{"id":4061,"date":"2009-02-26T09:21:10","date_gmt":"2009-02-26T08:21:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=4061"},"modified":"2013-03-25T19:29:37","modified_gmt":"2013-03-25T18:29:37","slug":"drama-im-dritten-stock","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2009\/02\/drama-im-dritten-stock.htm","title":{"rendered":"Drama im dritten Stock"},"content":{"rendered":"<p>Theater und Bloggen haben eines gemeinsam: Es interessiert keine Sau. Sowohl das eine als auch das andere sind absolute Minderheitbesch\u00e4ftigungen.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Bei jedem Theaterbesuch in den vergangenen Monaten wurde mir erneut und mit immer st\u00e4rkerer Intensit\u00e4t bewusst, welch ganz eigene Kunstform Theater ist. Klar gibt es Ber\u00fchrungspunkte mit Literatur (Belletristik wie Sachliteratur), mit Film, mit bildender Kunst \u2013 doch bei genauerer Untersuchung erstaunlich wenige. Theater ist Dar-Stellung ganz besonderer Art. Ein Faktor ist das physische Zusammentreffen von Zuschauern und Darstellern: Ich sitze als Ich im Raum und habe vor mir richtige Menschen, die mir etwas in direkter und aktueller K\u00f6rperlichkeit vorf\u00fchren; wenn die Schauspielerin sich am Vortag das Schienbein an der Fahrradpedale gesto\u00dfen hat, sehe ich den resultierenden blauen Flecken. Dazu kommt die <a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2009\/01\/mehr-theater.htm\" target=_new>bereits angesprochene Freiheit von Aufmerksamkeit und Fokus<\/a>. <\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Ich sollte auch in andere Theater gehen, nicht nur in die Kammerspiele. Vielleicht ist ja vieles von dem, was ich unter \u201each, das ist also deutsches zeitgen\u00f6ssisches Theater\u201c einordne, in Wirklichkeit allein der aktuelle Kammerspiel-Inszenierungsstil.<\/p>\n<p>Zum Beispiel die Besetzung von M\u00e4nnerrollen mit Frauen und die von Frauenrollen mit M\u00e4nnern. Als ich vor drei Jahren die <a href=\"http:\/\/www.muenchner-kammerspiele.de\/stueck.php?ID=436\" target=_new><i>Iphingenie<\/i><\/a> sah, dominierte die Besetzung der Hauptrolle mit Fabian Hinrichs meine Wahrnehmung der gesamten Inszenierung. Mittlerweile habe ich mich ein wenig gew\u00f6hnt. In <a href=\"http:\/\/www.muenchner-kammerspiele.de\/stueck.php?ID=766\" target=_new><i>Hass<\/i><\/a> waren es drei junge Schauspielerinnen, die als franz\u00f6sische Burschen \u00fcber die B\u00fchne randalierten; gestern stellten drei junge Herren die Sozialp\u00e4dagoginnen verschiedenen Alters dar, um die sich das St\u00fcck <a href=\"http:\/\/www.muenchner-kammerspiele.de\/stueck.php?ID=992\" target=_new><i>Kaspar H\u00e4user Meer<\/i><\/a> dreht. Hat man das heute so?<\/p>\n<p>Die Wirkung ist ein weiteres St\u00fcck Distanz von der Geschichte, die erz\u00e4hlt wird. Theater heute sagt mit fast jedem Detail: Wir spielen hier nur, das ist keine Abbildung der Wirklichkeit, sondern k\u00fcnstliche, ge-k\u00fcnstelte Umsetzung. Auf der B\u00fchne stehen keine Kulissen, sondern Gegenst\u00e4nde in Installationsformation. Gestern zum Beispiel: Selbst Schreibtische wurden nicht mit Schreibtischen dargestellt, sondern durch gepolsterte Krankenliegen auf Rollen.<\/p>\n<p>Der Bruch der Fesselung durch die Geschichte (merken Sie, wie sorgsam ich Brechts V-Wort umkurve?) und die physische Einheit von Darstellung und Wahrnehmung schaffen wiederum N\u00e4he. In den ersten zehn Minuten der gestrigen Vorf\u00fchrung tauschten sich auf der B\u00fchne die Sozialp\u00e4dagoginnen vom Jugendamt in einem Schwall von elliptischen S\u00e4tzen \u00fcber ihre Erfahrungen im B\u00fcro und mit den beaufsichtigten Familien aus, als in der ersten Zuschauerreihe ein Handy klingelte. <a href=\"http:\/\/www.muenchner-kammerspiele.de\/ensemble.php?ID=1181\" target=_new>Steven Scharf<\/a> integrierte das sofort in seinen Schwall: \u201eGehen Sie ruhig ran. Ist sicher wichtig. Ihre Tochter? Haben Sie die allein zu Hause gelassen? Werden wir mal nachschauen m\u00fcssen.\u201c <a href=\"http:\/\/www.muenchner-kammerspiele.de\/ensemble.php?ID=1052\" target=_new>Lasse Myhr<\/a> wandte sich bei zwei Texth\u00e4ngern sehr direkt und offensichtlich an den Souffleur: \u201eViktor?\u201c Als gegen Ende des St\u00fcckes zwei Zuschauerinnen etwas \u00fcberst\u00fcrzt den Raum verlie\u00dfen, unterbrach sich <a href=\"http:\/\/www.muenchner-kammerspiele.de\/ensemble.php?ID=823\" target=_new>Sebastian Weber<\/a> sofort: \u201eEin Unfall? Sollen wir jemand holen?\u201c und wartete mit dem Weiterspielen, bis alles geregelt war. <\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass in den Besprechungen von Theaterauff\u00fchrungen nie erw\u00e4hnt wird, wenn einer oder mehrere Darsteller nicht textsicher sind? Nicht dass das besonders wichtig w\u00e4re, zumal die Auff\u00fchrungen oft Monate auseinander liegen und die Schauspieler in mehreren St\u00fccken gleichzeitig auftreten.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Den Werkraum der Kammerspiele, in dem <i>Kaspar H\u00e4user Meer<\/i> aufgef\u00fchrt wurde, musste ich etwas suchen. Da ich mit einer <a href=\"http:\/\/www.theater.ingolstadt.de\/frameset.cfm?case=spielstaetten\" target=_new>\u201eWerkstattb\u00fchne\u201c<\/a> sozialisiert wurde, die ebenerdig lag und einfach ein kleiner Auff\u00fchrungsraum war, \u00fcberraschte mich die Lage des Werkraums im dritten Stock. Ich mochte den Ort aber gleich.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Ich glaube, ich will mal ein Theaterst\u00fcck schreiben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Theater und Bloggen haben eines gemeinsam: Es interessiert keine Sau. Sowohl das eine als auch das andere sind absolute Minderheitbesch\u00e4ftigungen. \u00a7 Bei jedem Theaterbesuch in den vergangenen Monaten wurde mir erneut und mit immer st\u00e4rkerer Intensit\u00e4t bewusst, welch ganz eigene Kunstform Theater ist. Klar gibt es Ber\u00fchrungspunkte mit Literatur (Belletristik wie Sachliteratur), mit Film, mit [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,12],"tags":[],"class_list":["post-4061","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-general","category-theater"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4061","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4061"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4061\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":16013,"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4061\/revisions\/16013"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4061"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4061"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4061"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}