{"id":43049,"date":"2018-02-26T06:40:00","date_gmt":"2018-02-26T05:40:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=43049"},"modified":"2024-03-09T08:55:30","modified_gmt":"2024-03-09T07:55:30","slug":"journal-sonntag-25-februar-2018-rueckreise-von-bonn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2018\/02\/journal-sonntag-25-februar-2018-rueckreise-von-bonn.htm","title":{"rendered":"Journal Sonntag, 25. Februar 2018 &#8211; R\u00fcckreise von Bonn"},"content":{"rendered":"<p>Ausgeschlafen, wegen bewusst wenig Alkohol auf dem Fest keine Migr\u00e4negefahr.<br \/>\nGebloggt, dann machten wir uns in eisiger Sonne auf den Weg zur Tramstation. Auf dem sich direkt vor uns die Bahnschranke senkte. Ich hatte meinen Begleiter gerade dazu \u00fcberredet, einen Umweg zur Fu\u00dfg\u00e4ngerunterf\u00fchrung zu machsen (bei dieser K\u00e4lte werden bereits f\u00fcnf bis zehn Minuten Rumstehen sehr ungem\u00fctlich), als sich die Schranke nach dem ersten durchgefahrenen Zug wieder hob.<\/p>\n<p>Tramfahrt eine halbe Stunde bis Siegburg (diese Gegend ist \u00d6ffi-technisch verwirrend), wo wir noch Zeit f\u00fcr einen Fr\u00fchst\u00fcckskaffee und Brotzeiteink\u00e4ufe hatten, bevor wir uns in den ICE nach M\u00fcnchen setzten. Die meiste Zeit der Strecke waren wir umgeben von US-amerikanischen Teenagern, deren Gespr\u00e4che \u00fcber Gastfamilien, B\u00fcrokratie ihres Aufenthalts und Unterschiede Deutschland\/USA hochinteressant waren (immer noch bestehen 25% der S\u00e4tze dieser Bev\u00f6lkerungsgruppe aus &#8220;like&#8221; &#8211; geht das mal weg?). W\u00e4hrend des Lauschens las ich die Wochenend-<em>SZ<\/em> &#8211; gekauft am Bahnhof in Siegburg, weil mir mein abonniertes Exemplar sicher geliefert worden war, allerdings vor der Wohnungst\u00fcr in M\u00fcnchen lag, und ich wollte sie halt jetzt lesen.<\/p>\n<p>Kurz vor Stuttgart schloss sich die Schneedecke. Daheim erst mal alle Heizk\u00f6rper aufgedreht, ich war sehr froh \u00fcber moderne Technik.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Im <i>Hamburger Abendblatt<\/i> befasst sich ein Essay mit den Problemen, die der Individualverkehr mit Privatautos dadurch verursacht, dass die Riesendinger die weitaus meiste Zeit ungenutzt herumstehen:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.abendblatt.de\/meinung\/article213537549\/Es-gibt-kein-Recht-auf-Parkplaetze.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8220;Es gibt kein Recht auf Parkpl\u00e4tze&#8221;.<\/a><\/p>\n<p>Folgerichtiger Vorschlag:<\/p>\n<blockquote><p>Kaum etwas ist in St\u00e4dten wie Hamburg so knapp und kostbar wie Platz. M\u00fcssten Autobesitzer eine marktkonforme Grundst\u00fcckspacht f\u00fcr die zum Parken genutzten zw\u00f6lf bis 20 Quadratmeter \u00f6ffentlicher Fl\u00e4che zahlen, w\u00fcrde das Autofahren in Metropolen schlagartig viel teurer. Weil es einen realistischen Preis bek\u00e4me.<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/twitter.com\/Elfengleich\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sandra Wiegard<\/a> hat einen sch\u00f6nen Artikel aus der <i>S\u00fcddeutschen<\/i> von 2005 ausgegraben:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.gabriele-farke.de\/sued.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8220;Blogs<br \/>\nDie gro\u00dfe B\u00fchne der Einsamen&#8221;.<\/a><\/p>\n<p>2005 schrieb Helmut-Martin Jung:<\/p>\n<blockquote><p><strong>Im Ozean der Banalit\u00e4ten<\/strong><\/p>\n<p>Sieben Millionen Menschen sind es einer im Januar ver\u00f6ffentlichten Studie zufolge allein in den USA, die mehr oder weniger regelm\u00e4\u00dfig aufschreiben, was sie bewegt: Privates wie Politisches, Intimes und Irritierendes, Bedeutsames und Banales.<\/p>\n<p>Jeden Tag entstehen weltweit Tausende neue Blogs. Doch die meisten dieser Internet-Tageb\u00fccher fristen ein eher trauriges Dasein irgendwo auf den Abstellgleisen des Webs, und: Selbst von den Internet-Benutzern in den USA wissen zwei Drittel gar nicht, was das sein soll, ein Blog.<\/p><\/blockquote>\n<p>(&#8230;)<\/p>\n<blockquote><p>Viele tun sich schwer, sehr schwer, wieder aufzutauchen aus der Blogosph\u00e4re: \u201eDie Suchtgefahr ist nicht zu leugnen\u201c, sagt Gabriele Farke, Autorin eines Buches \u00fcber Online-Abh\u00e4ngigkeit, die zugleich die Internetseite onlinesucht.de betreibt.<\/p>\n<p>\u201eEs ist gnadenlos, was da in den Gest\u00e4ndnissen r\u00fcberkommt.\u201c Schon fr\u00fcher \u00f6ffneten viele in Foren schonungslos ihre Herzen, aber anonym, \u201edas hat ja nie jemand gesehen\u201c. Nun aber, bei den Blogs, \u201ew\u00fcnschen sich die Leute das\u201c.<\/p><\/blockquote>\n<p>(&#8230;)<\/p>\n<blockquote><p>\u201eIst es bedenklich, wenn man von jedem neuen Hotel schon den Katalog auf INet-Anschluss checkt und auf dem Zimmer als erstes Ausschau h\u00e4lt, ob es einen LAN-Anschluss gibt?\u201c, fragt sich der Blogger Stefan Nagelschmitt \u2013 auf seinem Blog.<\/p>\n<p>\u201eOder f\u00e4ngt es erst wirklich an, gef\u00e4hrlich zu werden, wenn man nachts 2,5 Stunden in der K\u00e4lte auf einer Biergarnitur vor einem geschlossenen Kiosk sitzt, um den Access Point eines ebenfalls geschlossenen Jazz Caf\u00e9s auf der gegen\u00fcberliegenden Stra\u00dfenseite zu nutzen?\u201c<\/p>\n<p>Wer kann das schon genau sagen? Sicher ist, das zeigen Gabriele Farkes Erfahrungen mit Online-S\u00fcchtigen, dass viele Menschen sich v\u00f6llig abkapseln von ihrem fr\u00fcheren Leben und einfach kein Interesse mehr daran aufbringen, sich mit realen Menschen an realen Orten zu treffen.<\/p>\n<p><strong>Leben in der eigenen Welt<\/strong><\/p>\n<p>Besuch wird ihnen l\u00e4stig, Partnerschaft und Job leiden unter dem st\u00e4ndigen Zwang, nur ja nichts zu verpassen, auch an dem unvermeidlichen Schlafmangel. Und in der Familie f\u00fchlen sich S\u00fcchtige als Au\u00dfenseiter, die in ihrer eigenen Welt leben.<\/p><\/blockquote>\n<p>Nat\u00fcrlich ist es billig, sich 13 Jahre sp\u00e4ter \u00fcber diese Aussagen lustig zu machen: Der Mensch ist nun mal beweisbar schlecht in Prognosen \u00fcber die Auswirkung technischer Entwicklungen. Aber leider: Es <i>w\u00e4re<\/i> billig, l\u00e4sen sich die meisten Einsch\u00e4tzungen von Online-Medien nicht heute praktisch noch genauso.<\/p>\n<p>Auf der riesigen Geburtstagsfeier am Samstagaben \u00fcbrigens hatte die Gastgeberin mehrere Dutzende Menschen eingeladen, mit denen sie \u00fcber folgende Schnittpunkte befreundet war: Blogs, Gemeinschaftsblog, Familie, Online-Forum, Chor, Ferienhaus im S\u00fcden. Ganz offensichtlich eine S\u00fcchtige und Au\u00dfenseiterin.<\/p>\n<p>(Und wegen dieser Einladung musste ich das zweite #rgmuc absagen, zu dem <a href=\"http:\/\/cucina-casalinga.blogspot.de\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Cucina casalinga<\/a> Bloggerinnen und Twitterinnen zusammengerufen hatte.) <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ssl-vg03.met.vgwort.de\/na\/3f51af91abd04ff3af531f1180cc1eb8\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ausgeschlafen, wegen bewusst wenig Alkohol auf dem Fest keine Migr\u00e4negefahr. Gebloggt, dann machten wir uns in eisiger Sonne auf den Weg zur Tramstation. Auf dem sich direkt vor uns die Bahnschranke senkte. 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