ber die Theke reichte. Umstehende Eink&auml;uferinnen passten ein bisschen auf, dass mir keine schlechte Ware angedreht wurde, das Geld hatte meine Mutter mir ungef&auml;hr abgez&auml;hlt mitgegeben. Ganz wichtig war: IMMER den Kassenzettel mitbringen, denn meine Mutter f&uuml;hrte Haushaltsbuch.\">1<\/a><\/sup><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.buddenbohm-und-soehne.de\/2017\/06\/10\/der-mensch-braucht-achtzehn-sorten-milch\/\" target=\"_blank\">&#8220;Der Mensch braucht achtzehn Sorten Milch&#8221;.<\/a><\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Die <i>Zeit<\/i> erkennt:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/kultur\/2017-06\/konsum-verhalten-deutschland-konsumgesellschaft-industrie\/komplettansicht\" target=\"_blank\">&#8220;Wir sind Konsumnation&#8221;.<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Heute, 45 Jahre nachdem der Club of Rome seine wegweisende Studie <em>Die Grenzen des Wachstums<\/em> ver\u00f6ffentlichte, sind die sozialen und \u00f6kologischen Folgesch\u00e4den des Massenkonsums selbst von Verfechtern des deregulierten Marktes nicht mehr zu leugnen. Angesichts von Klimawandel, Naturzerst\u00f6rung oder den Arbeitsbedingungen in pakistanischen Sweatshops und chinesischen Fabriken ist im \u00f6ffentlichen Bewusstsein mittlerweile verankert, dass der in Konsumgesellschaften produzierte Wohlstand nur durch die Zerst\u00f6rung seiner eigenen Grundlagen, allen voran der Natur, zu haben ist. Wird heute deshalb von Konsumgesellschaft gesprochen, so meist in gesellschaftskritischen Kontexten. Dann, wenn nachhaltiger Verbrauch oder gar Post-Wachstum, also eine Art wirtschaftliches &#8220;Gesundschrumpfen&#8221;, gefordert wird. <\/p>\n<p>An dieser Stelle wird es kompliziert. Denn so unzweifelhaft die Erkenntnis ist, dass die Konsumsteigerung zu irreversiblen Folgesch\u00e4den f\u00fchrt, und so klar die Einsicht, dass insbesondere  westliche Gesellschaften ihr Verbrauchsniveau signifikant senken m\u00fcssten \u2013 die Konsumkritik umfasst in der Praxis dennoch eine Reihe fundamentaler Widerspr\u00fcche, von denen viele sich kaum aufl\u00f6sen lassen.<\/p><\/blockquote>\n<p>(&#8230;)<\/p>\n<blockquote><p>Das erste Problem einer wirksamen Konsumkritik liegt nicht darin, dass sie es mit mangelndem Bewusstsein zu tun h\u00e4tte. Falls doch, dann br\u00e4uchte es &#8220;nur&#8221; Aufkl\u00e4rung. Das Problem ist eher, dass Hochkonsumkulturen auf einer Art kollektiven Akt der Verdr\u00e4ngung beruhen, auf der schlichten Tatsache, dass das Lustprinzip in der Regel das Realit\u00e4tsprinzip aussticht.<\/p><\/blockquote>\n<p>(&#8230;)<\/p>\n<blockquote><p>Gleichwohl wird Konsumkritik auch heute oft als moralistischer Diskurs der Besserverdienenden empfunden, als  Nachhaltigkeitsmantra jenes \u00f6kologisch sensibilisierten B\u00fcrgertums, das sich punktuellen Verzicht eben nicht nur leisten kann, sondern diesen dann auch noch zum Mittel sozialer Distinktion macht: Der Aldi-Wurst mampfende Billigurlauber wird dann nicht nur mehr als \u00e4sthetische, sondern auch als \u00f6kologische Zumutung empfunden.<\/p><\/blockquote>\n<p>(&#8230;)<\/p>\n<blockquote><p>Bed\u00fcrfnisse sind an einem bestimmen Punkt befriedigt. Begehrnisse sind letztlich unstillbar, da es sich bei ihnen um Mittel handelt, das eigene Leben auszustaffieren und zu inszenieren. Die M\u00f6glichkeiten daf\u00fcr ragen ins Unendliche. Ein Deutscher besitzt heute im Durchschnitt rund 10.000 Dinge.<\/p><\/blockquote>\n<p>(&#8230;)<\/p>\n<blockquote><p>[Zum Beispiel dass] der alles beherrschende Leistungsgedanke nun in die Freizeit verl\u00e4ngert wird, also auch die \u00e4sthetische Ausstattung des Lebens einem Zwang des &#8220;immer mehr&#8221; gehorcht. K\u00f6rperliche Sch\u00f6nheit oder die Pflege einer Erlebniskultur, sei es als Fu\u00dfballfan oder Operng\u00e4nger, offenbaren sich eben zunehmend als biografische Projekte, an denen man &#8220;arbeiten&#8221; muss.<\/p><\/blockquote>\n<p>(Mir f\u00e4llt sofort die immer hei\u00dfere Ausstattungsschlacht des so ziemlich Ausstattungs-\u00e4rmsten Sports \u00fcberhaupt ein: des Schwimmens.)<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Spannender Forschungbericht der Max-Planck-Gesellschaft:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.mpg.de\/11335494\/jean-jacques-hublin-neandertaler\" target=\"_blank\">&#8220;Aug in Aug mit dem Neandertaler<br \/>\nWissenschaftler rekonstruieren das Verh\u00e4ltnis zwischen modernem Menschen und Neandertaler&#8221;.<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Proteine \u00fcberdauern in uraltem Knochenmaterial zehnmal l\u00e4nger als DNA. Die Untersuchung des Erbguts galt bisher als K\u00f6nigsweg, um einen Knochen einem bestimmten Lebewesen zuzuordnen. Die Pal\u00e4oproteomik k\u00f6nnte der DNA-Analyse diesen Ruf streitig machen.<\/p><\/blockquote>\n<p> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ssl-vg03.met.vgwort.de\/na\/3133cbe7adae4f269971fdb80f38ceb2\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n<ol class=\"footnotes\"><li id=\"footnote_1_38454\" class=\"footnote\">Nur als Fu\u00dfnote: Selbst wurde ich schon vor der Schulzeit Einkaufen geschickt, zum Beispiel Samstagmorgen zum B\u00e4cker zum Semmelnholen oder zur Metzgertheke im benachbarten Supermarkt des Wohnblockviertels, in dem wir wohnten &#8211; eine Metzgerei lag zu weit weg. Die Semmelbestellung konnte ich auswendig, die zu erledigenden Metzgereieink\u00e4ufe schrieb meine Mutter auf einen Zettel, den ich \u00fcber die Theke reichte. Umstehende Eink\u00e4uferinnen passten ein bisschen auf, dass mir keine schlechte Ware angedreht wurde, das Geld hatte meine Mutter mir ungef\u00e4hr abgez\u00e4hlt mitgegeben. 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