{"id":49485,"date":"2019-01-12T09:11:04","date_gmt":"2019-01-12T08:11:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=49485"},"modified":"2019-01-12T09:11:04","modified_gmt":"2019-01-12T08:11:04","slug":"journal-freitag-11-januar-2019-beifang-aus-dem-internetz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2019\/01\/journal-freitag-11-januar-2019-beifang-aus-dem-internetz.htm","title":{"rendered":"Journal Freitag, 11. Januar 2019  &#8211; Beifang aus dem Internetz"},"content":{"rendered":"<p>Endlich mal wieder recht gut geschlafen, dennoch morgens bleischwer m\u00fcde.<br \/>\n\u00dcber Nacht hatte es nicht weiter geschneit, war aber deutlich frostig geworden. Das Ergebnis: Sehr glatte Wege. Ich war also etwas langsamer und vorsichtiger unterwegs.<\/p>\n<p>M\u00fcde und knatisch wendete ich einen bew\u00e4hrten Trick an, mit dem ich meine Umgebung dazu bringe, mich anzul\u00e4cheln: Ich setzte meine bescheuerte M\u00fctze auf.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/190111_02_SillyHat.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/190111_02_SillyHat.jpg\" alt=\"\" width=\"349\" height=\"422\" class=\"alignnone size-full wp-image-49497\" \/><\/a><\/p>\n<p>Der Trick funktionierte &#8211; live und als Foto auf instagram.<\/p>\n<p>Nach Hause machte ich einen Umweg, um die Zeit an der frischen Luft zu verl\u00e4ngern &#8211; und um im Hertie nach Jahren mal wieder ein Parfum zu kaufen: Ein Pr\u00f6bchen Simply von Jil Sander hatte mir in der Anwendung der vergangenen Wochen richtig gut als Winterduft gefallen.<\/p>\n<p>Daheim wartete Herr Kaltmamsell mit dem freit\u00e4glichen St\u00fcck Fleisch: Wir teilten uns ein Kuhkotelett und a\u00dfen dazu P\u00fcree aus gemischten Ernteanteilr\u00fcben (Pastinake, Sellerie, Kartoffel) sowie einen Rest Zuckerhut.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Emran Feroz kommentiert f\u00fcr <i>\u00dcbermedien<\/i> Mechanismen der Berichterstattung f\u00fcr westliche Medien, die in bestimmte Narrative passen muss und in der die Sicht wei\u00dfer M\u00e4nner dominiert.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/uebermedien.de\/34148\/30-euro-fuer-eine-reportage-aus-kabul\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">&#8220;30 Euro f\u00fcr eine Reportage aus Kabul&#8221;.<\/a><\/p>\n<p>Feroz schildert das am Beispiel der &#8220;M\u00e4r der westlichen Frauenbefreiung am Hindukusch&#8221;.<\/p>\n<blockquote><p>Im Grunde genommen kann ich kaum in Worte fassen, wie sehr mich mittlerweile derartige Charaktere nerven, auch in Afghanistan. Es gibt daf\u00fcr viele Gr\u00fcnde. Sie beuten oftmals lokale Journalisten aus, um am Ende mit deren Arbeit und \u201eExklusivstories\u201c in ihren westlichen Heimatl\u00e4ndern zu brillieren. Fast in allen F\u00e4llen sind es Afghanen, die ihr Leben riskieren, Dr\u00e4hte zu Taliban und Regierung haben und sich in Gefahr begeben. In der Autorenzeile steht ihr Name nur selten. \u201eMohammad X has contributed to this piece\u201c, liest man oft auch in der \u201eNew York Times\u201c oder in der \u201eWashington Post\u201c. Als kritischer Leser sollte man in den Hinterkopf behalten, dass es meistens Mohammad ist, der den Kern der Arbeit leistet und daf\u00fcr mit wenigen hundert Dollar entlohnt wird.<\/p>\n<p>Der Alltag vieler dieser einheimischen Journalisten ist deprimierend. Als ich einmal naiverweise einen Kollegen fragte, warum er sich von einem ber\u00fchmten amerikanischen Medium derart ausbeuten lasse, antwortete er, dass er das Geld brauche, um seine Familie zu ern\u00e4hren. So ergeht es den meisten.<\/p><\/blockquote>\n<p>(&#8230;)<\/p>\n<blockquote><p>Teilweise wurde der Ausbeutungsversuch nicht einmal mehr verschleiert. Ein Redakteur eines bekannten deutschen Mediums bot mir einmal 30 Euro f\u00fcr eine Reportage aus Kabul an. Der angebliche Grund: Eine solche Bezahlung sei \u201ef\u00fcr Afghanen\u201c \u00fcblich.<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Die <i>Brigitte<\/i>-Di\u00e4t wird 50. Seit 50 Jahren also sorgt die <i>Brigitte<\/i> daf\u00fcr, dass Menschen, meist Frauen, wochenlang an nichts anderes denken als an ihren falschen K\u00f6rper und wie sie ihn mit aller Energie reparieren k\u00f6nnen. Manche monatelang, andere Jahre, andere ein ganzes Leben.<\/p>\n<p>Nicola Hinz erz\u00e4hlt in ihrem Blog, welchen Schaden das System in ihrem Leben angerichtet hat und wie die <i>Brigitte<\/i>-Di\u00e4t die etwa zeitgleich gestartete zweite Welle der Frauenbewegung aktiv behindert hat, Kurzfassung: Frauen, die mit aufw\u00e4ndigen und anstrengenden Di\u00e4ten besch\u00e4ftigt sind, haben keine Zeit f\u00fcr Revolution.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/candybeach-editorial.blogspot.com\/2019\/01\/wie-wir-wurden-was-wir-waren-die-letzte.html?m=1\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">&#8220;Wie wir wurden, was wir waren: Die letzte Brigitte-Di\u00e4t&#8221;.<\/a><\/p>\n<p>via <a href=\"https:\/\/twitter.com\/journelle\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">@journelle<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Die Brigitte-Di\u00e4t hat Frauen selbstverst\u00e4ndlich niemals die Kontrolle \u00fcber ihre K\u00f6rper &#8220;zur\u00fcckgegeben&#8221;, sondern sie im Gegenteil seit Jahrzehnten erfolgreich weiterhin davon \u00fcberzeugt, dass ihre K\u00f6rper kontrolliert werden m\u00fcssen, und die Markteinf\u00fchrung der Brigitte-Di\u00e4t vor 50 Jahren w\u00e4re damit eigentlich eher als ein Backlash-Symptom zu bewerten (was sie bis heute geblieben ist) in einer Zeit, in der einige Frauen in der Tat um Gleichstellung k\u00e4mpften (Alice Schwarzer) und andere leider eher nicht (Brigitte).<\/p><\/blockquote>\n<p>Selbst habe ich ja ebenfalls eine lange und schmerzhafte Geschichte mit der <i>Brigitte<\/i>-Di\u00e4t, anhand der erst meine <i>Brigitte<\/i> lesende Mutter, dann ich selbst mich korrigieren wollte. Die bunten Kalorientabellen zum Raustrennen waren konstantes Feature in den K\u00fcchen meiner Kindheit. Das <i>Brigitte<\/i>-Di\u00e4t-Kochbuch, mit dem ich mich eigeninitiativ mit 16 auf Kleidergr\u00f6\u00dfe 36 hungerte, habe auch ich noch rumstehen &#8211; allerdings weil ich immer noch vorhabe, einige Rezepte daraus mal zu pimpen und als Wolllust-Version zu ver\u00f6ffentlichen.<\/p>\n<p>Mit 18 schrieb ich sogar mal an die Redaktion und fragte, wie denn der sonstige Anspruch der Frauenbefreiung mit der Fesselung durch Di\u00e4t zusammenpasste &#8211; und bekam ausf\u00fchrlich Antwort. Wenn ich mich richtig erinnere, war die Rechtfertigung der mehrheitliche gesellschaftliche Wunsch nach Schlankheit.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Im <i>Freitag<\/i> ein lesenswerter Essay von Christian Baron \u00fcber den absurden Stellenwert, den Erwerbsarbeit in unserer Gesellschaft hat.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/cbaron\/du-musst-dein-leben-aendern\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">&#8220;Du musst dein Leben \u00e4ndern&#8221;.<\/a><\/p>\n<p>via <a href=\"https:\/\/twitter.com\/Wondergirl\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">@Wondergirl<\/a><sup><a href=\"#footnote_1_49485\" id=\"identifier_1_49485\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Woran man merkt, dass eine sehr fr&uuml;h auf Twitter war: Solche Handles waren noch zu haben.\">1<\/a><\/sup><\/p>\n<blockquote><p>W\u00fcrden die Arbeitenden ihren Job wirklich so sehr lieben, wie es beim Smalltalk oft den Eindruck erweckt, dann w\u00e4re Erwerbsarbeit so erf\u00fcllend, wie es in Unternehmenswerbespots wirkt, und so erm\u00e4chtigend, wie es die alten Lieder der Arbeiterbewegung behaupten. Wer aber an einem Freitagmorgen das Radio einschaltet, den m\u00fcssen die Moderatoren erst einmal motivieren: \u201eHaltet durch. Nur noch ein Tag, dann ist endlich Wochenende!\u201c<\/p>\n<p>Auf dem Weg zur Arbeit pr\u00e4sentieren sich dann Trauerlandschaften \u2013 ob beim Blick in Nachbarautos, in die Gesichter der Passanten auf der Stra\u00dfe oder jene der Mitreisenden in Bus und Bahn. Psychologen berichten seit Langem von Sonntagsdepressionen. Manche Leute k\u00f6nnen sich demnach an diesem Tag nicht entspannen, weil sie st\u00e4ndig daran denken m\u00fcssen, dass ab morgen wieder eine neue, wom\u00f6glich anstrengende Arbeitswoche bevorsteht.<\/p><\/blockquote>\n<p>(&#8230;)<\/p>\n<blockquote><p>Die gegenw\u00e4rtige Gesellschaft verteilt Anerkennung vor allem nach dem Erwerbsstatus.<\/p><\/blockquote>\n<p>(&#8230;)<\/p>\n<blockquote><p>Dabei macht zu viel Erwerbsarbeit dumm. Lange Arbeitszeiten sch\u00e4digen das Kurzzeitged\u00e4chtnis, sie beeintr\u00e4chtigen die F\u00e4higkeit zu logischem Denken, und sie hemmen den Sprachfluss. Zu diesem Ergebnis kam vor einigen Jahren eine Langzeitstudie unter der Leitung des finnischen Instituts f\u00fcr Arbeitsmedizin. \u00dcber sieben Jahre hinweg wurden 2.214 Angestellte des \u00f6ffentlichen Dienstes in London beobachtet und befragt. Wer mehr als 55 Stunden pro Woche arbeitete, schnitt im Vergleich zu Kollegen mit 40 Wochenstunden und weniger bei entsprechenden Tests deutlich schlechter ab. Das galt auch dann noch, wenn Faktoren wie Alter, Einkommen oder Bildung ber\u00fccksichtigt wurden. Da in den meisten Jobs ein gewisser Grad an Kompetenz eine wichtige Einstellungsvoraussetzung ist, gehen die Forscher davon aus, dass Karrieristen und Workaholics unges\u00fcnder leben und an Geisteskraft verlieren.<\/p><\/blockquote>\n<p>(&#8230;)<\/p>\n<blockquote><p>Je weiter unten jemand in der Einkommenspyramide steht, umso weniger frei kann er entscheiden, auf Teilzeit umzuschalten. Gemeinsam ist den Selbstoptimierern der Mittelklasse und den Neosklaven der Unterklasse jedoch, dass abh\u00e4ngige Besch\u00e4ftigung die totale Unterwerfung verlangt. Damit sich dem m\u00f6glichst wenige verweigern, haben Wirtschaft und Politik die Erwerbslosigkeit systematisch unbequemer gemacht. Umfragen zeigen, dass in Deutschland die Bev\u00f6lkerungsmehrheit nichts an der Arbeitspflicht \u00e4ndern will.<\/p><\/blockquote>\n<ol class=\"footnotes\"><li id=\"footnote_1_49485\" class=\"footnote\">Woran man merkt, dass eine sehr fr\u00fch auf Twitter war: Solche Handles waren noch zu haben.<span class=\"footnote-back-link-wrapper\"> [<a href=\"#identifier_1_49485\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/span><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Endlich mal wieder recht gut geschlafen, dennoch morgens bleischwer m\u00fcde. \u00dcber Nacht hatte es nicht weiter geschneit, war aber deutlich frostig geworden. Das Ergebnis: Sehr glatte Wege. Ich war also etwas langsamer und vorsichtiger unterwegs. 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