{"id":39434,"date":"2017-08-06T09:36:41","date_gmt":"2017-08-06T07:36:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=39434"},"modified":"2017-08-06T13:12:57","modified_gmt":"2017-08-06T11:12:57","slug":"journal-samstag-5-august-2017-wmdedgt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2017\/08\/journal-samstag-5-august-2017-wmdedgt.htm","title":{"rendered":"Journal Samstag, 5. August 2017 &#8211; WMDEDGT"},"content":{"rendered":"<p>An jedem f\u00fcnften des Monats fragt Frau Br\u00fcllen: Was machst du eigentlich den ganzen Tag? Die Antworten auf ihr WMDEDGT f\u00fcr August <a href=\"http:\/\/bruellen.blogspot.de\/2017\/08\/wmdedgt-0817.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">sammelt sie hier<\/a>.<\/p>\n<p>Sp\u00e4t aufgewacht, weil ich eine n\u00e4chtliche Migr\u00e4ne und das sie stoppende Triptan ausschlief.<\/p>\n<p>Morgenkaffee gekocht, damit auf den Balkon gesetzt, es war bereits um neun unerwartet warm. Blogpost zu Ende geschrieben (das meiste schreibe ich schon am Vorabend). Schlafzimmer und Wohnung st\u00fcckchenweise f\u00fcr \u00dcbernachtungsbesuch vorbereitet. Mich gefreut, dass der Arm deutlich weniger schmerzte als am Tag zuvor.<\/p>\n<p>Ich \u00fcberlegte hin und her, wie ich den weiteren Tag gestalten sollte: Laufen oder nicht? Was w\u00e4re gut f\u00fcr den Nackennerv? Was lie\u00df sich \u00fcberhaupt unterbringen? Ich entschied mich gegen Sport und f\u00fcr Entspannung (nicht dass mir nicht sofort Erledigungen einfielen, die ich in der Zeit abhaken konnte, die ich durch den Sportverzicht gewann).<\/p>\n<p>Also las ich erst mal die Twittertimeline der Nacht hinterher, blickte immer wieder auf und genoss den Ausblick vom Balkon. Die alten Kastanien bergen einen ganzen Kosmos:<br \/>\n&#8211; Meisen, die raschelnd an den Miniermottenlarven der Bl\u00e4tter knurpseln.<br \/>\n&#8211; Eichh\u00f6rnchen, die einander den Stamm rauf und runter jagen, in einer Astgabel sitzen bleiben und K\u00f6rperpflege treiben.<br \/>\n&#8211; M\u00f6glicherweise eine Spechtschmiede (nur geh\u00f6rt, noch nicht gesehen)<br \/>\n&#8211; Der Kleiber, der auf den Stamm einklopft (erschreckend, wie morsch und hohl manche dicken \u00c4ste klingen).<br \/>\nDazu die V\u00f6gel am und unterm Meisenkn\u00f6del. Kann jemand hier Singvogelsprache? Hat es Bedeutung, wenn eine Meise oder ein Buchfink die Kopffedern aufstellt?<\/p>\n<p>Wohnung jetzt systematisch auf \u00dcbernachtungsbesuch vorbereitet: W\u00e4schest\u00e4nder abger\u00e4umt und verr\u00e4umt, B\u00fcgelw\u00e4sche versteckt, Esstisch abger\u00e4umt (ohne Besuch r\u00e4ume ich Sets und Servietten nur einmal die Woche weg, Sonntagabend f\u00fcr Putzmannputzen am n\u00e4chsten Tag) und entkr\u00fcmelt, G\u00e4stebettzeug rausgesucht und bezogen, Nacht- und Morgendinge aus meinem Schlafzimmer in das von Herrn Kaltmamsell getragen, K\u00fcche von den Spuren des gestrigen Kochens befreit. Beim K\u00fcchenputzen mal wieder den Messerblock gr\u00fcndlicher gereinigt. Wieder w\u00fctend geworden bei der Erinnerung an den Kauf seinerzeit: Wie wir viel Geld f\u00fcr einen Messerblock ohne Messer hingelegt hatte, mehr als ein Block inklusive Messern gekostet h\u00e4tte &#8211; weil wir bereits gute Messer besa\u00dfen und das Wegwerfen eines Satzes neuer Messer als unanst\u00e4ndige Verschwendung ansahen. Die Perversit\u00e4t unseres Konsumsystems <i>in a nutshell<\/i>: Dass man so reich sein muss wie wir, um sich diese Sparsamkeit leisten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Geduscht, getrocknet, gecremt, geschminkt, Haare gef\u00f6hnt (bei dieser Hitze w\u00fcrde sogar ich sie an der Luft trocknen lassen &#8211; sonst f\u00fcrchte ich ja immer umgehend Lungenentz\u00fcndung -, doch dann sehen sie so ausgefranst aus), angezogen, unter anderem die Sandalen, die ich nie trage, weil sie unbequem sind.<\/p>\n<p>Einkaufsrunde in praller Sonne und bei gro\u00dfer Hitze in der Fu\u00dfg\u00e4ngerzone: Laugenz\u00f6pferl beim Z\u00f6ttl am Alten Peter, Obst am Standl Rosenstra\u00dfe (am Sendlinger Tor gab&#8217;s heute keinen). In einem Blumenladen ein Alpenveilchent\u00f6pfchen als Mitbringsel f\u00fcr die abendliche Einladung zu einer Geburtstagsparty gekauft. (Wie sehr es mich irritiert, wenn Verkaufspersonal beim Bedienen eigentlich gerade in pers\u00f6nlichem Gespr\u00e4ch mit besuchenden Freunden ist und ich nie wei\u00df, ob eine Bemerkung oder Frage nun an mich gerichtet ist oder zum Gespr\u00e4ch geh\u00f6rt.)<\/p>\n<p>V\u00f6llig verschwitzt heimgekommen, die Sandalen endg\u00fcltig aussortiert, weil selbst diese kleine Runde zu Blasen gef\u00fchrt hatte. Zum Fr\u00fchst\u00fcck Laugenzopf mit Tomatenscheiben (und dick Butter) sowie Nektarine, Aprikose, Feige mit Joghurt.<\/p>\n<p>\u00dcbernachtungsbesuch k\u00fcndigte sich f\u00fcr abends an, also hatte ich noch Zeit. Ich knetete Teig f\u00fcr Aprikosentarte, stellte diesen k\u00fchl. Dann ein St\u00fcndchen Siesta (im Bett von Herrn Kaltmamsell, weil meins ja schon besuchsfein war) mit einem interessanten Zeichentricktraum.<\/p>\n<p>Aprikosentarte fertig gestellt und gebacken. Am Tisch im Wohnzimmer las ich Internet und die Wochenend-<i>S\u00fcddeutsche<\/i>, bis der Besuch klingelte. Mit der alten Freundin war ich wie schon bei den vergangenen Begegnungen innerhalb von Sekunden in tiefem Gespr\u00e4ch, fast h\u00e4tten wir die Zeit vergessen &#8211; was schlecht gewesen w\u00e4re, denn wir waren sp\u00e4t abends auf einer Geburtstagsfeier eingeladen. Also zogen wir uns schnell um und machten uns fein, die Tarte nahm ich als Mitbringsel mit (und sprengte damit, wie mir sp\u00e4ter erkl\u00e4rt wurde, das gewohnte Konzept der Gastgeberin, die immer f\u00fcr eine so sp\u00e4te Zeit einl\u00e4dt, dass die G\u00e4ste schon zu Abend gegessen haben, und nur Getr\u00e4nke anbietet).<\/p>\n<p>Zur Feier konnten wir in nachlassender Hitze zu Fu\u00df gehen, schon kurz nach unserer Ankunft ging ein Gewitterregen nieder. Angenehme Gespr\u00e4che mit mir unbekannten M\u00fcnchnerinnen und M\u00fcnchnern, leider waren aber die Armschmerzen trotz Ibu mit Macht zur\u00fcckgekehrt. Kurz vor Mitternacht spazierte ich durch feierndes Volk \u00fcber nasse Stra\u00dfen nach Hause.<\/p>\n<p>Abschminken, Z\u00e4hneputzen, dann versuchte ich neben Herrn Kaltmamsell eine Position zu finden, in der die Schmerzen mich schlafen lie\u00dfen.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Dass <a href=\"http:\/\/archiv.radio-cottbus.de\/cms\/index.php?option=com_content&amp;task=view&amp;id=6883&amp;Itemid=133\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">die Geschichte hinter der Bezeichnung Eisdiele<\/a> interessant ist, wusste ich.<br \/>\nNeu war mir, dass auch <i>Ice cream parlor<\/i> solche eine hat:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.merriam-webster.com\/words-at-play\/the-history-of-parlor\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8220;The Silent History of &#8216;Parlor'&#8221;.<\/a> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ssl-vg03.met.vgwort.de\/na\/a05458bbfa25403a872a5d773bc69362\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An jedem f\u00fcnften des Monats fragt Frau Br\u00fcllen: Was machst du eigentlich den ganzen Tag? 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