{"id":42944,"date":"2018-02-24T10:02:49","date_gmt":"2018-02-24T09:02:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=42944"},"modified":"2018-02-25T20:18:29","modified_gmt":"2018-02-25T19:18:29","slug":"journal-freitag-23-februar-2018-bahn-nach-bonn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2018\/02\/journal-freitag-23-februar-2018-bahn-nach-bonn.htm","title":{"rendered":"Journal Freitag, 23. Februar 2018 &#8211; Bahn nach Bonn"},"content":{"rendered":"<p>Seit Tagen schon freute ich mich auf die Bahnfahrt nach Bonn &#8211; ja genau, auf die Fahrt selbst. Herr Kaltmamsell und ich hatten uns f\u00fcr die l\u00e4ngere und l\u00e4nger dauernde Verbindung entschieden, weil sie ein Umsteigen unn\u00f6tig machte. Und so freute ich mich auf sechs Stunden M\u00fc\u00dfiggang mit wechselnder Aussicht und in angenehmer Gesellschaft (aber auch Fahrten allein empfinde ich fast immer als Auszeit). Ich machte bereits kurz nach Mittag Feierabend, holte mir am Bahnhof nach Langem mal wieder eine Leberk\u00e4ssemmel als Mittagessen und traf mich mit meinem Reisebegleiter am Gleis.<\/p>\n<p>Und tats\u00e4chlich nahm der EC die alte Strecke, die ab Mainz den Rhein entlang f\u00e4hrt. Es d\u00e4mmerte schon sehr, doch der Ausblick aus dem Fenster bot wieder Disney-Deutschland der Romantik: Burgen, T\u00fcrmchen, St\u00e4dtchen, Weinberge. Vorher war kurz vor Stuttgart der Schnee verschwunden, kurz vor Mannheim riss der Himmel auf und die Sonne schien.<\/p>\n<p>\u00c4rgerlich war das praktisch nicht vorhandene Funknetz, selbst an den Bahnh\u00f6fen herrschte oft nur Edgingen. Als verschmerzbar empfand ich hingegen die abschlie\u00dfend 15 Minuten Versp\u00e4tung, die uns ein Halt auf freier Strecke wegen Bahn\u00fcbergangsst\u00f6rungen verschafft hatte &#8211; schlie\u00dflich hatten wir keinen Anschlusszug zu erwischen.<\/p>\n<p>Das mit dem Bahn\u00fcbergang hatte allerdings eine \u00fcberraschende Fortsetzung: Als wir im S\u00fcden Bonns ins Hotel gehen wollten, stand zwischen der Tram-Haltestelle (Stra\u00dfenbahnen fahren in Bonn gerne mal unterirdisch, wir irrten am Bahnhof eine ganze Weile umher, bis wir die vorher recherchierte Stra\u00dfenbahnlinie hinter dem Hinweis &#8220;U&#8221; fanden) und dem Hotel ein beschrankter Bahn\u00fcbergang. An dem bei unserer Ankunft bereits ein Gr\u00fcppchen Fu\u00dfg\u00e4nger, Radfahrer und eine beachtliche Schlange Autos wartete. Es dauerte vier Z\u00fcge, bis sich die Schranke \u00f6ffnete. Der Weg zum Restaurant f\u00fchrte uns denselben Weg zur\u00fcck, bei ge\u00f6ffneter Schranke. Doch um nach einem sehr wohlschmeckenden italienischen Abendessen ins Bett zu kommen, musste wir wieder mit vielen anderen an der Bahnschranke warten, diesmal f\u00fcnf Z\u00fcge lang. Andere, die zur selben Samstags-Veranstaltung angereist waren wie wir, kamen am sp\u00e4teren Abend gleich gar nicht mehr zu einem Abendessen, weil die Schranke sich auch nach zehn Z\u00fcgen nicht \u00f6ffnete.<\/p>\n<p>Ich war reichlich verdutzt, denn beschrankte Bahn\u00fcberg\u00e4nge habe ich schon seit Jahrzehnten nicht mehr in deutschen St\u00e4dten erlebt. In Bonn aber, so lie\u00df ich mir inzwischen von einer Bonnerin erkl\u00e4ren, ist das ein Feature:<\/p>\n<blockquote><p>In Bonn hei\u00dft es &#8220;entweder et is am r\u00e4\u00e4ne oder de Schranke sin zo&#8221;, aber ich sage euch: Oft ist die Schranke zu und GLEICHZEITIG REGNET ES.<\/p><\/blockquote>\n<p>(John Le Carr\u00e9 hat laut Techniktagebuch-Chat in <i>A Small Town in Germany<\/i> exakt dieses auf Englisch festgehalten.)<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Ich bin ja so froh, wenn ich mich mal \u00fcber was <i>nicht<\/i> aufrege. Anscheinend sind seit einiger Zeit nackte Kn\u00f6chel modisch so angesagt, dass junge Damen und Herren auch bei den derzeitigen Minusgraden mit kn\u00f6chelfreier Hose und Sneakersocken in Turnschuhen herumlaufen. Und w\u00e4hrend ich zum Beispiel lange Vollb\u00e4rte scheu\u00dflich finde, mir Vollb\u00e4rte ohnehin seit ca. 3 Jahren zum Hals raush\u00e4ngen &#8211; finde ich blo\u00dfe Kn\u00f6chel sehr h\u00fcbsch, und kann mit ihrer Unvernunft bei winterlicher K\u00e4lte bestens leben. Das hat allerdings damit zu tun, dass meine Jugend in die Zeit der Angora- und Mohairpullis mit Fledermaus\u00e4rmeln und soooo tiefem R\u00fcckenausschnitt fiel, die ich wundersch\u00f6n fand und auch trug (Benetton, dunkelblaues Angora, f\u00fcr 5 Mark auf dem Flohmarkt in der Herrenschwaige gekauft) &#8211; was die Erwachsenen ausgesprochen bescheuert fanden (O-Ton Mutter Kaltmamsell: &#8220;Oiso, <i>entweder<\/i> an warma Pulli <i>oder<\/i> an tiefen Ausschnitt!&#8221;).<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Diese Illustratorin und Malerin kannte ich schon, als sie vor 28 Jahren noch f\u00fcr andere Maler Leinw\u00e4nde aufzog. Macht sie schon lange nicht mehr, Tina Berning illustriert untern anderem f\u00fcr die <i>Zeit<\/i>, den <i>stern<\/i>, die <i>New York Times<\/i>. <a href=\"https:\/\/tina-berning.myshopify.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Seit gestern hat sie einen Online-Shop, in dem man Drucke und Originale kaufen kann.<\/a> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ssl-vg03.met.vgwort.de\/na\/7558ec44bfb14db08875184be6b12d28\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n<p><i>Nachtrag: Der Titel des Le Carr\u00e9-Romans war zun\u00e4chst falsch als angef\u00fchrt worden, am 25.2. korrigiert.<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit Tagen schon freute ich mich auf die Bahnfahrt nach Bonn &#8211; ja genau, auf die Fahrt selbst. Herr Kaltmamsell und ich hatten uns f\u00fcr die l\u00e4ngere und l\u00e4nger dauernde Verbindung entschieden, weil sie ein Umsteigen unn\u00f6tig machte. 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