{"id":53123,"date":"2019-07-06T06:45:42","date_gmt":"2019-07-06T04:45:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/?p=53123"},"modified":"2020-02-05T16:37:20","modified_gmt":"2020-02-05T15:37:20","slug":"journal-freitag-5-juli-2019-reha-behandlungen-und-the-english-patient","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/2019\/07\/journal-freitag-5-juli-2019-reha-behandlungen-und-the-english-patient.htm","title":{"rendered":"Journal Freitag, 5. Juli 2019 &#8211; Reha-Behandlungen und <i>The English Patient<\/i>"},"content":{"rendered":"<p>Das Weckerklingeln nach neun Stunden Schlaf riss mich aus Tr\u00e4umen. Ich h\u00e4tte gerne noch weitergeschlafen, hing dann auch beim Bloggen schlapp \u00fcber meiner Tastatur &#8211; wo ich doch sonst morgens munter bin.<\/p>\n<p>Tagesstart wieder &#8220;Freies Konditionstraining&#8221;, also nach einer Tasse Tee im Speisesaal als Anwesenheitssignal (damit sich niemand Sorgen macht, mir k\u00f6nnte nachts etwas passiert sein &#8211; so wurde die Bitte um Fr\u00fchst\u00fccksteilnahme begr\u00fcndet): Crosstrainerstrampeln.<\/p>\n<p>Ich verbl\u00f6de. Meinen Sie, ich k\u00f6nnte mir auch nur drei Reha-Termine hintereinander merken? Aber nein, jeden schlage ich f\u00fcnf bis zehn Mal nach. Dass der Umschlag meines Therapieplans schon jetzt ziemlich durchgenudelt aussieht, liegt vor allem daran, dass ich ihn bei bislang 15 Terminen sicher schon hundert Mal in der Hand hatte und nachschlagen musste.<\/p>\n<p>N\u00e4chster Programmpunkt &#8220;Brain light&#8221; (Sie erinnern sich: Massage durch Sessel).<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/190605_01_Brainlight.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-53137\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/190605_01_Brainlight.jpg\" alt=\"\" width=\"363\" height=\"453\" \/><\/a><\/p>\n<p>Entschuldigung, <a href=\"https:\/\/gfycat.com\/carefreeexcitabledavidstiger-matt-leblanc-friends\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">ich habe <i>st\u00e4ndig<\/i> diese Szene im Kopf<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/190605_03_Brainlight.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-53138\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/190605_03_Brainlight.jpg\" alt=\"\" width=\"431\" height=\"334\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die Musik aus dem Kopfh\u00f6rer stellte ich auf leisest, die Brille blieb dunkel (m\u00f6glicherweise Teil des gew\u00e4hlten Programms, m\u00f6glicherweise kaputt, mir war&#8217;s recht). Die Massage bestand aus vielen Knubbeln, die aus dem Sessel kamen, der Sessel ver\u00e4nderte den Winkel, der Druck entstand mit der Schwerkraft des eigenen K\u00f6rpers und war angenehm. Ich bemerkte die asymetrischen Verspannungen meiner R\u00fcckenmuskulatur, am verspanntesten (also mit schmerzhaftester Reaktion auf den Knubbel) eine durchaus unerwartete Stelle. In der n\u00e4chsten Runde lasse ich Kopfh\u00f6rer und Brille einfach weg, auch wenn dann mein <i>brain<\/i> kein <i>light<\/i> bekommt.<\/p>\n<p>Noch mehr Entspannung wenig sp\u00e4ter bei &#8220;Rotlicht&#8221;: Mit blo\u00dfem Oberk\u00f6rper wurde ich b\u00e4uchlings auf einer Liege platziert, w\u00e4rmendes Licht auf die Lendenwirbels\u00e4ule.<\/p>\n<p>Zum Mittagessen nahm ich den Mittwochabend gekauften H\u00fcttenk\u00e4se mit: Milchprodukte wie Quark und Joghurt gibt&#8217;s nur zum Fr\u00fchst\u00fcck, das ich ja auslasse.<\/p>\n<p>Gestern ein kurzes Reha-Programm, nachmittags hatte ich nur noch einen Workshop &#8220;R\u00fcckengerechtes Arbeiten\/PC&#8221;: Grunds\u00e4tzliches, Anekdoten und Geschichten, aber wir konnten auch verschiedene ergonomische B\u00fcrost\u00fchle durchtesten. Einen solchen hat mir mein Arbeitgeber ja bereits gestellt, jetzt habe ich ein paar Ideen zu seinem sinnvollen Einsatz.<\/p>\n<p>Allgemein: Sch\u00f6n anzusehen sind die Bewegungsmuster anderer Patientinnen und Patienten, an denen ich meine wiedererkenne, zum Beispiel die besonders vorsichtigen ersten Schritte nach dem Aufstehen von einem Stuhl (k\u00f6nnte ja sein, dass es in die LWS sticht oder dass ein Bein gerade nicht mag).<\/p>\n<p>Nachdem es vormittags wolkig und frisch gewesen war, schien schon mittags wieder die Sonne von blauem Himmel. Nach Siesta (Kopfweh fast ganz weg) spazierte ich nochmal ins \u00d6rtchen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/190605_07_Kurpark.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-53139\" src=\"https:\/\/www.vorspeisenplatte.de\/speisen\/archiv\/190605_07_Kurpark.jpg\" alt=\"\" width=\"528\" height=\"393\" \/><\/a><\/p>\n<p>Jetzt m\u00fcsste ich aber wirklich durch sein.<\/p>\n<p>V\u00f6gel bislang: Mauersegler, Amseln, Singdrosseln, Elstern, Eichelh\u00e4her, Grasm\u00fccke (letztere drei habe ich bislang nur geh\u00f6rt, nicht gesehen), aber auch mindestens ein unvertrautes Vogelgesinge. Ich war ja bisher nicht viel drau\u00dfen.<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Ich las Michael Ondaatjes <i>The English Patient<\/i> aus und habe einen Neuzugang auf meiner Lieblingsbuchliste. Ondaatjes Erz\u00e4hlkunst (ich kannte davor <i>The Cat&#8217;s Table<\/i> und <em>Warlight<\/em>) ist sehr beeindruckend, im <i>English Patient<\/i> webt er damit eine einzigartige Geschichte, mit vier einzigartigen Menschen, die 1945 in einer zerbombten toskanischen Villa, zuletzt als Frauenkloster genutzt, zusammenkommen. Es sind viele sehr bilderstarke Szenen, die Ondaatje mit wenigen Details und \u00fcberraschenden Metaphern zum Leben erweckt. Es geht um nicht weniger als Liebe, wie sie Menschen erfasst, wie verschieden sie sich anf\u00fchlt, wie sie den Kern einer Pers\u00f6nlichkeit ver\u00e4ndert oder auch nicht. Hana, die gebrochene, zwanzigj\u00e4hrige Krankenschwester aus Toronto, die gerade sie selbst wird. Der verbrannte Engl\u00e4nder, dessen gegenw\u00e4rtiges Innenleben wir nie zu sehen bekommen, der nur aus Vergangenheit, historischer und kunsthistorischer Bildung besteht. Der Dieb Caravaggio, der Hana in Toronto hat aufwachsen sehen, jetzt ebenfalls gebrochen ist, aber anders als sie. Und Kip, der anglophile Sikh, eine isolierte Menscheneinheit, schwankend zwischen Vertrauen und Abgrenzung.<\/p>\n<p>Ich mochte auch sehr die deutliche Erz\u00e4hlerstimme, die allerdings (nach meiner Z\u00e4hlung) nur an zwei Stellen explizit wird, einmal in einem die Leserschaft umarmenden &#8220;we&#8221; und dann im vorletzten Absatz des Romans, als sie Kips und Hanas Leben Jahrzehnte sp\u00e4ter skizziert: &#8220;She is a woman I don&#8217;t know well enough to hold in my wing, if writers have wings, to harbour for the rest of my life.&#8221;<\/p>\n<p>\u00a7<\/p>\n<p>Die <i>jetzt<\/i>-Kolumne von David W\u00fcrtemberger, die ich seit Beginn sehr interessiert, bewegt und oft traurig lese:<\/p>\n<blockquote><p>Als Teenager f\u00fchrte unser Autor ein Online-Tagebuch. Es begleitete seinen langen, harten und oft einsamen Weg zu seinem Coming-out und zu der Person, die er heute ist. In dieser Kolumne schreibt er heute, mit 33, seinem j\u00fcngeren Ich die Briefe, von denen er glaubt, dass sie ihm damals geholfen h\u00e4tten.<\/p><\/blockquote>\n<p>Die neueste Folge:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.jetzt.de\/gender\/coming-out-kolumne-homophobie-im-privaten-und-im-job\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">&#8220;Auch wer sich nicht f\u00fcr homophob h\u00e4lt, ist es oft&#8221;.<\/a> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/8e15184ea6cb460dbfc12d8dc4159993\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Weckerklingeln nach neun Stunden Schlaf riss mich aus Tr\u00e4umen. Ich h\u00e4tte gerne noch weitergeschlafen, hing dann auch beim Bloggen schlapp \u00fcber meiner Tastatur &#8211; wo ich doch sonst morgens munter bin. 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