{"id":4358,"date":"2009-04-08T08:32:50","date_gmt":"2009-04-08T06:32:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=4358"},"modified":"2009-04-09T16:48:36","modified_gmt":"2009-04-09T14:48:36","slug":"ein-tag-wie-aus-einer-frauenzeitschrift","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2009\/04\/ein-tag-wie-aus-einer-frauenzeitschrift.htm","title":{"rendered":"Ein Tag wie aus einer Frauenzeitschrift"},"content":{"rendered":"<p>Sonst hat mein Alltag sehr wenig mit den Themen in Hochglanz-Frauenzeitschriften zu tun.<sup><a href=\"#footnote_1_4358\" id=\"identifier_1_4358\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Apropos: Sein&lsquo;S ma net b&ouml;s &ndash; der Tod der Amica war ja wohl eine Erl&ouml;sung. Als sie ihrerzeit (Anfang 90er?) die Szene betrat, war ihr Konzept erfrischend: Sehr Heul-nicht-tu-was!-feministisch, voll Lebensfreude und neuer Magazinideen, komplett di&auml;tfrei, mit abgefahrenen Fotos &ndash; typisch damalige Milchstra&szlig;e halt. Ich identifizierte mich sehr mit dem dargestellten Frauenbild. Burda machte daraus ein Hochglanz-Modeheft mit dem Tiefgang eines Papierschiffchens.\">1<\/a><\/sup> Mein gestriger Tag allerdings h\u00e4tte dort prima hineingepasst.<\/p>\n<p>Den Vormittag verbrachte ich mit Kuchenbacken. Nach einer Mahlzeit aus Orangen, Bananen und H\u00fcttenk\u00e4se (ich habe derzeit einen ungeheuren Obst-Gieper) ging ich zur Kosmetikerin. Gesichtsbehandlungen kenne ich, diesmal aber g\u00f6nnte ich mir zum ersten Mal im Leben auch Fu\u00dfpflege. Einfach so. Weil ich Urlaub habe. Zun\u00e4chst bekam ich ein mit Salzen versehenes und elektrisch gewurbeltes Fu\u00dfbad. Dann beseitigte die Kosmetikerin Hornhaut mit elektrischen Bohrern und Feilen, bevor sie N\u00e4gel schnitt und Nagelhaut entfernte. Abschlie\u00dfend wurden meine F\u00fc\u00dfe eingecremt. Sie f\u00fchlten sich so toll an und sahen so sch\u00f6n aus, dass ich sie eigentlich nie wieder in Schuhe stecken wollte.<\/p>\n<p>Auch die ausgiebige Gesichtspflege genoss ich sehr. Diesmal hatte ich mir ganz fest vorgenommen mitzuz\u00e4hlen, wie viele verschiedenen Cremes, Milche, Masken und Tonics verwendet wurden, kam aber nach dem sechsten Durchgang durcheinander. Reinigungsmilch, Gesichtswasser, Peeling, Tonic, Gel, Dampf mit \u00e4therischen \u00d6len, Serum, Massage\u00f6l, Gesichtswasser, Maske, Tonic, Creme &#8211; oder so \u00e4hnlich. Neu und besonders angenehm war mir, dass w\u00e4hrend des Einwirkens einer Maske Unterarme und H\u00e4nde mit Creme massiert wurden.<\/p>\n<p>Streichf\u00e4hig entspannt nahm ich das n\u00e4chste Projekt in Angriff: Jeanskauf. Um mit Hose UND intaktem Selbstwertgef\u00fchl heim zu kommen, steuerte ich den Konen an. Und kann hiermit berichten: <a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2007\/02\/spiesserfreuden-kleidung.htm\">Das Konen-Erlebnis<\/a> funktioniert auch bei Jeans. Ich schilderte einer Verk\u00e4uferin inmitten von Jeansstapeln, so weit das Auge reichte, welche ich mir vorstellte: Bootcut (das hei\u00dft so und meint bequeme, gerade Hosenbeine), etwas tiefere Taille, dunkelblau, ohne Glitzer. Eins, zwei, drei hatte die Dame mir aus verschiedenen Stapeln einige Exemplare gezupft und f\u00fchrte mich damit in die Umkleidekabine. An dieser Stelle wird es immer kritisch: Was einem der Spiegel hier drin zeigt, kann jahrelange Psychotherapien zunichte machen. Aber, was soll ich sagen: Der Spiegel war sehr freundlich, keine der Jeans sah an mir entsetzlich aus, eine sogar richtig gut, und das zeitgen\u00f6ssische <a href=\" http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Vanity_sizing\" target=_new><i>vanity sizing<\/i><\/a> gaukelte mir vor, dass ich noch die selbe Jeansgr\u00f6\u00dfe trage wie vor 18 Jahren.<\/p>\n<p>Eigentlich h\u00e4tte das Frauenzeitschriftsfrauenstereotyp jetzt verlangt, dass ich in \u201eShopping\u201c ausbreche, bis ich mit f\u00fcnf bis zehn Markent\u00fcten beh\u00e4ngt seufzend in einem Stra\u00dfencaf\u00e9 lande &#8211; aber das kann ich wirklich nicht. Au\u00dferdem hatte ich noch etwas vor: Zwei Stunden lustiges Steigen und Springen zu billiger Musik, genannt Stepaerobics. Welches ja doch wieder frauenzeitschriftkompatibel war.<\/p>\n<ol class=\"footnotes\"><li id=\"footnote_1_4358\" class=\"footnote\">Apropos: Sein\u2018S ma net b\u00f6s &#8211; der <a href=\" http:\/\/meedia.de\/nc\/details\/article\/burda-stellt-frauen-zeitschrift-amica-ein_100019308.html\" target=_new>Tod der <i>Amica<\/i><\/a> war ja wohl eine Erl\u00f6sung. Als sie ihrerzeit (Anfang 90er?) die Szene betrat, war ihr Konzept erfrischend: Sehr Heul-nicht-tu-was!-feministisch, voll Lebensfreude und neuer Magazinideen, komplett di\u00e4tfrei, mit abgefahrenen Fotos &#8211; typisch damalige Milchstra\u00dfe halt. Ich identifizierte mich sehr mit dem dargestellten Frauenbild. Burda machte daraus ein <a href=\" https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2008\/08\/zeitschriftenfrauen.htm\">Hochglanz-Modeheft mit dem Tiefgang eines Papierschiffchens<\/a>.<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_1_4358\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/span><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sonst hat mein Alltag sehr wenig mit den Themen in Hochglanz-Frauenzeitschriften zu tun.1 Mein gestriger Tag allerdings h\u00e4tte dort prima hineingepasst. Den Vormittag verbrachte ich mit Kuchenbacken. Nach einer Mahlzeit aus Orangen, Bananen und H\u00fcttenk\u00e4se (ich habe derzeit einen ungeheuren Obst-Gieper) ging ich zur Kosmetikerin. 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