{"id":459,"date":"2004-07-13T11:25:39","date_gmt":"2004-07-13T09:25:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2004\/07\/wirtschaftsfrust.htm"},"modified":"-0001-11-30T00:00:00","modified_gmt":"-0001-11-29T22:00:00","slug":"wirtschaftsfrust","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2004\/07\/wirtschaftsfrust.htm","title":{"rendered":"Wirtschaftsfrust"},"content":{"rendered":"<p>Heute auf der 3 der <i>SZ<\/i> den Artikel \u00fcber private K\u00e4ufer gelesen? \u201e<a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/artikel\/142\/35107\/\" target=_new>Geizrepublik Deutschland<\/a>\u201c? Auch so frustriert gewesen? Ich will einfach nicht glauben, dass ich zu einer Minderheit geh\u00f6re, wenn ich hier eine direkte Verbindung zum Streben nach l\u00e4ngeren Arbeitszeiten sehe.<\/p>\n<p>Die Quintessenz: Der Preis ist bei vertretbarer Qualit\u00e4t das st\u00e4rkste Verkaufsargument f\u00fcr deutsche Konsumenten. Auch wenn es in dem <i>SZ<\/i>-Artikel in erster Linie um das Verschwinden von kleinen Gesch\u00e4ften ging &#8211; diese Kaufhaltung bedeutet, dass sich nur die billisten Produkte auf dem Markt halten k\u00f6nnen. Damit sie f\u00fcr den Hersteller Profit abwerfen k\u00f6nnen, m\u00fcssen sie billiger produziert als verkauft werden. Bei den meisten Produkten ist der gr\u00f6\u00dfte Anteil der Herstellungskosten der Preis der Arbeit, bei Dienstleistungen fast ganz. Damit ein deutsches Unternehmen Profit abwerfen kann, m\u00fcssen die Arbeitskosten runter, also die L\u00f6hne. Das wird derzeit durch eine Erh\u00f6hung der Wochenarbeitszeit bei gleicher Bezahlung angestrebt &#8211; ergibt n\u00e4mlich sinkende St\u00fcckkosten.<\/p>\n<p>Und bittesch\u00f6n bei \u201eUnternehmensprofit\u201c nicht an den gro\u00dfkapitalistischen Fabrikbesitzer denken, mit Stresemann, Melone und Zigarre. Statt dessen an Aktion\u00e4re, die eine Gegenleistung f\u00fcr das viele Geld sehen wollen, das sie ins Unternehmen gesteckt haben. Hier bittesch\u00f6n erst mal den Kleinaktion\u00e4r einsetzen, f\u00fcr den das selbstverst\u00e4ndlich ist; schlie\u00dflich hat er durch Aktienkauf \u201eGeld angelegt\u201c, er will also mehr zur\u00fcck, als er gezahlt hat. Das geht nur durch Unternehmensgewinn. Genau so kalkulieren auch Gro\u00dfaktion\u00e4re.<\/p>\n<p>Doch warum sollte jemand mehr als den geringst m\u00f6glichen Preis f\u00fcr ein Produkt zahlen wollen? Wir erinnern uns: \u201eIch bin doch nicht bl\u00f6d!\u201c F\u00fcr sein Geld will jeder m\u00f6glichst viel haben. Am deutlichsten sind die Auswirkungen bei Lebensmitteln: M\u00f6glichst billiges Fleisch geht nur bei grausamer Massentierhaltung, m\u00f6glichst billiges Gem\u00fcse nur durch Monokultur und durch die Ausbeutung illegaler Einwanderer.<\/p>\n<p>Auch das m\u00f6glichst beste Handy muss m\u00f6glichst billig sein. Wie kann sich da jemand \u00fcber die aktuellen Ver\u00e4nderungen im Siemens-Konzern wundern? Erst vergangenen Sonntag musste ich mir das Lamento eines alten IG-Metallers anh\u00f6ren &#8211; der selbst Siemens-Aktien besitzt und selbstverst\u00e4ndlich eine j\u00e4hrliche Rendite daf\u00fcr sehen m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Die faule Stelle ganz unten, auf die all diese Missst\u00e4nde zur\u00fcckzuf\u00fchren sind, ist: F\u00fcr sein Geld will jeder m\u00f6glichst viel haben. Oder einfach: Jeder will m\u00f6glichst viel haben. Und mein Frust resultiert aus der Gewissheit, dass das ein unver\u00e4nderliches Charakertistikum der menschlichen Art ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute auf der 3 der SZ den Artikel \u00fcber private K\u00e4ufer gelesen? \u201eGeizrepublik Deutschland\u201c? Auch so frustriert gewesen? Ich will einfach nicht glauben, dass ich zu einer Minderheit geh\u00f6re, wenn ich hier eine direkte Verbindung zum Streben nach l\u00e4ngeren Arbeitszeiten sehe. Die Quintessenz: Der Preis ist bei vertretbarer Qualit\u00e4t das st\u00e4rkste Verkaufsargument f\u00fcr deutsche Konsumenten. [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-459","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-general"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/459","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=459"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/459\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=459"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=459"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=459"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}