{"id":42475,"date":"2018-01-26T06:38:04","date_gmt":"2018-01-26T05:38:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=42475"},"modified":"2018-01-26T06:38:04","modified_gmt":"2018-01-26T05:38:04","slug":"journal-donnerstag-25-januar-2018-party-der-mythologien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2018\/01\/journal-donnerstag-25-januar-2018-party-der-mythologien.htm","title":{"rendered":"Journal Donnerstag, 25. Januar 2018 &#8211; Party der Mythologien"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/180125_01_St_Paul.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-42484\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/180125_01_St_Paul.jpg\" alt=\"\" width=\"572\" height=\"414\" \/><\/a><\/p>\n<p>St. Paul in den Armen der rosenfingrigen Eos. Ich bin auf den letzten Seiten von Stephen Frys <i>Mythos<\/i> und lese es gerne. Vielleicht sollte Fry auch mal einen Schwung Heiligenlegenden in seinen Worten aufschreiben? Die sind ja ebenfalls recht saftig, wenn auch nicht so sch\u00f6n verwoben und verflochten wie die griechische Mythologie. Und wenn man <i>dann<\/i> mal die christlichen, antiken, gerne auch buddhistischen G\u00f6tter in einer Welt miteinander agieren lie\u00dfe: M\u00fcsste spannend werden.<\/p>\n<p>Auf dem feierabendlichen Heimweg lie\u00df ich an der K\u00e4setheke des Hertie meinen Gel\u00fcsten freien Lauf.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/180125_08_Nachtmahl.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-42485\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/180125_08_Nachtmahl.jpg\" alt=\"\" width=\"462\" height=\"452\" \/><\/a><\/p>\n<p>Dazu gab&#8217;s Postelein aus Ernteanteil, Birnen und Chablis.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Wurde seit Onliestellen am Dienstag in meinem Internet kontinuierlich durchempfohlen, doch erst gestern kam ich zum Lesen: Die m\u00f6glicherweise gr\u00f6\u00dftartige Besprechung einer Rede jemals, n\u00e4mlich der von Andrea Nahles auf dem SPD-Sonderparteitag von Mely Kiyak (keine Highlight-Zitate, bitte ganz selber lesen):<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/kultur\/2018-01\/andrea-nahles-spd-parteitag-rede-deutschstunde\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8220;Sechseinhalb Minuten Inferno&#8221;.<\/a><\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Interview der <i>SZ<\/i> mit Sozialwissenschaftlerin Naika Foroutan zu Integration:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/integration-deutschland-steht-unter-erheblicher-spannung-1.3837398\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8220;&#8216;Deutschland steht unter erheblicher Spannung'&#8221;.<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Gut die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung will keine diverse Gesellschaft; sie sehnt sich nach einer Reduktion der vieldeutigen Angebote. Sie wollen Klarheit &#8211; und das in einer Zeit, in der Geschlechter, Nationalit\u00e4ten, Kulturen und politische Lager vieldeutig werden.<\/p><\/blockquote>\n<p>(&#8230;)<\/p>\n<blockquote><p>Das Selbstverst\u00e4ndnis, wer wollen wir sein, wird immer wieder neu ausgehandelt. Produktiv bis aggressiv bis teilnahmslos. Dabei ist das Jahr 2001 ein besonderer Einschnitt. Das neue Staatsangeh\u00f6rigkeitsrecht f\u00fchrte dazu, dass nicht mehr das Blut-, sondern auch das Bodenrecht z\u00e4hlte. Dass also, wer hier geboren wird, auch den deutschen Pass erh\u00e4lt. Und dazu kam, dass sich viele schneller einb\u00fcrgern lassen konnten. Das f\u00fchrte dazu, dass vor allem am Anfang viele Migranten diese M\u00f6glichkeit genutzt haben. Und das hat irritiert. Wie sollte man die denn ansprechen, die bisher T\u00fcrken oder Iraner waren und pl\u00f6tzlich Deutsche wurden. Ein fundamentaler, ein historischer Einschnitt.<\/p>\n<p><strong>Warum?<\/strong><\/p>\n<p>Weil ein Grundgef\u00fchl auf den Kopf gestellt wurde. Nach dem Motto: der war doch bis gestern noch T\u00fcrke, wie kann der heute Deutscher sein? Prompt brach mit Vehemenz die Debatte um die Leitkultur auf. F\u00fcr manche war klar: so einfach darf das doch nicht sein, Deutscher zu werden und zu sein. Heute leben in diesem Land 18,6 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund &#8211; davon zehn Millionen Deutsche. Das Deutschsein hat sich ver\u00e4ndert. Immer mehr Menschen, die anders aussehen, fremd klingende Namen haben und Zuhause auch andere Sprachen sprechen, nehmen f\u00fcr sich in Anspruch, auch deutsch zu sein. Und formen daraus ein neues deutsches Narrativ. Doch parallel w\u00e4chst die Verunsicherung, wer denn nun wer ist. Und es w\u00e4chst die Sehnsucht nach dem alten Deutschland, wo vermeintlich alles viel klarer war.<\/p><\/blockquote>\n<p>(&#8230;)<\/p>\n<blockquote><p>Desintegration ist f\u00fcr eine Gesellschaft immer destruktiv. Ganz egal, wer sich abwendet und an welcher Stelle die Risse zu Gr\u00e4ben werden. Wenn jemand keinen Arbeitsplatz hat, wenn jemand nicht am Bildungssystem teilhaben kann, wenn jemand in St\u00e4dten wohnt, in denen die Infrastruktur wegbricht oder wenn jemand keinen Zugang zu Kultur hat &#8211; das alles sind Personen, die sich wom\u00f6glich abwenden. Sie sind desintegriert. Das betrifft auch viele herkunftsdeutsche Menschen, die nie migriert sind. Migration ist kein Code f\u00fcr Abgeh\u00e4ngtsein und Deutsch kein Code f\u00fcr Integriertsein. Die Politik muss das endlich begreifen.<\/p>\n<p><strong>Tut sie das nicht?<\/strong><\/p>\n<p>Nein. Union und SPD haben in den Sondierungsgespr\u00e4chen bislang nur mutlose integrationspolitische Vorschl\u00e4ge abgeliefert, die die ganze Debatte um Integration mit Zuwanderungsbeschr\u00e4nkung verbinden, statt mal darauf zu schauen, wie gro\u00df die Notwendigkeit eines umfassenden Integrationsangebots f\u00fcr die gesamte Gesellschaft ist. Die s\u00e4chsische Integrationsbeauftragte hat berichtet, dass ihr M\u00e4nner aus ihrem Bundesland immer wieder sagen: integriert doch erst mal uns! Das ist nicht als Polemik zu lesen, sondern als ein ganz klarer Appell. Wenn wir eine moderne, integrative Gesellschaft sein wollen, dann m\u00fcssen wir post-migrantisch denken.<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>St. Paul in den Armen der rosenfingrigen Eos. Ich bin auf den letzten Seiten von Stephen Frys Mythos und lese es gerne. Vielleicht sollte Fry auch mal einen Schwung Heiligenlegenden in seinen Worten aufschreiben? 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