{"id":47971,"date":"2018-11-05T07:05:45","date_gmt":"2018-11-05T06:05:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=47971"},"modified":"2018-11-05T07:05:45","modified_gmt":"2018-11-05T06:05:45","slug":"journal-sonntag-4-november-2018-the-children-act","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2018\/11\/journal-sonntag-4-november-2018-the-children-act.htm","title":{"rendered":"Journal Sonntag, 4. November 2018 &#8211; <i>The Children Act<\/i>"},"content":{"rendered":"<p>Endlich mal wieder im Kino, wohlbekanntes Gef\u00fchl des Heimkommens in eine ganz spezielle Geborgenheit &#8211; und das, obwohl ich in diesem Kino, dem neuen Metropol, vorher noch nie gewesen war.<\/p>\n<p>Nach einer ausf\u00fchrlichen Runde Crosstrainer und neuem Rumpfprogramm nahm ich eine Tram nach Schwabing, um <i>The Children Act<\/i> anzusehen, die letzte M\u00f6glichkeit. Der Roman hatte mir nur so mittel gefallen, zumal ich auf Ian McEwans Trick hereingefallen war zu behaupten, das Ganze beruhe auf einer wahren Geschichte (tut es nicht). Doch die zentrale Figur der britischen Richterin war mir sehr lebendig im Ged\u00e4chtnis geblieben, und da sie auch noch von der verl\u00e4sslich sensationellen Emma Thompson gespielt wird, wollte ich die Verfilmung unbedingt sehen. Vor allem wegen Thompson gefiel sie mir dann auch sehr gut.<\/p>\n<p>Das Drehbuch (auch von Ian McEwan) konzentriert sich noch mehr auf den zentralen Charakter der Richterin Fiona May und arbeitet ihre Konflikte heraus &#8211; auch wenn sie nur unausgesprochen in der Richterin stattfinden. Im Roman wird das seltsam altert\u00fcmliche britische Richtersystem ausf\u00fchrlich erkl\u00e4rt; das h\u00e4tte den Film nat\u00fcrlich viel zu sehr aufgehalten, deshalb wird es nur durch bildliche Betonung von Details wie Kleidung, R\u00e4umlichkeiten gezeigt. Und indem der <i>clerk<\/i> der Richterin sichtbarer ist als im Buch &#8211; der Umgang mit ihm dient auch ihrer Charakterzeichnung.<\/p>\n<p>Die Filmrezensionen sind gemischt, unter anderem bezeichnen viele die Hauptgeschichte und die Ehe der Richterin als unglaubw\u00fcrdig. W\u00e4hrend ich ersteres noch nachvollziehen kann, fand ich die langj\u00e4hrige, entfremdete Partnerschaft sehr realistisch erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Obwohl die Geschichte durchwegs ernst ist (sogar die leichteren Momente durch die melancholische Filmmusik von Stephen Warbeck gef\u00e4rbt), bekommen wir vom Drehbuch den einen oder anderen L\u00e4chler, an einer Stelle sogar einen lauten Lacher. Fiona fragt ihren <i>clerk<\/i> (aus dem Ged\u00e4chtnis zitiert): &#8220;Have you ever been wild and free?&#8221; Und die treue Seele antwortet nach einem Moment des Verdutztseins: &#8220;No. Thank God. I&#8217;d be hopeless about it.&#8221; (So geht&#8217;s mir auch.)<\/p>\n<p>Den liebenden und verletzten Ehemann spielte ber\u00fchrend Stanley Tucci &#8211; wieder, ich dachte sofort an die \u00e4hnliche Rolle in <i>Julia &#038; Julia<\/i>. Und ich genoss es, Emma Thompson zwei Stunden lang anzusehen, mit jeder Falte, jeder Runzel &#8211; ich freue mich so, dass sie sichtbar altern darf. Ich wei\u00df ja, dass viele Schauspielerinnen schlicht nicht umhin kommen, dem \u00e4u\u00dferen Altern chirurgisch Einhalt zu gebieten &#8211; aber irgendwer muss doch auch die sch\u00f6nen alternden und alten Frauen spielen (die hoffentlich h\u00e4ufiger werden im Kino). Sollen Laura Dern, Darryl Hannah, Gillian Anderson, Michelle Pfeiffer von mir aus 30 Jahre lang wie Mitte 30 aussehen &#8211; aber ich freue mich \u00fcber jemanden wie Judi Dench, Maggie Smith, Helen Mirren, die alle gro\u00dfartig aussehen, lediglich nicht jung.<\/p>\n<p>Daheim war w\u00e4hrend meiner Abwesenheit Herr Kaltmamsell von seiner Rollenspiel-Mission zur\u00fcckgekehrt, lebendig. Ich wusch gleich mal eine Maschine blutgetr\u00e4nkte Schlachtkleidung, las Internet und Zeitung.<\/p>\n<p>Das Abendessen durfte ich verantworten, ich machte nach Langem mal wieder <a href=\"https:\/\/www.davidlebovitz.com\/meatball-sandwich-submarine-grinder-hoagie-torpedo\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">die Meatball Sandwiches von David Lebovitz<\/a>. Das Brot daf\u00fcr hatte ich auf dem Heimweg vom Kino bei einem B\u00e4cker im Hauptbahnhof besorgt &#8211; es ist wirklich praktisch, im Inneren einer Gro\u00dfstadt zu wohnen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/181104_02_Nachtmahl.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/181104_02_Nachtmahl.jpg\" alt=\"\" width=\"391\" height=\"381\" class=\"alignnone size-full wp-image-48039\" \/><\/a><\/p>\n<p>W\u00e4hrend nach dem Essen der interessant erz\u00e4hlte <a href=\"https:\/\/www.daserste.de\/unterhaltung\/krimi\/tatort\/videos\/der-mann-der-luegt-video-102.html\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Tatort &#8220;Der Mann, der l\u00fcgt&#8221;<\/a> lief (weil ganz am Hauptverd\u00e4chtigen dran, wir erfuhren die Hintergr\u00fcnde nur in dem Ma\u00df, in dem dieser Verd\u00e4chtige mitbekommt, was die Ermittler gerade wissen), r\u00e4umte und sortierte ich Wohnung, bereitete den ersten Arbeitstag nach Pause vor, f\u00fchlte mich gehetzt.<\/p>\n<p>B\u00fccher-Challenge, Tag 2,5 (7 Tage, 7 Cover, 7 Namen, keine Begr\u00fcndungen): Fanny Burney, <i>Evelina<\/i>.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/181103_Fanny_Burney.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/181103_Fanny_Burney.jpg\" alt=\"\" width=\"317\" height=\"424\" class=\"alignnone size-full wp-image-48038\" \/><\/a><\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Im <i>Freitag<\/i> schreibt Elsa Koester \u00fcber:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/elsa-koester\/rudel-der-schuhgucker\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">&#8220;Rudel der Schuhgucker<br \/>\nDas Patriarchat unterdr\u00fcckt auch M\u00e4nner. Aber warum wehren sie sich nicht?&#8221; <\/a><\/p>\n<p>via <a href=\"https:\/\/twitter.com\/journelle\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">@journelle<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Viele M\u00e4nner leiden unter dem Patriarchat, k\u00f6nnen sich Feministinnen nicht mit ihnen verb\u00fcnden? Sich solidarisieren? Erstaunlicherweise sind die meisten von ihnen au\u00dfer Stande, etwas gegen dieses System zu unternehmen, das in der Lage ist, einen Wagen von 20 Personen unter die Kontrolle eines Angetrunkenen zu bringen. Es gibt nur eine Situation, in der diese M\u00e4nner Kritik am Patriarchat \u00e4u\u00dfern: n\u00e4mlich dann, wenn Frauen sie daf\u00fcr kritisieren, mitzumachen. \u201eHalt, wir sind gar nicht alle T\u00e4ter!\u201c, protestieren sie dann, \u201ewir leiden ja auch unter den b\u00f6sen Patriarchen! Vielleicht sogar mehr als Frauen\u201c.<\/p><\/blockquote>\n<p> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ssl-vg03.met.vgwort.de\/na\/5ed9be52ee754de48d5e37d4c5ce3a36\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Endlich mal wieder im Kino, wohlbekanntes Gef\u00fchl des Heimkommens in eine ganz spezielle Geborgenheit &#8211; und das, obwohl ich in diesem Kino, dem neuen Metropol, vorher noch nie gewesen war. Nach einer ausf\u00fchrlichen Runde Crosstrainer und neuem Rumpfprogramm nahm ich eine Tram nach Schwabing, um The Children Act anzusehen, die letzte M\u00f6glichkeit. 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